Glaubwürdigkeit
Dienstag, 21. April 2009Gestern, als der Pistenschreck Rüdiger Dieter Althaus zum ersten Mal wieder vor die Öffentlichkeit trat, zählte das Wörtchen ‘Glaubwürdigkeit’ zur kleinen Münze jedes Kommentators. Zuvor schon stellte sich die gleiche Frage bei der Reichensteuer der SPD: Wie ‘glaubwürdig’ sei der Robin-Hood-Gestus einer Partei, die doch höchstselbst diese Steuern für Vermögende einst senkte?
Dabei weiß im Grunde jeder von uns, wie es zu solchen Glaubwürdigkeitslücken kommt: Die SPD unter Schröder vollzog unter dem Druck diverser wirtschaftlicher Lobby-Verbände einst einen gewaltigen Schlenker tief in neoliberales Gelände hinein - und jetzt versucht sie unter dem Druck schwächelnder Umfrageergebnisse verzweifelt, an alte Traditionen wieder anzuknüpfen. Jedem, der nur einen halben Meter weit geradeaus denken kann, dem ist dies unmittelbar klar.
All das hochmoralische Geröhre entpuppt sich also als eine Frage der politischen Taktik - die Frage der ‘Glaubwürdigkeit’ ist dabei nicht mehr als eine rhetorische Frage, die im Grunde nur wegen des moralinsauren Boulevards beantwortet werden muss. Ein ob der Perfidie der Sozialdemokraten heute höchst pseudo-empörter Pofalla würde im Falle eines Falles ohne Zögern genauso fragwürdig und zickzackkursiv handeln …