Artikel mit ‘Medienwandel’ getagged

Was ich immer sage:

Mittwoch, 10. Februar 2010

Das, was einstmals Journalismus hieß, ist heute nur noch ein mediales Grundrauschen. Irgendwann hört man es nicht mehr:

„Die Zeitungsredaktionen richten sich nach dem Fernsehen, das Fernsehen hört die Morgensendungen des Rundfunks, der Rundfunk orientiert sich an den Zeitungen. Dieser Leerlauf produziert das mediale Geräusch der Epoche - alles unisono. Die gleichen Themen, der gleiche Ton.“

Aber von ‘Gewichtung des Informationsflusses’ schwätzen, statt von rettungsloser Selbstbezüglichkeit. Eine geschlossene Gesellschaft, fern der Gesellschaft, aber dafür am Katzentisch der Macht …

Knapp daneben ist auch vorbei

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Natürlich finde ich es gut, wenn mal ein Blogger im ‘Spiegel’ auf die kulturkonservative Panik-Attacke des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher antworten darf. Nur hätte ich mir von Sascha Lobo mehr versprochen als Diskrepanzen in der Argumentation und unzutreffende historische Beispiele, garniert mit windschiefen Wortbildern.

Schirrmacher hatte bekanntlich die immerfort wachsende Informationsmüllhalde des Internet dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Menschen verändern, und er hatte die Folgen dann - unter anderem - am eigenen Beispiel festgemacht. Er käme einfach ‘nicht mehr mit’, zwischen Mensch und Maschine sei ein ‘darwinistischer Wettlauf’ entstanden. Er würde von der allgegenwärtigen Informationsüberflutung ‘aufgefressen’.

Als Hintergrundfolie zu seiner Tirade dient die wohlgeordnete Welt des ‘Qualitätsjournalismus’, wo nichts älter wurde, als die jeweils aktuelle Ausgabe einer Zeitung: Informationen kamen und gingen - ach, Kinners, wie war dat schön! Heute aber würde alles aufbewahrt - was die Hirne (zumindest seines) komplett überfordere. Hierbei beruft sich Schirrmacher u.a. auf den Philosophen Daniel Dennett, der den Menschen als ein evolutionär höchst defizitäres Wesen fasst, dessen Funktionen allesamt bloß instrumentell und intentional ausgerichtet seien, was ihn bei überbordender Information entscheidungsunfähig mache. Gut, so etwas kann man mal schreiben, will man ein wenig Endzeitstimmung verbreiten oder Katastrophenszenarios in Höllenfarben ausmalen.

Sascha Lobo durfte jetzt im ‘Spiegel’ auf dieses apokalyptische Zukunftsbild antworten, wo er es als Ikarus der Blogosphäre unternimmt, auf gleicher geistesgeschichtlicher Flughöhe das düstere Mordor-Panorama Schirmachers aufzuhellen. Zunächst stellt er die Jeremiade des FAZ-Herausgebers in eine zeitlos lange Reihe der Klagen alter Männer über eine verdorbene, nachwachsende Jugend - und landet unversehens mit Plato, Sokrates und auch uns Lesern im alten Ägypten. Der attische Straßenphilosoph hätte als Kulturkonservativer und als Geistesverwandter Schirrmachers ebenfalls einen Medienwandel, nämlich den ‘modernen’ Buchstabenglauben und die ‘aufkommende’ Schriftkultur beklagt:

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Wo ist der Leser?

Freitag, 13. November 2009

Die große Printkrise, für deren unschwere Vorhersage ich vor einem Jahr in der Schweizer medienlese noch Prügel ohne Ende bezog, sie ist längst in aller Munde. Man kann kein Medienportal mehr aufschlagen, ohne dass lauthals gebarmt oder wild mit Konzepten zur Überwindung der Misere gewedelt wird. Vor einem Jahr, als die medienlese die Tore schloss, da hingegen klang es aus den Reihen der Printjournalisten noch so:

“Es ist nicht schade. Das Geschäftsmodell hat nicht funktioniert. Dass jetzt die gleichen Leute jetzt allen Ernstes mit Bettelei versuchen, ihren Blog zu erhalten, die gleichen Leute, die voller Hohn über die angeblich anachronistischen Geschäftsmodelle der Zeitungen geschrieben haben, und gar den ganzen Journalismus runterschrieben (Festangestellte!) ist ein netter Witz. Es ist nicht das Internet, es sind die Journalisten, schrieb der Herr Jarchow, die selbst Schuld sind an ihrer Misere. Ressentiments der Zukurzgekommenen.” (Kommentar No. 67)

Da also war die Welt in Holzhausen noch in Ordnung - die Printjournalisten, das waren die Profis, und die Online-Fuzzies waren die Bönhasen, die an jenen Qualitäten doch gar nicht zu klingeln vermochten. Inzwischen ist längst die Stunde der Unternehmensberater gekommen. Im Branchenblatt ‘Horizont’ haben fünf von ihnen Ansätze zur Rettung der Verlage verfasst, im Vorfeld einer Tagung der Zeitungsverleger zum Thema ‘Medienwandel’. Was mir dabei auffällt - die Worte ‘Leser’ oder ‘Schreiber’ oder auch ‘Journalist’ kommen in diesen Texten so gut wie nicht mehr vor. Der Sound klingt vielmehr so:

“Technologiekompetenz ist unerlässlich - man könnte ketzerisch formulieren, dass der Blattmacher des 21. Jahrhunderts ein Software Engineer ist, der es versteht, Content (semi-) automatisch aufzubereiten und diesen sowohl nutzergerecht zu bündeln als auch den User zu inspirieren. Dazu muss man keine Infrastruktur erwerben, sondern sich tendenziell von der vorhandenen Infrastruktur (Druck, Distribution) trennen. (Martin Fabel, Vice President, A.T.Kearney Berlin)

Kurzum, der Leser ist zum ‘User’ oder ‘Benutzer’ mutiert und der Schreiber wird künftig wohl durch ’semi-automatische Content-Produzenten’ ersetzt, wie immer man sich das vorstellen soll. Deutlicher kann wohl niemand zu verstehen geben, dass er von der Geschichte und Funktion des Journalismus nichts versteht. Der Journalismus hat unverändert die Aufgabe, ‘Öffentlichkeit’ für gesellschaftlich relevante Themen herzustellen, und zwar so, dass der Leser das tut, was wiederum dessen Aufgabe ist: dass er den Text also auch liest oder ‘rezipiert’. Es fehlt aber gerade an “Blattmachern”, die solches auch tun. Werden die Waren, also die Texte, nicht so verfasst, wie eben geschildert, dann fallen sie in den verdienten Orkus - und die Werbung hat folglich ebenfalls nichts davon. Bei diesen Herren aber gewinnt ein Leser den Eindruck, es ginge beim Journalismus darum, ein möglichst optimales Anzeigenumfeld möglichst billig und auf Recycling-Basis zu generieren:

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Das blinde Vertrauen ging dahin …

Freitag, 14. August 2009

Die Medienkrise hat viele Ursachen - der dekadente und abgelutschte Stil des Pressedeutschen, die unverhohlenen Interessen, die keineswegs diejenigen des Publikums sind, das Recycling jeder abgenagten Meldung in immer neuen Schleifen, wie bspw. zuletzt das Décolletée der Vera Lengsfeld (’Was ist das denn?’, ‘Darf die das denn?’, ‘Was ist das denn für eine Gesellschaft, wo die das darf?’) - solche offenbaren Kritikpunkte nennen längst noch nicht alle Gründe:

“Der Leser vertraut der Presse blind, weil ihn seine Zeitung ja nicht über ihr eigenes Wesen aufklärt, und weil eine andere Einwirkung auf die Öffentlichkeit gegen die Presse nur sehr, sehr schwer ist.”

Das konnte Kurt Tucholsky am 13. 10. 1921 noch unwidersprochen schreiben [GA V, 148]. Die Presse besaß ein informationelles Monopol, sie redete nicht über sich, und das kurz darauf aufkommende Radio war auch nicht mehr als ein ‘tönender Leitartikel’, zunächst im Auftrag des Staates. Es gab keinen ‘Publikumskanal’.

Heute dagegen hat sich die Sachlage - nicht zuletzt durch das Web 2.0 - grundlegend verändert. Es gibt jetzt nicht mehr nur die altgewohnte ‘Medienkonkurrenz’, sondern verschiedene Medienarten machen sich untereinander Konkurrenz. Wir haben also eine ‘Medienartenkonkurrenz’. Wobei das Neue, also das Netz, durch seine systembedingte Vielfalt sich weniger manipulativ auswirkt - und nicht etwa deshalb, weil es ‘moralisch besser’ wäre.

Trotzdem ist der Leser dem kapitalkräftigen “Bourgeoisie-Kanal” und seinen hölzernen Presseorganen nicht länger informationell ‘ausgeliefert’. Durch den konkurrierenden und unkontrollierbaren Feedback-Kanal des Web wird er inzwischen ständig über das Wesen der Presse aufgeklärt, wie falsch oder richtig auch immer. Der Leser hat dadurch einen ‘bösen Blick’ entwickelt, das Urvertrauen ist dahin. Und das, was der er nach der erfolgten Aufklärung über Holzhausener Zustände sieht, das gefällt ihm zunehmend weniger. Siehe die lange Netz-Debatte über die publizistische Deutungshoheit zwischen Journalisten und Bloggern (hier der jüngste Akt).

So liegt eben auch in der unausgesprochenen Publikumsverachtung der Macher von Holzmedien ein Grund für die andauernde altmediale Krise. Im Pressebereich war immer nur der Anzeigenkunde König, nie der Leser …

Noch ‘ne Lokalrunde

Mittwoch, 12. August 2009

Das Hohelied auf den Lokaljournalismus, wie es prototypisch der Kollege Jakubetz dort singt, samt der Anklage gegen die bösen Verleger, die dieses Idyll jetzt geschleift hätten, beides scheint mir doch arg geschichtsvergessen. Journalisten arbeiten seit Wilhelms des Bärtigen Zeiten in kapitalistischen Verwertungsbetrieben, sie produzieren dort Text als Ware, sie sind von Beruf ‘Gebrauchsschriftsteller’, deren Ergüsse nach einer Woche vergessen sind. Sollten sie diese schlichten Wahrheiten verdrängt haben, dann dürfen sie nicht ihren Verlegern die Schuld für diese Amnesie geben. Zitieren wir zum Einstieg einen Mann, dessen medienkritische Texte gerade deswegen ein wenig ins Seitenaus gerieten, weil er von den Medien besonders gern zitiert wird. Dann aber natürlich nicht ausgerechnet mit solchen Themen. Ich rede von Kurt Tucholsky:

“Die Zeitung ist ein Geschäft. Sieht man von Partei-Organen ab, die es auch nicht gerade von sich weisen, wenn aus ihren Zeitungen Überschüsse herausspringen, so haben wir es bei der Zeitung, wie sie heute ist, mit einer rein kapitalistischen Unternehmung zu tun, die in sehr geschickter Weise den Nachrichtendienst und die für den Warenmarkt nötigen Anpreisungen zu verquicken gewußt hat. Daß diese beiden Elemente aufeinander ohne Einfluß bleiben, ist ohne Beispiel. Die politische Tendenz des Verlegers, also des Blattes, ist für ganz bestimmte Schichten von Lesern, also auch von Inserenten bestimmt; die geistigen und wirtschaftlichen Eigenschaften der Leserschaft und der Inserenten beeinflussen selbstverständlich die Redaktion.” [K.T.: GA 5, 81 f]

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Kampagnen-Journalismus

Montag, 10. August 2009

Je älter man wird, desto mehr überzeugt man sich, dass Ihre Heilige Majestät, der Zufall, dreiviertel aller Geschäfte in diesem elenden Universum erledigt“, schrieb Friedrich der Große am 26. Dezember 1773 an Voltaire. In diesem Satz lagen noch der ganze Fatalismus und die Schicksalsergebenheit der Menschen des Barock, die sich ihren Gott bestenfalls als ‘blinden Uhrmacher’ vorzustellen vermochten. Mir jedenfalls - knapp 250 Jahre später - fällt es immer schwerer, noch an Zufälle zu glauben. Zum Beispiel angesichts eines Gewitterhagels von Zitaten gegen das Internet innerhalb nur zweier Tage:

1. Das ’scheußliche’ Internet: Kann das Internet völlig frei sein? Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht? Ähnlich wie auf den Finanzmärkten brauchen wir mittelfristig Verkehrsregeln im Internet. Sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen. [Meine 'Vorstellungskraft' wird eher heute schon überstrapaziert, wenn ich mir die realen 'Scheußlichkeiten' anschaue, die sich im Kongo oder im Iran ereignen]

2. Das wohlstandszerstörende Internet: Das Internet hat die Welt auf das Format eines Laptop-Bildschirms reduziert. Das Globalisierungsmedium par excellence hat aber auch neue Räume eröffnet – rechtsfreie Räume. … Die schöne neue Laptop-Welt befreite die Finanz­wirtschaft von Recht und Gesetz. Doch auch die Internet-Industrie selbst kennt kaum rechtliche Skrupel. Was online machbar ist, wird in den allermeisten Fällen auch gemacht. … Der Gesetzlosigkeit im World Wide Web fällt gegenwärtig gerade die Kulturindustrie zum Opfer. Schriftsteller und Musiker verlieren im Netz das Recht auf ihre Werke: Alles kann, alles darf heruntergeladen werden. Gratis. Die Enteignung der Kulturschaffenden durch Google und Konsorten ist schon fast vollendete Tatsache. [Ach - und ich Dussel dachte immer die Finanzkrise hätte etwas mit realen Personen zu tun, wie bspw. einem Herrn Madoff, oder mit dem unseligen Wirken einer 'realen' Allianz aus Journalismus und Lobby-Organisationen wie der INSM, die doch bisher niemand als 'Internetgestützt' bezeichnen würde ...]

3. Das verbrecherische Internet: Das Internet ist ein “Wurzelwerk darunter ein Pilzgeflecht aus Intrigen, Täuschung und Terror … Die Refugien der Diebe, Rufmörder, Kinderschänder entziehen sich weitgehend der Kontrolle des Rechtsstaats. Nur einer transnationalen Instanz kann es gelingen, Ordnung zu schaffen.” [Na, das klingt für mich doch eher wie die Beschreibung des Alltags in einem redaktionellen Großraumbüro bei einem holzmedialen Premiumangebot.]

4. Das entliberalisierte Internet: Westerwelle kündigt schärfere Sicherheitsgesetze an. … Die Aussage dürfte einen in der letzten Woche an die Öffentlichkeit gelangten Wahlkampfleitfaden der FDP einiges an Nutzwert nehmen. Darin werden Jungliberale dazu angewiesen, dass sie auf den Vorwurf, dass der Grundrechtsschutz besser bei der Piratenpartei aufgehoben wäre, unter anderem entgegnen sollten, alte Koalitionszugeständnisse seien Vergangenheit und die Liberalen hätten aus Fehlern wie der Zustimmung zum Großen Lauschangriff gelernt. [Joho - wir Liberalen verteidigen unsere Positionen immer solange unerbittlich, wie der Koalitionspartner nichts anderes von uns verlangt.]

… und, und, und.

Lauter Produzenten!

Sonntag, 09. August 2009

Die grundlegende Schwierigkeit, das Netz zu vermarkten, besteht in meinen Augen darin, dass die Waage sich seit der Etablierung dieses Mediums ganz massiv auf die Seite der Produzenten neigte. Das altehrwürdige Schema aller kommerziellen Kioskbesitzer, ob sie nun Verleger heißen, Marketing-Experten, Werber, Entrepreneure, Coaches, Experten oder ‘windschnittige Leutebetrüger’ - wie auch immer - dieses Schema trägt nicht mehr, denn es verkennt die Realität: Es gibt nicht mehr die ‘Anbieter’ oder ‘Hersteller’ auf der einen Seite und die davon klar zu trennenden ‘Konsumenten’ auf der anderen Seite, zwischen denen dann ein mehr oder minder chimärischer ‘Markt’ oder ein anderes ‘Medium’ ökonomisch gerecht vermittelt. Den gewohnten ‘Dualismus’ des Marktgeschehens ersetzt im Netz ein funktionaler ‘Monismus’. Überspitzt formuliert: Im Netz sind alle ‘Konsumenten’ zugleich ‘Produzenten’ - wie auch alle ‘Produzenten’ zugleich ‘Konsumenten’ sind. Jeder schreibt. Ebenso wie er dargebotene Lektüre konsumiert. Gleiche reden mit Gleichen.

Buchstäblich jeder spielt im Netz heute diese funktionale Doppelrolle, die Folge ist eine komplett dialogorientierte Kommunikationsstruktur, zu der jeder beiträgt. Selbst derjenige, der nur auf dem Rückkanal einen Kommentar bzw. einen Link zum großen Weltweisheitsfonds beisteuert.

Das Netz ist im Kern damit eine Autorengemeinschaft. Wer nichts zu sagen hat, der ist für das Netz nicht vorhanden - er soll sich mit dem Routenplaner oder der Sudoku-Ecke seines Online-Portals begnügen. Es gibt trotzdem noch immer eine historisch einmalige Anzahl von Autoren, die blogtypische Kurzformen für Texte entwickelt haben - und sie oft besser beherrschen als die professionellen Schreiber.

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Mediale Sprechblasen

Montag, 20. Juli 2009

Nehmen wir mal an, Sie arbeiten bei einer Zeitung, zum Beispiel einer Stuttgarter Sonntagszeitung. Dort droht der Verleger Ihnen und Ihrem Publikum plötzlich mit einer “inhaltlichen” und “organisatorischen” “Neuausrichtung” jenes Blattes, das bisher vor allem als feuilletonistische Beilage auf dem sonntäglichen Frühstückstisch das regionale Wir-Gefühl beschwor. Wenn wir uns das aus dem Verlegerischen ins Deutsche übersetzen, dann meint - ein wenig Medienerfahrung vorausgesetzt - dies Wörtchen “inhaltlich” vor allem, dass die Abteilung ‘Public Relations’ jetzt das Kommando auf der Brücke übernimmt, die “Neuausrichtung” will uns sagen, dass ab jetzt die Interessen des Anzeigenkunden die Interessen des Lesers dominieren, und “organisatorisch” verbrämt, dass die alte Besatzung rausfliegt, die dann sehen kann, wo sie bleibt.

Und genau so kommt es ja jetzt auch, vor allem deshalb, weil der Eigentümer sich beim allzu gierigen Spekulieren wohl die Bandscheibe verhob. Doch - Entschuldigung! - ‘rausfliegen’ heißt das bei dieser SWMH natürlich nicht, es heißt “Modifizierung von Arbeitsverhältnissen“, wie sie auch schon anderswo im Verlag zu besichtigen sind - aber auch hier.

Der Journalismus jedenfalls ist in gewissen Augen schon längst keine Erzähl- und Schreibkunst mehr, sondern ein nervtötender Kostenfaktor im Verleger-Portfolio, den in einer Zeitung nun wirklich nur noch Unbedarfte suchen sollten. Seinen erwünschten Text kann doch der Anzeigenkunde sich selbst viel billiger erstellen. Und Beschwerden von dessen Seite gibt’s dann auch nicht mehr …

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BBC on Future of Journalism

Mittwoch, 15. Juli 2009

Zum gefälligen Gebrauch für die Bürger Bloghausens folgt hier ein Link zu einer Studie der BBC über die Zukunft des Journalismus. Vieles von dem, was von deutschen Verlegern gern als ‘Brainfuck’ einer wildgewordenen Bloggerbande abgetan wird, findet sich jetzt dort in Form einiger steiler Thesen, direkt vom Parnass des Journalismus herab. Das Fin de Siècle ist damit gewissermaßen zur altmedialen Hausprophezeiung geworden, die weiße Frau schleicht den eigenen Enkeln hinterher, weil die das verlegerische Erbe verprasst haben. Wirklich umwerfend ist der Artikel zum Ende des ‘Festungsjournalismus’, der bei uns zumeist ‘Gatekeeper-Journalismus’ oder schlicht auch ‘Welt der Massenmedien’ genannt wird.

Wer dieses vielseitige pdf liest, wird jedenfalls nicht dümmer …

Via: Jakblog

Den PR’lern dämmert da was:

Samstag, 11. Juli 2009

Die Vernetzung der Menschen untereinander durch das Social Web löst die Einflusssphäre der Massenmedien zusehends auf und öffentliches Vertrauen entsteht nicht mehr nur durch die Komplexität reduzierende konstruierte Wirklichkeit der Medien, sondern immer mehr im direkten Zusammenspiel der Menschen untereinander – vermittelt nur durch technische Plattformen. Das hat für Public Relations herkömmlichen Zuschnitts die Konsequenz, dass sie der Gesellschaft ein kommunikatives “Instrumentarium” anbietet, das so nicht mehr gebraucht wird. (…) Warum sollen Unternehmen noch PR-Agenturen dafür bezahlen, “mediengerechte” Inhalte wie Pressemitteilungen, Fachartikel, Statements, ja selbst derzeit so angesagte Dinge wie Videos und Social Media Newsrooms zu produzieren, wenn die Empfänger dieser Instrumente – die journalistisch-redaktionell arbeitenden Massenmedien nämlich – auf den Prozess der öffentlichen Vertrauensbildung immer weniger Einfluss haben?”

Gute Frage! Nächste Frage?