Artikel mit ‘Authentizität’ getagged

Glaubwürdigkeit

Dienstag, 21. April 2009

Gestern, als der Pistenschreck Rüdiger Dieter Althaus zum ersten Mal wieder vor die Öffentlichkeit trat, zählte das Wörtchen ‘Glaubwürdigkeit’ zur kleinen Münze jedes Kommentators. Zuvor schon stellte sich die gleiche Frage bei der Reichensteuer der SPD: Wie ‘glaubwürdig’ sei der Robin-Hood-Gestus einer Partei, die doch höchstselbst diese Steuern für Vermögende einst senkte?

Dabei weiß im Grunde jeder von uns, wie es zu solchen Glaubwürdigkeitslücken kommt: Die SPD unter Schröder vollzog unter dem Druck diverser wirtschaftlicher Lobby-Verbände einst einen gewaltigen Schlenker tief in neoliberales Gelände hinein - und jetzt versucht sie unter dem Druck schwächelnder Umfrageergebnisse verzweifelt, an alte Traditionen wieder anzuknüpfen. Jedem, der nur einen halben Meter weit geradeaus denken kann, dem ist dies unmittelbar klar.

All das hochmoralische Geröhre entpuppt sich also als eine Frage der politischen Taktik - die Frage der ‘Glaubwürdigkeit’ ist dabei nicht mehr als eine rhetorische Frage, die im Grunde nur wegen des moralinsauren Boulevards beantwortet werden muss. Ein ob der Perfidie der Sozialdemokraten heute höchst pseudo-empörter Pofalla würde im Falle eines Falles ohne Zögern genauso fragwürdig und zickzackkursiv handeln …

(more…)

Schreib oder stirb!

Dienstag, 17. Februar 2009

Vor zehn oder zwanzig Jahren, als Holzhausen noch boomte, da war für den Medienkonsumenten alles viel einfacher: Die eigene Meinung wurde ihm von seinem Leib- und Magenblatt frühmorgens frei Haus geliefert. Er traf im Laufe des Tages auf Mitbürger, die ähnlich konditioniert worden waren. Denn ein ‚Massenmedium‘ ist – nach Habermas - natürlich immer auch eine Veranstaltung, die Konformität und Gleichförmigkeit von Ansichten bewirkt. Das Phänomen heißt unter Soziologen – positiv gewendet – „gesellschaftlicher Konsens“. Geteilte Grundüberzeugungen wiederum schweißen die Parteien zusammen, sie formen unsere Ideologien und deren Vokabular, sie sind der kommunikative Kitt, an dem sich die soziologischen Gruppen erkennen.

Ohne Nutzung von Massenmedien aber fragmentiert sich die Welt: Abertausende von unterschiedlichen Ansichten sind im Netz zu finden, jeder Paranoiker findet sein Echo, Themen werden nicht länger von anderen vorgekaut, der eine schreibt eben gern dies, der andere über das – und wenn einer aus dieser Myriade von Selbstverlegern tausend Leser und Leserinnen am Tag findet, dann ist das für Web-2.0-Verhältnisse schon viel. Die alte Welt der Publizistik zerfällt in Milliarden Teile, wie ein Spiegel, der auf die Fliesen einer neuen medialen Wirklichkeit gekracht ist.

(more…)

Unbedeutende Füllwörter?

Freitag, 21. November 2008

Jaja – es ist ja richtig: Ein Satz sollte kurz und schlicht sein und keinen unnötigen Wörterballast enthalten. Trotzdem machen Füllwörter Sinn, vor allem dann, wenn es darum geht, den Eindruck von Glaubwürdigkeit und exakter Lippenleserei zu erzeugen.

(more…)

Die Sprache der Leute

Donnerstag, 06. November 2008

Ist das nun  Wissenschaftlichkeit oder Bedeutungshubern? Das Imponiervokabular dieser Frau Professorin, die ich hier anonymisiert habe, weil ich bekanntlich ein netter Mensch bin, dieses Vokabular lässt vielleicht den einen oder anderen innerlich strammstehen, textlich bewirkt es Distanz zu einer Aussage, die auf dieser Welt noch kein lebendiges Wesen je verstanden haben dürfte:

„Während herkömmliche Projekte innerhalb von Funktionsbereichen ein schrittweises Vorankommen bewirken, sind strategische Initiativen von der Strategie abgeleitete Prioritäten, die von verschiedenen Funktionsbereichen bearbeitet werden.“

(more…)

Die Sprache dieser Leute

Freitag, 05. September 2008

Schreibend sollen wir uns der ‘Sprache der Leute’ nähern, so lautet das große Stilideal des Authentischen. Es fragt sich nur, welcher Leute? Es gibt ja so ‘ne und so ‘ne. Nehmen wir in diesem Fall einfach mal unsere Business- und Leisure-Class, denn diese Wirtschaftsführer werden sowieso viel zu selten porträtiert. Bekanntlich sind Führungsaufgaben keine bildungsförderlichen Angelegenheiten, dafür bleibt unseren ‚proaktiven’ Eliten gar keine Zeit. So klingt die Sprache dann auch; sie haben sich einen Jargon angewöhnt, der einen verbalen Vorhang vor ihre menschlichen Defizite zieht. Begeben wir uns einfach mal im Geiste auf eine solche Gartenparty: Da sehen wir also ein großes Haus mit mächtigen Säulen vor der Freitreppe, einen riesigen grünen Rasen mit einem weißen Zelt, leise Musik läuft - Al Jarreau oder irgendeine andere dieser weichgespülten Soundtapeten -, dazu belauschen wir den folgenden Smalltalk, wobei ich jedes der authentischen und zugleich sozialen ‘Keywords’ in Fettdruck setze:

(more…)