Die Grammatik der Schizophrenie
Donnerstag, 25. Februar 2010Das Hexeneinmaleins ist längst die Grundrechenart der feinen Gesellschaft geworden: Die oben liegen in ethischer Hinsicht in der untersten Schublade, und die einstmals so geschätzte Geschäftsmoral hat sich in selbstgefällig geblähte Spekulationsblasen verwandelt, wo nur der richtige Zeitpunkt beim Ein- oder Ausstieg über Gut und Böse entscheidet, nicht länger das gute Betriebsergebnis oder die Zukunftsperspektive eines Unternehmens - alles natürlich streng im rechtlichen Rahmen.
So wirr und misanthrop jedenfalls fühlte ich mich, als ich gestern in der ARD - ziemlich fassungslos - das große Feature über den Untergang des Karstadt-Quelle-Konzerns verfolgte. Ein Konzern, den sich offenbar einige Finanzmanager systematisch ‘zu eigen’ gemacht hatten, um der fetten Beute überall ihre Blutegel zu setzen - dies jedenfalls war die argumentativ bestens unterfütterte Tendenz des Reports (Leider ist die Sendung bisher in der ARD-Mediathek nicht online verfügbar, vielleicht bin ich aber auch nur zu blöd, sie zu finden. Eine Besprechung der Sendung findet sich hier.).
Bemerkenswert war die Chuzpe, mit der ein zweifellos Hauptverantwortlicher wie Thomas Middelhoff sich als ein ‘Marschall Vorwärts’ versuchte. Überlegen lächelnd stellte er sich auch den unangenehmen Fragen der Reporter, wobei er sprachlich in schönstem Ökonomurks seinen Crash-Kurs nachträglich rechtfertigte, obwohl er in meinen Ohren nur große Wolken von Sprachstaub und Marketing-Sprech aufwirbelte. Eine kleine, unauffällige Redefigur, die der Herr Middelhoff einleitend nicht nur einmal gebrauchte, stieß mir auf:
