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Ramsauer und die Grammatik

Sonntag, 07. Februar 2010

Tscha - wer sich als kühner Toitsch-Sprach-Bewahrer kopfüber in den großen Kampf gegen migrantenmäßig wuchernde Anglizismen stürzt, der sollte doch zumindest mit der Statik der deutschen Sprache ein entspanntes Verhältnis pflegen. Es muss ja nicht gleich erotisch sein. Das aber ist natürlich nur meine unmaßgebliche Meinung:

“Die deutsche Sprache aufzunehmen, halte ich für ein bemerkenswertes Anliegen, mit der man sich auseinander zu setzen hat. Aber genauso wichtig ist es, die deutsche Sprache auch zu praktizieren.”

Feste üben, Herr Ramsauer, immer nur feste üben! Dann wird es selbst in Ihrem Fall mit dem ‘Praktizieren’ sicherlich auch noch etwas …

Mama, dem tut mich weh!

Samstag, 29. August 2009

Mit schwerem Kopf stapfte der Redakteur durch die Zeilen, um den Lesern gleichfalls das Grauen zu lehren:

Mit schweren Schritten stapfte der Ex-Herthaner auf den Platz, um den gegnerischen Angreifern das Fürchten zu lehren.

Holz-Fäller ist ja ein ehrenwerter Beruf, aber was treibt er bei einer Zeitung?

Denkfutter

Sonntag, 07. Dezember 2008

Weil ich den Mauthner hier kürzlich anführte, habe ich mir seine ‘Beiträge zu einer Kritik der Sprache’ aus dem Regal gekramt und stelle einfach mal einige Kernsätze hier als mentale Appetitanreger ins Netz. Ein solches Maß an philosophisch begründeter ‘Sprachverachtung’ von einem solch sprachgewaltigen Menschen - diese Kombination gab es in Deutschland kein zweites Mal. ‘Nach Mauthner’ war die Sprache keine Göttin mehr, sondern eine Dirne, ein kommunikativer Gebrauchsgegenstand und kein heiliges Instrument höchster Einsichten. Gewissermaßen war Fritz Mauthner ein ‘umgekehrter Karl Kraus’:

Sprache dient zum Sprechen: “Die Sprache existiert niemals für sich allein, sondern immer nur zwischen den Menschen. Sie ist für die Menschen, was der sagenhafte Äther für die gravitierenden, elektrischen oder leuchtenden Körper. Etwas, was die Schwingungen schwingen läßt, die Gehirnschwingungen von einem zum anderen”.

Das tägliche Gesabbel: “Die Sprache aus dem gemeinen Mitteilungstrieb ist schlechte Fabrikarbeit, zusammengestoppelt von Milliarden von Tagelöhnern”.

Gegen Begriffshuberei: “Der ist kein freier Mann, der sich noch einen Atheisten nennt, einen Gegner dessen, den er leugnet”.

Der kommunikative Irrtum: “Der Mensch jedoch, solange er lebt, ist wie die lebendige Sprache und glaubt, er habe etwas zu sagen, nur weil er spricht”.

Bilderstürmer: “Nach dieser Vorstellung, welche heute noch von allen Köpfen geteilt wird, sitzt irgendwo am Strombett der Sprache eine Gottheit, Mannsbild oder Frauenzimmer, das sogenannte Denken, und herrscht unter den Einflüsterungen einer ähnlichen Gottheit, der Logik, über die menschliche Sprache mit Hilfe einer dritten dienenden Gottheit, der Grammatik. Ich würde es für das stolzeste Ergebnis meiner Untersuchung halten, wenn ich die Menschen von der Unwirklichkeit, von der Wertlosigkeit dieser dreieinigen Göttinnen überzeugen könnte.”

Sprachdarwinismus: “Wir müssen eben die Sprache unter die übrigen Tätigkeiten des Menschen rechnen als wie das Gehen, das Atmen. Da ist es für den Biologen gar kein unsinniger Gedanke, daß der Mensch nicht geht, weil er Beine hat, sondern daß er Beine hat, weil er geht; daß der Mensch nicht atmet, weil er eine Lunge hat, sondern daß er eine Lunge hat, weil er atmet”.

Sprechakttheorie - avant la lettre: “Ein einzig sprechender Mensch unter sprachlosen Volksgenossen ist ebensowenig vorstellbar wie ein redender Gott, der den Menschen die Sprache erst schenkte. Oder er wäre wie der Teilnehmer an einem ausgedehnten Telephonnetze, das keinen zweiten Teilnehmer hätte. … Als sozialer Faktor erst wird die Sprache, die vor Erfindung der Buchdruckerkunst noch nicht einmal in einem Wörterbuche beisammen war, etwas Wirkliches. Eine soziale Wirklichkeit ist sie; abgesehen davon, ist sie nur eine Abstraktion von bestimmten Bewegungen”.

Sprachsozialismus: “Wo ist also das Abstraktum ‘Sprache’ Wirklichkeit? In der Luft. Im Volke, zwischen den Menschen”.

Pragmatismus: “Sprache ist Sprachgebrauch”.