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Jenseits des dpa-Stils

Donnerstag, 28. Januar 2010

Mal angenommen, eine große deutsche Zeitung gäbe einem berühmten südamerikanischen Schriftsteller den Auftrag, ihr einen Text über die deutsche Politik zu verfassen. Der Gast, in dessen Heimat die Unterhaltung des Lesers im Vordergrund steht, beginnt sein Elaborat ungefähr so:

“An der Spitze der deutschen Politik steht eine Frau in eng geknöpften Kostümjäckchen von gewagter Farbe, die sich beim Laufen ständig bemühen muss, nicht auf ihre Mundwinkel zu treten. Ihrem Stellvertreter fehlen eigentlich nur Kreissäge und Bambusstöckchen, um als Fred-Astaire-Parodie durchzugehen …”

Als die deutsche Redaktion daraufhin Redigierbedarf anmeldet, reist der Gast empört zurück in sein Heimatland, dorthin, wo man offene und unterhaltsame Worte noch zu schätzen weiß …

Mit Prominenten reden

Samstag, 13. Juni 2009

Hört man Journalisten und auch Politikern zu, dann scheint es vielen von ihnen vor dem direkten Kontakt mit dem Demos zu grauen, sie haben eine Publikumsallergie. Von dort her sollen Kübel voll Dreck und Pöbeleien den arglosen “Personen des öffentlichen Lebens” entgegenschwappen, durch die offenen Kommentarspalten des Web 2.0 habe sich die Zahl verbaler Mistfuder aus Ehrabschnipseleien und Lynchaufforderungen nochmals potenziert. Selbst unsere Familienministerin müsse sich ‘Zensursula’ nennen lassen oder ‘von der Laien’. Als gebildeter Mensch könne man sich von solch einem, nämlich seinem Publikum nur noch fernhalten, um sich nicht an ihm die Finger schmutzig zu machen. Keinesfalls aber dürfe man auf das Niveau einer demokratischen Augenhöhe herabsinken, jedenfalls nicht ohne Leibwächter an seiner Seite.

Begreiflich also, dass viele Schreiber und Politiker für eine Internet-Zensur plädieren, um all dem postmodernen Dreck zu entkommen. - - - Begreiflich? Schauen wir mal, was schon am 8. Mai 1950 ein veritabler Literaturnobelpreisträger, ein hochgebildeter Mensch also, seinem innig geliebten Senator schrieb - lange bevor es irgendwo ein Internet gab:

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Unfassbar fies sein

Montag, 18. Mai 2009

Zu manchen Gelegenheiten möchte jeder Schreiber richtig gemein sein - und auch mal kräftig ausschenken. Da wir aber im Mimosen-Zeitalter leben und hinter jeder Straßenecke abmahnbereite Anwälte lauern, gilt es, die richtige Taktik zu wählen, um diese Straßenräuber ins Leere laufen zu lassen. Zum Beispiel durch übertriebenes Lob, zum Beispiel durch vergiftete Komplimente - oder aber durch das ‚Aus-dem-Sarg-heraus-Reden’, aus dem Sarg der anderen natürlich, von wo aus man mit gebrauchten Zitaten zuschlägt. Am Beispiel unserer Paragraphenritter illustriert zum Exempel so: “Die Kunst der meisten Juristen erschöpft sich doch darin, bei der Rechtsbeugung Formfehler zu vermeiden” (Carlos Widmann). Kurzum: ein Zitat ist immer nur ein Zitat - es ist durch die Autorität eines großen Verstorbenen gedeckt und auch kaum justiziabel.

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Alte Leserbriefe

Donnerstag, 27. November 2008

Hihi - ich habe mal in den Dateien alter Leserbriefe gestöbert. Das war noch Polemik, zu der Zeit ging einem beim Blick in die Zeitung noch der Hut hoch! Ich muss sagen, ich bin doch arg zahnlos geworden. Gedruckt wurden sie übrigens damals alle.

1. Ein früher ‘Karikaturenstreit: Der Zeichner Til Mette hatte in der Bremer taz Ungehöriges zu Papier gebracht. Der Text wurde am 12. 2. 1998 verfasst und brachte mir viel Ärger mit der revolutionären Frauenzelle ‘Lila Periode’ ein:

“Wenn sich Frau X über ein Bild empört, erfahre ich sehr viel über Frau X - und wenig über das Bild. Sicherlich, Til Mette hat schon bessere Karikaturen geliefert. Ein guter Witz trifft wie ein Blitz, und hier muß ich mir das Was-hat-er-möglicherweise-mal-gemeint mühsam zusammen klamüsern. Langeweile aber macht aus einem alten Kämpen noch keinen enttarnten Sexisten.

Viel lustiger sind die Pawlow’schen Reflexe, die bei der Leser- und Leserinnenschaft einschnappen, wenn sie eine Frau vor einem Mann knien sehen, dazu auch noch mit dessen Schniedel im Mund. Hier liegt der eigentliche Kern der Entrüstung: Fellatio ist politisch nicht korrekt! Jedes altlinks analytisch geschulte Denken erkennt sofort die „gschlächtspitzüphüsche“ Symbolik der gedemütigten und unterdrückten Sklavin vor ihrem Pascha. Und bewundert sich selbst und die eigene gedankliche Tiefe!

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