Artikel mit ‘Blog’ getagged

Denkfutter

Donnerstag, 06. August 2009

Wer glaubt, dass die Diskussionen um Selbstreferentialität, um Plagiate, um Textklau und Abschreiberlinge erst mit dem Web 2.0 aufgekommen seien, der irrt. Egon Friedell stellte schon den dreißiger Jahren der gesamten Weltliteratur die Diagnose einer grassierenden ‘Blogosphäritis’:

“Die ganze Geistesgeschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Diebstählen … Die ganze Weltliteratur besteht genaugenommen aus lauter Plagiaten.”

Gratis-Lektorat für Frau Meckel

Sonntag, 24. Mai 2009

Frau Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmagement an der Universität St. Gallen. Dieses ‘Harvard der Alpen’ ist eine der industriellen Kaderschmieden Mitteleuropas. Sie lehrt dort ‘Corporate Communications’, bringt also den Unternehmen das Sprechen und Schreiben bei. Angesichts dieser hehren Zielsetzung wird sie mir, denke ich, dankbar dafür sein, dass ich unentgeltlich einen ihrer Texte stilistisch etwas aufpoliere.

In ihm antwortet sie auf Angriffe ihrer hochbedeutenden Thesen durch Stefan Niggemeier, und wenn solch ein diskursiver Text durch mich etwas eingängiger wird, dann verstehen ihn ja vielleicht auch die begriffsstutzigen Blogger etwas besser. Weshalb wiederum jeder erkennen kann, wo diese leckere Buchstabensuppe mit dem einen oder anderen Argument kulinarisch abgeschmeckt wurde. Aus Gründen der Anschaulichkeit habe ich Original und Verbesserung immer höchst säuberlich nebeneinander gestellt. Der Text von Frau Meckel erschien übrigens unter dem Titel “Die Buschtrommel-Dokrin” dort in ihrem Blog, wo ich auch die von großer Liebe und Verehrung zeugenden Kommentare lobhudelnder Studiosi und Studiosae der Beachtung empfehle. Los geht’s!

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Des Deutschen Internetphobie

Freitag, 08. Mai 2009

In Analogie zu dieser wahrhaft luziden und tiefschürfenden Analyse der Süddeutschen Zeitung stelle ich hier auch mal meine zehn Gründe ins Netz, weshalb die Deutschen so wenig bloggen. Vielleicht werde ich ja auch so berühmt wie dieser Hüftschütze Felix Salmon:

1. Das Internet verbraucht viel Strom. Der Deutsche aber spart gern Strom.

2. Verglichen mit den Amerikanern hat der durchschnittliche Deutsche nicht viel zu sagen. Deshalb irritieren ihn kommunikative Anforderungen im Netz.

3. Erst, wenn Bloggen ein Studiengang geworden ist, wenn Blogger zu Johannes B. Kerner dürfen, dann werden mutige Avantgarde-Germanen geneigt sein, Blogs für relevant zu erachten.

4. Der Deutsche in seinem Hygienewahn vermisst in den Blogs bisher das Toilettenpapier als Desiderat aller Kultur. Wohingegen Zeitungen sogar darauf gedruckt sind - meist dreilagig und mehr.

5. Der Deutsche fährt lieber nach Mallorca als nach Bloghausen.

6. Politiker hören niemandem zu, schon gar nicht Leuten aus der Blogosphäre: Volkes Wille, sagen sie, sei die Stille. Der untertänige Deutsche wiederum hat historisch seinen Regierenden noch nie widersprochen.

7. In der Blogosphäre gibt es kein frisch gezapftes Bier.

8. Der beeindruckbare Deutsche hängt an umständlichen und gravitätischen Titeln wie “Bertelsmann Universal-Lexikon” oder “Zentralstelle zur Erfassung einbeiniger Choleriker ohne Schulabschluss”. Bunten Dingen, die nach Kinderkram klingen, die z.B. einfach nur ‘Google’ heißen, denen misstraut er dagegen zutiefst. “Larry Page’s allumfassendes Zwischennetzfundstellen-Archiv-System”, das wäre ein erster vertrauensbildender Schritt, seiner Internet-Phobie entgegenzuwirken …

9. In der Blogosphäre reden dem durchschnittlichen Deutschen einfach zu viele Frauen mit.

10. Der Deutsche muss unbedingt recht haben. Bloß auch dabei gewesen zu sein, das genügt ihm nicht. Wenn er aber so ist, wie er ist, muss er sich prompt als ‘Troll’ beschimpfen lassen …

Flüchtig und irrelevant?

Montag, 02. März 2009

Ha - diese Blogtexte, die seien doch schnell hingehuscht und bloß für den Moment geschrieben! So lautet ein gängiges Vorurteil, vor allem derjenigen, die sich diesem fuuuchbaa’n Netz nur von Journalisten am Patschehändchen geführt nähern mögen. Die Zeitung dagegen, öhem! die sei dagegen - - - hmmm! die sei dagegen? - - - nun eigentlich sei die ja auch bloß für den Papierkorb geschrieben. Jedenfalls dann, wenn einer dieser hochverehrten Vorurteilsträger mal kurz seine holzfarbene Brille abnehmen möchte, um auf die Realien zu blicken: Die Zeitung wandert am nächsten Tag schon ins Altpapier und ab ins Nirwana, Blog- und Online-Texte erscheinen dagegen nach Jahren noch auf dem Bildschirm, weil die große Gurgelmaschine einfach nichts vergisst. Google hat nämlich den Papierkorb zu seinem Archiv ernannt - und leert ihn niemals aus …

Das Dahinsterben der Holzmedien führt daher keineswegs zu mehr Huschhusch- oder Wie-gerülpst-so-geschrieben-Texten. Genau andersherum wird ein Schuh daraus. Nur hat sich das noch nicht recht herumgesprochen: Während ein Holzjournalist sich um sein Elaborat keinen großen Kopp machen muss, weil für ihn am nächsten Tag immer Aschermittwoch ist, da sind online alle Texte ein Produkt wie Rotwein - sie reifen im Netz. Ein Roman Libbertz kriegt dann nach Jahren plötzlich erneut eine höchst fragwürdige Publicity, weil ein anderes Blog neu auf einen älteren Beitrag anderswo verlinkte. Kurzum: Blog-Content never dies …

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Schreib oder stirb!

Dienstag, 17. Februar 2009

Vor zehn oder zwanzig Jahren, als Holzhausen noch boomte, da war für den Medienkonsumenten alles viel einfacher: Die eigene Meinung wurde ihm von seinem Leib- und Magenblatt frühmorgens frei Haus geliefert. Er traf im Laufe des Tages auf Mitbürger, die ähnlich konditioniert worden waren. Denn ein ‚Massenmedium‘ ist – nach Habermas - natürlich immer auch eine Veranstaltung, die Konformität und Gleichförmigkeit von Ansichten bewirkt. Das Phänomen heißt unter Soziologen – positiv gewendet – „gesellschaftlicher Konsens“. Geteilte Grundüberzeugungen wiederum schweißen die Parteien zusammen, sie formen unsere Ideologien und deren Vokabular, sie sind der kommunikative Kitt, an dem sich die soziologischen Gruppen erkennen.

Ohne Nutzung von Massenmedien aber fragmentiert sich die Welt: Abertausende von unterschiedlichen Ansichten sind im Netz zu finden, jeder Paranoiker findet sein Echo, Themen werden nicht länger von anderen vorgekaut, der eine schreibt eben gern dies, der andere über das – und wenn einer aus dieser Myriade von Selbstverlegern tausend Leser und Leserinnen am Tag findet, dann ist das für Web-2.0-Verhältnisse schon viel. Die alte Welt der Publizistik zerfällt in Milliarden Teile, wie ein Spiegel, der auf die Fliesen einer neuen medialen Wirklichkeit gekracht ist.

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Der Fischmarkt duftet

Dienstag, 10. Februar 2009

Professionelle Marktbeobachter wissen genau, wo ihre dahinschwindenen Kunden zu finden wären. Es nützt ihnen nur wenig. Die erwünschten jungen und kaufkräftigen Zielgruppen, die lesen kaum mehr Zeitungen, sie schauen immer weniger fern. Und das werbedurchblökte Formatradio – ob privat oder öffentlich-rechtlich - gilt in manchen Kreisen längst als ‚Nervmedium‘ schlechthin. In ihrem Alltag, der sich im Internet abspielt, wird die Werbung, wo immer dies möglich ist, mit Ad-Blockern, mit Spam-Filtern und anderen hilfreichen Instrumenten als bloß noch lästig ausgeblendet und eliminiert. Der autonome Verbraucher der Generation 2.0 will von dem Gedudel und Geplärre hochgestemmter Superlative immer weniger wissen - und zugleich besitzt die Werbung in der neuen Medienwelt nicht mehr die alte ‚Macht der Unvermeidlichkeit‘, sie vermag der Aufmerksamkeit des Konsumenten nicht mehr den Fuß in die Tür zu stellen.

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Wer schreibt, ist zu zweit

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Wer Texte für ein öffentliches Netztagebuch schreibt, der erfindet nicht nur sich als Person, wie es guter Brauch unter Textern ist, sondern er erdichtet immer auch einen Leser hinzu - mindestens einen. Also wird er notwendigerweise Dinge verschweigen: alles, was dann doch ‘zu persönlich’ ist. So offen ist kein Blog, dass der Schreiber diese Hemmung fallen lassen könnte, dem letzten Handtuch in der Sauna gleich. Ob ein Schreiberling seinen Leser später wiederfinden wird, ist eine ganz andere Frage. In allem aber, was er schrieb, war ihm dieser Leser ständig präsent. Nie ist daher in einem Text der Schreiber daher ‘ganz’ oder ‘ausgesprochen’ vorhanden - auch und gerade nicht in solchen ‘elektronischen Tagebüchern’ wie hier.

Ach so - ‘Hallo, liebe Voyeure da draußen!’