No Names (21)

16. April 2014 von Klaus Jarchow

Den Kevn Kinney (Ex-Drivin-n-Cryin) habe ich stets sehr geschätzt, vor allem, weil auch mit Frauen keine Geschmacksdebatte entstand, wenn man ihn ins Laufwerk schob. Stimmlich ist er nämlich so eine Art ‘Smokey für intelligente Weiber’:

Das Sabbeln von ‘Putschisten’

16. April 2014 von Klaus Jarchow

In Kiew seien nur ‘Putschisten’ an der Regierung, heißt es in allen Foren von Seiten der russophilen Astroturfer. Ich möchte doch mal daran erinnern, dass – mit der verschwindenden Ausnahme einiger Getürmter – das ukrainische Parlament heute noch aus den gleichen Abgeordneten besteht, die schon unter Janukowitsch gewählt wurden. Unter wie dubiosen Umständen damals auch immer. Es ist also noch immer das alte gewählte Parlament unverändert im Amt, der Kern aller Staatsgewalt in einer Demokratie. Dieses Parlament hat dann im Februar eine Regierung mehrheitlich abgesetzt. Das ist sein vornehmstes Recht, die gesetzgebende Versammlung wählt die Regierung – und es wählt sie ab. Eine Regierung, die keine parlamentarische Mehrheit mehr hat, die muss zurücktreten. Sie verliert ihre Legitimität.

Weshalb die Abgeordneten von Janukowitschs ‘Partei der Regionen’ ihrem Sugar Daddy plötzlich die Treue aufgekündigt haben, spielt dabei keinerlei Rolle – im Kern verlor er wohl, als er das große Schlachten auf dem Maidan plante, endgültig die Unterstützung seiner Oligarchen, welche mehr an ‘Bizziniss’ als an Blut interessiert sind, und die in diesem korrupten Staatswesen nun mal die Mehrheit der Abgeordneten in Lohn und Brot halten. Es geht mir hier nur um die Formalien eines ‘Putsches’ oder ‘Nichtputsches’, nicht um Janukowitschs Korruption und um massiven Lobbyismus. Gewählte Abgeordnete haben dann eine neue Regierung gewählt. So what?

Weit und breit ist in der Ukraine – bisher jedenfalls – kein Putsch in Sicht, nur der Sturz einer korrupten Regierung, die ihre Mehrheit verlor. Und ihr abgesetzter Präsident ist ihnen schlicht entlaufen. Von einem Putsch ließe sich eher schon im Falle der Krim reden, wo eine nichtgewählte Schar von dahergelaufenen Polit-Bandidos, ausgestattet mit einem russischen Mandat, eine formal ungenügende Zahl von Abgeordneten mit vorgehaltener Kalaschnikow zwang, brav ‘Mäh’ zu sagen …

Die Russovielen

15. April 2014 von Klaus Jarchow

Gute Zusammenfassung dessen, was passieren würde, wenn man all deren Kommentare in einen Mixer schmeißt und aus dem Verbalbrei die Quintessenz zieht:

“Die als Russen verkleideten russischen Kämpfer sind von der CIA, der NSA, der EU und Majestix geschickt, um Verwirrung zu stiften! Das habe ich auf www. ru.ru.ru.ru gelesen. Echt!”

Immerhin scheint diese Iaah!-Iaah!-blökende Debilenfront mehr und mehr Lesern auf den Keks zu gehen … beim ‘Standard’ bildet sich sogar eine Gegenfront, die sie permanent ins offene Messer der Ironie laufen lässt.

Guten Tag!

15. April 2014 von Klaus Jarchow

Wir sind Separatisten und treue Söhne des Volkes hier aus der Region – leider völlig verwirrt. Könnten Sie uns bitte mal sagen, wie wir zum Rathaus kommen?

“Viele Besetzer nennen sich selbst „Hiesige“, fallen aber den Einheimischen durch Ortsunkenntnis auf.”

Wer Interesse an einem Bericht aus dem ‘Herzen der Finsternis’ hat:

“Wer nicht jubelt, ist ein Volksfeind. Gehört zur fünften Kolonne, zu den Finsterlingen vom State Departement. Das stalinistische Vokabular ist vollständig wiederhergestellt: Verräter, Abtrünnige, Helfershelfer der Faschisten. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Stalinisten jetzt orthodox sind.”

Wo gibt’s denn sowas?

14. April 2014 von Klaus Jarchow

Vor allem die intellektuelle Fraktion der deutschen Rechten applaudiert der im Bushido-Stil vorgetragenen Agitation gegen allerlei “linksgrün-versiffte” Dogmen.”

Leibhaftige ‘Rechtsintellektuelle’? Das klingt doch wie Ketchup-Pralinen, wie Schweinefleisch-Veganer oder Viereck-Reifen. Diese Spezies ist ausgestorben ungefähr schon seit Schopenhauers Tagen. Naja, der Botho Strauß vielleicht oder der Peter Handke – die schrammen ab und zu am unteren Rand des allenfalls Diskusionswürdigen entlang. Was aber hätten die nun wieder mit diesem Brunzchichi und seinen Katzen-Krimis zu tun? Dem zu applaudieren ist schlicht ein Debilitätsnachweis. Was kommt als nächstes? Wird uns Eva Herman als Nobelpreiskandidatin präsentiert, zieht Sarrazin in die Académie Francaise ein …?

In Russland gibt’s übrigens einen, der ernst zu nehmen wäre – Putins Merlin, dieser Alexander Dugin. Den kennt hier leider kaum jemand, sonst würde nicht derart viel über ‘Putins Absichten’ gerätselt …

Vorauswissende

12. April 2014 von Klaus Jarchow

Ein vermummter Wächter sagte der Nachrichtenagentur AP, sie hätten «nur eine Forderung: ein Referendum und den Beitritt zu Russland».

Tscha, das sind mindestens zwei Forderungen – und was machen die, wenn das Referendum keinen ‘Beitritt zu Russland’ ergeben sollte, schließlich leben dort mehr Ukrainer als Russen? Aber schon klar – das wird alles so ausgehen, wie die sich das vorstellen. Wer die vorgehaltenen Waffen hat, gewinnt – natürlich ganz demokratisch … übrigens liegen diese Kleinstädte, wo sich der ‘Volkszorn’ jetzt so besetzerisch Luft macht, wohl kaum zufällig alle an den Hauptverbindungsstraßen nach Kiev.

Schweizer Medien scheinen für die russischen Astroturfer übrigens noch nicht so interessant zu sein (kein EU-Mitglied?). Jedenfalls führt dort im ‘Tagesanzeiger’ bei den Empfehlungen bislang dieser Kommentar die Rangliste haushoch an, während bspw. bei SpOn die Gülle prompt meterhoch durch alle Gänge schwappt:

“Es wird nicht lange gehen, bis hier wieder der bekannte Kreis einiger Kommentatoren sagen wird, dass die ganzen Unruhen durch westliche Provokation verursacht seien – schliesslich wird es ja schon lange so auf RT dargestellt und die Darstellung in russischen, regierungsnahen Medien sind ja für diese Kommentatoren “per definitionem” wahr, während die westlichen Medien natürlich alle durch die USA gesteuert sind – na ja, jedem das Seine!”

Es dürfte übrigens nicht mehr lange dauern, bis die Panzer rollen – und ich hoffe nur, dass ich mich irre. Diese zaghafte Gegenwehr eines schwachen Staates im Aufbau hat Putin mit seiner Destabilisierungsstrategie ja zu provozieren versucht, sie könnte ihm jetzt auch die ‘Legitimation’ für den Einmarsch geben. Woraufhin alle einschlägigen Foristen im Chor Beifall heulen dürften – von ganz links und von ganz rechts, weil’s ja gegen ‘George Soros’, die ‘EUSA’, den ‘Faschismus’ oder gegen ‘Blackwater’ geht – oder welche Chimären ihnen sonst noch durchs kleine Gehirn furzen mögen:

‘Ukraine startet “Anti-Terror-Einsatz” in Slawjansk’.

Tscha, Herr Lawrow, ganz egal, um welche Figuren mit welchen Absichten von welcher Herkunft es sich auch immer handelt, Hauptsache ‘russischsprachig’? Die entscheidende Frage ist doch immer, welche ‘Bemühungen’ kämen denn dann russischerseits ersatzweise ‘zum Einsatz’?

“Jegliche Anwendung von Gewalt gegen russischsprachige Menschen würde die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts unterlaufen, sagt Außenminister Sergej Lawrow.”

Nun ja, das ist ein weites Feld. Nahezu alle Ukrainer sind durch die Bank auch ‘russischsprachig’. Des Pudels Kern dürfte eher darin bestehen, dass die russische Rüstungsindustrie von Zulieferungen aus dem Donbass existentiell abhängig ist … ansonsten aber darf jeder gern weiterhin so dämlich sein, wie er will:

“USA provozieren Einmarsch Russlands in der Ukraine.”

War’s nicht doch eher China oder Japan? Ansonsten – und medienhistorisch – ist natürlich jenes Phänomen interessant, wonach etwas deshalb in den Augen unserer neuen Rechtslinken gar nicht wahr sein kann, weil es in der Zeitung stand …

Gelegentlich frage ich mich ja auch, ob Putin sich das so gedacht hat – die Ostukraine ist schließlich nicht die Krim:

“Ukrainian supporters surrounded the smaller group of pro-Russian protesters. The two sides were being separated by police. Buses were expected to take the pro-Russian protesters away. More people from the pro-Ukrainian side came and shouted “shame on you” and “glory to Ukraine.”

Tscha – die Mehrheit will wohl keinen hergelaufenen Faschisten als neues Haupt der Stadtverwaltung. Nur zur Illustration, mit welchen Figuren man es bei den ‘Aufständischen’ dort zu tun hat – und ich zitiere hier bewusst mal die der US-Komplizenschaft unverdächtigen ‘indymedia’ (ein paar Linke, die man so bezeichnen darf, scheint’s ja doch noch zu geben):

“In Donezk wurde Anfang März die Stadtverwaltung von russlandtreuen DemonstrantInnen besetzt und ein gewisser Pawel “Che” Gubarjow ernannte sich zum “Volksgouverneur”. Das Haus wurde geräumt. Nach einer Wiederbesetzung und erneuten Räumung wurden Gubarjow und über 70 AnhängerInnen verhaftet, was in manchen linken Medien im Westen als “Massenverhaftung von AntifaschistInnen” dargestellt wird. Tatsächlich ist Gubarjow trotz seines “linken” Spitznamens nichts weiter als ein russischer Chauvinist, er war früher in der RNE (Russische Nationale Einheit, Vorläufer der inzwischen verbotenen Nationalbolschewistischen Partei/Nazbol, die eine Synthese aus Hitler und Stalin zum Ideal hatte) und dann Abgeordneter der rassistischen, ultrakonservativen und antisemitischen PSPU (heißt eigentlich “Progressiv-Sozialistische Partei der Ukraine”, hat aber mit Sozialismus soviel zu tun wie unsere “Nationalen Sozialisten”).”

Und man ist ja erfreut, wenn mal jemand schreibt, was allen klar vor Augen liegt, die nicht verblendet sind:

“Moskau ist, das lässt sich nicht wegdeuten oder schönreden, derzeit Kriegstreiber, nicht Lösungssucher.”

Zombifizierung

12. April 2014 von Klaus Jarchow

Zombie-Survival-Games sind derzeit der ‘heißeste Scheiß’ auf dem Spiele-Markt. Als Dean Hall, der kreative Kopf des DayZ-Mods, seinen ‘Standalone’ von DayZ als ‘Pre-Alpha-Release’ öffentlich machte, schlugen innerhalb weniger Tage anderthalb Millionen Spieler zu – für ein Pre-Alpha, für ein Spiel also, das noch viele zentrale Funktionen vermissen lässt und derzeit verflöhter ist als ein Hofhund auf dem Balkan. Mit u.a. ‘Nether’, ‘Seven Days to Die’ oder ‘H1Z1′ sind weitere Spiele in der Mache, H1Z1 soll irgendwann die gesamte Fläche der USA als Endzeit-Szenario umfassen.

Interessanter als diese Spiele ist für mich die Frage, wie plötzlich eine solche Faszination für derartige Settings entsteht, die im Kern gar kein klassisches Spielziel mehr haben. Denn das ist neu: Der Spieler muss in solchen Spielen nur noch möglichst lange überleben – und er wird dies nie allzu lange tun.

Zu Beginn des Spieles wird jeder arme Newbie in eine Welt geworfen, die nach einer Seuche nur noch von Zombies, von anderen Mitspielern und von wilden Tieren bevölkert ist. Das ist das übliche Szenario einer ‘Zombie-Apocalypse’, das allen diesen Spielen gemeinsam ist, es ist das einzig ‘phantastische Element’ in dieser Spielwelt. Am Leib trägt der Neuling meist nur ein T-Shirt und eine Jeans, alles Dinge, in denen er – mangels Taschen – nur wenig verstauen kann. Er ist absolut limitiert, der erste Rucksack ist noch weit. Was er zum Leben braucht, muss er sich ‘looten’, also aus fotorealistisch leerstehenden Häusern, Tankstellen und Fabriken zusammenklauben. Das Problem besteht immer darin, dass solche Gebäude meist auch besonders zombie- und mitspielerverseucht sind. Also flieht er erst einmal in die endlosen Wälder, um in leerstehenden Gehöften, auf Hochsitzen usw. das Nötigste an sich zu bringen. Und hoffentlich klappt das schnell, denn Hunger und Durst wachsen, das Wasser in den Seen ist verseucht, ein Sturz zieht Beinbrüche nach sich. Kurzum, auch ohne Feinde gibt es schon viele Todesarten – und wer stirbt, fängt ganz von vorne an, ohne die errungene Ausrüstung und auch ohne alle erworbenen ‘Erfahrungspunkte’, wie man dies bspw. aus Rollenspielen kennt.

Bei Zombies handelt es sich klarerweise immer um Feinde, die man mit etwas Glück zunächst mit der ersten, glücklich errungenen Mistgabel meuchelt. Viel gefährlicher sind aber allemal die werten Mitspieler, die einen mittels ‘Headshot’ ohne Vorwarnung von der Spielfläche putzen, um an unser Loot zu kommen. Wer glaubt, dass in Überlebensspielen die wenigen verbliebenen ‘Survivors’ sozial handeln würden, der irrt. Es kommt zwar vor, aber es ist selten. Und bevor sich Gruppen bilden, ging ihrem Zusammenschluss eine lange Reihe ‘vertrauensbildender Maßnahmen’ voraus – oder man hat sich mit Freunden aus dem wirklichen Leben zu einer Session verabredet. Meist aber hebt man im Spiel die offene Hand, spricht sein ‘Friendly’ ins Mikrofon – und ‘Bäng!’ Also lässt man es irgendwann bleiben. Mit einem Wort: Ein Zombie-Survival-Game ist Frust pur, eine einzige Kette von Niederlagen.

Hier knüpfen alle diese Zombie-Games meines Erachtens an reale Erfahrungen an, die immer mehr Menschen im ‘real life’ machen: Die Umwelt ist feindlich geworden, der Mitmensch ist bloß ein Konkurrent, ein Aufstieg und das Erreichen von Zielen kaum mehr möglich, und am Ende frisst dich sowieso die Katze. Es ist der Abgesang auf den liberalen Traum, wonach jeder seines Glückes Schmied sei. Das Maximum, was du erreichen kannst, sind ein paar Stunden mehr auf dieser Welt. Anderen Menschen zu trauen, wäre ein grundlegender Fehler, am besten, man geht ihnen aus dem Weg. Während alle lohnenden Orte dieser Welt längst von herumtaumelnden Zombies okkupiert sind, wobei mir die Stellvertreter-Metapher für diese Wesen noch nicht recht klar ist.

Der Fokus liegt damit einzig auf dem Erwerben von rettenden Fähigkeiten, auf dem Bau von schützenden Unterständen, denn nachts wird es meist doppelt grauslich, oder auf dem Fitmachen von Autowracks usw. Und natürlich auf der schieren Größe der Spielwelt, wo man sich im Falle eines Falles herrlich ‘verpissen’ kann, wäre da nicht dieses ewige Bedürfnis nach Essen, Trinken oder Medizin, das einen in bewohntere Gefilde zurückzwingt. Derartige Zombie-Maps erreichen nämlich durchaus die Größe eines europäischen Mittelstaats, mit Städten, Dörfern, überwucherten Autobahnen usw.

Während es in anderen Spielen – in Rollenspielen zum Beispiel – durchaus darum geht, wie auch in einem x-beliebigen Unternehmen sozusagen als Angestellter, befohlene Quests zu erfüllen, um dabei auch seine sozialen Fähigkeiten zu entwickeln etc., da reflektieren diese Survival-Spiele eine gnadenlose ‘Zombifizierung der Welt’. Es ist das denkbar größte Gegenmodell zur herrschenden Ideologie: ‘Die-da-oben’ haben die Welt endgültig in die Grütze geritten, jeder individuelle Aufstieg ist seither eine Chimäre und der Mensch ist des Menschen Wolf geworden. Womit ich nichts gegen die Wölfe gesagt haben will. Spiele-Trends aber reflektieren in meinen Augen immer auch gesellschaftliche Trends …

*Disclaimer: Ich habe ungefähr 50 Spielstunden in die DayZ-Mod gesteckt, sonst wüsste ich ja nicht, wovon ich rede. Das ursprüngliche DayZ, mit dem alles begann, war eine Modifikation von Arma II, der wohl ausgefeiltesten Militärsimulation auf dem Markt, ein Spiel, das – anders als DayZ – immer ein Nischenprodukt geblieben ist. Wen’s interessiert, hier einige Let’s-Play-Videos zum Thema:

Juden ergreifen das Wort

11. April 2014 von Klaus Jarchow

Shekhovtsov, selbst russischsprachiger Ukrainer, deutete gar an, es könne sich bei dem Rechten Sektor um ein vom Janukowitsch-Regime gefördertes und von prorussischen Provokateuren durchsetztes “Projekt” handeln, das dazu diene, die ukrainische Demokratiebewegung zu diskreditieren. Was zunächst wie eine sehr gewagte These klingt, gewinnt an Plausibilität, wenn man sich vor Augen führt, dass es in der Ukraine auch prorussische faschistische Formationen gibt, die, so Shekhovtsov, eigentlich “derselben Subkultur” angehören wie die ukrainischen – mit undurchsichtigen Durchdringungen.”

Man fördert demnach ideologisch höchst erwünschte antisemitische Kräfte bewusst durch ‘vierte Kolonnen’, um mittels solcher Counter-Insurgency die eigenen Absichten voranzutreiben – oha, wenn schon Verschwörungstheorien, dann bitte plausible wie diese. Vermutlich ist all das aber zu raffiniert für unser übliches Blödel- und Brachial-Kommentariat … den Hinweis auf einen neuen “romantischen Militarismus” als vereinigendes Band vormals scheinbar unvereinbarer Bestrebungen fand ich übrigens richtig erhellend. Die ‘reinigende Kraft’ eines universalen Aufstands von unten, das ist wohl das, was sie jenseits aller Ideologie und Vernunft zusammenführt.

Gerade, weil das zum Teil Faschisten sind, traue ich solchen Faschisten auch zu, dass sie für Putin arbeiten – um es mal klar zu sagen. Die Bandera-Bewegung war ja auch am Kriegsende ein militanter Bestandteil des sowjetischen Partisanenkampfes. So etwas darf man heute in Russland nicht laut sagen, ich weiß …

Für den Zettelkasten (20)

10. April 2014 von Klaus Jarchow

Was war das für ein Sinn? Der eines ganzen Zeitalters. Er hieß Liberalismus. Oder enger gesprochen: liberaler Journalismus. Muß ich sagen, was dieser liberale Journalismus fast ein Jahrhundert lang bedeutete? Ihr wißt alle, was ihr ihm zu danken habt und worin ihr recht hattet. ihn zu schmähen. Er hatte eine sonderbare Aufgabe und eine noch sonderbarere Autorität. Seine Aufgabe: dem Besitz den Anschein einer höheren Sittlichkeit zu verleihen, den nackten Begriff ‘Geld’ mit geist- und golddurchwirkten Vorhängen, als da genannt werden: Beethoven – das absolute Ich – a priori und a posteriori – Kulturgewissen – Goethe – der kategorische Imperativ – zu verdecken. … Noch seltsamer war es um die Autorität dieses Journalismus bestellt: eine ungemessene Fähigkeit, das Denken der Zeitgenossen theoretisch zu bestimmen, verband sich bei ihm mit einer gleich starken Unfähigkeit, irgend etwas, was sich gegen ihn ereignen könnte, praktisch zu verhindern; er zog eben, gleich einer Theaterbühne, seine Wirkung ausschließlich aus sich selber und verlor sie immer mit dem Augenblick. wo die Vorstellung zu Ende (d.h. der Leser wieder bei seinem Tagewerk) war.”
Anton Kuh, Zeitgeist im Literatur-Café, 117 f 

Der rechte Mop

10. April 2014 von Klaus Jarchow

Während der rechtsradikale Mop weiterhin staatliche Einrichtungen in der Westukraine straffrei unter der Bezeichnung gesellschaftliche Aktivisten besetzt werden zwischenzeitlich Panzer gegen die Ostukrainer aufgefahren die staatliche Einrichtungen unter diskriminierender Bezeichnung prosussische Separatisten in der Ostukraine besetzen aufgefahren.”

Yep – blankes Kisuaheli. Dies diene nur als Beweis für mein ständiges Reden: Wer keinen geraden Satz auf die Reihe bekommt, der kann auch nicht gerade denken. Man könnte auch sagen, die Sprache sei geradezu das Mittel des Denkens, ein ziemlich unzureichendes sogar. Wir haben nur kein besseres … und mit Hilfe ihres O-Tons wird man sie dann auch entdecken: die Konfettidenker, die Schifferknotendenker, die Hamsterraddenker, die Brülldenker, die Blechschmieddenker, die Heißluftdenker usw.