Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

Wer war das denn noch?

Freitag, 11. September 2009

Zeitlebens galt der Engländer aus Surrey als Inbegriff eines ‘Country Gentleman’. Obwohl selbst Mitglied der Oberschicht, ironisierte er seine Klasse in zumeist dickleibigen Werken, worin oft genug das Künstlertum und die wahre Liebe über die schnöde viktorianische Bürgermoral siegten – und über die Gier, die diesen Stand regierte: “Sie glauben an Gott und an die Zinsen“. Unser Jurist engagierte sich in vielen Vereinen, unter anderem präsidierte er jenem, der den “den Einsatz von Flugzeugen als Waffe verbieten” wollte. Im ersten Weltkrieg riskierte er als Sanitäter an der Front Kopf und Kragen.

Sein Freund Joseph Conrad, mit dem er ausgedehnte Südseereisen unternahm, nannte ihn einen “humanitären Moralisten“.  Schauspiele, Essays, Romane, Novellen und Gedichte säumten seinen Weg – er war auch Präsident des PEN-Club, erhielt den Ritterschlag und den ‘Order of Merit’ – ach ja, und den Nobelpreis für Literatur gab es auch. Heute sind seine Bücher zumeist in Antiquariaten oder in Kartons auf dem Dachboden zu finden, häufig in Bertelsmann-Ausgaben … was eigentlich schade ist, denn für kommenden grauen Novemberabende gibt es kaum eine besinnlichere Lektüre.

Das Reporter-Forum …

Donnerstag, 03. September 2009

hat von mir einen Text über Egon Erwin Kisch erneut eingestellt. In illustrer Gesellschaft. Wen Historisches aus dem weiten Reich des Journalismus interessiert, soll sich hierhin begeben.

Buchhandel 2009:

Montag, 24. August 2009

Thalia Buchhandlung *Irgendwo*. Guten Tag!

Ja, guten Tag! Ich wollte mich erkundigen, ob Sie David Foster Wallace’s ‘Unendlicher Spaß’ bei sich im Lager haben. Heute soll der Ersterscheinungstag sein – ich wollte mich nicht vergeblich aufs Fahrrad schwingen.

Also, das weiß ich jetzt auch nicht. Wir haben die Kartons von heute noch gar nicht ausgepackt.

Aber einen Lieferschein haben Sie doch sicherlich?

Ja, okay denn, ich gucke ma nach. Wie heißt der Mann?

David Foster Wallace.

Das ist aber nicht der Kriminalschriftsteller, nüch?

Nein, der hier ist ein wenig größer gewachsen.

Moment, ich hab’s schon. – - – Boah, das Ding hat ja 1.600 Seiten. Das ist viel zu dick für uns.

Ja, das kommt mir auch so vor. Auf Wiedersehen.

Lauter Produzenten!

Sonntag, 09. August 2009

Die grundlegende Schwierigkeit, das Netz zu vermarkten, besteht in meinen Augen darin, dass die Waage sich seit der Etablierung dieses Mediums ganz massiv auf die Seite der Produzenten neigte. Das altehrwürdige Schema aller kommerziellen Kioskbesitzer, ob sie nun Verleger heißen, Marketing-Experten, Werber, Entrepreneure, Coaches, Experten oder ‘windschnittige Leutebetrüger’ – wie auch immer – dieses Schema trägt nicht mehr, denn es verkennt die Realität: Es gibt nicht mehr die ‘Anbieter’ oder ‘Hersteller’ auf der einen Seite und die davon klar zu trennenden ‘Konsumenten’ auf der anderen Seite, zwischen denen dann ein mehr oder minder chimärischer ‘Markt’ oder ein anderes ‘Medium’ ökonomisch gerecht vermittelt. Den gewohnten ‘Dualismus’ des Marktgeschehens ersetzt im Netz ein funktionaler ‘Monismus’. Überspitzt formuliert: Im Netz sind alle ‘Konsumenten’ zugleich ‘Produzenten’ – wie auch alle ‘Produzenten’ zugleich ‘Konsumenten’ sind. Jeder schreibt. Ebenso wie er dargebotene Lektüre konsumiert. Gleiche reden mit Gleichen.

Buchstäblich jeder spielt im Netz heute diese funktionale Doppelrolle, die Folge ist eine komplett dialogorientierte Kommunikationsstruktur, zu der jeder beiträgt. Selbst derjenige, der nur auf dem Rückkanal einen Kommentar bzw. einen Link zum großen Weltweisheitsfonds beisteuert.

Das Netz ist im Kern damit eine Autorengemeinschaft. Wer nichts zu sagen hat, der ist für das Netz nicht vorhanden – er soll sich mit dem Routenplaner oder der Sudoku-Ecke seines Online-Portals begnügen. Es gibt trotzdem noch immer eine historisch einmalige Anzahl von Autoren, die blogtypische Kurzformen für Texte entwickelt haben – und sie oft besser beherrschen als die professionellen Schreiber.

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Im medialen Antiken-Saal

Mittwoch, 15. April 2009

Drüben im Jakblog spießte der Herr Jakubetz kürzlich ein Zitat auf, das streng nach eingeschlafenen Journalistenfüßen müffelte. Ein ehrbarer Offliner vom beschaulichen Westfalen-Blatt versuchte darin, dem werten Publikum das innovative ‘Zwischennetz’ von seinem Dreifuß herab näher zu verklickern:

“Das Internet ist heute als Informationsquelle und Kommunikationsmittel von großer Bedeutung. Nicht nur im Beruf, auch im privaten und schulischen Bereich ist der Zugang zur weltweiten Datenautobahn sehr wichtig”.

Antiquarium München, Bild: Gryffindor, Public Domain, Wikimedia

Antiquarium München, Bild: Gryffindor, Public Domain, Wikimedia

Allein schon der Begriff ‘Datenautobahn’ wirkte auf mich derart gestrig, dass ich zunächst gar nicht glauben konnte, dieses Zitat könne der Jetztzeit entstammen. Die Autobahn-Metapher stammt meines Wissens aus den 90er-Jahren, als die halbe Welt sich noch mit quietschenden und fiependen Modems herumschlug, als es noch 5,25″-Disketten gab, als den meisten Zeitgenossen das biedere ISDN als rasend schnelles Teufelswerk erschien und es fast schon magisch anmutete, wenn ein Text innerhalb von einer Minute von Castrop-Rauxel nach Auckland gelangen konnte. Darüber aber wundert sich heute niemand mehr. Kurzum: Ein Schreiber, der den Begriff ‘Datenautobahn’ fürs Internet verwendet, der ist ebensoweit hinter seiner Zeit zurück. Und eine Redaktion sollte so viel Pietät besitzen, dass sie einen solchen Schreiber nicht gerade hinter die zeitgemäßen Themen klemmt.

Auch sachlich ist das Bild einer ‘Datenautobahn’ als Synonym fürs Internet grundfalsch. Ein Jongleur – um ein anderes Multitalent heranzuziehen – der wird ja nicht wegen Schnelligkeit bewundert, sondern wegen seiner Geschicklichkeit. Zwar kann das Netz große Datenmengen sehr viel rascher transportieren als noch zu Olims Zeiten, wo es dessen Kinderschuhe auftragen musste. Trotzdem sind die wirklichen ‘Datenschleudern’ des informationellen Weltverkehrs sehr viel näher an den ‘Backbones’ des Datenverkehrs zu suchen. Moderne Rechnernetzwerke verwenden für die Datenübertragung zwischen Banken, Satelliten, Mobiltelefonen oder Unternehmen alles, unter anderem Stand-by-Leitungen – aber zumeist nicht das vergleichsweise langsame und dazu höchst unsichere Internet eines providergebremsten Publikumsverkehrs. Das Internet – das ist für mich so etwas wie das Straßennetz des globalen Dorfes – man kann sich dort unterhalten, man kann spazierengehen, einkaufen, arbeiten oder kommunizieren. Und so, wie man auf einer Straße der realen Welt das Kanalsystem, die Stromleitungen, die Mobilfunkmasten oder die Telefondrähte nicht sieht, obwohl sie dazugehören, so ist es eben auch im Internet. Das Internet ‘as we know it’, das ist nur ein kleiner Teil des Netzes – und der ist noch nicht einmal das schnellste. Es ist auch meistens keine ‘Daten-Autobahn’, sondern der Schleichverkehr dort gleicht der Londoner City zur Rush Hour, so dass allüberall längst über einen Ausbau nachgedacht wird.

Dieser sichtbare Teil des Internet ist aber der wichtigste – soweit es unser soziales Zusammenleben betrifft. Darüber müssten wir reden, wollen wir seine Bedeutung richtig verstehen. So macht das öffentliche Internet beispielsweise die hilflosen Interventionen eines ‘Westfalen-Blatts’ demnächst (vielleicht) überflüssig, weil es die Mittler und Makler von Information – die deshalb so genannten ‘Medien’ und die dort arbeitenden Journalisten – weitgehend entbehrlich machen könnte. Es dereguliert ferner die Information auf eine bisher ungekannte Weise, wodurch Kontrolle und Zensur zunehmend zu kommunikativen Unmöglichkeiten werden könnten. Und es bricht ‘auf Sicht’ wohl nahezu alle bestehenden Informationsmonopole, indem es alle Archive öffnet. Auf diese und auf viele andere Weisen wirkt das ‘Zwischennetz’ sicherlich revolutionär, aber nicht, indem man diese Staustrecke eine ‘Datenautobahn’ nennt …


Spaßige Bücher

Samstag, 11. April 2009

Heute beim Brötchenholen überlegte ich, welche rasend komischen oder auch nur lustigen Bücher ich eigentlich kenne. Hier meine höchst subjektive Auswahl, die natürlich weder vollständig noch repräsentativ sein kann. Aber manchmal sucht ja jemand weder das Bildungserlebnis noch die Tragödie – sondern schlicht dummes oder krauses Zeug. Dann kann dies als kleine Dienstleistung funktionieren:

1. Mark Twain: Durch Dick und Dünn
2. Knut Hamsun: Die Weiber am Brunnen
3. Frank Schulz: Morbus Fonticuli
4. Ludwig Thoma: Altaich
5. Alfred Döblin: Babylonische Wanderung
6. Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg
7. Jean Paul: Siebenkäs
8. E.T.A. Hoffmann: Kater Murr
9. Tobias Smollett: Peregrine Pickle
10. Francois Rabelais: Gargantua & Pantagruel
11. Johann Gottwerth Müller: Siegfried von Lindenberg
12. Robert Gernhardt: Ich. Ich. Ich.
13. Raymond Queneau: Zazie in der U-Bahn
14. Jeremias Gotthelf: Die Käserei in der Vehfreude
15. Ilja Ehrenburg: Julio Jurenito

… und wie das so kommt, wenn die Sache in Schwung gerät. Zunächst glaubte ich, das wäre bestenfalls eine Handvoll – jetzt nimmt die Liste überhaupt kein Ende mehr.

*wer’s will, soll’s fortsetzen*

Sprachwandel

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Wenn die großen Metaphern sterben, ändern sich die Gesellschaften: Seit dreißig Jahren, im Prinzip seit dem Beginn der Reagan-Ära, wurden wir alle mit den Bildwelten und dem Vokabular einer völligen Selbstregulation überschwemmt, die sich omnipotent gab und im Prinzip an die (Leer-)Stelle Gottes getreten war. Lohnfragen, Strompreise, Umweltbelange, Wohnungsnot … alles sollte sich quasi naturwüchsig und autonom wie von selbst in einen Gleichgewichtszustand bringen, vermittelt über den ‘großen Regulator’ des Marktes, der dann zugleich auch wiederum ‘von selbst’ gerecht sein würde. ‘Lasst doch der Jugend ihren Lauf’ hieß es einst, daraus wurde unter den Iden des Merz und zwischen den Kreuzen der daran Verstorbenen auf dem Kirchhof: ‘Lasst doch den Märkten ihren Lauf’.

Theoretisch begleitet und untermauert wurde dies alles von einer wildwuchernden kybernetischen Gesellschaftstheorie, die ihre zunehmend undurchschaubaren Begriffe so entwickelte, wie eine Hasenkolonie die Jungen wirft, die dabei nur eines vergaß, den ‘Steuermann’, der doch mit der Kybernetik untrennbar verbunden ist, ja, der ihr erst ihren Namen gab. Aus einer systemischen Steuerungstheorie wurde eine systemische Nichtsteuerungstheorie – was im völligen Widerspruch steht bspw. zu einem Ahnvater und Moralapostel wie v. Foerster. Aber auch – mit Verlaub – zu einem Niklas Luhmann. Denn der wusste auch noch, wie sehr die Metaphern das Geschehen in jedem gesellschaftlichen Subsystem prägen, ja, auf sprachlichem Weg seine Realitäten erst schaffen. Luhmann nannte diese gesellschaftsbildenden Metaphern allerdings ‘symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien’, weil er in seinem sprachlichen Drahtverhau das Aparte bis hin zur Unverständlichkeit schätzte.

Mit der Krise ist diese alte Bildwelt der naiven Selbstregulation völlig zerdeppert. Kein Mensch glaubt mehr, dass eine unsichtbare Hand irgendein Subsystem – ob Markt, ob Wissenschaft – am Patschehändchen nähme und ins Himmelreich führe, dass sich irgendeines von ihnen ‘wie von selbst’ regulieren könne, schon gar nicht auf wirtschaftlichem Gebiet. Selbstregulation gilt dem neuen gesellschaftlichen Bewusstsein fast schon als todsichere Methode, ökonomische Luftblasen zu erzeugen. An der Differenz beim Wortgebrauch unterscheiden wir inzwischen die marktradikal beharrenden Konservativen und die neuen Progressiven, vor allem daran, ob sie noch unverbesserlich die ‘freien Märkte’ preisen – oder eben nicht.

In diesem beginnenden Sprachwandel liegt in meinen Augen der wahre Gewinn der Krise: Wir werden endlich von den Blackberry-Jüngelchen und von ihrem dahergeschwätzten Unverantwortungsvokabular befreit, von den monosynaptischen Gelfrisuren, die alle erreichbaren Medien mit ihrem Deregulierungs-Kisuaheli vollzuschlabbern pflegten. Es entsteht gerade eine neue Sprache und eine neue Bildlichkeit der Weltbeschreibung. Darauf, dies beobachten zu dürfen, freue ich mich wie Bolle.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes Fest!

Denkfutter

Sonntag, 07. Dezember 2008

Weil ich den Mauthner hier kürzlich anführte, habe ich mir seine ‘Beiträge zu einer Kritik der Sprache’ aus dem Regal gekramt und stelle einfach mal einige Kernsätze hier als mentale Appetitanreger ins Netz. Ein solches Maß an philosophisch begründeter ‘Sprachverachtung’ von einem solch sprachgewaltigen Menschen – diese Kombination gab es in Deutschland kein zweites Mal. ‘Nach Mauthner’ war die Sprache keine Göttin mehr, sondern eine Dirne, ein kommunikativer Gebrauchsgegenstand und kein heiliges Instrument höchster Einsichten. Gewissermaßen war Fritz Mauthner ein ‘umgekehrter Karl Kraus’:

Sprache dient zum Sprechen: “Die Sprache existiert niemals für sich allein, sondern immer nur zwischen den Menschen. Sie ist für die Menschen, was der sagenhafte Äther für die gravitierenden, elektrischen oder leuchtenden Körper. Etwas, was die Schwingungen schwingen läßt, die Gehirnschwingungen von einem zum anderen”.

Das tägliche Gesabbel: “Die Sprache aus dem gemeinen Mitteilungstrieb ist schlechte Fabrikarbeit, zusammengestoppelt von Milliarden von Tagelöhnern”.

Gegen Begriffshuberei: “Der ist kein freier Mann, der sich noch einen Atheisten nennt, einen Gegner dessen, den er leugnet”.

Der kommunikative Irrtum: “Der Mensch jedoch, solange er lebt, ist wie die lebendige Sprache und glaubt, er habe etwas zu sagen, nur weil er spricht”.

Bilderstürmer: “Nach dieser Vorstellung, welche heute noch von allen Köpfen geteilt wird, sitzt irgendwo am Strombett der Sprache eine Gottheit, Mannsbild oder Frauenzimmer, das sogenannte Denken, und herrscht unter den Einflüsterungen einer ähnlichen Gottheit, der Logik, über die menschliche Sprache mit Hilfe einer dritten dienenden Gottheit, der Grammatik. Ich würde es für das stolzeste Ergebnis meiner Untersuchung halten, wenn ich die Menschen von der Unwirklichkeit, von der Wertlosigkeit dieser dreieinigen Göttinnen überzeugen könnte.”

Sprachdarwinismus: “Wir müssen eben die Sprache unter die übrigen Tätigkeiten des Menschen rechnen als wie das Gehen, das Atmen. Da ist es für den Biologen gar kein unsinniger Gedanke, daß der Mensch nicht geht, weil er Beine hat, sondern daß er Beine hat, weil er geht; daß der Mensch nicht atmet, weil er eine Lunge hat, sondern daß er eine Lunge hat, weil er atmet”.

Sprechakttheorie – avant la lettre: “Ein einzig sprechender Mensch unter sprachlosen Volksgenossen ist ebensowenig vorstellbar wie ein redender Gott, der den Menschen die Sprache erst schenkte. Oder er wäre wie der Teilnehmer an einem ausgedehnten Telephonnetze, das keinen zweiten Teilnehmer hätte. … Als sozialer Faktor erst wird die Sprache, die vor Erfindung der Buchdruckerkunst noch nicht einmal in einem Wörterbuche beisammen war, etwas Wirkliches. Eine soziale Wirklichkeit ist sie; abgesehen davon, ist sie nur eine Abstraktion von bestimmten Bewegungen”.

Sprachsozialismus: “Wo ist also das Abstraktum ‘Sprache’ Wirklichkeit? In der Luft. Im Volke, zwischen den Menschen”.

Pragmatismus: “Sprache ist Sprachgebrauch”.

Der Küchenchef empfiehlt:

Montag, 03. November 2008

"Was der Pfarrer tief unten balberte, das meinte ich auch, nur hoch oben."

Der empörte Leser klappt das Buch zu, und das dicht vor der Stelle, die den Doktor Torggler wieder auf den Plan führt, den endgültig verlassen zu haben man uns im Verdacht gehabt hat” – dieses Buch steckt ebenso absichts- wie randvoll mit Digressionen oder Abschweifungen, die den Leser immer mehr verwirren, bis er seine gewohnten Leseerwartungen endlich aufgibt. Seine Empörung über das ‘Nicht-zu-Potte-kommen’ des Textes wird vom Autor immer mitgedacht, am Ende ist der Leser noch so schlau wie zu Beginn, dafür aber wortreicher. Für ihn war auf dieser Langstrecke eine Handlung noch nicht einmal in Ansätzen zu erkennen; auf den 820 Seiten geht’s auch kein Stück mit der Entwicklung einer Romanfigur voran – und trotzdem ist es ein großartiges Buch, voller Sprachwitz und voller opulenter Satzgirlanden, so wie es der Maler und Erfinder des ‘Phantastischen Realismus’ Albert Paris Gütersloh im Jahr 1962 beabsichtigt hat.

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Der Küchenchef empfiehlt:

Montag, 27. Oktober 2008

Ich werde an dieser Stelle einfach hin und wieder in meine Regale greifen und ein paar Buchempfehlungen abgeben, wobei ich mich keineswegs an Aktualität und Marktgängigkeit orientiere, sondern eher im Gegenteil daran, ob es sich – in meinen Augen – lohnt, diese Bücher zu lesen. Hierbei gilt für alle Interessierten: Wozu gibt es Antiquariate?

Oberschichts-Sozialismus

Oberschichts-Sozialismus

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