Um ans Vorherige direkt anzuschließen – wer nimmt den Jan Fleischhauer eigentlich ernst? Nur einige wenige, das lässt sich durch ein bisschen Gurgeln schnell konstatieren, am ehesten noch die religiösen Fundamentalisten, die ihn als Racheengel durchs Tor windschiefer Metaphern in ihr publizistisches Jerusalem hineinwinken möchten: “Jan Fleischhauer enthüllt die Fratze der Linken”, schreibt bspw. das arg verstiegene ‘christliche Informationsforum’ Medrum, wo unserem Kanalarbeiter dann ein Verdienst zugemessen wird, das doch eher als Selbstbeschreibung auf derartige Schwulenhasserportale wie ‘Medrum’ oder ‘Kathnet’ zuträfe. Psychologen würden hier von offensichtlicher ‘Übertragung’ sprechen:
“[Die Fratze der linken Widersprüche] zeigt den Widerschein der Diskrepanz zwischen einer fundamentalistischen Besessenheit von einer durch Glaubensideen beherrschten surrealen Welt und ihrer Konfrontation mit der Wirklichkeit.”
Wenn wir aus Erbarmen mal annehmen, dass irgendjemandem der obige Kehrichthaufen aus angedauten Denkversuchen grammatisch halbwegs verständlich sein könnte, dann schaut der Verfasser dort doch in einen Spiegel – natürlich nicht in einen gedruckten. Die Besessenheit, die eine von Glaubensideen verseuchte Welt mit ihren surrealen Resultaten bei der Wahrnehmung erzeugt – die ist doch wahrlich eher bei diesen nächstenhassenden Christus-Ausdeutern zu suchen. Diese bibeltreuen Doppelmoralisten, die wie Obelix gleich am Topf schon einen Nachschlag verlangten, als die Rechthaberei an die Menschheit verteilt wurde, die sind in meinen Augen so ziemlich das verlogenste und denkfaulste Volk, das ich kenne. Und erkennen lässt sich ihr Wesen stets daran, dass ihnen jede Metapher auf dem langen Weg vom Hirn auf den Monitor zu entgleisen pflegt, denn die Sprache ist eine strenge Richterin: “Jenseits ideologischer Flügelkämpfe entfernt das Buch alle Tarnkappen.” Ich würde sogar sagen, durch das bloße Studium der Bibel gelangt es über das eitle Wissen weit hinaus …
Was der Steven Milverton über Kurt J. Heinz, den Herausgeber, und generell über derartige bibelgestützte Hass-Schleudern schreibt, trifft eigentlich exakt den Punkt, auch wenn er natürlich den Kampf sittlich empörter Kleinbürger gegen die ‘Verschwulung der Welt’ ins Zentrum seiner Analysen stellt. Gender Mainstreaming, Abtreibung, wilde Ehen und andere Themen lassen diese putzigen Wesen aber gleichermaßen infarktgefährdet von “S-kandaalen” jappsen:
“Kurt J. Heinz, jener evangelikale Zahnstocher im Kampf gegen die Verschwulung der Welt, scheint mit seinem Portal Medrum einen Punktsieg im Wettrennen mit den fundamental-katholischen Hassseiten kreuz.net und kath.net errungen zu haben.”
Das jedenfalls erscheint mir das zielgruppenorientierte Resultat von Jan Fleischhauers wöchentlichen Weltbeschreibungen: Hier, warm gebettet in christliche Tugenden, sucht und findet er rezeptionsgeschichtlich eine wahrhaft ungebrochene Zustimmung bei den Treuesten seiner Treuen. Diese gute Gesellschaft bei Brüdern und Schwestern im Geiste sei ihm gegönnt …