Archiv für die Kategorie ‘Dummschwätze’

Ganz genau wie unsere Partei!

Sonntag, 29. April 2012

Die Bibel ist in ihrem Kern sogar bis zu 5000 Jahre alt und war immer in ihren Aussagen topaktuell.”

Jo, und nu stell di moal vor, du Klogsnacker un CDU-Heinzi, datt dat allens ok örst so fiefhunnert Joar noach Kristi Geburt opschreebn worn wöer, nemmich dat ollens, watt de Onkel Jesus doar doamols föranstaldet hoabn sullt. Und wenn du dat Speel ‘Stille Post’ nu’n beten kennst, denn kannst di joar ook vorstellen, wie woarhoftig dat wol allens weesen wöer, wat doar in de swatten Boock hüt vun ‘Topaktualitätens’ steit …

Geiler wirkt ein Gegenteiler

Freitag, 27. April 2012

Schröders Buch ist mutig und revolutionär.” - – - Wie bitte? – - – Bitte nochmal, sonst glaub’ ich’s nicht: “Schröders Buch ist mutig und revolutionär.”

Jawollja – auf seiner derzeitigen Schwundstufe nennt der deutsche Qualitätsjournalismus aus provokativen Gründen jeden gedruckten Limburger Käse eine duftende Jasmin-Revolution – auch wenn weit und breit keine Argumente existieren und dem armen Leser am Ende nur abgestanden Reaktionäres quer vorm Riechkolben sitzt. Großes Motto: Hauptsache anders!

Sobald unsere Schreibkanone glücklich alle gegen sich hat, bölkt sie von einer mutigen Tat, fordert den Orden für Zivilcourage – und bezeichnet sich selbst als “modernen Mann“, deshalb, weil er den längst verblichenen “feministischen Zeitgeist” aus der Krypta zerren und – Arm in Arm mit der schnuckeligen Ministerin – diese Chimäre dank eines steinzeitlichen Frauenbildes über geheiligtem Familienaltar sofort wieder zurück ins Grab jagen durfte. Störung der Totenruhe in Tateinheit mit Hexenglaube also – während der gleiche Mann privat wahrscheinlich über die Missionarsstellung als Beweis “moderner Liebe bloggt. Ich hab’s mir vorsichtshalber gar nicht erst durchgelesen, sonst artet das hier noch aus.

Auf solche Weise jedenfalls haben unsere journalistischen Aufklärwerke auch schon mal den Sarrazin ins Schwindelnde emporgehudelt …

Und hoch das Bein!

Donnerstag, 26. April 2012

Springers Kampfhunde bei ‘Welt Online’ haben ihren Lieblings-Kauknochen losgelassen, um sich in ein brandneues Objekt zu verbeißen: “Die irrlichternden Piraten markieren den Tiefpunkt basisdemokratischer Subkulturen.” Wieso aber markieren die Piraten diesen Tiefpunkt – und nicht siegestrunken und erhobenen Beins unsere knurrenden journalistischen Kampfhunde? – Egal!

Die Grünen jedenfalls müssen nicht länger allein am ideologischen Kältepol im sibirischen Gefangenenlager unserer hirnvernagelten Kulturkrieger hocken – oh, Herr, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder! Die dank Redaktionsstatut verbohrten Textlinge verhaften trotzdem – bildungsferne Studiengänge wie Jura und Ökonomie mal ausgenommen – ‘buchstäblich’  immer nur den eher akademisch gebildeten Teil unserer Gesellschaft und klagen ihn für alle Übel dieser Welt vor ihren verlegerischen Schnellgerichten an. Nun ja, Rollenspieler halt – sehen überall nur Orks! Dass aber das nationale Leitmedium unserer Republik ein Drittel der wahlfähigen Deutschen schlicht für krawallig und doof hält, das soll hier dann doch nicht unregistriert bleiben: “Ihre Wähler sind so destruktiv wie die Partei selbst.” So pauschal würde ich noch nicht einmal über die FDP daherdenken …

Nachtrag: Och, ich sehe gerade, dass der Schreibmeister selbigen Wirrsals gern mal “mit dem Finger auf das böse, böse Internet da draußen” zeigt – und dann sind die gräuslichen Piraten ja nicht mehr weit …

Reden, Sabbeln, Seibeln

Dienstag, 24. April 2012

Von einer Welt-Führungskraft hätte ich erwartet, dass ihre Texte besonders sorgfältig redigiert würden. Weit gefehlt! Wo Andrea Seibel hintippt, windet sich die Grammatik, der Satzbau wird zum Labyrinth und der Leser versteht eigentlich nur noch, dass die Frau gar kein Mitleid kennt, weder mit der Sprache, noch mit dem Pöbel:

“Denn mit diesen Geldausschüttungen in Milliardenhöhe, und so versteht sich die Politiker offenbar einzig, als Geldausschütter, kann man keinen Haushalt konsolidieren, keine Schulden abbauen und schon gar nicht jene Stimmung erwecken, die zukunftstaugliche Strategien in einem Land, das den demografischen Ernst seiner Lage noch immer nicht verstanden hat, erst ermöglicht.”

Allenfalls mit dem Buschmesser wäre ein solcher Satz zu redigieren – und aus welcher Kneipe dieser ‘demographische Ernst’ mitsamt seiner lüttjen Lage dort herausgestolpert kam, habe ich auch nicht ganz verstanden. Aber das ist ja gerade Andrea Seibels Stil, das Popanzschwenken im Satzverhau – oder: möglichst viele neoliberal induzierte Reizwörter in eine grammatische Maulsperre zu pferchen. Also ‘Stimmung erwecken’, dafür, dass ‘Konsolidierung’ ‘in Milliardenhöhe’ nur ‘zukunftstauglich’ sein kann, wenn wahrhafte ‘Strategien’ jene ‘Schulden abbauen’, die natürlich ‘harte Einschnitte’ von all jenen verlangen, die sie nicht gemacht haben – aber nü nüch von unseren Happy Few. So brabbelt der innere ideologisch aufgebrezelte Schreibautomat munter vor sich hin, tut dabei so, als besäße er Vernunft, und kriegt dabei nicht ein einziges Bildchen oder eine Metapher heil aufs Papier:

“Als “Friedensangebot” wird dies parteiintern präsentiert und man erkennt im Rauch der Pfeife, die verschiedene wichtigtuerische Interessengruppen nun schon länger rauchen, nur schemenhaft noch das, was Politik eigentlich auszeichnen sollte, nämlich begründete Entscheidung, Augenmaß, Plausibilität, Sparsamkeit.”

‘Verschiedene Interessengruppen’ nuckeln dort alle an einer ‘Pfeife’ – und zwar ‘schon länger’? Und trotz des Rauchverbots in öffentlichen Räumen? Das erzeugt begreiflicherweise in meiner Vorstellung so viel Qualm, dass ich gar nicht mehr weiß, worauf die Andrea Seibel eigentlich mit mir, dem Leser, hinaus will. Ich weiß nur, dass ich das alles auf gar keinen Fall wollen sollen sollte, was die Andrea Seibel dort als angesengtes Selbstzeugnis schwenkt …

Jaja, Jan Fleischhauer!

Montag, 23. April 2012

Vor einer Woche schruben Sie uns hier: ““Die Piraten sind die erste Formation links der Mitte, die es geschafft hat, viele Intellektuelle gegen sich aufzubringen.” Mal abgesehen davon, dass sie damit den Linkskurven-Streit, den Mescalero-Streit und noch so einiges andere gar nicht auf der Intellektual-Palette haben – so verfahren Sie hier zugleich nach dem bewährten Fleischhauer-Motto: Links ist alles, was ich nicht fassen kann. Und das ist ja so allerhand. Dafür gab’s auch prompt was auf die Denkerstirn. Und jetzt kommt auch noch das – wie um Gotteswillen passt so etwas in Ihr selbstbeschränktes Weltbild? Und wo bitte läge denn bei Ihnen dann die Mitte?

“In der Kritik stehen auch Dietmar Moews und Carsten Schulz, die auf dem Parteitag am kommenden Wochenende für den Bundesvorstand kandidieren wollen. Moews hatte auf der Videoplattform YouTube das “Weltjudentum” kritisiert und der jüdischen Minderheit nahegelegt, sich anzupassen. Schulz will das Leugnen des Holocaust legalisieren.”

Vielleicht wenden Sie sich mal an die Erika Steinbach. Für die beginnt ja der Linksextremismus neuerdings auch schon bei Joseph Goebbels

Igittigitt!

Montag, 23. April 2012

So etwas macht ein braver Konservativer höchstens auf einer Maschmeyer-Yacht im fremdbezahlten Urlaub:

CDU-General Gröhe sieht Piraten “nackt an der Reling”

Aber Vorurteile hat er nicht!

Freitag, 20. April 2012

Die Deutschen sind ängstlich, kleinmütig und träumen noch immer von der Volksgemeinschaft.”

Ha, sieht’s so denn nicht aus? – Nö, so sieht das nicht aus! Diese Gesellschaft träumt von keiner Mäh-Schafherde genormter Nazi-Führergefolgschaft mehr, sie ist so individuell gestrickt wie selten in der Geschichte, der eine wird Wirtschaftsführer, der nächste Yoga-Lehrer, der dritte Reiseleiter, der vierte Pop-Titan, aber kaum jemand wird bei all dieser Liberalität der Lebensentwürfe noch ‘liberal’ im politischen Sinne. Weil dort der Begriff ‘liberal’ längst Trickbetrügern in die Hände fiel, die alle Liberalität unter den Menschen genormten Marktgesetzen unterwerfen möchten – dort träumen sie längst wieder von einer ‘Marktgemeinschaft’, wo die meisten kaum das bekommen, was sie verdienen, während die anderen das bekommen, was sie nie im Leben verdient haben. So ist das heutzutage im Neoliberalismus, bester Alexander Grau!

Intellektuell vollends den Rest gab mir dann die Metaphorik politischer Agenda in diesem langriemigen Fühlosopfusch. Und unserer gebeutelten FDP würden solche Handlungsempfehlungen vermutlich auch den Rest geben. Statt sich sinnvollerweise in ihr Schützenloch einzugraben, von wo aus die FDP die ‘Freiheit des Individuums’, sich bestmöglich zu vermarkten, viel besser verteidigen könnte, sollen die Bambis sich – so Alexander Grau – ohne Schutz wie beim Moorhuhnschießen flach auf den Boden der blanken Steppe legen. Oder aber aufrecht den Kugeln trotzen. Die Metapher wird hier etwas doppeldeutig. Wie dem auch sei, es wäre jedenfalls Wahnsinn – das sagt uns jeder Ausbilder in jeder beliebigen Armee. Oder wie anders darf ich Alexander Grau und sein militärisches Kampfvokabular verstehen – und hat er sich überhaupt selbst verstanden?

“Doch anstatt die Freiheit des Individuums zu verteidigen, buddelt sich die FDP immer tiefer in ihr eigenes Loch.”

Na – hoffentlich ragt der blutte Mors nicht noch heraus! An Stelle der FDP würde ich mir allmählich über die sprachliche Qualität der publizistischen Verteidiger mal Gedanken machen.

Im Kaffeesatz rüsseln

Mittwoch, 18. April 2012

Erst kommen die Demoskopen, dann kommen die Auguren hinterhergeklappert – Selbstreferenz at its best. Ganz besonders kompetente Exemplare letzterer Sorte sitzen in der Welt-Online-Redaktion herum. Auch in dieser Woche zelebrieren sie das übliche Daumenlutschen und haltlose Interpretieren wehrloser Zahlen formvollendet. ‘Forsa’ hat nämlich seine neuesten Telefonnotate ausgespuckt, ein Institut, dem oft schon nachgesagt wurde, dass es mehr an den Schlagzeilen und der ‘Awareness’ als an Wahrheit interessiert sei. Im Vergleich zur Vorwoche sehen die Zahlen dort so aus:

Augurenfutter

Was macht jetzt der Welt-Interpretations-Inscheniör daraus? Zunächst einmal eine Sensation, denn ‘Sensation muss’ im modernen Qualitätsjournalismus:

“Piratenpartei drittstärkste Kraft in Deutschland.”

Olalà – welch Neuigkeit! Genau das waren die Piraten in der letzten Woche nämlich auch schon. Wenn der geneigte Leser einen Blick auf die Forsa-Zahlen dort oben wirft, findet er prompt dafür die Bestätigung. Die Welt-Schlagzeile bietet also alten Käse, der nach Kräften aufgebrezelt wurde, was auch die ‘Anonymen Autoren’ weiter unten im Fließtext zuzugeben geruhen:

“Zum zweiten Mal in Folge sind sie einer Forsa-Umfrage zufolge drittstärkste politische Kraft und erreichen erneut 13 Prozent.”

Doch weiter im Text – denn für meinungsfrohe Hilfstruppen einer schwarzgelben Zukunft in Deutschland sind diese Zahlen – s. oben – nun mal nicht erfreulich: Die Union verliert, die FDP stagniert trotz propagierten Lindner-Effekts, während die Zartroten und die Grünen gewinnen, und auch der Höhenflug der Piraten, die eine erschröckliche rotgrüne Perspektive für das freie Unternehmertum einzig noch zu verhindern schienen, hat seinen Zenith erreicht. So aber klingt der Artikel nicht – aus dem bloßen Bericht wird uns eine ‘Erfolgsstory’ gezimmert:

“Stabilisiert hat sich die seit Monaten schwächelnde FDP. Der Umfrage zufolge erreichte sie wie in der Vorwoche fünf Prozent … Schwarz-Gelb lag im Forsa-Wahltrend von „Stern“ und RTL mit 40 Prozent drei Punkte vor Rot-Grün.”

Nun ja – wir saufen uns ‘Die Welt’ schön. Faktisch gewann Rotgrün nun mal zwei Prozent, während Schwarzgelb einen Punkt verlor. Aber was soll’s? Rubrizieren wir’s unter “Forsa – und die Folgen”.

Falsches Adverb!

Mittwoch, 18. April 2012

Es ist eine peinliche Niederlage für Citigroup-Chef Vikram Pandit: Die Aktionäre der US-Bank haben das Vergütungspaket fürs Top-Management abgelehnt … Das … Signal ist verheerend.”

Nicht nur beim ‘Spiegel’ sind manche Wirtschaftsredaktionen überaus harthörig, sie geben vor, den Gong noch immer nicht vernommen zu haben. Das richtige Adverb lautet übrigens ‘ermutigend’, nicht ‘verheerend’, bester Buchstabendompteur! Für den Leiter einer Bank ist ‘Pandit’ dagegen ein recht schöner Name, er oszilliert so schön zwischen ‘Pundit’ und ‘Bandit’ …

Der bestimmte Artikel

Montag, 16. April 2012

Im gedruckten ‘Spiegel’ wurde das, was Jan Fleischhauer in der letzten Woche schon durch seinen Kanal spülte, erneut herausgefischt, etwas aufgebrezelt und – mit jetzt drei Verfassernamen – dem Publikum aufgewärmt vorgesetzt (S. 20 – 22). “Der Aufstand der Autoren” heißt das recycelte Machwerk – und der bestimmte Artikel in der Headline suggeriert gleich eingangs, dass alle, aber auch alle angeblich dabei gewesen seien – hier die geschlossene intellektuelle Weltmacht, dort die verschwurbelten Piraten.

Der tatsächliche Befund ist, selbst wenn man nur den Artikel heranzieht, eher dürftig: Außer einem ideologisch bereits vielfach gehäuteten Alterspräsidenten namens Hans Magnus Enzensberger muss natürlich der Sven Regener nach seinem Rant wieder an die Front, dazu eine gewisse Julia Franck, die mir bisher noch kein Begriff war, die aber wohl schon einige Preise abgeräumt hat. Sonst ist weit und breit kein Schreiber zu sehen – sehe ich mal von Hybridformaten wie dem rappenden Jan Delay ab.

Obwohl Pessimist, glaube ich auch nicht, dass es um die Kultur in Deutschland inzwischen schon so dürftig bestellt ist, dass sie sich intellektuell allein auf diese paar Hanseln und Greteln stützen muss. Die meisten ‘Kulturträger’ waren also gar nicht an Bord der MS Masterplan, dort in der deutschen Verlags-Marina.

“DIE Autoren”, ein solches Statement stimmt daher hinten und vorne nicht, es ist auch nicht “DIE Geisteswelt”, die sich hier geschlossen gegen die Piraten stellt, und es sind auch nicht “DIE Künstler”, die das Einstampfen des Piratenprogramms fordern. Es ist der suggestive Gebrauch grammatischer Formen durch drei gewiefte Spiegel-Schreiber, die wechselseitig kräftig an den Tatzen nuckelten, um dann zur Geheimwaffe aller Public-Relations-Agenten und Leutbetrüger zu greifen, dem altbewährten bestimmten Artikel nämlich, der Allumfassendes dort suggeriert, wo faktisch nur ein kleiner Teil vom Großen und Ganzen sich hin verirrt hat.

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