„Revolte gegen die Eliten“

10. Februar 2016 von Klaus Jarchow

Etwas Ähnliches wird später mal auf den Buchdeckeln stehen (so es noch Buchdeckel gibt), die sich mit diesen Jahren befassen. Ob Corbyn oder Farage in England, ob Sanders oder Trump in den USA, ob Tsipras oder Orban, ob AfD, ob PiS, ob Podemos, ob rechts oder links – ihnen allen ist dieses Kennzeichen gemeinsam: Im Zentrum der Kritik steht der festgefügte, satte und sklerotische Macht- und Besitzapparat, entstanden in den vergangenen Jahrzehnten, völlig unfähig, sich selbst noch zu reformieren oder zu erneuern. ja noch nicht einmal imstande, sich zu verteidigen.

Dass auch jede Menge Clowns, Desperados und Scharlatane dadurch nach oben gelangen, das ist die große Gefahr aller Reformationen.

Die wahre Lügenpresse

02. Februar 2016 von Klaus Jarchow

Eine gute Übersicht all jener Medien, die man bestenfalls aus Gründen des Amüsemängs lesen sollte, hat FPÖ-Watch zusammengestellt, mit Kommentaren und weiterführenden Links zu all dem blakenden Info-Qualm – von ‚Alles Schall und Rauch‘ über ‚Compact‘ und ‚Epoch Times‘ bis hin zu ‚Metropolico‘ und der ‚Sachsen-Depesche‘. Ein lohnenswertes Kompendium der Desinformation im deutschsprachigen Raum:

„Die Meldungen verbreiten sich in den Netzwerken wie ein Lauffeuer, denn die vorgestellten Seiten verwenden sich meistens untereinander selbst als Quelle. Dadurch wird die Hetze noch verstärkt. Gegenteilige Meldungen von anderen Medien werden in dieser “Echokammer” ignoriert. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen eine Liste mit solchen Seiten zusammenstellen.“

Mal im Ernst

31. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Die AfD gewönne derzeit bei allen Parteien, heißt es oft ebenso schön wie falsch. Denn es ist ja faktisch Quatsch. Nehmen wir die letzte Emnid-Sonntagsfrage (30. 1. 2016), dann sehen wir ein ganz anderes Bild, ziehen wir die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl heran:

CDU: 2013: 41,5 % / 2016: 34 % = – 7,5 %
SPD: 2013: 25,7 % / 2016: 24 % = – 1,7 %
GRÜ: 2013: 8,4 % / 2016: 9 % = + 0,6 %
FDP: 2013: 4,8 % / 2016: 5 % = + 0,2 %
LIN: 2013: 8,6 % / 2016: 10 % = + 1,4 %
AfD: 2013: 4,7 % / 2016: 12 % = + 7,3 %

Mit anderen Worten: Die Gewinne der AfD stammen nahezu eins zu eins von ihrem Nachbarn, der Union. Oder: Die Ganz-Rechten ernähren sich von den Rechten, während die Mehrheitsverhältnisse ansonsten ziemlich unangetastet bleiben.

Dort also, wo man sich bemüht, den Polit-Alu-Hüten nach dem Maul zu reden, verliert man massiv an das Original. Oder – als Alternative für Deutschland ausgedrückt: Die CDU/CSU hat traditionell die dümmsten Wähler. Folgerichtig verliert sie massiv an die AfD.

Deutscher Adel

31. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Frauke Petrys Androhung von Waffengewalt an deutschen Grenzen sei doch AfD-Schwachsinn, zürnt ein Leser auf Twitter. Und er fragt, ob etwa an der grünen Grenze auf unbewaffnete, traumatisierte Frauen und Kinder geschossen werden solle? Was antwortet da unser beinharter deutscher Adelsspross, die Herzogin von Oldenburg, Beatrix von Storch?

Das Killer-Weib

Lady Killer

Adel hin, Adel her – in der AfD sammelt sich genau jenes Pack, auf das Sigmar Gabriel schon hinwies.

Unauffällige Metaphern

26. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Es gibt Sprachbilder, die sich so sehr in den Sprachgebrauch eingeschlichen haben, dass sie kaum noch auffallen. Das wiederum sind die gefährlichsten Metaphern, weil sie unser Denken mit einem Sprachtrick überlisten.

So heißt es stets: „Ein Krieg bricht aus.“ Das ist – denkt man näher darüber nach – natürlich Bullshit, weil ein Krieg kein Naturereignis ist, wie ein Vulkan oder eine Seuche. Die beiden können ‚ausbrechen‘, weil das gemeinte Ereignis weithin auf Zufall beruht. Ein Krieg aber ist kein Zufall, in den meisten Fällen wurde er geplant und vorbereitet: Flugzeuge wurden betankt, Mannschaften alarmiert und verlegt, Desinformationspapiere vorbereitet, Verbündete gesucht etc.

Kurzum: Kriege werden gemacht. Und zwar von kriegsinteressierten Leuten. Wir übersehen dies oft, weil wir die falsche Metapher verwenden. Das wiederum ist die Macht der Sprache … im Guten wie im Schlechten.

Ulfkottismus

23. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Als Journalistin, der an der Wahrheit gelegen sein sollte, bleibt [Claudia Zimmermann] ausgerechnet an jenen Stellen seltsam vage, an denen sie ungeheuerliche Enthüllungen andeutet. Wer hat welche Tatsachen verschwiegen? Inwiefern tragen Polizei und Politik einen Maulkorb? Was ist es genau, das nicht gesagt werden darf? Zimmermann verrät es nicht. Sie unterstellt nur, dass es alle wissen.“

Und das ist eben ist Ulfkottismus: Nix Genaues wissen, aber morswärts raunen …

Beschließen, was nicht geht

21. Januar 2016 von Klaus Jarchow

In mancherlei Hinsicht wächst rapide mein Gefühl, nur noch von Deppen umgeben zu sein. ich rede nicht einmal von AfD und Pegida als den üblichen Verdächtigen auf dem Rummelplatz der Illusionen. mein Hirnschmerz rührt längst auch von der CSU her, und von der österreichischen Regierung, wo die Großkopferten mit der seltsamen Idee von ‚Obergrenzen‘ für ein Menschenrecht durch die politische Landschaft zu stratzen pflegen:

„Eine Obergrenze steht dem Menschenrecht auf Asyl diametral entgegen, deshalb sind wahrscheinlich auch in dem vorgelegten Papier keine konkreten Vorschläge zur Umsetzung dieser Obergrenze enthalten. Ich bin sicher, dass das auch die verfassungsrechtliche Überprüfung zeigen wird.“

Beschließen, was nicht geht – das eben ist der Weg des Populismus.

Jetzt gibt es auch hierzulande für unsere Großschnäuze was auf die Schnüss, und zwar gleich mal vom Bundesverfassungsgericht:

„Seit Wochen wird in der zunehmend hysterisch geführten „Flüchtlingsdebatte“ die Einführung einer Obergrenze für „Asylflüchtlinge“ gefordert, und immer wieder erinnern besonnene Politiker und Juristen daran, dass das Grundrecht auf Asyl einen individuellen Schutzanspruch begründe, der nicht mit einer „Obergrenze“ beschränkt werden dürfe. … Nun aber hat sich der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, im „Deutschlandfunk“ zu Wort gemeldet und daran erinnert, dass das Asylrecht unbegrenzt für jedermann gelte, also eine „Obergrenze“ unzulässig sei.“

Wat nu, Herr Höcke? Wat nu, Bayern-Horschtl? Der ‚Obergrenze‘ droht damit das gleiche Schicksal wie der Dobrindt’schen ‚Maut nur für Ausländer‘.

Oh, oh Putin!

19. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Wie willst du deine diversen Kriege denn jetzt finanzieren, wo doch die Schatzkammer im Kreml auch schon leer ist? Und dein Erdgas hat ja noch nicht einmal die Ukraine mehr nötig …

„Massives Überangebot: Preis für Ölsorte fällt auf fast null Dollar.“

Kurs aufs Schreiben

18. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Den Bürgern dieser Stadt werde ich in unserem ‚Forum‘ das folgende Angebot machen. Ehrenamtlich ud unentgeltlich. Ich bin gespannt, wie viele kommen.

„Einige Jahrzehnte habe ich jetzt als Werbetexter gearbeitet und in dieser Zeit viele Kilometer Text verfasst. Als gesellschaftliches ‚Alteisen‘ möchte ich einiges von dem, was ich weiß, an die nächste Generation weitergeben.

Warum? – Damit auch sie gelesen wird.

Diese kleine Seminarreihe wird kein Deutschkurs sein. Es wird nicht um Rechtschreibung gehen oder darum, der Grammatik die Bügelfalten zu richten. Diese Fähigkeiten werden schlicht vorausgesetzt. An diesen Abenden sollen die Gesetze guten Erzählens erläutert werden.

Einige Themen:

– Um mit dem Ende anzufangen …
Wie einsteigen in die Geschichte? Der Bruch der ‚Chronologie‘, des zeitlichen Ablaufs. Anfang und Ende richtig verknüpfen.
– Die Überschrift saugt in den Text …
Nur das Spiel mit Worten fesselt Leser. Gesetze des ‚Headlining‘
– Neue Helden braucht der Strang …
Warum es sinnvoll ist, seinem Text einen Helden zu geben, Und weshalb es sich dabei gar nicht um eine Person handeln muss
– Richtig klingen – aber wie?
Der ‚Industrieton‘ des Bürokratiestils und des Alltagsjournalismus, die Farbigkeit des Erzählstils, das ‚Pathos‘ des echten Anliegens, der werbliche Ton des Verkäufers usw.
– Die passenden Wörter wählen …
Starke Verben, verschmähte Adjektive, raffinierte Füllwörter usw.
– Der Rhythmus, wo jeder mit muss …
Duktus, straffer Satzbau, Vokalismus und Klang der Worte.
– Die hohe Kunst verbotener Stilformen …
Ironie, Sarkasmus, Anspielen, Ausweichen usw.
– Mit allen fünf Sinnen …
Zugang zur Erinnerung finden
– Rhetorische Stilfiguren …
Warum manches, was uns logisch scheint, gar nicht logisch ist, sondern nur antrainierte Sprachgewandtheit
– Ich bin so Imperfekt!
Warum die unvollendete Vergangenheit die klassische ‚Erzählzeit‘ ist. Und wann ich wiederum völlig ‚präsent‘ sein sollte.

Das sind nur einige der Bereiche, die ich an solchen Abenden diskutieren und vermitteln könnte. Das ganze natürlich stets praxisbezogen, mit Übungen an Ort und Stelle – und mit ‚Sprachspielen‘. Wer daran Interesse hätte, kann dies auf der Liste bekunden. Ich melde mich dann.

Gruß,
Klaus Jarchow

Am Anfang ist nichts richtig

14. Januar 2016 von Klaus Jarchow

Ich höre mir gern Lebensgeschichten an. Ab dem dritten Bier öffnen sich die Schleusen der Erinnerung. Ich erfuhr von den nächtlichen Parties in NS-Kriegsgefangenenlagern, wo morgens Leichen begraben werden mussten, weil man ein wenig zuviel ‚Spaß‘ mit den Häftlingen gehabt hatte. Ohne diese Zeitzeugen wären solche Geschichten verloren. Ich hörte von behinderten Kindern, die ohne Kontakt in einem alten Hühnerstall aufwachsen mussten, weil die Familien sich ihrer schämten – usw. usf.

Etlichen der Erzähler riet ich, ihre Lebensgeschichte doch einfach aufzuschreiben. Manche ließen sich überzeugen.

„Am 16. Februar 19XX wurde ich als zweites Kind des Posamentiermeisters XYZ in Da-und-dortlingen geboren.“ So begannen solche Geschichten dann oft – und sie versandeten gleich wieder. Nach dem ersten Satz hätten sie keine Lust mehr gehabt, weiterzuschreiben.

„Kein Wunder“, sagte ich: „Warum fangt ihr auch ausgerechnet damit an?“. „Weil’s der Anfang ist“, sagten sie. „So’n Quatsch!“, erwiderte ich, „wenn ihr von irgendetwas nichts wissen könnt, dann ist’s von eurer Geburt. Was wäre denn die früheste Erinnerung?“ „Hmm – das war, als ich diesem Ball hinterherrannte und in den Feuerlöschteich fiel. Wie kalt das war – und wie grün plötzlich der Himmel über mir.“ „Dann fangt doch damit an!“, sagte ich.

Die Geschichten verbesserten sich fortan merklich. Einige haben bis heute nicht aufgehört, zu schreiben.