Unternehmenskommunikation
Donnerstag, 03. Dezember 2009Wir alle wissen oder ahnen, dass mit der so genannten ‘Unternehmenskommunikation’ vieles im Argen liegt. So wechselte meine Bank, aus welchen Gründen auch immer, ihren zuständigen Kundenbetreuer. Ich möge mich jetzt an Herrn XYZ wenden. Prompt erhalte ich für einen Vorgang, für den ich absolut nichts kann, von dieser Bank einen Brief, der mich in die Rolle des Schuldigen versetzt: Im befehlsgewohnten Kasernenhofton werde ich fast schon angeschnauzt, umgehend meine Kontaktdaten ‘entsprechend’ zu ändern. Oder ein Unternehmen, nur weil ich in grauer Vorzeit dort mal etwas Hipperes online kaufte, sieht mich prompt als windeltragendes Subjekt, dem es mit einer aufgesetzten Jugendsprache zu Leibe rückt. Andere Informationsmaterialien wurden anscheinend gleich auf der Marketing-Etage erstellt, denn man nudelte sie mit Buzz-Words und Bullshit-Bingo so übermäßig, dass die Hälfte der avisierten Kundschaft nur noch ‘Bahnhof’ verstehen dürfte … oder, oder, oder.
Der Tilo Timmermann, Textverantwortlicher in der Agentur achtung!, hat also völlig recht, wenn er deutschen Unternehmen die Leviten liest und ihnen den Star zu stechen versucht, denn der Text ist das unterschätzteste Instrument im Werkzeugkasten strategischer Unternehmensführung. Zugleich ist diese Missachtung ein schwerer Fehler in Zeiten des Web 2.0, wo alle in ihren Festreden zwar auf Dialog und ‘Social Media’ setzen, aber nichts dafür tun. Die meisten Unternehmen haben üblicherweise niemanden, der die Disziplin des verlangten neuen Stils beherrscht. Der Schreibknecht kommt immer noch in den Keller - oder die Agentur liefert diesen ‘Grauwert’ für ihre bunten Medien:
So weit, so gut, so weit auch kein Widerspruch. Wenn der Herr Timmermann dann aber das Instrumentarium des Old-School-Journalismus als probate Medizin aus der Schublade holt, dann beginne ich an der Kompetenz meines eigenen Berufsstandes zu zweifeln. Denn der Text in einer medialen Welt im Wandel wird sich begreiflicherweise ebenfalls wandeln müssen. Er wird und darf nicht mehr der alte sein! Beim Herrn Timmermann aber klingt es, als wolle er alle Verantwortlichen auf der Stelle auf einen Journalismus-Lehrgang verfrachten, obwohl doch der dort gelehrte Einheitsstil für die meisten der aufgestauten Probleme verantwortlich zeichnet. Im Journalismus wie auch in der Unternehmenskommunikation:
