Artikel mit ‘Marketing’ getagged

Mäjk dott bielief …

Donnerstag, 03. September 2009

Viel Geld, richtig viel Geld, vermute ich jetzt mal, gab es für diese Glanzleistung eines ‘Mache Punkt Glauben’ oder ‘Machen Punkt Glaube’ - oder wie immer ein argloser Leser diese Agenturkreation aus hochgeschäumter Marketing-Sprache sich ins Deutsche übersetzen will. Dieser Punkt (oder das Dot) steht vermutlich für die Modernität. Aber nein, es ist alles noch viel komplizierter:

“Im Zuge der Weiterentwicklung von Sony und unseres Bestrebens, das Beste aus Elektronik, Entertainment und Technologie in das Zuhause unserer Kunden zu integrieren, ist ein allumfassendes und einheitliches Marken-Image wichtiger denn je“, erklärte Sony-Chef Stringer. Demnach sei “believe” die Kraft der Inspiration, während “make” für die Umsetzung dieser Inspiration in Produkte und Erlebnisse symbolisiere. Und “dot” sei “die Verbindung und der Ort, wo beides aufeinander trifft – und Magie entsteht.” … Sony wirbt künftig weltweit mit dem neuen Claim “make.believe”.

Die Sprache soll hier also mit zwei kleinen Wörterlein für ein erwünschtes Marken-Image sorgen? Ein totgerittenes Dutzend-Verb wie ‘machen’ soll die Umsetzung der vorangegangenen mentalen Glaubens-Transpiration in Produkte ’symbolisieren’? Der Punkt, den kein Mensch jemals mitsprechen wird, soll sich zu einem Ort der Begegnung auswachsen? Wo dann - Simsalabim!’ - weiße oder schwarze Magie entsteht? Ich weiß ja nicht …

Mich persönlich erinnert dieses Branding-Kikeriki zunehmend an die Religionsauffassung kleiner Sekten, oder an ‘Glaube’, definiert als ein durch nichts begründetes Wissen. Aber ich bin ja nur ein Mensch, ich mag mich irren … und diese drei Punkte stünden dann für den Ort, wo das alles zusammentrifft.

Bury my Language at Marketing

Montag, 31. August 2009

Diese Treuepunkte - die drängen sie uns bei real auf, dem nächsten Supermarkt, Luftlinie einen Kilometer von hier entfernt. Haben wir genügend moderner Rabattmarken gesammelt, dann gibt’s am Ende irgendein Produkt ein wenig preiswerter, das wir nie zu besitzen hofften. Derzeit Porzellan von Villeroy & Boch. So sieht das dazugehörige ‘Klebeheft’ für die Treuepunkte ‘hintenrum’ aus:

Hochgequirlte Langeweile

Hochgequirlte Langeweile

Schauen wir uns mal an, mit welcher Tonality die Marktstrategen uns, die werte Kundschaft, zu ködern trachten. Zunächst zäumen sie mit ‘steht für‘ einen der dienstältesten Zossen im Koofmich-Gewerbe:

Villeroy & Boch steht für Porzellan höchster Qualität.

Yoho - sie ‘stehen‘ und zwar ‘für etwas‘: “Steht auf, wenn ihr für Moosburg seid!” Wer aber steht, bewegt sich bekanntlich nicht, das Bild wirkt komplett statisch, auch die Anschaulichkeit nähert sich dem Nullpunkt. Oder kann sich jemand unter der Phrase etwas Konkretes vorstellen, außer einem Grabstein vielleicht? — Na, also.

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Lauter Produzenten!

Sonntag, 09. August 2009

Die grundlegende Schwierigkeit, das Netz zu vermarkten, besteht in meinen Augen darin, dass die Waage sich seit der Etablierung dieses Mediums ganz massiv auf die Seite der Produzenten neigte. Das altehrwürdige Schema aller kommerziellen Kioskbesitzer, ob sie nun Verleger heißen, Marketing-Experten, Werber, Entrepreneure, Coaches, Experten oder ‘windschnittige Leutebetrüger’ - wie auch immer - dieses Schema trägt nicht mehr, denn es verkennt die Realität: Es gibt nicht mehr die ‘Anbieter’ oder ‘Hersteller’ auf der einen Seite und die davon klar zu trennenden ‘Konsumenten’ auf der anderen Seite, zwischen denen dann ein mehr oder minder chimärischer ‘Markt’ oder ein anderes ‘Medium’ ökonomisch gerecht vermittelt. Den gewohnten ‘Dualismus’ des Marktgeschehens ersetzt im Netz ein funktionaler ‘Monismus’. Überspitzt formuliert: Im Netz sind alle ‘Konsumenten’ zugleich ‘Produzenten’ - wie auch alle ‘Produzenten’ zugleich ‘Konsumenten’ sind. Jeder schreibt. Ebenso wie er dargebotene Lektüre konsumiert. Gleiche reden mit Gleichen.

Buchstäblich jeder spielt im Netz heute diese funktionale Doppelrolle, die Folge ist eine komplett dialogorientierte Kommunikationsstruktur, zu der jeder beiträgt. Selbst derjenige, der nur auf dem Rückkanal einen Kommentar bzw. einen Link zum großen Weltweisheitsfonds beisteuert.

Das Netz ist im Kern damit eine Autorengemeinschaft. Wer nichts zu sagen hat, der ist für das Netz nicht vorhanden - er soll sich mit dem Routenplaner oder der Sudoku-Ecke seines Online-Portals begnügen. Es gibt trotzdem noch immer eine historisch einmalige Anzahl von Autoren, die blogtypische Kurzformen für Texte entwickelt haben - und sie oft besser beherrschen als die professionellen Schreiber.

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Schnutinger geht offline

Dienstag, 21. Juli 2009

Ich muss voranschicken, dass ich die Ankündigung Schnutingers richtig traurig finde. Ich mochte sie und ich mochte ihren Blog, obwohl ich den Erstklässleraufsatz im Fach Public Relations, den sie jetzt für die Firma Vodafone schrieb, selten dämlich fand - vor allem den letzten Absatz. Als dann noch ix’ens und Jakubetz’ Kommentare eintrafen, da hat sie, glaube ich, die bereits blank liegenden Nerven vollends verloren.

Sie muss sich vorgekommen sein, als hätte sie den Finger in ein Piranha-Becken gesteckt, weil in Blogville derzeit alles so sehr gegen Vodafone gebürstet ist, dass die versammelten Telebabbler von der Firma Communication Breakdown Creatives in absehbarer Zeit und im Raum der ‘Social Media’ wohl keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen werden. Frau Schnutinger muss das jetzt leider ausbaden. Hoffentlich legt sich die Migräne wieder … und wenn die bekloppte Vodafone-Aktion zu irgendetwas führen könnte, dann wohl dazu, dass in Zukunft jeder Blogger es sich tausendmal überlegen wird, ob er nochmals einen Vertrag mit der Industrie macht, jedenfalls dann, wenn dort erneut solch ahnungslose Werber und Öchsperten die Zügel führen dürfen.

Viel interessanter als diesen Abgang finde ich allerdings die Treffsicherheit, mit der jene Leute, die im Vodafone-Blog den Beitrag in Grund und Boden kommentierten, herauszuhören vermochten, welche Beiträge dort ‘Dienstleistungen’ oder ‘Fakes’ waren. Das war ‘Cluetrain’ live. Echte Supporter der Frau Schnutinger gab es dagegen kaum - ein Faktum, das zu Schnutingers Verzweiflung mit beigetragen haben dürfte. Mit untrüglicher Sicherheit jedenfalls erkannten die Leser des Vodafone-Blogs den typischen ‘Public-Relations-Sound’, eine Übung, die manchen Etat-Verantwortlichen in den Agenturen verzweifeln lassen dürfte, weil er das eben nicht hört, und weil er auch nicht versteht, wieso das jemand hört. Vor allem, wenn er über der Möglichkeit grübelt, im Sozialraum des Web 2.0 künftig profitable Kampagnen zu fahren, während seine rundgelutschten ‘Messages’ immer nur blanke Aggressionen auslösen.

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Tschäneräjschen Applohd

Freitag, 10. Juli 2009

Thomas Knüwer verdanke ich den Hinweis auf dieses schöne Stück Mozzarella-Prosa aus dem Hause Vodafone, verfasst für ein Corporate-Blog von einem veritablen Blogger namens ggründgens, der als Marken-Chef auch tatsächlich so klingt wie aus des seligen Gustav Gründgens’ Zeiten überkommen. Dieses Blog ‘bloggish’ zu nennen, wäre sicherlich eine maßlose Übertreibung, trotzdem, auch solches Kleinvieh macht Mist - schmücken wir uns also diesen Text ein wenig mit der Zierpetersilie des fortlaufenden inneren Leserkommentars aus:

Endlich ist es soweit [Ich konnte es auch kaum noch erwarten!]. Die neue Vodafone-Markenkampagne [wie war denn die alte?] startet diese Woche [doch schon?], mit der wir national [international würde man sich auch eher schlapplachen] die „Generation Upload“ ansprechen [It's a new generation, with a new explanation, it's - huh! - people in motion]. Doch wer ist das eigentlich, die „Generation Upload“? Die Antwort ist denkbar einfach: Du bist die „Generation Upload“ [Opa, Enkel, Müllers Kuh, mittendrin natürlich du - ]. Warum? Weil alles, was Du startest, heute die Welt bewegen kann! [Kausalität ist nämlich Glückssache, oder das Eintippen einer Rufnummer in Wanne-Eickel kann einen Vulkanausbruch in Honolulu auslösen]

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Ewig dudelt das Modul

Mittwoch, 27. Mai 2009

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Beim Wort ‘Modul’ handelt es sich um eine Ableitung vom lateinischen ‚Modus’, dem ‚Maß’, dem ‚Maßstab’, der ‚Art’ oder der ‚Weise’. ‚Modulus’ wäre dazu die lateinische Verkleinerungsform, ein ‚Ärtchen’, ein ‚Mäßlein’ oder eine ‚Klein-Weise’ gewissermaßen. Ein ‚Homo moduli bipedalis’ war bei den Sandalenträgern der Antike bspw. ein ‚Männchen von zwei Fuß Größe’.

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Bei Willi Wichtig unterm Sofa …

Sonntag, 22. März 2009

Ich weiß auch nicht, woher ich’s weiß, dass es sich wohl um ein Willi-Wichtig-Treffen handeln muss, wenn der beworbene Rummel ‘Future of Communication‘ heißt. Es könnte an diesem hölzernen Englisch liegen, das immer mehr nach der Bizziniss-School klingt als nach dem Normalnull des gewöhnlichen Erdenbewohners, oder es ist die Zierpetersilie dieser exquisiten Wortgarnitur … jedenfalls ist der innere Kommentar dann, wenn’s zu unbarmherzig an den Nerven des Lesers zerrt, eine gute Einübung für jede Kritik. Auch dann, wenn dieser Kommentar eigentlich noch nicht druckreif ist. Sei’s drum.

Denn mit gehaltvollem Stoff umzugehen, so, wie er uns allzu oft aus Marketing-Abteilungen, aus Unternehmensberatungen und Trendbüros entgegenschwappt, dazu gehört ein starker Magen. Hier eine mögliche Kombination aus einem solchen Intro-Text und der daraus folgenden abwehrstimulierenden Mentalsekretion, die ich in eckigen Klammern einfügte. Zur Illustration des Vorgangs der ‘allmählichen Gedankenverfertigung’ habe ich diesen verborgenen Vorgang als Paralleltext einfach hier mal offen gelegt, denn beim Lesen treffen immer zwei Personen aufeinander. Daher gibt es auch unausweichlich diesen Dialog, nur meistens achten wir nicht darauf:

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Bullshit macht selten fit

Mittwoch, 04. Februar 2009

Wenn jemand aus Gründen der Angeberei so redet oder schreibt, wie es kein normaler Mensch jemals tun würde, dann haben wir es bekanntlich mit dem berüchtigten “Bullshit” zu tun, dem Sich-um-Kopf-und-Kragen-Reden. Da dieser Bullshit wiederum den Gesetzen der Mode unterliegt, deshalb können ganze Unternehmensbesatzungen, die zur Teilnahme an obskuren Jubel-Meetings verurteilt wurden, mit dem genormten Trend-Wortschatz ihrer Vorgesetzten “Bullshit-Bingo” spielen. Die Teilnehmer streichen einfach aus den “Buzz Words” des “Keynote Speakers” alle diejenigen Begriffe heraus, die von einem solchen Effekthascher auch zu erwarten waren, weil sie schlicht unverständlich, hohl oder für zwei Monate trendy sind. Wer zuerst auf seinem Zettel eine festgesetzte Anzahl dieser Begriffe ankreuzen durfte, darf laut “Bingo!” rufen, auch wenn der sabbelnde Trend-Junkie diesen Zwischenruf noch als Lob für sich betrachten wird.

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Diese Figuren …

Donnerstag, 04. Dezember 2008

die einfach nicht reden können, aber berufsbedingt trotzdem notdürftig dahersabbeln müssen, die sind für mich das Problem, nicht aber das Denglishe. Das hängt ihnen nur an, wie dem Pavian der rote Mors. Trotzdem ist der rote Mors nicht der Pavian:

Marketing-Geschöpfe quasseln sich um Kopf und Kragen

Stiebitzt beim ‘Spiegelfechter’.