Alarmismus-Wölfchen

Unser Wolfgang Münchau stiefelt mal wieder durch den Kaffeesatz – alles sei zwar ruhig, aber, aber, aber! Falls jemand wissen möchte, wie dieser raunende Alarmismus aus den Tiefen des deutschen Qualitätsjournalismus einen Schreiber auf die publizistischen Höhenzüge des ‚Spiegel‘ katapultiert – das wirkende Prinzip ist im Grunde ganz einfach: Man reihe einfach einige beliebig unzusammenhängende Hauptsätze aneinander, und kuppele dann eine möglichst dicke Behauptung an den entstandenen Güterzug. Fertig ist das Orakel, tauglich für jede bessere Wirtschaftsredaktion:

„In Herford tagen die Krebsforscher. Die Marssonde liefert pünktlich ihre Signale. Meine Nachbarin hat ihre Äpfel zur Mosterei gefahren. Ramsauers Nationaler Fahrradplan ist in der Versenkung verschwunden. Aber in der Bank von England tickt eine Bombe …“

Süsswoll – so geht das! Im Original klingt’s dann so:

„Über eine Bankenunion wird verhandelt. Im November wird Spanien seinen Hilfsantrag stellen. In Italien sammelt sich das Establishment hinter Mario Monti. Bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Tokio treten die Europäer zum ersten Mal seit langem wieder mit etwas Selbstbewusstsein auf. Das Land, das mir am meisten Sorgen macht, ist nicht einmal Griechenland, sondern Spanien.“

Früher hieß das mal Zeilenschinden oder so …

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