Tschäneräjschen Applohd
Thomas Knüwer verdanke ich den Hinweis auf dieses schöne Stück Mozzarella-Prosa aus dem Hause Vodafone, verfasst für ein Corporate-Blog von einem veritablen Blogger namens ggründgens, der als Marken-Chef auch tatsächlich so klingt wie aus des seligen Gustav Gründgens’ Zeiten überkommen. Dieses Blog ‘bloggish’ zu nennen, wäre sicherlich eine maßlose Übertreibung, trotzdem, auch solches Kleinvieh macht Mist - schmücken wir uns also diesen Text ein wenig mit der Zierpetersilie des fortlaufenden inneren Leserkommentars aus:
Endlich ist es soweit [Ich konnte es auch kaum noch erwarten!]. Die neue Vodafone-Markenkampagne [wie war denn die alte?] startet diese Woche [doch schon?], mit der wir national [international würde man sich auch eher schlapplachen] die „Generation Upload“ ansprechen [It's a new generation, with a new explanation, it's - huh! - people in motion]. Doch wer ist das eigentlich, die „Generation Upload“? Die Antwort ist denkbar einfach: Du bist die „Generation Upload“ [Opa, Enkel, Müllers Kuh, mittendrin natürlich du - ]. Warum? Weil alles, was Du startest, heute die Welt bewegen kann! [Kausalität ist nämlich Glückssache, oder das Eintippen einer Rufnummer in Wanne-Eickel kann einen Vulkanausbruch in Honolulu auslösen]
Du und alle die ihr Leben mittels neuer Medien aktiv und kreativ gestalten möchten [ohne Hauptsatz schreibt es sich unbeschwerter]. Passiv vor dem Rechner sitzen, sich berieseln lassen und lediglich konsumieren – die „Generation Download“ – war gestern [die Bösen, das sind nämlich die Fettsäcke, die sich illegal Musik oder Kinderpornos runterladen]. Die „Generation Upload“ ist jetzt [und - wow! - der Joint war nun] und ihr gehört das „Morgen“ [wie viel Morgen vom Morgen genau?]. Sie steht mitten im Leben [kurz vor der Pensionierung also, der Satz klingt wie die Werbung für Stützstrümpfe], ist voller Energie [dank 'Doppelherz'] und lässt sich von Konventionen nicht begrenzen [hihi, noch eine Runde 'kleiner Feigling']. Durch Vernetzung teilt sie sich der Welt mit [Hello, world!], sucht den Kontakt zu Anderen [Ist da jemand?] und lässt alle an ihrer Begeisterung teilhaben [Juhu!].
Die „Generation Upload“ ist Herr über ihre Zeit [... ist also arbeitslos]. Sie nutzt moderne Kommunikationstechnologien nicht als Selbstzweck, sondern vielmehr als Werkzeug zur Selbstverwirklichung [im Klartext: schwabbeldiwupp schwabbeldiwauwau]. Es sind normale Menschen wie Du und ich [die Generation Upload ist folglich 'gewöhnlich']. Und doch oder gerade deswegen sind sie die Helden von heute [Wenn an dir gar nichts Besonderes mehr ist, dann bist du ein Held, du Held! - Sagt jedenfalls Gründgens].
Mit Vodafone gewinnt die „Generation Upload“ einen Partner, der diese Werkzeuge zur Verfügung stellt ['Partner' also, ein Synonym für 'nicht umsonst'], „Empowerment“ statt nur „Entertainement“ bietet [Ömmpauermint - boah ej!]. Unterwegs Emails schreiben [boah! so was gibt's jetzt?], alte Freunde treffen [revolutionär!] oder Neue [sic!] finden, mit Deinem Hobby berühmt werden [du wirst der berühmteste Modelleisenbahner der Welt zum Beispiel] oder eine tolle Geschäftsidee mittels Telefonkonferenz vom Badesee abstimmen [supi, du kannst Geld im Schlaf verdienen] – das ist längst keine Zukunftsmusik mehr [ha, Musik, zwo, drei, vier!], sondern schon jetzt möglich [Donnerwetter!]: Für jeden [der bezahlt]. Nutze die Zeit und trau Dich etwas zu bewegen. Denn: „Es ist Deine Zeit“ [wer sagt das bloß mal dem Chef?].
Anders ausgedrückt: Wenn Unternehmen schon mal einen Blog eröffnen, dann kann man hundert zu eins darauf wetten, dass sie dort alles hineinschreiben, was verkehrt ist, um im Web Wirkung zu erzielen, zumeist also Marketing-Geblubber, aber niemals einen Text, der den Namen Blog-Text verdienen würde. So verfallen sie denn alle im Handumdrehen wieder der verdienten Vergessenheit …
Tags: Blogs, Blogsprache, Marketing, Thomas Knüwer, Vodafone, Werbesprache
10. Juli 2009 um 12:18
Ja, ich bin gestern auch mal dem Knüwer-Link gefolgt, nachdem diese Werbekampagne ja ohnehin ein gewisses Echo in den Blogs ausgelöst hat. Und dann habe ich mich mal wieder über die verdaddelte Zeit geärgert, denn: wozu sich dem Heißluftgebläse aussetzen? Entsetzlich öder Mist. Da lese ich lieber im Wartezimmer die Apotheken Umschau.
10. Juli 2009 um 12:29
Köstlich!
Ohne die Petersilie wäre der Text ungenießbar.
Übrigens “Vodafone” mit “F”, wie Gimme an “F” …
10. Juli 2009 um 12:42
Fodawohn?
10. Juli 2009 um 14:08
Zum letzten Absatz: Es gibt auch gute Unternehmensblogs. Zum Beispiel der Frostablog oder der vom Fleischermeister Freese aus Visbeck (dürfte nicht weit von Dir weg sein).
10. Juli 2009 um 14:09
Korrigiert …
10. Juli 2009 um 18:25
[...] Ist das ein Vergnügen, so ein exklusives Flatrate-Schaumbad für die Tschäneräjschen Applohd. Köstlich. Einen Kommentar schreiben « [...]
10. Juli 2009 um 19:54
Also, spätestens bei “Weil alles, was Du startest, heute die Welt bewegen kann!” bekam ich Angst.
Ich versuche nun vor der Tastatur nicht mehr zu zappen, sonst wird da draussen noch sonstwas bewegt.
10. Juli 2009 um 20:22
Da musst du keine Angst haben - die tun nichts. Nichts wirklich, meine ich. Das ist nur Dada im Babyalter, Gaga also …
10. Juli 2009 um 22:33
[...] schmeicheln, ihnen den Eindruck vermitteln, dass sie irre wichtig sind. Auch Klaus kann auf Internas aus dem Hause Vodafone zurückgreifen. Unterwegs Emails schreiben [boah! so was gibt’s jetzt?], alte Freunde treffen [...]
10. Juli 2009 um 23:47
Köstlich. Der einzig richtige Umgang mit dem inhaltsleeren Geschwurbel.
11. Juli 2009 um 00:15
stilstand» Blogarchiv » Tschäneräjschen Applohd…
Am Stilstand wird das inhaltsleere Geblubber aus dem Vodafone-Blog gekonnt zersägt? Und zu was? Zu Recht….
11. Juli 2009 um 10:57
> Also, spätestens bei “Weil alles, was Du startest, heute die
> Welt bewegen kann!” bekam ich Angst.
Das ist so ein typische Werber-Ding. “Wir sagen diesen Idioten und armen Würstchen jetzt mal, dass sie ganz toll und wichtig sind. Dann kaufen sie uns den Mist ab.”
Wobei man wissen muss, dass Werber alle außer Werbern für Idioten und arme Würstchen halten, die man verarschen kann.
11. Juli 2009 um 11:08
Nun ja - vice versa geht es den Werbern in den Augen des Normalkonsumenten ja nicht anders …
11. Juli 2009 um 14:50
Ich hab’ auf dem Boden gelegen und mich gekrümmt vor Lachen. Kann jemand den Post mal der “Inselaffen”-PR-Abt. schicken. Dann haben die wenigstens auch mal Spaß. Oder den Kindern der Business-Kasper. Dann machen die ihre Alten mal rund, wie gaga sie sind…
11. Juli 2009 um 15:43
Lustiger Artikel, auch wenn ich die Idee, normalen Menschen eine Plattform anzubieten, echt gut finde.
25. Juli 2009 um 11:49
[...] Public Relations. Zwar gibt es zahllose Beispiele erschütternder Sprach- und Ahnungslosigkeit, wie kürzlich erst im Falle Vodafone wieder zu besichtigen. Es gibt aber auch (wenige) Beispiele für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit, wo jemand sogar [...]
31. Juli 2009 um 14:31
Die Petersilie hatte wirklich gefehlt! Ich hoffe mal, das möglichst viele Leute sie aber beim Lesen dieses (Kräuter-?)Quarks einfach selbst hinzugefügt haben. Es ist schon wirklich fast eine Frechheit, wie man da versucht, sich seine Kundschaft zurechtzuformen indem man ihr Honig ums Maul schmiert. Aber zum Glück stehen die meisten dann doch auf Marmelade und kochen sie sich selbst.