Artikel mit ‘Kommunikation’ getagged

‘Krise’ - gibt es nicht:

Samstag, 06. Februar 2010

Im gehobenen Sprachgebrauch heißt es immer nur ‘Probleme bei der Außendarstellung’ oder ‘missverständliche Kommunikation’. Deshalb wird bei dem Treffen, das einige unverantwortliche Journalisten schon eilfertig die ‘FDP-Krisensitzung’ tauften, stundenlang nur über ein Thema geredet werden, das laut Parteichef thematisch doch gar nicht existiert. Es sei halt eine typische ‘Arbeitssitzung’, auch wenn dort kein Mensch im strengen Wortsinn arbeiten wird - außer den Kellnern vielleicht. Auch Lady Cornelia Helmchen, die intellektuelle Leuchtturmwärterin des Liberalismus in Deutschland, bestätigt mich in meiner Nullsprech-Diagnose:

“Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper wies allerdings am Freitag Berichte zurück, es handele sich um eine Krisensitzung.”

Informationshäppchen

Mittwoch, 09. September 2009

Nein, ich werde hier das hochbedeutsame ‘Internet-Manifest’ nicht nochmals verlinken. Der Text ist trotzdem ein Schulbeispiel dafür, wie man mit überholten Anschauungen eben keine Welt aus den Angeln heben kann. Auch nicht online. Am Beispiel des Informationsbegriffs will ich versuchen, das zu erklären. Bei den Berlinern heißt es:

“Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen.”

So eben ist es nicht: Informationen sind nichts, was außerhalb eines menschlichen Kopfes wie ‘Dingliches’ umherfliegt - also bspw. wie ‘Kokosnüsse’, ‘Regenschauer’ oder ‘Tastaturen’. Auf diese Weise existieren Informationen nicht. Auch in den großen ‘Informations- und Datenspeichern’ finden sich vor allem Buchstaben und Zahlen, die sinngebende Instanz kommt erst als Leser oder Programmierer hinzu. Dort außerhalb von uns gibt es nur Ereignisse, Geschehnisse, ‘Perturbationen‘, ‘Reize’, von mir aus auch ‘Fakten’ - aber eben keine Informationen: Ein Blitz schlägt in eine Platane ein, ein Tsunami rollt auf die Küste Javas zu, äthiopische Panzer rollen über die somalische Grenze, einer Frau in Detmold fällt die Blumenvase aus der Hand usw.

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Zuhören?

Montag, 04. Mai 2009

Bewundert habe ich immer jene Autoren, die in ihren Autobiographien noch -zig Jahre später Gespräche Wort für Wort daherrezitieren konnten. Entweder ich glaube dabei an blanke Eidetik - oder aber an die ungenierte Erfindungsgabe solcher Schreiber. Denn niemand behält üblicherweise den Wortlaut eines Gespräches länger als ein paar Anstandsminuten im Kopf, allenfalls in den wenigen echten Krisensituationen des Lebens. Zum Kummer von Richtern und Polizisten, die sich aus abstrusen und widersprüchlichen Zeugenaussagen zusammenklamüsern müssen, was möglicherweise ‘wirklich’ gesagt worden sei.

Wenn ich zuhöre, dann schweife ich oft meilenweit ab. Ich gucke mein Gegenüber zwar weiterhin aufmerksam an, assoziiere aber längst frei daher, entlang von Wortketten und auf Gedankenflügen, zu denen der Gesprächspartner mir nur den Anstoß gab. Wenn dann plötzlich Nachfragen ertönen und ich wieder ‘ins Gespräch einsteigen’ muss, dann schützt mich eine glückliche Eigenschaft vor dem Kommunikations-GAU - ich kann die letzten paar Sekunden des Textes zurückspulen wie auf einem alten Cassetten-Recorder. So erscheine ich immer als höflicher und aufmerksamer Zuhörer.

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Ein Medium für jedermann?

Sonntag, 25. Januar 2009

In der Jugend mag uns das noch so vorkommen: Da wird gesimst und gechattet, was die Tastatur aushält. In den Pubertätsecken des Internet blühen die intimen Konfessionen wie einst im ‘lieben Tagebuch’: “Boaar, hastu den Kenny gsehn, ej! Den könnt ich fielleich – ej. Ir wist ja nix fon Liebe – ir Schlampn!” [Zeichensetzung halbwegs normalisiert] …

Das Internet – sagen wir’s, wie’s ist – steckt voller ‘Mist’: 99,9 % der Botschaften interessieren niemanden - nur den Absender. Das alte grundlegende Problem allen Schreibens bleibt im WWW erhalten: Man muss schon etwas zu sagen haben, damit man etwas schreiben kann – und es ist ein verdammt langer Weg vom Kopf auf den Bildschirm, und ein noch längerer von dort in den Kopf des Lesers.

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Durch die Blume

Montag, 01. Dezember 2008

Es gibt Kunden, die in ihren Texten möglichst ‘kompetent’ erscheinen möchten. Das ist ja auch legitim. Streue ich dann aber das Wort ‘Kompetenz’ nicht wie mit der Pfefferbüchse über den Bildschirm, dann ist ihnen der ganze Text nicht recht, obwohl er sie doch ‘kompetent’ wirken lässt. Also eröffne ich mal wieder meine kleine Texterschule, bis diesen Hartköpfen endlich klar ist, dass der gewünschte kommunikative Effekt nicht am Wort klebt wie der Panzer an der Schildkröte.

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Textlogik

Freitag, 14. November 2008

Die Frau Professorin Miriam Meckel ist diejenige, die mit der Anne Will und so - vor allem aber ist sie Professorin für Unternehmenskommunikation in St. Gallen. Bloggen tut sie auch, allein schon ihren Studenten ihren Studierenden zuliebe. Im zeitgemäßen und jugendgerechten Duktus klingt die wandlungsfähige Kommunikationsexpertin, dort wo sie dem Nachwuchs ihr Wollen und Sollen beschreibt, dann so:

“Hier habt Ihr die Gelegenheit, Eure Gedanken loszuwerden und neue Ideen in den Webdiskurs einzuspeisen”.

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Die PR-Schlüssel-Faktoreros

Samstag, 20. September 2008

Heute habe ich all meinen Mut zusammengenommen: Ich habe zwei tiefe Lungenzüge aus meiner alten verstaubten Kawumm genommen, die seit den Studententagen hier herumliegt, nur um denktechnisch den Konfuzius in mir zu wecken. Danach habe ich erst einmal eine halbe Stunde meditiert, halblaut ‘Ommmmm’ vor mich hingebrummt, bis endlich die große Klarheit einsetzte. Daraufhin klemmte ich mich erneut hinter diesen PR-Satz, den ich ums Verrecken nicht kapiere:

“Kommunikation ist zweifellos der Schlüsselfaktor bei der Vermarktung neuer Technologien.”

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Werben etwa schwache Verben?

Donnerstag, 04. September 2008

Der Beruf färbt auf den Sprachgebrauch ab - da bin ich mir ganz sicher. Plötzlich, wenn der CEO aus dem heimischen Duffenhausen ins ferne Delhi reist, dann geht es auch dort im wilden Hindustan zu wie in einer bundesdeutschen Kommunikationsschmiede, zumindest dann, wenn Andreas Severin schreibt, immerhin CEO einer der größten Verbalmunitionsfabriken dieses Genres. Denn der Mensch nimmt seine Sprache immer mit sich - und damit meine ich keineswegs bloß die Muttersprachlichkeit, sondern - wie in diesem Fall - eine auserlesene Sammlung glattgeschliffener Himbeertoni-Verben, die dem mörderischen Geschehen auf den Straßen dort unten am Ganges nicht im Ansatz gerecht werden können:

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Das steht da so …

Donnerstag, 04. September 2008

… was kann ich dafür?

Da freut sich die Hausfrau!

Da freut sich die Hausfrau!

Denglish ist nicht das Problem

Montag, 01. September 2008

Diejenigen Leute, die auf jeder Party gegen das ‚Denglish’ wettern, die treffen in meinen Augen nicht den Punkt: Es gibt nämlich ein ‚Denglish’, das ganz ohne englische Lehnwörter auskommt. Allerdings wächst es auf den gleichen Wurzeln: Dem Wunsch nämlich, bewusst pretiös, unverständlich, wissenschaftlich, seriös und/oder abgehoben zu wirken. Die Rede ist von ‚Abstrakta’, denjenigen Wörtern, die aus dem Wissenschaftsbereich in die Alltagssprache übergeschwappt sind.

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