Der dritte Faschismus

01. August 2015 von Klaus Jarchow

Große Aufregung über den Titel eines Buches, das sich mit den nationaltiroler Kitschrockern von Freiwild befasst:

„Doch leider beginnen die Probleme des Buches bereits mit dem Titel: »Freiwild. Südtirols konservative Antifaschisten«.

Natürlich muss eine Combo, die in schwülstigen Zeilen mit Opas Vokabular ständig ein Tiroler Heimatgefühl beklampft, gegen die zwei ‚großen‘ historischen Ausprägungen des Faschismus sein, in personam gegen Hitler und Mussolini. Die hatten Tirol schließlich mal schiedlich-friedlich unter sich aufgeteilt.

Vergessen wird dabei aber allzuleicht, dass es vor dem Anschluss Österreichs eine dritte Spielart des Faschismus in Europa gab: den österreichischen ‚Austrofaschismus‘ oder ‚Klerikalfaschismus‘, der eng mit Namen wie Seipel, Dollfuß und Schuschnigg verbunden ist. Das war ein antislawischer, antidemokratischer und antisemitischer Gröhlfaschismus unter dem Dach der katholischen Kirche (jaja!), der genauso unsympathisch war wie das deutsche oder italienische Pendant.

An diese österreichische Tradition der Christlichsozialen Partei und der Heimwehren knüpfen Freiwild an (ähnlich übrigens wie die FPÖ). Insofern ist es Blödsinn, sie als ‚Anti-Faschisten‘ zu glorifizieren, auch wenn ihre Vergangenheitsbeschwörung mit Hitler oder Mussolini wenig am Hut hat, denn das Ziel des Austrofaschismus war es, die Nationalsozialisten noch zu „überhitlern“.

Mutti wird Großmutti

01. August 2015 von Klaus Jarchow

Kanzlerin Angela Merkel hat sich offenbar entschieden, bei der Bundestagswahl 2017 noch einmal anzutreten“.

Ganze Generationen würden dann im Zeichen der Raute visionsbefreit aufgeblüht sein. Und Siggi Flopp bleibt Vizekanzler. Darauf einen Dujardin …

Außen vor

31. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Das Bundesinnenministerium hat laut ZDF Kenntnis von der Anzeige des Verfassungsschutzpräsidenten gegen das Blog netzpolitik.org gehabt. … Ein Ministeriumssprecher sagte heute.de, der Minister habe von der Anzeige keine Kenntnis gehabt. Das würde bedeuten, dass de Maizière von seinen hochrangigen Beamten nicht informiert worden wäre.“

Im Klartext: Der Trottel da oben muss ja nicht alles wissen. Ob nun EU oder Bundespolitik, die nachgeordnete Funktionärsebene macht sich zunehmend selbständig. An der Spitze finden wir dann Grüßonkels mit repräsentativen Aufgaben …

Ich bin wohl zu blöd …

31. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Wie kann man ein ‚Staatsgeheimnis‘ verraten, das faktisch nur als ‚VS-vertraulich‘ eingestuft ist? Hatte die Firma ‚Horch & Guck‘ den passenden Stempel verlegt? Naja, das kann ja vorkommen bei einem Amt, das seit Jahren eher durch seine Fehlleistungen für Furore sorgt (s. NSA und NSU). Sicherlich werden wir dank dieser Verhandlung auch erfahren, dass in Wirklichkeit der Markus Beckedahl Merkels Handy abgehört hat, und dass der Verfassungsschutz so rein gar nichts dagegen machen konnte …

Wolfgang, alleine!

30. Juli 2015 von Klaus Jarchow

IWF-Mitarbeiter warnen ihren Verwaltungsrat: Der Fonds sollte Griechenland nur frisches Geld geben, wenn überzeugende Reformen in Sicht sind – und ein Schuldenschnitt.“

Was jetzt? Den IWF rauskaufen und ganz allein den schwäbischen Bollerkopp für die nachfolgende Malesche hinhalten? Ob das aber klug wäre? Okay, okay, darum geht es ja längst nicht mehr … aber was schreibt denn der Gabor Steingart vom ‚Handelsblatt‘ dort in seinem Newsletter für’n unverantwortliches Zeug:

„Angela Merkel hat eine neue Gegenspielerin: IWF-Chefin Christine Lagarde will neues Geld für Griechenland nur dann auszahlen, wenn Europa sich zum Schuldenschnitt entscheidet. Athen könne die jetzige Schuldenlast schon nicht tragen, jeder neue Kredit ziehe das Land daher weiter in die Tiefe. Deutschland ist mächtig, aber der IWF ist mächtiger. Merkels Nein ist ein Nein mit nur noch begrenztem Haltbarkeitsdatum.“

Also nee, also doch … derweil erblicken meine entzündeten Augen ganz ungewohnte Koalitionen:

„ifo-Chef Hans-Werner Sinn: „Yanis Varoufakis‘ Grexit-Plan war clever.“

Nanu, Käptn Ahab?

Risiken sind keine Gefahr

30. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Das Herbizid Glyphosat wurde von Monsanto als eine Art ‚Agent Orange 2.0′ entwickelt, im Auftrag der amerikanischen Drogenbehörde DEA und des CIA. In Kolumbien wurden damit der Dschungel entlaubt und die Koka-Felder vernichtet, um die kommunistische FARC zu treffen. Heute färbt das Glyphosat in der deutschen Landwirtschaft im Februar und März die Äcker gelb, damit der Bauer weniger Arbeit hat. Weltweit werden jährlich 700.000 Tonnen des Herbizids eingesetzt, unter Namen wie bspw. ‚Roundup‘. Gestern hat die Internationale Krebsagentur das Glyphosat als „für den Menschen krebserregend“ eingestuft – und dementsprechend entsetzt ist der Aufschrei aller Lobby-Gruppen.

Glyphosat / Public Domain

Glyphosat / Public Domain

Wer will, kann das Geschehen hier nachlesen:  „Ein Stapel an Beweisen spricht gegen Glyphosat.“ Mir aber geht es hier um den rhetorischen Todessalto, den die GTF, also die ‚Glyphosate Task Force‘, daraufhin aufs Parkett legte. Die GTF ist ein PR-Zusammenschluss, wo sich Monsanto, Syngenta und andere große Agrarchemieunternehmen ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen pflegen. Die GTF schreibt:

„Die Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko ist entscheidend, und die Monografen ermitteln Krebsgefahren auch dann, wenn bei der aktuellen Exposition die Risiken sehr gering sind, da künftige Nutzung oder unvorhersehbare Exposition Risiken hervorrufen könnten, die bedeutend höher sind.“

Soll wohl heißen – streicht man mal diesen quallig-undurchsichtigen FuchsSatzbau bis zum Kern zusammen: So’n paar Risiken seien noch lange keine Gefahr, da hätten wir ganz andere Sachen auf Lager. Und wenn sich jemand einen Eimer Glyphosat über den Kopf kippt, ist sein Risiko bei dieser ‚Exposition‘ wesentlich höher, als wenn der Bauer bloß auf dem Traktor sitzt. Und diese ‚Monografen‘ sind ja auch bloß besonders gründliche Untersuchungen. Mal sehen, wann sie das gute, alte ‚Restrisiko‘ entdecken. Dass ein lebensmüder Pilot mit einer Maschine voller Passagiere in einen Felshang fliegt, galt schließlich auch mal als ‚Restrisiko‘. In Wahrheit aber geht’s ihnen wohl um diese 700.000 Tonnen, die sind durch die festgestellten Risiken ‚in höchster Gefahr‘ …

Im wildtosenden und bizarren Streit gerät jetzt unser Bundesamt für Risikobewertung (BfR) unter Beschuss. Das hat wohl seine eigenen Studien nicht gelesen, oder neudeutsch: es hätte ‚seine Hausaufgaben nicht gemacht':

„Im Streit um die Risiken des Pflanzengifts Glyphosat gerät die zuständige deutsche Behörde weiter unter Druck. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont seit Jahren, dass von dem Pestizid kein Risiko für Menschen ausgehe … Nun zeigt ein vertrauliches Dokument des BfR, dass auch der deutschen Behörde Hinweise vorliegen, die durchaus eine krebserzeugende Wirkung in Tierversuchen nahelegen. Trotzdem betont das BfR offiziell immer wieder, dass es keine Hinweise auf ein Krebsrisiko gebe.“

Aber das ist ja man bloß ein ‚Risiko‘, und noch lange keine ‚Gefahr‘ – oder so. Gut auch das:

‚Das BfR weist den Vorwurf zurück und beharrt darauf: „Die zitierte Zwei-Jahres-Studie an Mäusen weist kein toxikologisch signifikantes Risiko für Kanzerogenität beim Menschen nach.“

Schon klar – Menschenversuche mit möglicherweise letalem Ausgang sind in Deutschland ja auch verboten …

Russisch-orthodoxer Djihadismus

30. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Tschaplins Argumentation: Einer säkularen Gesellschaft, die zu lange in Frieden lebt, droht Siechtum und Gottlosigkeit. Damit Russland davon verschont bleibt, werde sich der Allmächtige einmischen. „Gott sei Dank ist die Zeit des Friedens bald vorüber“, sagte Tschaplin. Ein reinigender Krieg werde Russland zu Gott zurückführen.“

‚Ich will mein Drittes Rom!‘, sagt dieser Tschaplin (ein treffender Name, wenn man ihn englisch auspricht). Dafür nimmt solch ein salbadernder Hirnschwund gern ein paar hunderttausend Tote in Kauf. Den Märtyrern blüht ja das Paradies, wiewohl in der russischen Version ganz ohne knackige Jungfrauen. Historisch ist seine chiliastische Hoffnung trotzdem ziemlich unbegründet: Auf den vorletzten Krieg folgte Lenin – statt Gott. Auf den letzten Krieg Stalin …

Einen Krieg als ‚reinigendes Gewitter‘ herbeizusehnen, dass gab es hierzulande auch schon mal … heute käme ein Tschaplin allerdings bei uns in die Psychiatrie, in Russland vor jede Kamera. Das eben ist der Unterschied …

Slapstick!

29. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Donald Trump fände es toll, wenn Sarah Palin bei einem Wahlsieg sein Regierungsteam verstärken würde“.

Eins muss ich zugeben: Die Weltpolitik würde nach einem Wahlsieg des republikanischen Egoleptikers und dank der nachfolgenden Einlassungen dieses Niveaulimbo-Duos erheblich an kabarettistischer Qualität gewinnen …

Andere ähnlichen Kalibers neiden ihm übrigens schon den Erfolg:

„The Koch brothers are freezing out Donald Trump from their influential political operation — denying him access to their state-of-the-art data and refusing to let him speak to their gatherings of grass-roots activists or major donors.“

Blöd nur, dass dieser Kandidat gar nicht – wie andere – bei Amerikas Milliardären betteln gehen muss. Hört auf mich: Dieser Donald ist keine Ente. Überall wittert derzeit die Dummheit Morgenluft …

Hirnkrätze

29. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Seit China im Kampf gegen die Korruption große Erfolge vermeldet, stürzen dort die Börsen ab.

Wer immerzu Haider wählte …

28. Juli 2015 von Klaus Jarchow

Kärntens Risiko steigt: Für Kärnten erhöht sich der drohende Ausfall um den Part der Nachrang-Forderungen.“

… der darf über die Folgen nicht klagen.