Artikel mit ‘Blogs’ getagged

Wolf Schneider nun wieder!

Donnerstag, 07. Januar 2010

Wolf Schneider, der Alterspräsident für journalistische Philologie in Deutschland, hat sich der Blogger-Szene zugewandt. Er unterteilt die Blogger forsch und fern der Empirie in drei hemdsärmelige Kategorien: in die ‘Nützlichen’ (er erwähnt die Dissidenten in China und die Frau Huffington), in die ‘Abscheulichen’ (hier nennt er keine Namen) und in die ‘Einsamen’. Zur Erläuterung der letzten Kategorie dann zitiert er lang und schlapp den Felix Schwenzel, dem man - neben konsequenter Kleinschreibung - zwar dies und das vorwerfen könnte, aber ‘Einsamkeit’ ist für ein Blog, das beim Leserzuspruch und bei der Kommentardichte überall ‘weit oben’ landet, nun wirklich keine stimmige Kategorie. Schon deshalb, weil sie mit der empirischen Realität und dem Rezipientenverhalten in keinerlei Zusammenhang zu bringen ist. Ganz abgesehen von ixens eigener Darstellung des Sachverhalts.

Und wenn hier schon durch Wolf Schneider selbst dem sonst so verpönten subjektiven Meinen Tür und Tor geöffnet wird, dann möchte ich darauf hinweisen, dass auf mich der deutsche Sprachpapst in seinem Lehnstuhl dort einen höchst vereinsamten Eindruck machte. Aber das mag natürlich täuschen …

Verbohrte Welt

Sonntag, 01. November 2009

Eigene Klischees sind es, die vielen Journalisten beim Blick auf die Blogosphäre die Einsicht verwehren. Am Beispiel der Frau Eva Schweitzer will ich versuchen, die Vorurteilsstruktur teilweise herauszuarbeiten, die solchen unzutreffenden Ansichten zugrundeliegt. Ich beschränke mich dabei strikt auf die von ihr kommentierten Kommentare, die sie - vermutlich in humoriger Absicht - in ihrem taz-Blog zum Besten gab. Los geht’s:

“Da wollte ich schon Philipp vom Haken lassen, und jetzt schreiben mir seine Freunde dauernd emails.”

Wat’n Skanda-al! Lauter böse E-Mails kriegt sie jetzt! Und der Philipp hat schuld! Wichtiger aber ist das Bild, das uns dieser Satz vermittelt: Sie ist die Anglerin am großen Datenstrom, der Philipp aber, diese arme Socke von Bloggerbarsch, der ist jener kleine Fisch, den sie jetzt doch nicht mehr ins Wasser zurückwerfen will, obwohl er den Maßen des Deutschen Sportfischerverbandes keineswegs genügt. Wir stellen sprachlich zunächst den Befund einer realitätsverweigernden Macht-Metaphorik: Frau Schweitzer glaubt, sie hätte die Situation - die Angel also - fest in der Hand, obwohl doch ‘der Schwarm’ der Blogosphäre  längst aufgeflogen ist und den Kopf der holden Anglerin jetzt von allen Seiten umsurrt. Welch ein bildverrannter Irrtum! Wenn schon eine Fisch-Metapher, dann doch lieber eine zutreffende: Die gute Frau hat ihren großen Zeh als Köder ins Wasser getaucht, und die bösen Fische haben - haps! - die ganze Anglerin angeknabbert. Was an jedem Satz zu spüren ist. Weiter im Text:

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Old Boys - Mixed Answers

Montag, 07. September 2009

Der größte Vizekanzlerkandidat aller Zeiten, Frank-Walter Steinmeier, hat der Carta einen Vorabdruck zu den Positionen zukünftiger SPD-Medienpolitik gegeben. Der aber nach Lage der Dinge wohl nur dann ansatzweise umgesetzt werden könnte, wenn’s erneut zu einer großen Koalition käme. Klar wird mir bei der Lektüre eins - unsere Parteien sind durch die Bank noch gar nicht Anno Internet angekommen. Unverdrossen reduzieren Sie alle Medienvorgänge auf ‘Massenmedien’ und auf ‘Opinion Leader’, unbeirrt gibt es nur eine wahrhaft demokratische Beziehung, diejenige zwischen ‘Politik’ und ‘Massenmedien’. Steinmeier schreibt:

“Um so mehr sollten Politik und Medien gemeinsam diesen öffentlichen Diskurs pflegen. Mit Abstand und Kritik, aber eben auch mit Respekt für einander. Öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung sind nicht zu trennen und Öffentlichkeit, das haben wir spätestens von Jürgen Habermas gelernt, ist eine zentrale Kategorie der aufklärerischen Tradition, die aber eben auch einem tief greifenden Strukturwandel unterworfen ist. Die Massenmedien haben die Rolle eines elektronischen Lagerfeuers übernommen. Im Idealfall sammeln, bündeln und bewerten sie, was eine Gesellschaft bewegt und bewegen müsste, und tun das in der Weise, dass in einer Gesellschaft Meinungsvielfalt und -zugang gewährleistet sind.”

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Fünfmal um den Blog

Donnerstag, 13. August 2009

Gut - legen wir also erneut ab vom sicheren Google-Kai, um einige weiße Flecken der Blogosphäre zu erkunden. Immer den Möwen nach …

1. Im Falle von Gsallbahdr interessiert mich das meiste ausdrücklich nicht. Da ist mir zu viel Technik, zu viel Fachbegrifflichkeit, vieles wirkt zu zu nerdig, zu fieselig auf einen bekennenden Dumm-User wie mich. Zwischendrin aber finde ich immer wieder autobiographische Perlen wie diese hier, die dazu noch gut geschrieben sind, was man ja nicht von allen Freaks behaupten kann, die stilistisch oft im Blaumann daherkommen, als schrieben sie noch immer Programmierzeilen. Der hier nicht:

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Die Sprachmoglerin

Sonntag, 02. August 2009

Jetzt kommt es tatsächlich so, wie es die Mehrheit der Netzbenutzer seit längerem befürchtete: Der Kampf gegen die Kinderpornographie sei nur eine Ouvertüre in ihrem Kampf gegen das Netz höchstselbst gewesen, das verkündet uns Ursula von der Leyen. Nun gehe es generell darum, dem großen “Chaos” im Internet endlich den Garaus zu machen. Offensichtlich ist sie - auch durch die Widerständigkeit des Netzes - zum ‘Wife with a Mission’ mutiert, ein Weib also, dessen ideologische Weltwahrnehmung mit der Realität, auch mit einer angeblich ‘virtuellen Realität’ im Netz, nicht mehr viel gemein hat.

Hier zunächst ungekürzt die entscheidende Passage aus dem Abendblatt-Interview, bevor wir uns dann die Dame ein wenig hermeneutisch zur Brust nehmen wollen. Frau von der Leyen im O-Ton:

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Fünfmal um den Blog

Mittwoch, 29. Juli 2009

Ein neuer Vorstoß in unbekanntere Blog-Gefilde. Heute soll’s hier Artverwandtes geben - wir besuchen also einige jener Blog-Wigwams, die über und über mit Buchstaben und Satzzeichen bedeckt sind.

1. Die Protextbewegung ist derzeit vor allem eine Bande wilder Weiber von den Weiden des Westens, die sich für vernünftige Preise und lesbare Qualität bei der Textproduktion einsetzen. Da das Textbewusstsein in Deutschlands Unternehmen - mit wenigen Ausnahmen - derzeit auf breiter Front den eingeseiften Content-Hang hinabrauscht, ist ein solcher Einsatz sicherlich aller Ehren wert. So weit ich das verstanden habe, steht diese Netzlobby übrigens auch Testikelträgern offen.

2. Kristins Sprachblog kümmert sich um die Feinheiten grammatischer Sprachverbiegungen und -verbeugungen, um Lautverschiebungen und noch so allerlei, von dem ich bisher noch gar nicht wusste, wie fadenscheinig mein Wissensteppich an diesen Stellen ist. Geradezu akribisch wird mir meine Ignoranz vor Augen geführt. Die Sprache, das lerne ich daraus, ist doch ‘ein weites Feld’ (Fontane) …

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Schnutinger geht offline

Dienstag, 21. Juli 2009

Ich muss voranschicken, dass ich die Ankündigung Schnutingers richtig traurig finde. Ich mochte sie und ich mochte ihren Blog, obwohl ich den Erstklässleraufsatz im Fach Public Relations, den sie jetzt für die Firma Vodafone schrieb, selten dämlich fand - vor allem den letzten Absatz. Als dann noch ix’ens und Jakubetz’ Kommentare eintrafen, da hat sie, glaube ich, die bereits blank liegenden Nerven vollends verloren.

Sie muss sich vorgekommen sein, als hätte sie den Finger in ein Piranha-Becken gesteckt, weil in Blogville derzeit alles so sehr gegen Vodafone gebürstet ist, dass die versammelten Telebabbler von der Firma Communication Breakdown Creatives in absehbarer Zeit und im Raum der ‘Social Media’ wohl keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen werden. Frau Schnutinger muss das jetzt leider ausbaden. Hoffentlich legt sich die Migräne wieder … und wenn die bekloppte Vodafone-Aktion zu irgendetwas führen könnte, dann wohl dazu, dass in Zukunft jeder Blogger es sich tausendmal überlegen wird, ob er nochmals einen Vertrag mit der Industrie macht, jedenfalls dann, wenn dort erneut solch ahnungslose Werber und Öchsperten die Zügel führen dürfen.

Viel interessanter als diesen Abgang finde ich allerdings die Treffsicherheit, mit der jene Leute, die im Vodafone-Blog den Beitrag in Grund und Boden kommentierten, herauszuhören vermochten, welche Beiträge dort ‘Dienstleistungen’ oder ‘Fakes’ waren. Das war ‘Cluetrain’ live. Echte Supporter der Frau Schnutinger gab es dagegen kaum - ein Faktum, das zu Schnutingers Verzweiflung mit beigetragen haben dürfte. Mit untrüglicher Sicherheit jedenfalls erkannten die Leser des Vodafone-Blogs den typischen ‘Public-Relations-Sound’, eine Übung, die manchen Etat-Verantwortlichen in den Agenturen verzweifeln lassen dürfte, weil er das eben nicht hört, und weil er auch nicht versteht, wieso das jemand hört. Vor allem, wenn er über der Möglichkeit grübelt, im Sozialraum des Web 2.0 künftig profitable Kampagnen zu fahren, während seine rundgelutschten ‘Messages’ immer nur blanke Aggressionen auslösen.

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Fünfmal um den Blog

Donnerstag, 16. Juli 2009

Zum allgemeinen Nutzen, dachte ich, könnte ich meine alte Rubrik aus der verblichenen ‘medienlese’ wieder aufnehmen. Um den Leser abseits der großen Busbahnhöfe in die entlegeneren Ecken Bloghausens zu führen, zu einer subjektiven Sightseeing-Tour, dorthin, wo das Netz erst seinen verborgenen Reiz entfaltet und wir uns schnell in seinen Maschen verfangen. Los geht’s …

1. Das Texttheater ist eine höchst ‘artige’ Angelegenheit, ein Blog, das dem Leser mal mit ‘einkötern’, ‘Mundwurm’ oder ‘pittofresk’ unversehens den Wortschatz weitet, dann wieder dem lässigen Durchschnittsjournalisten stilkritisch auf die Hühneraugen tritt, um kurz darauf Seltsames aus den Tiefen des Alltags zu vermelden: “Unter meinem Fenster ist gerade etwas sehr rhythmisch vorbeigeklappert und –geschnarrt. Dem Klang nach zu urteilen war es ein Pferd auf Rollschuhen”.

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Tschäneräjschen Applohd

Freitag, 10. Juli 2009

Thomas Knüwer verdanke ich den Hinweis auf dieses schöne Stück Mozzarella-Prosa aus dem Hause Vodafone, verfasst für ein Corporate-Blog von einem veritablen Blogger namens ggründgens, der als Marken-Chef auch tatsächlich so klingt wie aus des seligen Gustav Gründgens’ Zeiten überkommen. Dieses Blog ‘bloggish’ zu nennen, wäre sicherlich eine maßlose Übertreibung, trotzdem, auch solches Kleinvieh macht Mist - schmücken wir uns also diesen Text ein wenig mit der Zierpetersilie des fortlaufenden inneren Leserkommentars aus:

Endlich ist es soweit [Ich konnte es auch kaum noch erwarten!]. Die neue Vodafone-Markenkampagne [wie war denn die alte?] startet diese Woche [doch schon?], mit der wir national [international würde man sich auch eher schlapplachen] die „Generation Upload“ ansprechen [It's a new generation, with a new explanation, it's - huh! - people in motion]. Doch wer ist das eigentlich, die „Generation Upload“? Die Antwort ist denkbar einfach: Du bist die „Generation Upload“ [Opa, Enkel, Müllers Kuh, mittendrin natürlich du - ]. Warum? Weil alles, was Du startest, heute die Welt bewegen kann! [Kausalität ist nämlich Glückssache, oder das Eintippen einer Rufnummer in Wanne-Eickel kann einen Vulkanausbruch in Honolulu auslösen]

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Lokale Blogportale

Mittwoch, 08. Juli 2009

Der folgende Text ist aus dem Jahr 2006 - er müffelt also doch schon etwas nach alten Socken in dieser schnelllebigen Zeit. Da aber gerade eine Diskussion entbrannt ist um die Möglichkeit, den Lokaljournalismus von jener Holzbahre zu holen, auf der er dem Grab entgegendämmert, ist diese schon etwas ältliche Idee eines lokalen Blogportals, das ‘eine ganze Stadt abbilden’ sollte, vielleicht doch dem einen oder anderen nützlich. Lilienthal ist übrigens eine Kleinstadt im Speckgürtel vor den Toren Bremens. Los geht’s - aber Vorsicht, es ist ein langer Riemen, der hier jetzt folgt:

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