Artikel mit ‘Public Relations’ getagged

Lokus statt lokal

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Im niedersächsischen Wietze will die Hähnchenschlachterei Rothkötter aus dem Emsland einen neuen Betrieb eröffnen, der täglich 100.000 Hähnchen schlachten soll, um den wachsenden Bedarf an Chicken McNuggets und anderem Fingerfood im Land zu stillen. Im heimischen Emsland sind die Auflagen inzwischen so hoch, dass keine neuen Mastbetriebe mehr genehmigt werden. Um genügend Rohstoff zu liefern, sollen mindestens 100 Landwirte im Umkreis von 100 km um Wietze herum einen Maststall für jeweils knapp 40.000 Küken errichten - auf eigene Kosten, versteht sich. Von einem Informationsabend im Gasthof Mehding im schönen Dorfmark, einem Flecken in der Nordheide, berichtet die ‘Walsroder Zeitung’ am 28. Oktober 2009 durchweg begeistert, in einem Artikel, der leider nur teilweise im Internet zu finden ist.

Der ungenannte Lokaljournalist berichtet ‘vom Hörensagen’ von einer Veranstaltung, an der er selbst gar nicht teilgenommen hat - anders ist der folgende Satz nicht zu deuten: “Rund 100 Landwirte sind gekommen, sehr viele junge darunter, wie Kreislandwirt Heiner Beermann später berichtet“. Ob der Berichterstatter für diesen Termin selbst keine Zeit hatte, so dass ihm ’später berichtet’ werden musste, oder ob die Presse nicht zugelassen wurde, erfährt der Leser nicht.

Natürlich gibt es gegen die Hähnchenmast aus verschiedenen, durchaus einsichtigen Gründen massive Kritik. Sehr viel differenzierter berichtet zum Beispiel das Isenhagener Kreisblatt:

“Besonders beliebt sind Hähnchenmastställe als Nachbarn nicht. Henning Pieper von der Landwirtschaftskammer rechnet mit Widerstand gegen die Neubauten. “Ich bin nicht blauäugig. Das ist mein täglich Brot, mich mit Bürgerinitiativen auseinander zu setzen.” Auch im Landwirtschaftsministerium geht man davon aus, dass es Proteste geben wird, setzt aber auf das Argument, durch die Ställe würden Arbeitsplätze geschaffen. Die jedoch werden bei den Mastbetrieben wohl eher spärlich entstehen. Kein Wunder, denn bei einem Reingewinn von gerade mal 8 Cent pro Hähnchen für den Mäster, der in der Branche kolportiert wird, darf eine Mastanlage nicht viel Arbeit machen.”

Tscha, das macht dann gerade mal 3.200 Euro Gewinn je Hähnchengeneration, wovon noch 500.000 Euro Kredit für die Mastanlage zu bedienen wären. Die meisten Bankberater zeigen bei solchen Gewinnaussichten dem Bauern die Tür. Von solchen Perspektiven erfährt der Leser aber in der Walsroder Zeitung nichts. Auch die Grünen im Kreisverband Celle fassen alle Argumente gegen das Projekt übersichtlich zusammen, auch diejenigen Probleme, die sie mit den landwirtschaftsfrommen Jubelpersern von der ‘Celler Zeitung’ (CZ) haben - unter anderem so:

“Die Zahl neugeschaffener Arbeitsplätze für Wietze spielt in der Argumentation der Befürworter eine wichtige Rolle. Leider werden diese Zahlen auch zur Stimmungsmache in der Öffentlichkeit benutzt. Im ersten Pressebericht der CZ und in den Informationen des Bürgermeisters gegenüber dem VA war von 1.000 neuen Arbeitsplätzen die Rede. Inzwischen ist man bei Zahlen von 250 bis 500 angekommen. Trotz dieser inzwischen erfolgten Korrektur taucht die Zahl 1.000 Arbeitsplätze immer noch in der Berichterstattung der CZ auf.Welche nachteiligen Beeinträchtigungen sich aus der Konzentration der Massentierhaltung in einer Region für die Umwelt ergeben können, ist für eine breite Öffentlichkeit am Beispiel Emsland ohne größere Schwierigkeiten nachvollziehbar. Diese ökologischen Probleme sind also bekannt: Industrielle Tierhaltung auf Kosten der Gesundheit von Wasser, Luft und Boden. Emissionen durch Lärm, Feinstaub, Gase und Gerüche.”

Von all dem aber erscheint beim Kollegen von der Walsroder Zeitung wiederum nichts. Im Gegenteil, im Emsland sei die Hähnchenmast “auf große Zustimmung” gestoßen, heißt es. Zur Kritik an den Hähnchen-KZs fällt ihm Folgendes ein: “Der Widerstand gegen solche Projekte kommt oft aus Unkenntnis, gepaart mit unbegründeter Angst“. Mir scheint da doch eher, der Berichterstatter selbst hat sich in bewusster Unkenntnis gehalten, schön an den warmen Schreibtisch in der Redaktion gekuschelt, die angeblichen bäuerlichen Interessen im Auge - kein Reporter, sondern ein Rapporter.

Apropos - eine Frage an unsere journalistischen Sachwalter ‘landwirtschaftlicher Interessen’: Wer trägt eigentlich im Falle einer Vogelgrippe die Kosten? Etwa der arme Bauer, der doch schon 500.000 Euro für seinen neuen Maststall aufnehmen musste? Und in welchem Umkreis würde dann gekeult? - Anders gewendet, kann man es natürlich auch so ausdrücken:

Es wird dem Printfeudalismus ergehen wie dem echten Feudalismus, ein paar Paläste werden stehen bleiben und gegen Geld zu besichtigen sein, aber die Kaschemmen wird man wegreissen, weil es weder finanzierbar sein wird, noch gefragt.”


Lehrstück ‘Qualitätsjournalismus’

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Hätte ich in der Ausbildung künftiger Journalisten etwas zu sagen, dann müssten meine Schüler diese unterhaltsame Lehrstunde in angewandtem Qualitätsjournalismus ausgiebig analysieren. Denn fast schon regelhaft ist der deutsche Qualitätsjournalismus nicht dort zu finden, wo er sich selbst zum ‘Qualitätsjournalismus’ zu adeln pflegt. Immerhin: Schaden soll diese ‘rosarote Brille für die Haut’ wohl nicht …

Was ist eine Information?

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Das Wesen der journalistischen Nachricht glossierte Kurt Tucholsky im Jahr 1924, als er für die ‘Weltbühne’ ein Buch von Siegfried Bryk besprach (GA VI, 411 ff). Nehmen wir an, sagt Tucholsky, ein Bankier träume eines Nachts ganz intensiv von einer Goldmine. Mit der Geschichte von diesem Traum ginge er am nächsten Tag auf eine Redaktion - und er würde dort ein paar Scheinchen auf den Tisch des Hauses legen.

Dass er Geld gegeben hat, das sei dann ganz und gar keine journalistische Nachricht, sagt Tucholsky. Auch nicht, dass er das alles nur geträumt habe. Aber die Existenz der Goldmine, das sei eine waschechte journalistische Information … das wird gedruckt.

Abrakadabra!

Mittwoch, 26. August 2009

Dass die CDU in Thüringen in Panikphasen gern mal zu obskuren Methoden greift, um ihrem angeschlagenen Ministerpräsidenten doch noch über die Schwelle zur Macht zu verhelfen, das ist schon länger bekannt. Jetzt aber kommt die Affäre um eine Wahlkampfbroschüre hinzu, die sich als politisch neutrales Gute-Laune-Blättchen tarnt, um noch dem begriffsstutzigsten Thüringer hinterrücks beizubimsen, wie toll doch Thüringen - also vor allem der Herr Althaus - sei.

Seltsam ist nur, dass fast alle Personen, die dort zu Wort kommen, CDU-Mitglieder sind. Ohne dass diese absolut unwichtige Eigenschaft neben ihren Namen vermerkt worden wäre. Und das jenes, was all diese interviewten Ur-Thüringer ‘von der Straße’ dort so toll finden, so ziemlich haargenau dem entspricht, was die CDU freundlicherweise in ihr Wahlprogramm packte. Der Blog ‘Durchblickstrudel’ hat das mit jedem Detail haarklein aufgelistet. Und auch hier bietet sich ein Panorama-Blick über die redaktionelle Sumpflandschaft.

Gleich nebenan turnt der Hans-Ulrich Jörges vom ‘Stern’ durch die - dank Anzeigen von AOK und Thüringer Lottogesellschaft - gut dotierten Zeilen. Der sich aber jetzt vor Empörung nicht zu fassen weiß, kein Geld genommen haben will, und das alles bereut - womit er seine publizistische Unabhängigkeit wie ein tropfnasses Kind noch aus dem rufmörderischen Brunnen zu ziehen hofft, der sich dort unversehens auftat: “Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich keinen Finger gerührt”. Kurzum: Es gibt richtig viel Allotria dort zwischen Gera und Eisenach zu besichtigen - oder mit anderen Worten: Dort waren entweder Politanalphabeten, Satiriker oder Schmierenkomödianten am Werk. So weit, so gut …

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Lauter Produzenten!

Sonntag, 09. August 2009

Die grundlegende Schwierigkeit, das Netz zu vermarkten, besteht in meinen Augen darin, dass die Waage sich seit der Etablierung dieses Mediums ganz massiv auf die Seite der Produzenten neigte. Das altehrwürdige Schema aller kommerziellen Kioskbesitzer, ob sie nun Verleger heißen, Marketing-Experten, Werber, Entrepreneure, Coaches, Experten oder ‘windschnittige Leutebetrüger’ - wie auch immer - dieses Schema trägt nicht mehr, denn es verkennt die Realität: Es gibt nicht mehr die ‘Anbieter’ oder ‘Hersteller’ auf der einen Seite und die davon klar zu trennenden ‘Konsumenten’ auf der anderen Seite, zwischen denen dann ein mehr oder minder chimärischer ‘Markt’ oder ein anderes ‘Medium’ ökonomisch gerecht vermittelt. Den gewohnten ‘Dualismus’ des Marktgeschehens ersetzt im Netz ein funktionaler ‘Monismus’. Überspitzt formuliert: Im Netz sind alle ‘Konsumenten’ zugleich ‘Produzenten’ - wie auch alle ‘Produzenten’ zugleich ‘Konsumenten’ sind. Jeder schreibt. Ebenso wie er dargebotene Lektüre konsumiert. Gleiche reden mit Gleichen.

Buchstäblich jeder spielt im Netz heute diese funktionale Doppelrolle, die Folge ist eine komplett dialogorientierte Kommunikationsstruktur, zu der jeder beiträgt. Selbst derjenige, der nur auf dem Rückkanal einen Kommentar bzw. einen Link zum großen Weltweisheitsfonds beisteuert.

Das Netz ist im Kern damit eine Autorengemeinschaft. Wer nichts zu sagen hat, der ist für das Netz nicht vorhanden - er soll sich mit dem Routenplaner oder der Sudoku-Ecke seines Online-Portals begnügen. Es gibt trotzdem noch immer eine historisch einmalige Anzahl von Autoren, die blogtypische Kurzformen für Texte entwickelt haben - und sie oft besser beherrschen als die professionellen Schreiber.

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Überall nur Qualitätsjournalismus

Samstag, 01. August 2009

Manchmal frage ich mich ja, was einigen Bloggern einfällt, solch unverantwortliche Aussagen einem Thomas Kron, dem ehemaligen Chefredakteur der Ärzte Zeitung, in den Mund zu legen und in der Öffentlichkeit breit zu treten. Aussagen, die schon deshalb gar nicht wahr sein können, weil sie inzwischen ratzfatz gelöscht werden mussten. So einfach ist das nämlich mit den Wahrheitsbeweisen in Zeiten der Jurisprudenz. Selbst dann noch, wenn der irregeleitete Herr Kron, wie es scheint, nicht wanken und nicht weichen will: “Dr. Kron selbst hat seine Aussage nach unserem Kenntnisstand bislang nicht zurückgezogen.

Aber seien wir doch mal ehrlich: In einer Welt, wo herunterverdünnte Wirkstoffkonzentrationen von Eins zu zigtausend Quadrillionen wahre Wunder in der Heilkunst bewirken können, wo die geheilten Zeugen Hahnemanns, die strahlend ihre Krücken fortwarfen, in jede Fernsehshow drängen, wo einige Öchsperten die Homöopathie für das Lourdes der Medizin halten, andere wiederum die Analogmedizin für den heiligen Gral erachten, da hätte die produzierende Pharma- und Verdünnungsindustrie einen halbseidenen Gefälligkeitsjournalismus doch gar nicht mehr nötig - und auch nicht irgendwelches Ballyhoo, wie es jene Entrüster dort veranstalten, die den auslösenden Scienceblog-Artikel in weit mehr als homöopathischen Dosen und trotz eines seigneuralen Doktortitels lauthals krawallkommentieren:

“Denen hier gegen die Homöopathie auftreten, ist eines gemein: Sie haben keine Ahnung davon. … Es ist schon eine eigenartige Zeit, wo solche Pfeifen es wagen dürfen, über einen Arzt wie Hahnemann, der sich 70 lange Jahre mit vollen Einsatz mit der Heilkunst beschäftigt hat, zu urteilen.”

Jaja - Hauptsache, der Mann zeigte Anno Dunnemals Einsatz. Denn das ist entscheidend, in der Homöopathie beim Wissenschaftlichkeitsersatz wie im Medizinjournalismus bei der gepflegten Substitution aller medialen Anfangsgründe …

Welcome to the Health an Happiness Show

Welcome to the Health and Happiness Show

Bild: Franz Anton Maulbertsch (1724 - 1796) wikimedia, gemeinfrei

Nachtrag: Das wird ja immer doller. Besagter Thomas Kron weitet die Kampfzone in geradezu erfrischender Ehrlichkeit auf alle Medien aus: “Dass Berichterstattung mit Bezahlung in Gestalt von Anzeigen in Verbindung steht, ist weder etwas Besonderes bei dem oben genannten Medium, noch bei Medien überhaupt. Wer sich nur ein wenig mit Medien beschäftigt, kann das kaum übersehen”, schreibt er in einem neuen Kommentar.

Unter einer Ära tun sie’s nicht

Freitag, 31. Juli 2009

Dort, wo ich stehe, da weht selbstredend der Wind der Geschichte” - das mag sich so manch kleiner Lokaljournalist denken. Schon greift er zur pretiösesten Vokabel, die ihm bei allen Jubiläen durch die leeren Weiten seines Denkraums kollert. Er singt uns dann von einer Ära, die entweder vor seinen Augen gerade begonnen habe oder aber justamäng gerade endete:

In Eichen ging die Ära Hans Keller als Ortsvorsteher nach 25 Jahren zu Ende.”

Solchen Schreibern fehlt es eigentlich an ‘Geschmack’, sie merken gar nicht, dass sie mit ihren Dickschiff-Wörtern, die für den Leser immer nach einer ausgepressten Verbalflatulenz mehr klingen als nach der Realität, dass sie damit die erhoffte Wirkung im Ansatz zerstören, statt den Leser mitjubeln zu lassen: “25 Jahre lang schien den Bewohnern Eichens ein Gemeindeleben ohne Hans Keller nicht denkbar” - das wäre schlicht und würdevoll, es drückt sogar ein wenig mehr auf die Tränendrüsen, und es vergreift sich vor allem nicht an Wörtern, die hier gar nicht hingehören.

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PR 2.0

Samstag, 25. Juli 2009

Auch wenn mancher manchmal einen anderen Eindruck gewinnen könnte - ich bin gar kein grundsätzlicher Gegner der Public Relations. Zwar gibt es zahllose Beispiele erschütternder Sprach- und Ahnungslosigkeit, wie kürzlich erst im Falle Vodafone wieder zu besichtigen. Es gibt aber auch (wenige) Beispiele für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit, wo jemand sogar Begriffe wie ‘Mikromedien’ und ‘Long Tail’ wirklich verstanden zu haben scheint. Ein solches Schulbeispiel lag vor zwei Tagen in meinem Briefkasten.

Der Umschlag trug die Aufschrift “PONS” und “Presse”, der übliche Brüllbalken des Direktemang-Marketing-Eleven - “Achtung, wichtige Unterlagen!!!!! Darf nur vom Inhaber PERSÖNLICH geöffnet werden!” -, der fehlte diesmal komplett. Als ich den Umschlag öffnete, fiel mir ein Schulheft in grünem Schutzumschlag entgegen.

Das Schulbeispiel

Das Schulbeispiel

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Schnutinger geht offline

Dienstag, 21. Juli 2009

Ich muss voranschicken, dass ich die Ankündigung Schnutingers richtig traurig finde. Ich mochte sie und ich mochte ihren Blog, obwohl ich den Erstklässleraufsatz im Fach Public Relations, den sie jetzt für die Firma Vodafone schrieb, selten dämlich fand - vor allem den letzten Absatz. Als dann noch ix’ens und Jakubetz’ Kommentare eintrafen, da hat sie, glaube ich, die bereits blank liegenden Nerven vollends verloren.

Sie muss sich vorgekommen sein, als hätte sie den Finger in ein Piranha-Becken gesteckt, weil in Blogville derzeit alles so sehr gegen Vodafone gebürstet ist, dass die versammelten Telebabbler von der Firma Communication Breakdown Creatives in absehbarer Zeit und im Raum der ‘Social Media’ wohl keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen werden. Frau Schnutinger muss das jetzt leider ausbaden. Hoffentlich legt sich die Migräne wieder … und wenn die bekloppte Vodafone-Aktion zu irgendetwas führen könnte, dann wohl dazu, dass in Zukunft jeder Blogger es sich tausendmal überlegen wird, ob er nochmals einen Vertrag mit der Industrie macht, jedenfalls dann, wenn dort erneut solch ahnungslose Werber und Öchsperten die Zügel führen dürfen.

Viel interessanter als diesen Abgang finde ich allerdings die Treffsicherheit, mit der jene Leute, die im Vodafone-Blog den Beitrag in Grund und Boden kommentierten, herauszuhören vermochten, welche Beiträge dort ‘Dienstleistungen’ oder ‘Fakes’ waren. Das war ‘Cluetrain’ live. Echte Supporter der Frau Schnutinger gab es dagegen kaum - ein Faktum, das zu Schnutingers Verzweiflung mit beigetragen haben dürfte. Mit untrüglicher Sicherheit jedenfalls erkannten die Leser des Vodafone-Blogs den typischen ‘Public-Relations-Sound’, eine Übung, die manchen Etat-Verantwortlichen in den Agenturen verzweifeln lassen dürfte, weil er das eben nicht hört, und weil er auch nicht versteht, wieso das jemand hört. Vor allem, wenn er über der Möglichkeit grübelt, im Sozialraum des Web 2.0 künftig profitable Kampagnen zu fahren, während seine rundgelutschten ‘Messages’ immer nur blanke Aggressionen auslösen.

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Mediale Sprechblasen

Montag, 20. Juli 2009

Nehmen wir mal an, Sie arbeiten bei einer Zeitung, zum Beispiel einer Stuttgarter Sonntagszeitung. Dort droht der Verleger Ihnen und Ihrem Publikum plötzlich mit einer “inhaltlichen” und “organisatorischen” “Neuausrichtung” jenes Blattes, das bisher vor allem als feuilletonistische Beilage auf dem sonntäglichen Frühstückstisch das regionale Wir-Gefühl beschwor. Wenn wir uns das aus dem Verlegerischen ins Deutsche übersetzen, dann meint - ein wenig Medienerfahrung vorausgesetzt - dies Wörtchen “inhaltlich” vor allem, dass die Abteilung ‘Public Relations’ jetzt das Kommando auf der Brücke übernimmt, die “Neuausrichtung” will uns sagen, dass ab jetzt die Interessen des Anzeigenkunden die Interessen des Lesers dominieren, und “organisatorisch” verbrämt, dass die alte Besatzung rausfliegt, die dann sehen kann, wo sie bleibt.

Und genau so kommt es ja jetzt auch, vor allem deshalb, weil der Eigentümer sich beim allzu gierigen Spekulieren wohl die Bandscheibe verhob. Doch - Entschuldigung! - ‘rausfliegen’ heißt das bei dieser SWMH natürlich nicht, es heißt “Modifizierung von Arbeitsverhältnissen“, wie sie auch schon anderswo im Verlag zu besichtigen sind - aber auch hier.

Der Journalismus jedenfalls ist in gewissen Augen schon längst keine Erzähl- und Schreibkunst mehr, sondern ein nervtötender Kostenfaktor im Verleger-Portfolio, den in einer Zeitung nun wirklich nur noch Unbedarfte suchen sollten. Seinen erwünschten Text kann doch der Anzeigenkunde sich selbst viel billiger erstellen. Und Beschwerden von dessen Seite gibt’s dann auch nicht mehr …

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