Archiv für die Kategorie ‘Medienwandel’

Reife Leistung

Freitag, 06. April 2012

Mit drei Argumenten die deutschen Verleger und ihre dienstfertigen Buddies von der Paid Culture zugleich in die Tonne zu treten – das vermag nicht jeder. Und er kriegt noch nicht einmal einen Euro-Cent für diese Leistung. Bitte aufmerksam lesen, der Text hinter dem Link hat es verdient:

“Ihr [Verleger] seid mir egal, noch egaler, als ich es euch bin. Denn ihr erwartet von mir ja, dass ich euch für eure Inhalte bezahle. Ich, dagegen, erwarte von euch rein gar nichts mehr.”

Generationsbrüche

Mittwoch, 04. April 2012

Keine Alterskohorte glaubt, dass sie alt geworden sei, bevor sie nicht von den Nachfolgern dazu erklärt wird. Und keine Meinung ändert sich, ohne dass ihre Verbreiter an physischer Präsenz verlieren. Damals war das die eigentliche Kränkung für die “Alt 68er”, als sie in den 80ern den “Poppern” und Dallas-Figuren weichen mussten. Heute wiederum stehen die Popper mitsamt ihrem egoman-epikuräischen Lebensmodell vor dem intellektuellen Aus. Ihre Zeit ist vorbei.

Auch in der schreibenden Zunft sieht sich die Generation der Poschardt-Fleischhauer-Schmid-Marguier-Lehming-Posener-usw. plötzlich mental von Nachfolgern umstellt. Unversehens fühlen sie sich aufs Altenteil versetzt und nicht im mindesten mehr ‘modern’, geschweige denn ‘postmodern’ oder gar ‘pop-literarisch’. Was sie auch schreiben und sagen mögen, alles klingt plötzlich verstaubt und antik. Und zugleich nervt die Arthritis immer stärker. Nur so ist für mich jener aberwitzige Hass zu erklären, mit dem sie jetzt den Piraten nachstellen. Sie möchten sich noch ein paar Jahre altbewährter Deutungshoheit verschaffen, während sie auf die Jungen bereits so wirken, wie der Arnulf Baring auf uns …

Popcorn!

Dienstag, 03. April 2012

Zickenkrieg im Journalismus – und zwar in der Bundesliga, dort, wo man sich noch Hoffnungen auf die Champions League macht: Erst landete der Nils Minkmar (FAZ) einen sehenswerten Uppercut beim Kollegen Paul Solbach (Cicero). Der hatte sich strebend bemüht, antipirative Verdienste um den inwüstogativen Journalismus zu erwerben, dabei aber nicht zum erstenmal allerlei durcheinandergebracht, nicht zuletzt Namen.

Daraufhin hielt es Cicero-Coach Alexander Marguier, dem wir hier auch schon mal die Maßstäbe auf halb acht flattern ließen, höchstselbst nicht länger auf der Bank. Er sprang gleichfalls in den Ring und ging sofort zum Kickboxen über, indem er dem Minkmar SPD-Nähe vorwarf, bekanntlich die schlimmste Sottise unter Deutschlands Alpha-Feuilletonisten. Vornamen, Nachnamen, Grufti-Behauptungen und die Ortung verfestigter mafiöser Strukturen bei einer Newcomer-Partei, die selbst doch noch gar nicht so recht weiß, dass es sie gibt – dies alles taumelte plötzlich wild im wilden Saarland umher, bis der interessierte Leser den pochenden Zeigefinger gar nicht mehr von der Schläfe lösen mochte. Der Boxverband betrachtete derweil kopfschüttelnd das ebenso ‘satanische’ wie regelwidrige Treiben und behält sich jetzt weitere publizistische Schritte vor. Wo? Natürlich demnächst in Ihrem Föjetong … während die Piraten, das Gesetzbuch zwischen den Zähnen, längst drohen, die HMS Cicero zu entern.

Syndication – und die Folgen

Dienstag, 03. April 2012

Die stolze falsche Exklusivmeldung steht jetzt noch vergessen im Online-Auftritt des Schwesterblattes »Wirtschaftswoche« herum, das Meldungen des »Handelsblattes« vermutlich als Teil einer Qualitätsoffensive aufträgt.

Hihi, diese Metapher des Herrn Niggemeier sitzt einfach – sie kleidet auch die zweite Garnitur dieser verlegt verlogenen verlegenen verlegerischen Kinderschar in den publizistischen Einheits-Look.

Leben Zombies länger?

Freitag, 30. März 2012

Klusmann: „Noch ist die ,FTD’ im Kern eine Zeitung. Ich will die Marke aber auf den Tag vorbereiten, an dem dieses Szenario über die Zeitung hereinbricht.“

Es wäre ja auch erstaunlich gewesen, wenn Deutschlands ‘beste Wirtschaftszeitung’ ausgerechnet in der Wirtschaft Erfolg gehabt hätte. BWL ist kein bildungsförderliches Studium, folglich greifen die Absolventen dort auch lieber zum Wirtschafts-Focus oder zur Economy-Praline, also zu leichtverdaulicher Sushi-Kost wie ‘Manager-Magazin’ oder ‘Wirtschaftswoche’: “Elektroautos spielen in den Dienstwagenflotten der deutschen Konzerne keine Rolle.” Börps! – wer hätte das nun wieder gedacht? Ohne die gebotene ‘qualitätsjournalistische Recherchetiefe’ kommt da niemand drauf …

Alles umsonst!

Dienstag, 27. März 2012

Ouha!” – so schallte es uns in Ostholstein entgegen, wo schon die Autos ein ‘OH’ im Nummernschild führen, läse man dort den Gabor Steingart im heutigen Newsletter des ‘Handelsblatts’. Was allerdings dort kaum jemand tut:

“Wenn sich die Piraten-Vision von der Umsonst-Kultur im Internet durchsetzt, sind Buch-, Musik- und Filmverlage die neue Atomindustrie.”

Ouha, ouha! – das klingt wahrlich schrecklich. Allerdings leben e.on, Vattenfall und RWE ja auch noch – und nicht einmal schlecht …

Nebenbei: Jedes zusammengesetzte Substantiv mit einem Bindestrich gleich wieder zu halbieren (‘Piraten-Vision’, ‘Umsonst-Kultur’), das scheint mir eine Stein-Gart’sche Stil-Marotte zu sein, die kaum Durch-Setzungs-Chancen besitzt …

Des Pudels Kern

Donnerstag, 22. März 2012

Nehmen wir Lautstärke einfach mal als Indiz fürs Engagement, dann erfahren wir hier, worum es der Content-Industrie beim ‘Leistungsschutzgesetz’ vor allem anderen geht. Es geht um die Höchststrafe für kleine Pinscher, die sich erfrechen, jenen billigen Content zu kopieren, den diese Industrie zuvor den eigentlichen Urhebern abgegaunert hat:

“Im Justizministerium wird derzeit an der Deckelung der Abmahngebühren gearbeitet. Die Rechteinhaber sprechen sich ausdrücklich dagegen aus. Wie zu hören war, müssen die Rechteinhaber richtiggehend getobt und gedroht haben, den Dialog zu verlassen, wenn die Deckelung umgesetzt wird.”

Überdurchschnittlich erfolglos

Mittwoch, 21. März 2012

Wer sich über den möglichen publizistisch-ökonomischen Effekt rechtspopulistischer Kurswechsel in seinen Redaktionen gleichfalls Gedanken macht, der möge sich zuvor dieses mäßige Resultat von geradezu Blocher’schem Format zu Gemüte führen:

“Die Basler Zeitung hat in den letzten fünf Jahren rund 50’000 Leser verloren. … Fazit aus der Charcuterie-Abteilung: Alles hat ein Ende, nur die BaZ ist mir Wurst.”

Auch Ideologien wechseln, und der Neoliberalismus hat seine ‘longue durée’ jetzt hinter sich: The times, they are a changin’ … so please get out of the new one if you can’t lend your hand.

Das dialogische Netz

Sonntag, 18. März 2012

Wer die Publikation von zehn editierten Leserbriefen für Partizipation hält, muss nachsitzen.”

Endlich sagt’s mal einer!

Donnerstag, 15. März 2012

Es gibt im Internet keine Angebote, die den Umsatz der Verlage nennenswert mindern, indem sie Urheberrechte verletzen. Zumindest sind die Verlage in den vergangenen Jahren nicht in der Lage gewesen, auch nur ein einziges Beispiel für einen solchen Fall zu nennen.”

Schreibt jemand aus dem Verlagswesen an eine darob höchst erstaunte Öffentlichkeit. Das ist aber noch längst kein Grund, nicht trotzdem ein Leistungsschutzgesetz für null Gramm geklauter Leistung zu fordern (Litotes). Wer könnte ein wenig Extraprofit, erschlichen durch eine verlogene Argumentation, in diesen harten Zeiten denn nicht gut gebrauchen (rhetorische Frage)? Nach dem Springer’schen Motto: Friede, Freunde, Eier kochen (Vetustas) …