Die Tegernsee-Legende
Montag, 25. Januar 2010Wer des öfteren beim Don Alphonso mitliest, sei’s im Rebellmarkt oder in den Stützen der Gesellschaft, der weiß, dass der Tegernsee mit seinen stolzen Villen ihm als letztes, altkulturelles Reservat wahrer Besitzbürger in Deutschland gilt. Hier ist das Schöne, das Gute und Bewahrenswerte daheim, die echten Werte und ein solide mit Grundstücken und Geldanlagen unterfüttertes Selbstbewusstsein, gegen das eine Talmi-Metropole voller Kultur-Strizzis wie Berlin gar nicht anstinken kann. Der Tegernsee ist für Don Alphonso das bourgeoise Paradies in Deutschland, die Wahlheimat der besseren Gesellschaft.
Da ich gegen allzu deftige Verklärungen und Legendenbildungen gern anstänkere, habe ich mir meine Ausgabe mit Ludwig Thomas Beiträgen zum ‘Miesbacher Anzeiger‘ aus dem Regal geholt (ed. Wilhelm Volckert, München 1989). Dieser ‘Miesbacher Anzeiger’ führte im Untertitel die Bezeichnung ‘Tagblatt für den Bezirk Miesbach-Tegernsee und dessen Umgebung’, er war nach dem Ersten Weltkrieg die meist gelesene Zeitung rings um den Tegernsee. Die hier endlich einmal aufgelisteten Beiträge fehlten nicht ohne Grund bisher in jeder Ludwig-Thoma-Ausgabe, weil sie den bajuwarischen Polemiker vom marmornen Sockel stürzen.