Artikel mit ‘Recherche’ getagged

Schwundstufe

Montag, 22. Februar 2010

Über den Journalismus in den Zeiten seines fortschreitenden Verfalls:

Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.

Apropos - bei meinem Eingangssatz handelt es sich um ein leicht verfremdetes ‘Plagiat’. Wer die Quelle herausfindet, darf sie behalten …

via: Bildblog - man beachte beim Wortvogel auch die Kommentare zur zeitlichen Koinzidenz von journalistischen Vorwürfen und verlegerischen Veröffentlichungsterminen …

Das journalistische Manifest

Dienstag, 27. Oktober 2009

An der Textsorte Manifest, am aggressiven Zuspitzen von Sachverhalten zur Thesenform also, habe ich mich noch nie versucht. Zeit wird’s:

1. Der Journalismus soll - seinem Selbstverständnis zufolge - die Mächtigen dank der aufklärerischen Kraft der Öffentlichkeit kontrollieren und die ‘Wahrheit’ hinter den Potemkin’schen Kulissen aufdecken. Historisch war das schon höchst selten der Fall. Heute weniger, denn je.

2. Der Journalismus soll die Partizipation der Menschen am demokratischen System bewirken, indem er ihnen Entscheidungshilfen ‘für oder wider’ an die Hand gibt. Faktisch aber gleicht das Angebot der Medien einem sozialistischen HO-Laden, wo - statt argumentativer Vielfalt - in allen Medien das Immergleiche im Schaufenster steht.

3. Der Journalismus soll mit den Mitteln der Sprache die Leidenschaft und das Engagement der Menschen wecken. Faktisch kommt - mit einigen Ausnahmen - überall eine Rumford’sche Sprachsuppe für Geistesarme auf den Tisch, in der sich allenfalls die Gemeinplätze und Stanzen noch wohlfühlen. Das Publikum aber schiebt den Teller weit von sich.

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Lehrstück ‘Qualitätsjournalismus’

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Hätte ich in der Ausbildung künftiger Journalisten etwas zu sagen, dann müssten meine Schüler diese unterhaltsame Lehrstunde in angewandtem Qualitätsjournalismus ausgiebig analysieren. Denn fast schon regelhaft ist der deutsche Qualitätsjournalismus nicht dort zu finden, wo er sich selbst zum ‘Qualitätsjournalismus’ zu adeln pflegt. Immerhin: Schaden soll diese ‘rosarote Brille für die Haut’ wohl nicht …

Fermentierte Grasnahrung

Montag, 22. Juni 2009

Eigentlich hatte ich den folgenden Text als einen Kommentar geschrieben, drüben in Ugugus Blog. Da der Beitrag mir aber recht gut gelungen ist, weil er viele Punkte meiner Klagelieder zusammenfasst über die Termitenplage, welche die Bewohner von Holzhausen befallen hat, sei er hier nochmals eingestellt. Es ist ja schließlich mein Text. Wer ihn schon kennt, soll diesen Beitrag schlicht überschlagen. Hier also meine Rede und die Gegenrede von André Marty:

Ich antwortete auf André Marty: “@ André: … Medien sind nicht geil – sondern die größte Sackgasse, in die ein junger Mensch derzeit hineinstolpern kann. Weil es zwar weiterhin ein Pendant zum werten Berichterstatter geben wird (vermute ich jetzt mal), wozu dann aber Medien gar nicht mehr zwingend erforderlich sind. Es geht auch ohne ‘Mittler’, denn nur die Information ist im Kern eine Ware, nicht das Portal oder der Titel auf dem bedruckten Papier, sei es ‘Spiegel’ oder ‘NZZ’ – allen Branding-Knallköpfen zum Trotz. Bleibt die Frage, wer bezahlt uns dann den Tanz der Tippfinger auf der Tastatur? Der gute Gott des Idealismus, der auch die Lilien auf dem Felde … ? Also, wer schützt zunächst einmal den Nachwuchs, indem er seine altmodischen Träume platzen lässt – von einer Medienwelt, die es längst nicht mehr gibt?

André said, on Juni 22, 2009 at 6:27:
@Chat Atkins: Falls dem so wäre, wie Sie bloggen, dann können sie uns sicher auch erklären, weshalb das Vernetzen des Netzes einfach nicht funktionieren will. Und Sie können mich ach’ so altmodischen bloggenden Journalisten sicherlich auch aus der Sackgasse führen in Sachen Medien als Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses – und sagen Sie mir jetzt bitte nicht, die Bloggerei werde auch in Westeuropa schon bald, bald public opinion beeinflussen, gell. Denn Sie wissen zu gut, dass dem nicht so ist, zu recht oder unrecht.

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Du Schönschreiber!

Mittwoch, 11. März 2009

Ein Schimpfwort war dies unter den Redakteuren in den 90er Jahren. Ein echter Kerl, der ging auf Recherche, er telefonierte herum, nahm an konspirativen Hintergrundgesprächen teil und haute dann seine Story aufs Papier, ohne groß auf die gequälte Orthographie zu achten. Weshalb lange ausformulieren? Und wozu gab es eine Schlussredaktion?

Auch mir pappte dieses Etikett an, sobald ich ungewöhnliche Sprachbilder suchte oder nach einer unerhörten Formulierung fahndete, statt lieber dem neuesten Klinikskandal auf die Schliche zu kommen. Ein Redakteur von echtem Schrot und Korn hatte - nach dem Selbstverständnis solcher Leute - eigentlich gar keine Zeit zum Schreiben. Markworts ‘Fakten, Fakten, Fakten!’ war zum Credo einer ganzen Journalistengeneration geworden - und der ‘Focus’, dieses Zentralorgan aller Instant-Worte, der große ‘Markterfolg’, der aus dem Nichts heraus sogar dem ‘Spiegel’ Angst machte, der war der angebetete Götze aller Schreiber, die mit dem Konjunktiv auf Kriegsfuß standen.

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