Texten um jeden Preis?
Freitag, 05. Juni 2009Ich bin gern Texter - dies vorab. Auch gern mal umsonst, wie in diesem Blog, wo ich für einen Gotteslohn schreibe - oder allenfalls mal 50 Euro über Google Adsense abstaube. Aber ich bin kein Texter um jeden Preis.
Zur Vorgeschichte: Gestern rief mich der neue Geschäftsführer eines Kunden an, für den ich ab und zu Schreibseminare abhalte. Der hatte nach der Übergabe des Amtes meine Daten verbaselt und suchte mich im Internet, zunächst vergeblich über das Portal texter.de, eine Website, die mir bisher unbekannt war. Natürlich schaute ich mir dieses Portal auch mal an, nachdem er mir davon erzählt hatte - und ich stieß sogar auf eine Latte von Textaufträgen, die dort gegen Gebot versteigert werden. Für die es anfänglich teilweise sagenhafte 0,01 Euro je Wort geben soll - die allerdings noch unterboten werden können.
Ja, dieser Lohn für eine kreative Leistung motiviert natürlich ungeheuer - bei den maximal 15 Wörtern, die in eine Zeile passen, wenn man sich nur die kürzeren Exemplare greift, und bei den etwa 30 Zeilen je Seite. Unversehens käme man da doch glatt auf satte 4,50 Euro je Seite, wenn man sich nicht zu unverschämt aufführt und diesen reellen Marktpreis akzeptiert. Ich Hallodri mit meinem übertriebenen Eigenwertgefühl setzte probehalber 50 Cent/Wort ein - habe aber bisher noch nichts vom Auftraggeber gehört.
Donnerwetter, dachte ich mir - warum schreiben die sich ihre Texte bei ihren opulenten Verdienstmöglichkeiten eigentlich nicht selbst? Bzw.: Warum schmieren die sich solche Aufträge nicht in die gegelten Haare? Denn mit seinem Tippseln verdient da ein Lore-Roman-Lohnschreiber sicherlich mehr. Und er pflegt dann mit dem Hochadel Umgang, statt mit solchen ‘Entrepreneuren’ …
