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Schemata und Leberreime

Dienstag, 07. Juli 2009

Feste Vorgaben sind eine erstklassige Methode, um den Sprachwitz zu üben. Denn in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister (Goethe: Das Sonett). Man muss gar nicht an Limericks denken oder an die Wirtinnenverse, auch die Leberreime in ihrer Anspruchslosigkeit entstanden einst als geselliges Vergnügen bei Ess- und Trinkgelagen. Eine feste Vorgabe muss mit einem Reim ergänzt werden. In diesem Fall lautet die Vorgabe: “Die Leber stammt von einem Hecht, und nicht von …“. Ausgeführt klingt’s dann so ((C) Klaus J.):

“Die Leber stammt von einem Hecht,
und nicht von einem Igel,
eh dass ich mich an Stacheln pieks’,
bezieh’ ich lieber Prügel”

“Die Leber stammt von einem Hecht,
und nicht von einer Wachtel,
ich küss’ auch gern ‘ne junge Deern,
doch nicht ‘ne alte Schachtel”.

Nähere Infos zum Leberreim gibt es hier und hier und hier. Wer will, soll sich selbst mal daran versuchen: Das Tierreich ist groß, die Übung kinderleicht und sie schult zudem das Rhythmusgefühl …


Und noch’n Gedicht:

Dienstag, 18. November 2008

Ein mächt’ger Mann fühlt sich verkannt:
Beschimpft ihn doch die Bloggerpest
Nur weil er etwas Geld verbrannt
Und nicht von seinen Boni lässt.

Rasch Hilfe fordert unser Scheich:
Sein Kumpel aus politischen Räumen
Schüttelt kräftig an den Phrasenbäumen,
Herunter fällt ein Pogromvergleich.

Der große Mann ist darob froh
Höchst ehrenvoll als Opfer befunden
Klagt er in allen Schwätzer-Runden
Ihm sei wie unter Hitler zu Ultimo.

Niemand redet mehr von Bonusgeldern
Von Fehlern und von Firlefanz
Der große Mann ist wieder ganz
eigner Herr auf wohl bestellten Feldern.

Die Lyrik der Vorstädte

Sonntag, 14. September 2008

Wer heutzutage in der Nachfolge Celans oder Bachmanns einen Gedichtband schreibt, der darf froh sein, wenn er innert fünf Jahren seine 200er-Auflage unter die Leute bringt - sofern er nicht gerade Rühmkorf heißt. Im kulturellen Flachland wiederum, dort, wo die Studienräte und Ayurveda-Therapeutinnen ihre überbordende Gefühlswelt in sinnige Reime zu fassen versuchen, tanzen die Klischees dann Ringelreihen:

“irgendwo im nirgendwo
zwischen den welten
hin und her treibend
stach ich in see
ohne karte
ohne kompass
ohne ziel
die weltenmeere sind voller gefahren
und ich bin unbewaffnet.”

Tscha - so etwas entwaffnet auch mich: Diese allgegenwärtigen Gefahren auf den ‘Weltenmeeren’ heutzutage - namentlich die riskanten Kreuzfahrten in die Karibik, umgeben von rücksichtslosen Containerschiffen!

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