In Analogie zu dieser wahrhaft luziden und tiefschürfenden Analyse der Süddeutschen Zeitung stelle ich hier auch mal meine zehn Gründe ins Netz, weshalb die Deutschen so wenig bloggen. Vielleicht werde ich ja auch so berühmt wie dieser Hüftschütze Felix Salmon:
1. Das Internet verbraucht viel Strom. Der Deutsche aber spart gern Strom.
2. Verglichen mit den Amerikanern hat der durchschnittliche Deutsche nicht viel zu sagen. Deshalb irritieren ihn kommunikative Anforderungen im Netz.
3. Erst, wenn Bloggen ein Studiengang geworden ist, wenn Blogger zu Johannes B. Kerner dürfen, dann werden mutige Avantgarde-Germanen geneigt sein, Blogs für relevant zu erachten.
4. Der Deutsche in seinem Hygienewahn vermisst in den Blogs bisher das Toilettenpapier als Desiderat aller Kultur. Wohingegen Zeitungen sogar darauf gedruckt sind - meist dreilagig und mehr.
5. Der Deutsche fährt lieber nach Mallorca als nach Bloghausen.
6. Politiker hören niemandem zu, schon gar nicht Leuten aus der Blogosphäre: Volkes Wille, sagen sie, sei die Stille. Der untertänige Deutsche wiederum hat historisch seinen Regierenden noch nie widersprochen.
7. In der Blogosphäre gibt es kein frisch gezapftes Bier.
8. Der beeindruckbare Deutsche hängt an umständlichen und gravitätischen Titeln wie “Bertelsmann Universal-Lexikon” oder “Zentralstelle zur Erfassung einbeiniger Choleriker ohne Schulabschluss”. Bunten Dingen, die nach Kinderkram klingen, die z.B. einfach nur ‘Google’ heißen, denen misstraut er dagegen zutiefst. “Larry Page’s allumfassendes Zwischennetzfundstellen-Archiv-System”, das wäre ein erster vertrauensbildender Schritt, seiner Internet-Phobie entgegenzuwirken …
9. In der Blogosphäre reden dem durchschnittlichen Deutschen einfach zu viele Frauen mit.
10. Der Deutsche muss unbedingt recht haben. Bloß auch dabei gewesen zu sein, das genügt ihm nicht. Wenn er aber so ist, wie er ist, muss er sich prompt als ‘Troll’ beschimpfen lassen …