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	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
	<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 13:00:08 +0000</pubDate>
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		<title>Life&#8217;s a Carousel</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 12:50:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Dummschwätze]]></category>

		<category><![CDATA[Argumente]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sprache mit ihrem starken Magen mag sich vom Wortschatz her verändern. Hie und da wird eine neue sprachliche Pretiose - bspw. &#8216;Benchmarking&#8217;, &#8216;Leistungsträger&#8217; oder &#8216;Volatilität&#8217; - dem alten Bluff aufgepfropft, die Tiefenstruktur der Argumentation aber bleibt sich gleich. Oft über Jahrhunderte hinweg. Ein Beispiel:
Am Beginn der Industrialisierung herrschte in England eine beispiellose Armut, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">D</span>ie Sprache mit ihrem starken Magen mag sich vom Wortschatz her verändern. Hie und da wird eine neue sprachliche Pretiose - bspw. &#8216;Benchmarking&#8217;, &#8216;Leistungsträger&#8217; oder &#8216;Volatilität&#8217; - dem alten Bluff aufgepfropft, die Tiefenstruktur der Argumentation aber bleibt sich gleich. Oft über Jahrhunderte hinweg. Ein Beispiel:</p>
<p>Am Beginn der Industrialisierung herrschte in England eine beispiellose Armut, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauperismus">der sog. &#8216;Pauperismus&#8217;</a>, verschärft noch durch Missernten, hohe Kornzölle im Interesse der Gentry und die massenhafte Einwanderung von Iren. Angesichts der Überlastung der traditionellen Armenfürsorge setzte die britische Regierung 1832 eine &#8216;Königliche Kommission&#8217; ein, bestückt mit den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Werner_Sinn">Sinns</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bert_R%C3%BCrup">Rürups</a> der damaligen Zeit. Sie sollten die Ursachen dieses Elends &#8216;erforschen&#8217;.</p>
<p>Diese Kommision kam zu wahrhaft revolutionären Folgerungen, die einer bisher noch immer christlich fundierten &#8216;Caritas&#8217; geradewegs ins Gesicht schlugen: Die Arbeiter würden deshalb nicht arbeiten, weil die öffentliche Fürsorge ihnen mehr eintrüge als die real existierenden Hungerlöhne auf Englands Farmen und in der Industrie. Die Handlungsempfehlungen lauteten jetzt nicht etwa, dass die Löhne steigen müssten, nein, die &#8216;Experten&#8217; kamen zu dem Schluss, &#8220;<em>dass die Unterstützung gesunder Arbeiter mit öffentlichen Geldern die Wurzel allen Übels</em>&#8221; sei. Das englische Parlament beschloss daraufhin im Jahr 1834 das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armengesetz">&#8220;Poor Law&#8221;</a>, um dem faulen Pack Beine zu machen. Die Alternative für einen Armen lautete jetzt, Arbeit auf dem &#8216;freien Markt&#8217; für ungenügenden Lohn, oder aber Arbeit für &#8216;Sachleistungen&#8217; in einem Armenhaus bei Wasser und Brot - mit anderen Worten: Sie gingen ins Gefängnis, weil aus der Armut ein Verbrechen wurde. Im Kern ging es diesen Experten darum, &#8220;<em>das Los des von den steuerzahlenden Bürgern erhaltenen Paupers weniger begehrenswert zu machen als das des ärmsten für sich sorgenden Arbeiters</em>&#8220;. Das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnabstandsgebot">Lohnabstandsgebot</a> war geboren.</p>
<p>Das &#8220;Poor Law&#8221; wirkte dann allerdings anders als gedacht: Es kam zu blutigen Straßenunruhen, die Unterschichten organisierten sich erstmals, und das Gesetz wurde zur Geburtsstunde der Chartisten, einer Bewegung, die mittelfristig mit der Forderung nach einem freien und gleichen Wahlrecht auch die Privilegien der geld- und grundbesitzenden Eliten hinwegfegen sollte.</p>
<p>So gesehen, sind Westerwelle und Consorten heute immerhin schon - oder noch immer - auf dem politischen Bewusstseinsstand von 1832 angelangt. Die sprachlichen Moden wechselten, die Argumente blieben. Ob unsere &#8216;Liberalen&#8217; allerdings die absehbaren Folgen im Kopf haben, die in England schon einige Jahre später einsetzten, das glaube ich nicht. Man sieht aber, dass vieles, was heutzutage unter dem Etikett &#8216;Reform&#8217; segelt, blanker Traditionalismus ist, liberaler Traditionalismus sozusagen &#8230;</p>
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		<title>Schräge Bilder</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 11:49:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Dummschwätze]]></category>

		<category><![CDATA[Fachsprache]]></category>

		<category><![CDATA[Joseph Conrad]]></category>

		<category><![CDATA[Journalistensprache]]></category>

		<category><![CDATA[Metaphern]]></category>

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		<description><![CDATA[Da möchte ich doch mal zusehen, wenn auf einem Schiff jemand den Anker &#8216;wirft&#8217;: Ein wahrer Herkules müsste das sein. Oder auch nur, wie ein Schiff vom Hafen aus in See &#8217;sticht&#8217; - wie die Ente beim Gründeln vermutlich &#8230; Aber gut: Abgedroschene und windschiefe Metaphern, ohne dass sie zuvor von konkreter Phantasie und unwillkürlicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">D</span>a möchte ich doch mal zusehen, wenn auf einem Schiff jemand den Anker &#8216;wirft&#8217;: Ein wahrer Herkules müsste das sein. Oder auch nur, wie ein Schiff vom Hafen aus in See &#8217;sticht&#8217; - wie die Ente beim Gründeln vermutlich &#8230; Aber gut: Abgedroschene und windschiefe Metaphern, ohne dass sie zuvor von konkreter Phantasie und unwillkürlicher Vorstellungskraft auf ihre Plausibilität und Anschaulichkeit geprüft worden wären, die sind nun mal das untrügliche Kennzeichen einer dumpf dahergeklapperten Journalistensprache. Wie die echte Seemannssprache wirklich klingt, lässt sich übrigens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Conrad">bei Joseph Conrad</a> lernen &#8230;</p>
<blockquote><p><a href="http://www.piratenpartei.de/node/796">Piratenpartei wirft Anker in Thüringen</a>.</p>
<p><a href="http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/nord-west/Daniel-Kolb-wirft-Anker-in-Westerfilde-id959300.html">Daniel Kolb wirft Anker in Westerfilde</a>.<br />
<a href="http://art.allgirls-berlin.org/?p=1470"></a></p>
<p><a href="http://art.allgirls-berlin.org/?p=1470">Die aktuelle allgirls-Ausstellung „Küchengirl wirft den Anker” der Berliner Künstlerin Christine Kriegerowski besteht aus zwei Teilen: einem zentral im Raum arrangierten, metaphorisch aufgeladenen Hindernis aus dem Springreitsport und grafisch reduzierten Darstellungen von verweigernden Pferden.</a><br />
<a href="http://www.bz-berlin.de/archiv/heide-keller-wirft-anker-in-berlin-und-spielt-mit-jochen-busse-theater-article46289.html"></a></p>
<p><a href="http://www.bz-berlin.de/archiv/heide-keller-wirft-anker-in-berlin-und-spielt-mit-jochen-busse-theater-article46289.html">Heide Keller wirft Anker in Berlin und spielt mit Jochen Busse Theater.</a><br />
<a href="http://www.openpr.de/news/126181/Programmiermaschine-wirft-Anker-im-Norden-integranova-eroeffnet-eine-Geschaeftsstelle-in-Hamburger-IT-Viertel.html"></a></p>
<p><a href="http://www.openpr.de/news/126181/Programmiermaschine-wirft-Anker-im-Norden-integranova-eroeffnet-eine-Geschaeftsstelle-in-Hamburger-IT-Viertel.html">Programmiermaschine wirft Anker im Norden.</a></p></blockquote>
<p>Fliegende Anker allüberall, wo Papier billig bedruckt wird. Und so beackern tagein tagaus diese Content-Traktoristen bildungs- und bildlos ihre Geschäftsfelder &#8230;</p>
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		<title>Hoffnungslos romantisch</title>
		<link>http://www.stilstand.de/archives/4396</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 09:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>

		<category><![CDATA[Fachsprache]]></category>

		<category><![CDATA[Hafen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jahrzehntelang fuhr mein Alter zur See. Seit er von zu Hause ausgebüxt war wegen der &#8217;schweren Hand&#8217; seines Vaters. Auf festem Boden gründete er nach dem Krieg ein Unternehmen, dem Schiffsbau aber blieb er treu. Von nun an sorgte er mit Gips, Styropor und Steinwolle für Brand- und Schallschutz auf den Helgen großer Werften in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">J</span>ahrzehntelang fuhr mein Alter zur See. Seit er von zu Hause ausgebüxt war wegen der &#8217;schweren Hand&#8217; seines Vaters. Auf festem Boden gründete er nach dem Krieg ein Unternehmen, dem Schiffsbau aber blieb er treu. Von nun an sorgte er mit Gips, Styropor und Steinwolle für Brand- und Schallschutz auf den Helgen großer Werften in Norddeutschland.</p>
<p>Wann immer er als Teilnehmer einer Probefahrt Kurs aufs offene Meer nahm, lebte er auf. Der leere Blick schwand, mit dem er &#8216;an normalen Tagen&#8217; auslaufenden Schiffen auf der weiten Wesermündung nachsah. Und so oft es ging, stieg ich nach der Schule zu ihm in den Wagen. Die riesigen Docks lernte ich kennen, die rostbraunen Rümpfe der Stahlkolosse auf ihrem schmiergeseiftem Balkenwerk, die kathedrale Weite der Maschinenräume, bevor die gigantischen Dieselaggregate jeden Winkel füllten. Ich stand inmitten bunter Fahnen bei Stapelläufen und nahm auch teil an jenen wilden Fahrten rings um Helgoland herum, wo auf der Brücke alle wahre Indianertänze aufführten, wenn das schäumende Schiff inmitten all der Gischt, die bugwärts über das Schanzkleid und durch die Speigatten toste, plötzlich dem Befehl &#8216;Volle Kraft zurück&#8217; gehorchen musste. Dann, wenn aus den frischen Nähten plötzlich ein grausiges Ächzen und Krachen ertönte, während die mächtigen Schrauben der stählernen Masse ihren Willen aufzwangen.</p>
<p><span id="more-4396"></span></p>
<p>Schiffe waren für mich lebende Wesen, in einem Hafen immer nur zu Gast. Legten wir beim Butschern nach der Schule die Hand auf jene mächtigen, teerduftenden Tampen, die den Rumpf an die Kaje ketteten, dann konnten wir den Freiheitswillen spüren, die unbändige Kraft, die dort an Hanf und Sisal zerrte. Der Hafenmeister, auch er ein ergrauter Seemann, kannte dieses Streben, immer noch ein Tau ließ er fieren, um die Geschöpfe des Meeres sicher an die Poller zu fesseln. Während die Stückgutkräne in ihren Netzen immer neue Ballen an Land hievten, voll mit stinkender Wolle, mit duftendem Kaffee oder mit grünen Bananen, sahen wir das Schiff wachsen: Immer steiler ragte die Gangway an der mächtigen Stahlwand empor, immer filigraner wuchs das Ladegeschirr in den möwendurchschwirrten Himmel, immer häufiger lockerte die Besatzung die Trossen, weil das geleichterte Schiff sich kaiwärts überzulegen begann.</p>
<p>Später dann, als Student in Hamburg, arbeitete ich in den Semesterferien als Fahrer für einen Schiffselektroausrüster. Auf einer stampfenden Barkasse ging es über die Elbe, dann mit dem Wagen hinein in die Docks. Ein Hochhaus ist ein Dreck gegen einen Schiffsrumpf, der inmitten blutroter Stahlwände auf dem Trockenen ruht, geradezu ergriffen fühlte ich mich, wenn über dem Wasser der Elbe die Sonne inmitten des Hämmerns und Lärmens aufging und von allen Decks die Schweißfunken in Schwaden sprühten. Weit oben rollten Arbeitskräne hin und her, an ihren Trossen ein kleiner schwarzer Fliegendreck, der sich beim Wegfieren als tonnenschwere Ankerwinde entpuppte, gesichert von einem einzigen winzigen Schekel. Direkt darunter, auf dem schlickig-nassen Stahlboden, dirigierte ein Arbeiter unter einem lächerlich zerbrechlichem gelben Sturzhelm die Last, mal den Arm in die Luft reckend, mal mit den Fingern kreisend, mal mit dem Daumen die Richtung weisend, dann mit der flachen Hand ein Innehalten signalisierend. Die Arbeit auf einer Werft muss wohl der Schrecken jeder Berufsgenossenschaft sein.</p>
<p>Der Vater eines Freundes war Kapitän. So kam ich in den Genuss, Häfen auch von der Seeseite her kennenzulernen. Sie waren so individuell wie die Schiffe auch: die freundlich touristische Zufahrt in den Hamburger Hafen, entlang hoher Elbufer voll weißer Villen, die endlose Industriekulisse der Themse, der schlickig-graue Strich der Marschlandschaft vor Bremerhaven mit den Ruinen wilhelminischer Forts, die überirdisch schöne Einfahrt in den Hafen von Lissabon und auch die felsige Trostlosigkeit von Murmansk, wo patroullierende Sowjetsoldaten mit Kalaschnikows jeden Landgang unterbanden. Was allerdings verschmerzbar blieb angesichts verrotteter Wohnsilos und rostiger Schiffswracks vor verlotterten Schuppen. Der Sozialismus war ärmlich und überhaupt nicht attraktiv, dazu in fortschreitendem Verfall begriffen, das lernte ich auf diese Weise früh.</p>
<p>In meiner Bremer Zeit sah ich die Hafenbecken dann altern. Kaum ein Schiff fuhr noch den langen Weg die Weser hinauf. Still lagen die langen Kajen, die Backstein-Schuppen bildeten eine Geisterstadt, die irgendwelchen Import-Export-Firmen bestenfalls als Stapelraum diente. Diese Landschaften waren eine dankbare Fotostrecke, mein Sinn für das Morbide, für Rost und bröckelnden Putz und für menschenleere Weite fand hier die schönsten Motive: Längst verblichene Firmennamen bannte ich auf Film, zersplitterte Fenster, tote Gleise und verwitterte Dachpappe - das gelbe Gras in den Ritzen des Kopfsteinpflasters, die jungen Birken in den Dachrinnen.</p>
<p>Das moderne Gegenbild heißt heute Container-Hafen - menschenleer und zugleich geschäftig. Sieht man einen, kennt man alle. Roboterparks, neongelb erleuchtete Weltraumstationen, wo es von allen Ladebrücken herab piepst und hupt. Ein Schiff ist längst wie das andere geworden, es sind schwimmende Lagerschuppen, jeder Landgang ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Selbst der einstige Stolz der Meere, der Passagierdampfer, verkam optisch zu einem riesigen Hamsterkäfig, der schlicht den Komfort eines Drei-Sterne-Hotels in die Antarktis verpflanzt. Ach &#8230;</p>
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		<title>Ein gelungener Chiasmus</title>
		<link>http://www.stilstand.de/archives/4389</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 10:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Schreibgesetze]]></category>

		<category><![CDATA[Chiasmus]]></category>

		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[Banken, die mit Staatsgeld vor dem Bankrott bewahrt wurden, spekulieren nun auf den Bankrott von Staaten.&#8221;
Der Politiker, der in der Opposition gegen die Regierung krakeelte, opponiert als Regierung dann gegen die Krakeeler. Kreuzstellungen wirken immer intelligent und witzig &#8230; mit anderen Worten: Diese rhetorische Figur bringt die Zuhörer auf unsere Seite.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><a href="http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,680586,00.html"><span class="dcap">B</span>anken, die mit Staatsgeld vor dem Bankrott bewahrt wurden, spekulieren nun auf den Bankrott von Staaten.&#8221;</a></p></blockquote>
<p>Der Politiker, der in der Opposition gegen die Regierung krakeelte, opponiert als Regierung dann gegen die Krakeeler. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chiasmus" target="_blank">Kreuzstellungen</a> wirken immer intelligent und witzig &#8230; mit anderen Worten: Diese rhetorische Figur bringt die Zuhörer auf unsere Seite.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Metaphorischer Dilettantismus</title>
		<link>http://www.stilstand.de/archives/4380</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 08:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Dummschwätze]]></category>

		<category><![CDATA[Metaphern]]></category>

		<category><![CDATA[Parteien]]></category>

		<category><![CDATA[Politikersprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem weiten Feld der Kultur blühen die schönsten Giftblüten. Zum Beispiel hier:
FDP-Generalsekretär Lindner sagte: &#8220;Wieder einmal vergiftet die SPD die politische Kultur.&#8221;
Wie bitte? Wieder einmal? Wir darf ich mir das vorstellen? Handelt es sich hier vielleicht um einen Fall von politisch motiviertem Leichenmord? Wurde die schöne Verblichene von sozialdemokratischen Grabschändern exhumiert, wurden ihr erneut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">A</span>uf dem weiten Feld der Kultur blühen die schönsten Giftblüten. Zum Beispiel hier:</p>
<blockquote><p><a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&amp;dig=2010%2F02%2F26%2Fa0137&amp;cHash=6ba5d8a040">FDP-Generalsekretär Lindner sagte: &#8220;Wieder einmal vergiftet die SPD die politische Kultur.&#8221;</a></p></blockquote>
<p>Wie bitte? Wieder einmal? Wir darf ich mir das vorstellen? Handelt es sich hier vielleicht um einen Fall von politisch motiviertem Leichenmord? Wurde die schöne Verblichene von sozialdemokratischen Grabschändern exhumiert, wurden ihr erneut die bläulich starren Lippen von ungehobelten Proletenhänden aufgehebelt, um ihr dann eine gut dosierte Kelle &#8216;Kulturtod&#8217; einzuflößen, randvoll mit Informationen über Westerwelles todbringende Nebenjobs? Ist die Kultur gar eine Katze, die bekanntlich über sieben Leben verfügen soll?</p>
<p>Oder ist es ganz einfach so, dass die Kultur immer wieder von der Bahre der Totgesagten aufersteht, ganz egal, was sprachdumpfe Generäle über ihr Ableben verkünden? Hier eine Klippschulweisheit für unsere Funktionäre: Politische Kultur ist immer dann am lebendigsten, wenn ihr euch nach Leibeskräften auf die Fresse haut.</p>
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		<title>Die Grammatik der Schizophrenie</title>
		<link>http://www.stilstand.de/archives/4362</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 09:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gedankenkrätze]]></category>

		<category><![CDATA[Framing]]></category>

		<category><![CDATA[Karstadt Quelle]]></category>

		<category><![CDATA[Metapher]]></category>

		<category><![CDATA[Schizophrenie]]></category>

		<category><![CDATA[Thomas Middelhoff]]></category>

		<category><![CDATA[Wirtschaftssprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Hexeneinmaleins ist längst die Grundrechenart der feinen Gesellschaft geworden: Die oben liegen in ethischer Hinsicht in der untersten Schublade, und die einstmals so geschätzte Geschäftsmoral hat sich in selbstgefällig geblähte Spekulationsblasen verwandelt, wo nur der richtige Zeitpunkt beim Ein- oder Ausstieg über Gut und Böse entscheidet, nicht länger das gute Betriebsergebnis oder die Zukunftsperspektive [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">D</span>as Hexeneinmaleins ist längst die Grundrechenart der feinen Gesellschaft geworden: Die oben liegen in ethischer Hinsicht in der untersten Schublade, und die einstmals so geschätzte Geschäftsmoral hat sich in selbstgefällig geblähte Spekulationsblasen verwandelt, wo nur der richtige Zeitpunkt beim Ein- oder Ausstieg über Gut und Böse entscheidet, nicht länger das gute Betriebsergebnis oder die Zukunftsperspektive eines Unternehmens - alles natürlich streng im rechtlichen Rahmen.</p>
<p>So wirr und misanthrop jedenfalls fühlte ich mich, als ich gestern in der ARD - ziemlich fassungslos - das große Feature über den Untergang des Karstadt-Quelle-Konzerns verfolgte. Ein Konzern, den sich offenbar einige Finanzmanager systematisch &#8216;zu eigen&#8217; gemacht hatten, um der fetten Beute überall ihre Blutegel zu setzen - dies jedenfalls war die argumentativ bestens unterfütterte Tendenz des Reports (<span style="color: #808080;">Leider ist die Sendung bisher <a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/" target="_blank">in der ARD-Mediathek</a> nicht online verfügbar, vielleicht bin ich aber auch nur zu blöd, sie zu finden. <a href="http://www.derhandel.de/news/unternehmen/pages/Karstadt-Doku-schiesst-gegen-Middelhoff_5833.html">Eine Besprechung der Sendung findet sich hier.</a></span>).</p>
<p>Bemerkenswert war die Chuzpe, mit der ein zweifellos Hauptverantwortlicher wie Thomas Middelhoff sich als ein &#8216;Marschall Vorwärts&#8217; versuchte. Überlegen lächelnd stellte er sich auch den unangenehmen Fragen der Reporter, wobei er sprachlich in schönstem Ökonomurks seinen Crash-Kurs nachträglich rechtfertigte, obwohl er in meinen Ohren nur große Wolken von Sprachstaub und Marketing-Sprech aufwirbelte. Eine kleine, unauffällige Redefigur, die der Herr Middelhoff einleitend nicht nur einmal gebrauchte, stieß mir auf:</p>
<p><span id="more-4362"></span></p>
<p><em>&#8220;Ich erkläre mir das heute so &#8230;&#8221;</em>, mit dieser Floskel begann Middelhoff fast schon regelhaft seine Antworten.</p>
<p>Betrachten wir den &#8216;Frame&#8217;, der einem solchen Sprachgebrauch zugrunde liegen muss: Zwei Personen - nennen wir sie Middelhoffs &#8216;Ich&#8217; und &#8216;Mir&#8217; - sehen wir in seinem Kopf dort hausen: Ein dunkles Ich im Hintergrund, das dem anderen Ich zuhört, welches ihm die argumentative Rabulistik für sein Verhalten nachträglich zuliefert. In solch einem mentalen Zwei-Personen-Haushalt lässt sich mit Verantwortlichkeiten natürlich trefflich Pingpong spielen: Das war nicht Ich, das war bloß das andere Ich. Vermutlich fühlt sich eins dieser Ichs selbst heute noch moralisch sauber - und nicht im Geringsten an jenen Aktientreibereien und gezielten Presse-Kampagnen persönlich beteiligt, welche das andere Ich als Dienstleister einer großen Investmentbank den Mitarbeitern - laut ARD jedenfalls - verzapft hat. Ein Schritt noch, und die halbe Person wäre selbst zum Opfer geworden: Ach, hätte ich doch bloß nicht auf diesen anderen Hallodri gehört!</p>
<p>Die einstigen Mitarbeiter wiederum stehen heute auf der Straße und betrachten fassungslos das abgenagte Skelett ihres vormals so großmächtigen Arbeitgebers und fragen sich verwundert: Ou sont les richesses d&#8217;antan?</p>
<p>Merke: Solche Schizophrenie - die sich gerade auch in sprachlichen Kleinigkeiten äußert - das ist die Methode der Erfolgreichen, derer mit den Zähnen im Maul. An ihrer Metaphorik und ihrem Wortgebrauch sollt ihr sie erkennen. Es ist höchste Zeit für den Sprachpsychiater &#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Dichter sagt Servus</title>
		<link>http://www.stilstand.de/archives/4349</link>
		<comments>http://www.stilstand.de/archives/4349#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 09:20:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Richtplätze]]></category>

		<category><![CDATA[Durs Grünbein]]></category>

		<category><![CDATA[Helene Hegemann]]></category>

		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles klar - ich verstehe: Wer noch einmal &#8216;Plagiat&#8217; zu diesem adoleszenten Wunderwerk europäischer Höchstliteratur sagt, der hat sich aus dem Raum der Literatur so zu schleichen, wie ein indezenter Gast, der im Nobelrestaurant &#8216;Zum Wahren und Guten&#8217; einen Furz gelassen hat:
&#8220;Wer nur bis Namen und Handlungsorte kommt, dem wird die Gabe fehlen, sich überwältigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">A</span>lles klar - ich verstehe: Wer noch einmal &#8216;Plagiat&#8217; zu diesem adoleszenten Wunderwerk europäischer Höchstliteratur sagt, der hat sich aus dem Raum der Literatur so zu schleichen, wie ein indezenter Gast, der im Nobelrestaurant &#8216;Zum Wahren und Guten&#8217; einen Furz gelassen hat:</p>
<blockquote><p><a href="http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~E9A6DBB44BF2442FABBF3719F6EDCE172~ATpl~Ecommon~Scontent.html">&#8220;Wer nur bis Namen und Handlungsorte kommt, dem wird die Gabe fehlen, sich überwältigen zu lassen selbst von diesem Buch, dessen Berückungsmacht ganz unvergleichlich ist in seiner Einheitlichkeit von Sprache und Lebensgefühl, die keine Lücke lässt, in seiner Geschlossenheit persönlicher Struktur, die etwas Fremdes zu dulden sich gar nicht in der Lage sieht. Sphären ohne Raum und Atem Hand aufs Herz, mir scheint, die Behauptung, in diesem Buch sei irgend etwas unverarbeitet liegengeblieben, quellenmäßig übernommen, entlehnt oder gestohlen, entspringt einem Mangel an Gaben. Es wäre genauso richtig und genauso sinnlos zu sagen, das Auge habe das Protoplasma bestohlen oder die Träne die Elemente, weil sie Chlornatrium enthält. Jeder Ursprung ist schließlich materieller Art, aber was Rainald Goetz, Jim Jarmusch oder den Text „Strobo“ des Bloggers Airen angeht, so kommen sie in diesem Buch schlecht weg: wo immer in ihm das Thematische sich nähert, wird es aufgelöst in den konstruktiven Affekt, das Authentische des Vorbilds in die Ordnung eines reflexiv Notwendigen, wo immer man die Seiten aufschlägt, tragen sie den Schein einer Schönheit, die ohne Makel, und die Gesetzmäßigkeit einer Szene, die die volle und krasse Echtheit ist. </a></p></blockquote>
<p>Kapiert - &#8216;Echtheit&#8217; ist hinfort das Abgeschriebene. Auch Grammatik ist im hymnischen Bereich bloß für die Armen im Geiste. Davon und deshalb schleiche ich mich jetzt davon. Was treibt bloß all diese älteren Herren in die Disco-Szene? Und schreibt dieser Durs Grünbein eigentlich für Ullstein? - Nö, es ist Suhrkamp &#8230;</p>
<p><a href="http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~E840FC9CB389A43038939D310DD3237C8~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><span style="color: #808080;"><strong>Nachtrag</strong>: Immerhin - er hat auch mich verarscht &#8230;</span></a></p>
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		<title>Schwundstufe</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 09:35:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Gedankenkrätze]]></category>

		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>

		<category><![CDATA[Recherche]]></category>

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		<description><![CDATA[Über den Journalismus in den Zeiten seines fortschreitenden Verfalls:
Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.
Apropos - bei meinem Eingangssatz handelt es sich um ein leicht verfremdetes &#8216;Plagiat&#8217;. Wer die Quelle herausfindet, darf sie behalten &#8230;
via: Bildblog - man beachte beim Wortvogel auch die Kommentare zur zeitlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">Ü</span>ber den Journalismus in den Zeiten seines fortschreitenden Verfalls:</p>
<blockquote><p><a href="http://wortvogel.de/2010/02/dr-hope-wortvogel-unter-beschuss/">Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.</a></p></blockquote>
<p>Apropos - bei meinem Eingangssatz handelt es sich um ein leicht verfremdetes &#8216;Plagiat&#8217;. Wer die Quelle herausfindet, darf sie behalten &#8230;</p>
<p><span style="color: #808080;">via: <a href="http://www.bildblog.de/16497/dr-hope-restauranttester-tatort/" target="_blank">Bildblog</a> - man beachte beim Wortvogel auch die Kommentare zur zeitlichen Koinzidenz von journalistischen Vorwürfen und verlegerischen Veröffentlichungsterminen &#8230;</span></p>
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		<title>Außer Rand und Band</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 08:59:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Dummschwätze]]></category>

		<category><![CDATA[Axolotl Roadkill]]></category>

		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>

		<category><![CDATA[Helene Hegemann]]></category>

		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

		<category><![CDATA[Mara Delius]]></category>

		<category><![CDATA[Maxim Biller]]></category>

		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Titel hätte man es bereits merken können: Ein Buch, das &#8216;Axolotl Roadkill&#8216; heißt, das vom Titelklang her also eher an eine überfahrene Kröte in den Gassen von Tijuana erinnert, und von der Semantik her an zusammengekleisterte Undinge wie bspw. &#8216;Tattoo Smorrebrod&#8217; oder &#8216;Plättbrett Sadistics&#8217;, ein solches Buch also kann einfach nicht gut sein. Ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">A</span>m Titel hätte man es bereits merken können: Ein Buch, das &#8216;<em>Axolotl Roadkill</em>&#8216; heißt, das vom Titelklang her also eher an eine überfahrene Kröte in den Gassen von Tijuana erinnert, und von der Semantik her an zusammengekleisterte Undinge wie bspw. &#8216;Tattoo Smorrebrod&#8217; oder &#8216;Plättbrett Sadistics&#8217;, ein solches Buch also kann einfach nicht gut sein. Ohne den Band aufzuschlagen, weiß dies jeder halbwegs begabte Leser. Nicht so unser Föjetong.</p>
<p>Ein längst gut abgehangener Maxim Biller versucht sich da an dem Beweis, dass er im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen &#8216;jung geblieben&#8217; sei <a href="http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~EA61AD5A580BD4916A301D5128C7E8F5A~ATpl~Ecommon~Scontent.html">( &#8230; jetzt ist wieder ein Roman da, vor dem sich jeder, der über dreißig ist, hüten sollte &#8230;)</a>. Ach, hätte er&#8217;s doch getan! Ihm wächst das Grautier doch schon aus beiden Ohren heraus, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxim_Biller" target="_blank">der Mann ist immerhin Jahrgang 1960</a> und damit weit über das hier geschilderte Instant-Discofick- und zugedröhnte Ponyhof-Alter der Verfasserin hinaus. Dieser &#8216;Kritiker&#8217; versteigt sich ohne jeden Anflug von Ironie hin zu blankem Schwachsinn: Das Deutsch der Verfasserin sei so &#8220;<em>suggestiv wie Sowjet-Propaganda</em>&#8220;, was uns nur zeigt, dass Biller wohl nie eine Zeile solch schnarchlangweiliger Politbüro-Propaganda gelesen hat, und es sei &#8220;<em>so verführerisch individuell, dass ab morgen bestimmt hundert andere deutsche Schriftsteller &#8230; den Hegemann-Sound nachmachen werden</em>&#8220;. Aha- individuell ist folglich, wenn es alle nachmachen können. Ja, geht&#8217;s denn noch?!</p>
<p><span id="more-4321"></span></p>
<p>Mara Delius wiederum zieht in der FAZ einen langen Riemen aus der Tasche, wonach Helene Hegemann, <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E18D3D24CAA994C88A24BD58E0C386A8F~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">&#8220;locker die literarische Ahnenreihe aufrufend – von „Bonjour Tristesse“ über den „Fänger im Roggen“ bis zu „Faserland“ –, kühl die Weisheiten der Popkultur gespiegelt, abgemischt mit dem Sound zur Schau gestellter Introvertiertheit und eingerahmt in ironische Lässigkeit&#8221;,</a> einen Jahrhundertroman geschrieben habe. Jaja, &#8216;Faselland&#8217; - man darf ja noch dankbar sein, dass nicht &#8216;Naked Lunch&#8217; oder &#8216;On the Road&#8217; in den Zeugenstand gerufen wurden in dieser Kritik, an der nur ein Zitat wirklich wahr ist: <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E18D3D24CAA994C88A24BD58E0C386A8F~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">&#8220;Mir wurde eine Sprache einverleibt, die nicht meine eigene ist&#8221;.</a></p>
<p>Wer nämlich hier durch die Bank als &#8216;Originalschriftstellerin&#8217; abgefeiert wird, diese fromme Helene also, das ist schlicht ein kleines Pups-Mädchen mit zusammengestoppeltem literarischem Bauchladen, das so ziemlich alles, was es dort erlebt haben will, sich anderswo zusammenkompiliert hat.</p>
<p>Jeder möge sich den aufgetürmten Intellektual-Misthaufen, den Deutschlands Föjetong-Redaktionen in ihrer rezensionistischen Dienstfertigkeit sich tagelang zusammensalbadert haben, <a href="http://carta.info/23036/axolotl-roadmap/#comments" target="_blank">anderswo</a> <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/02/19/das-versagen-des-heiligen-feuilletons-deutscher-nation-vor-dem-westviertel.aspx" target="_blank">in extenso</a> durchackern, klar ist eins: Das deutsche Feuilleton befindet sich nicht länger in freiem Fall, es ist ganz unten aufgeschlagen - und die letzten verbliebenen Sprachperlen und Kalendersprüche rollen wie buntes Talmi über den Boden. Ein Maßstab aber ist nicht mehr dabei &#8230;</p>
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		<title>Horizontal und vertikal</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 09:48:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Jarchow</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Cordt Schnibben]]></category>

		<category><![CDATA[David Foster Wallace]]></category>

		<category><![CDATA[Eugen Zabel]]></category>

		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>

		<category><![CDATA[Kurt Tucholsky]]></category>

		<category><![CDATA[Reportage]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war Kurt Tucholsky, der Texte mit Hilfe dieses Maßstabs unterschied. Unter dem Titel &#8220;Horizontaler und vertikaler Journalismus&#8221; erschien am 13. Januar 1925 ein Text von ihm in der &#8216;Weltbühne&#8217; (GA VII, 26ff), der zwei grundlegende Textsorten im Journalismus skizzierte. Beide gibt es bis heute - hier zunächst die Beschreibung des &#8216;horizontalen Schreibers&#8217;, der sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dcap">E</span>s war Kurt Tucholsky, der Texte mit Hilfe dieses Maßstabs unterschied. Unter dem Titel &#8220;Horizontaler und vertikaler Journalismus&#8221; erschien am 13. Januar 1925 ein Text von ihm in der &#8216;Weltbühne&#8217; (GA VII, 26ff), der zwei grundlegende Textsorten im Journalismus skizzierte. Beide gibt es bis heute - hier zunächst die Beschreibung des &#8216;horizontalen Schreibers&#8217;, der sich dadurch auszeichnet, dass er zwanghaft alles mit dem Gewohnten vergleicht:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir haben den horizontalen Journalismus, der den reisenden Berichterstatter in seiner Klassenebene lokal verändert. Herr Schulz wird nach Rom, Herr Young nach Berlin versetzt. Was geschieht - ? Sie vergleichen die Fahrweise der elektrischen Bahnen, die Preise, die Bauart der Häuser, die Läden in der Fremde mit den Einrichtungen des Vaterlandes, immer aufgrund ihrer gewohnten Anschauungen; und berichten so in die staunende Heimat &#8230; Der horizontale Journalismus läßt viel sehen, aber nicht das Interessante.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der horizontale Journalist bleibt also immer derselbe Stenz, der er schon in Wanne-Eickel war: seinem Milieu verhaftet, unfähig, Atmosphäre einzufangen, die Lebensumstände, das Fühlen und Denken der Menschen zu begreifen. Altkluge Weisheiten sind die Folge, die immer auf einem Vergleich fundieren, gepackt in den adjektivreichen Sound des Feuilletons und der Reiseprospekte: &#8220;<em>Das umherschweifende Leben in der endlosen Wüste hat aus den Beduinen harte und erbarmungslose Krieger geformt, auch die tagelangen, schneidenden Sandstürme und die unbarmherzige Glut der Sonne, die das Verlangen nach europäischem Komfort für den Reisenden zu einer Fata Morgana machen</em>&#8220;. Ja - woher will der denn das wissen? Hat er lange im Schatten der Dünen gelebt, oder ist er doch nur ein Europäer auf Stippvisite? Es könnte ja auch die Religion sein, die dazu führte, die Sitten, die Habgier, der umgebende Despotismus - was weiß ich? Nichts, nichts, nichts weiß ich, sobald ich in ein fremdes Land komme. Ich bin nur ein weißes Blatt Papier.</p>
<p><span id="more-4301"></span></p>
<p>Auf diese horizontale Art verfuhren viele Journalisten, auch die Großen. Wer heute ein Buch von <a href="http://www.scinexx.de/dossier-detail-454-4.html" target="_blank">Eugen Zabel </a>liest, seinerzeit einer der bedeutendsten deutschen Journalisten aus der Zunft der Auslandsberichterstatter, der fällt über das Phänomen in nahezu jedem Absatz:</p>
<blockquote><p>&#8220;In Petersburg suchte ich nach alter Gewohnheit das Hotel de France in der großen Morskaja auf. Es ist keins von den modern ausgestatteten Häusern, auf die man in großen Städten besonderen Wert legt. Die Einrichtung des Lifts, der das Treppensteigen erspart, ist dort unbekannt. Ebenso gibt es in den Zimmern keine elektrische Beleuchtung, nur Stearinkerzen und Lampen. In all diesen Dingen steht das Hotel de L&#8217;Europe an der Ecke des Newski Prospekt un der Michailowskaja entschieden höher. &#8230; (Trans-Sibirien, 39).</p></blockquote>
<p>Der Schreiber schwebt in kultureller Hinsicht auf Wolke Sieben, auf seinem angestammten Lebensgefühl, das sich am Komfort von Paris oder Berlin bemisst. Der implizite Vergleich - hier Lifts, da keine - ist der ständige Begleiter in jedem Satz, die Überlegenheit Mitteleuropas beugt sich - textlich gesehen - zu Russland tief herab.</p>
<p>Ganz anders der vertikale Schreiber, der sich eben nicht zu seinem Gegenstand von einem Stapel vorab recherchierter Fakten und kultureller Gewissheiten herabbeugt, der vielmehr ahnungslos mitten in eine unbekannte Lebenswelt hineinplatzt.</p>
<p>Einer der besten dieser &#8216;vertikalen Schreiber&#8217; ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/David_Foster_Wallace" target="_blank">David Foster Wallace</a>, die größte Reportage der Neuzeit heißt für mich &#8220;<em>Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich</em>&#8220;. Sie erschien auf Deutsch 1996 im <em>mare Buchverlag</em>. Wallace&#8217;s Thema ist hier die wohlsituierte amerikanische Mittelschicht, die sich den Traum von einer Kreuzreise durch die Karibik mit allem Komfort erfüllt. Eine amerikanische &#8220;Edel-Gazette&#8221; hatte ihn, den damaligen Jung-Star der Literatur, für ein solches &#8216;Feature&#8217; engagiert. Die 183 Seiten, die daraus folgten, sprengten jeden print-journalistischen Rahmen, wurden aber ein Welterfolg. Mit einem Rückblick beginnt die Reise in diesem luxuriösen Hamsterkäfig:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich habe einen knallroten Jogginganzug gesehen, mit extrabreitem Revers. Ich habe erfahren wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21.000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt wird. Ich bin in drei Ländern mit &#8220;Mään&#8221; angeredet worden. Ich habe 500 amerikanischen Leistungsträgern beim Ententanz zugeschaut. Ich habe Sonnenuntergänge erlebt, die aussahen wie nach einer digitalen Bildbearbeitung, und einen Mond, der am Himmel hing wie eine fette Zitrone &#8230; Ich habe mich (wenn auch nur kurz) in eine Conga-Polonaise eingereiht&#8221;.</p></blockquote>
<p>Dieser Mann hat schlicht nur &#8216;gesehen&#8217;, &#8216;gerochen&#8217;, &#8216;gehört&#8217;, &#8216;zugeschaut&#8217; und &#8216;mitgemacht&#8217;, ihm genügten seine Sinnesorgane und sein Kopf, um aus dem Thema etwas Großes zu formen. Es ist Zeile für Zeile ein durch blanke Erfahrung gesättigter Stoff - und es ist nach diesem Beginn wohl unnötig zu erwähnen, dass keiner, der das Buch gelesen hat und der seine fünf Sinne noch beisammen hat, jemals eine Kreuzfahrt unternehmen wird. Was andererseits dem Text völlig fehlt, das ist die Recherche. Wallace weiß nicht, wie viel Bruttoregistertonnen sein Schiff hat, wie groß der Schraubendurchmesser ist, wie viel Knoten es macht. Ja, der Zugang zu Hirn und Muskeln des Schiffes, zu Brücke und Maschinenraum, wird ihm gleich zu Anfang von der Schiffsführung verwehrt. Er ist am Anfang wie am Ende ein völliger Simplicius. Bleiben ihm nur seine Augen und die Menschen.</p>
<p>Allen Journalistenschulen zufolge wäre das Verfassen einer solchen Reportage ohne die unerlässliche Recherche zuvor ein blankes Ding der Unmöglichkeit: <a href="http://www.reporter-forum.de/index.php?id=117&amp;tx_rfartikel_pi1[showUid]=366&amp;cHash=f6f3a32179" target="_blank">&#8220;Jede gute Reportage beginnt mit guter Recherche&#8221;, sagt Cordt Schnibben</a>. In diesem Fall eben nicht. Auch das macht den Text so einzigartig. Wenn überhaupt mal Fakten auftauchen, dann hat sie Wallace während des endlosen &#8216;Programmteils&#8217; aufgeschnappt, dann, wenn Angehörige der griechischen Offiziersmafia mit viel Herablassung der zahlungskräftigen Kundschaft das Manna ihres Wissens spenden.</p>
<p>Es folgt eine dichte und detaillierte Beschreibung, die in Beobachtungen gipfelt, die jede kulturelle Überheblichkeit der Passagiere durch den Zerstäuber jagt - ein Klassengegensatz ganz ohne &#8216;oben&#8217; und &#8216;unten&#8217; tritt zu Tage, wo sich beide Seiten der anderen jeweils überlegen dünken, zum Beispiel beim Landgang in Mexiko, wo den Kreuzfahrern zuliebe eine eigene Tinnef-Industrie erblüht ist:</p>
<blockquote><p>&#8220;Einen weiteren Dämpfer erhält mein Selbstbewusstsein, wenn ich mir ansehe, wie gelangweilt die Einheimischen mit amerikanischen Touristen umgehen. Jawohl, wir langweilen sie, und das ist schlimmer, als wären wir ihnen einfach nur widerwärtig. &#8230; Manchmal denke ich, [die Passagiere] sind viel zu vernagelt in ihrer bovinen Zufriedenheit, als dass sie etwas von den abschätzigen Blicken der Straßenhändler, Schnappschussfotografen und Service-Knechte mitkriegen. &#8230; Sie wollen verdammt sein, wenn ihnen solche neurotische Bedenken nicht am Arsch vorbeigehen. Sie haben hart gearbeitet, sie haben gespart für diese 7NC-Luxus-Kreuzfahrt, sie haben es sich verdient - egal, wie der American Way of Life bei ein paar einheimischen Hungeleidern rüberkommt&#8221;.</p></blockquote>
<p>So etwas lässt sich nicht vorab &#8216;recherchieren&#8217;, indem man mexikanische und US-amerikanische Lebensstandard-Tabellen wälzt. Hier genügt schlicht der scharfe Blick. Und es zeigt zugleich, wie der &#8216;vertikale Journalismus&#8217; verfährt: Er nimmt konsequent die Position des Außenseiters ein, nach allen Seiten hin. Bekanntlich litt David Foster Wallace massiv unter Depressionen, unter der &#8216;Realistenkrankheit&#8217; also, er sah die Menschen, wie sie sind, ganz ohne rosarote Brille. Nicht zuletzt in dieser unseligen Gabe, die schriftstellerisch zugleich ungeheuer produktiv wirkt, dürften die Gründe für seinen frühen Selbstmord zu suchen sein &#8230;</p>
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