Hier kommt Alex …

Der Alexander Kissler, ein Mann, der uns Akif Pirinccis unfreiwillige Satire allen Ernstes schon mal als „Sachbuch“ vorstellte, der holt jetzt im ‚Cicero‘ zum großen Rundumschlag aus: Die deutschen Medien hätten ihr Publikum aus den Augen verloren, das könne man vor allem an den Kommentaren zur Russland-Berichterstattung und zu den Pirincci-Verrissen sehen, und daher, vom mangelnden Kontakt einer ‚Medienelite‘ mit der Volksmeinung, kämen allemal und ganz allein die ständig sinkenden Auflagen:

„Immer mehr Menschen haben den Eindruck, da werde an ihrem Leben, ihren Eindrücken, ihren Haltungen vorbei geschrieben. Da bastle sich eine abgehobene Medienelite die Welt, wie sie ihr und nur ihr gefalle. Da herrsche der teils übellaunige, teils zwangsironische Nörgelton der Hyperkorrekten und Dauerbesorgten, der Schönredner und Weggucker und Besserwisser.“

Fakt daran ist bisher nur, dass die Auflagen tatsächlich sinken. Daraus aber den Schluss zu ziehen, die ganze junge Leserschaft hierzulande würde im Grunde wie ‚Russia Today‘ denken und bei den Abonnements mördermäßig zuschlagen, wenn ein gedrucktes Medium nur deren Weisheiten endlich mal verkündete, das ist eine reichlich kühne These, die keineswegs durch Umfragen gedeckt ist. Zwischen dem, was unter rapide wechselnden Pseudos derzeit durch die Kanäle der Kommentarspalten stürmert, und der demoskopisch ermittelten ‚Volksmeinung‘ herrscht nämlich eine geradezu erstaunliche Diskrepanz. Da spielen also höchstens einige Leute ‚das Volk‘, indem sie sich zur beleidigten Katzenmusik einer konzertierten Aktion zusammenfinden. Was Alexander Kissler uns im Grunde hier als Vademecum für die Publizistik empfiehlt, das ist ihr Wandel vom Journalismus hin zu vermehrtem ‚Astroturfing‘. Leitmedien wie der FAZ oder der Zeit sage ich schon mal einen noch größeren Auflagenschwund voraus, sollten sie sich jemals publizistisch auf die Ebene ihres Kommentariats zu diesen Themen begeben. Die Zeitungen haben kein ideologisches Problem, sondern ein mediales. Ideologisch sind – vom Freitag bis zur Welt – alle Bedürfnisse längst abgedeckt.

Weiterhin stünde es doch jedem renditebewussten Verleger in einer freien Marktwirtschaft absolut frei, auch hierzulande eine ‚Prawda‘ auf den Markt zu bringen, wenn damit – laut Kissler – solch exorbitante Auflage zu erzielen wäre. Was sie davon bloß abhält? Vermutlich sind es die Beispiele, die schrecken. Wir haben doch hierzulande reichlich Medien, welche Kisslers empfohlene Linie eines ‚Bilderberger-Journalismus‘ verfolgen – ich denke bspw. an das ‚Neue Deutschland‘, an die ‚Junge Freiheit‘ oder auch an die ‚Linkszeitung‘. Steigen deren Auflagen etwa, weil sie die ‚einzig wahre Volksmeinung‘ vertreten? Laut unserem Cicero-Orakel müssten sie ’s doch eigentlich – und wie geht’s denn eigentlich dem ‚Cicero‘?

„Die in Berlin vom Schweizer Ringier-Verlag herausgegebene Monatszeitschrift „Cicero“ zählt zu den Titeln, die viele schätzen, aber nur wenige lesen.“

Viel geschätzt und wenig gelesen – wie geht das? Egal, das war vermutlich nur des Sängers Höflichkeit. Kurzum: Mal wieder völlig neben der Spur, der Alexander Kissler, diese These ist schlicht ein antielitärer Hoax, voll und ganz auf rechtspopulistischer Linie: ‚Wir sind eigentlich ganz viele und werden nur deshalb nicht erhört, weil ja die bösen Eliten‘ usw. usf. – Lilliput im Größenwahn …

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22 Antworten zu “Hier kommt Alex …”

  1. Herr Karl sagt:

    Ja, man hört in diesen Tagen auf einschlägigen Internetseiten viel von gleichgeschalteten und zentral gesteuerten „Medieneliten“…

    Sorry, wenn ich nochmals auf Ken Jebsen zu sprechen komme; er schrieb: „als Teil eines nahezu vollständig gleichgeschalteten Medienapparates, der ZDF und die großen Printmedien in der BRD ebenfalls beinhaltet, bis dato um das herumgedrückt hat, was man objektive Berichterstattung nennt. Wir haben es inzwischen mit Dauerpropaganda zu tun, die nur eine Message verkauft: Lasst die Waffen sprechen. Jeder, der nachfragte, der es als übertrieben empfand, Putin mit Hitler zu vergleichen, wurde von diesen Medien als „Putin-Versteher“ erst verhöhnt und später verunglimpft.
    Wer wirklich wissen wollte, was sich z.B. auf der Krim tatsächlich abspielte, oder was der russische Präsident in Wahrheit gesagt hatte, musste entweder auf ausländische Medien zurückgreifen, oder aber war auf den unabhängigen Journalismus im Netz angewiesen, der den etablierten Medien längst den Rang abgelaufen hat.“

    http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/kenfm-eine-klarstellung

    Der Mitbegründer des „Kritischen Netzwerks“, Peter A. Weber, meinte gestern in einem Kommentar zu Ken Jebsens „Klarstellung“,
    die Zeit sei reif für eine Kehrtwende – „greifen wir die Chance auf, uns mit Gleichgesinnten zusammen zu tun und die abgehobenen Eliten sowie die volksfeindliche Politikerkaste zum Teufel zu jagen.“

    Und dann, wenn diese Eliten und Politiker von „Gleichgesinnten“ zum Teufel gejagt worden sind, was dann? Friedliche und gerechte Sebstverwaltung von lieben, friedlichen, gerechten Menschen?

  2. Klaus Jarchow sagt:

    Und dann? Das ist doch klar. Dann ginge es hier zu wie in Slowjansk … das sind Machtphantasien drittklassiger Figuren, die nie im Leben durch freie Wahlen zu irgendeinem Einfluss kämen. ‚Zum Teufel jagen‘ – das ginge wohl nur mit Waffen, und hintergründig spielt er wohl auch auf der Klaviatur.

    ‚Gleichgesinnt‘ allerdings wären Rechte nie im Leben, bei keiner Gruppe kann man es so sicher voraussagen, dass sie sich in kürzester Frist selbst zerlegen würde, wie bei jänner.

  3. Herr Karl sagt:

    ‘Gleichgesinnt’ allerdings wären Rechte nie im Leben, bei keiner Gruppe kann man es so sicher voraussagen, dass sie sich in kürzester Frist selbst zerlegen würde, wie bei jänner.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass sich solche Figuren als Linke verstehen…

  4. Klaus Jarchow sagt:

    Nun ja, die AfD versteht sich auch nicht als rechts, die Junge Freiheit auch nicht. Links und rechts sind ja keine physikalischen Größen, sondern Begriffe, die im Kopf eines Individuums entstehen. Und wenn sich jemand bewundernd vor den Spiegel stellt, sind lechts und rinks auch immer vertauscht. Insofern nichts Neues unter der Sonne …

  5. QuestionMark sagt:

    @Klaus Jarchow
    Deine Kritik an diversen Kommentatoren macht in letzter Zeit einen zunehmend hysterischen Eindruck.
    Dabei solltest auch du froh über die Entwicklung sein. Immerhin sind es doch die vielen Kommentatoren gewesen die (eventuell nur mittelbar) für ein bißchen mehr Vernunft in der Ost/West-Diskussion gesorgt haben. Die klassische „anti-bolschewistische“ Propaganda funktioniert nun mal nicht mehr. Letzteres ist doch ein enormer Fortschritt den wir diesem Medium zu verdanken haben.
    Freilich brechen dadurch auch für viele die alten Weltbilder zusammen. Aber die Weltbilder der Bornierten (à la Westen=Gut; Osten=Böse oder Obama=Gut; Putin=Böse) braucht doch niemand mehr.
    Zum Thema Astroturfing: Entweder bedienst du eine Verschwörungstheorie oder du kannst die Hintermänner/Organisationen dieser angeblich als Graswurzelbewegung getarnten zentralistischen Propagandamaschine nennen.

  6. hardy sagt:

    @klaus

    [..] das ginge wohl nur mit Waffen

    ah …

    wenn ich früher so im handelsblatt mit den rabauken herumstritt, habe ich diesen punkt auch immer angesprochen, daß nämlich sich ihre absurden vorstellungen, wie sich die welt „ver(schlimm)bessern“ ließe, am ende nur mit waffengewalt werden durchsetzen lassen.

    da waren’s ja noch die PI- und „schwall&rausch“-jünger.

    auf beiden seiten: leute, die sich selbst in ihrer rolle und wirkung überschätzen.

    @questionmark

    also, ich bin bereit, in sofern „mitzugehen“, daß ich dem lieben klaus ab und an die hand beruhigend auf den arm legen und ihm was beruhigendes rüberreichen möchte. das hätte dann aber den nachteil, daß wir den rest des abends über gute musik reden würden statt über die weltenläufe. dummerweise bin ich aber hier, weil ich ja genau das von ihm hören möchte.

    das mit dem astroturfing, dem verdacht, daß in den foren gezielt obstruktion betrieben wird und daß dahinter „dienste“ stehen, die ihre leute bezahlen, diesen verdacht haben „wir“ hier schon sehr früh geäußert, bevor „uns“ das wirkliche ausmaß auch nur ansatzweise bewusst oder klar wurde.

    http://www.stilstand.de/wo-lebt-der-2/

    ich glaube, da war klaus noch nicht ganz so weit in seinen alpträumen wie ich, im moment holt er aber rasant auf und ich finde das erfreulich und … nicht „hysterisch“.

    im grunde gehe ich davon aus, daß ein groß dessen, was so herumplärrt, tatsächlich bezahlt wird, direkt oder indirekt. ich glaube gar nicht mal, daß das „nur“ „die russen“ sind, die obstruktionspolitik eines dubya bis hin zur „libertas“ und sein versuch, das „alte“ gegen das „neue“ europa auszuspielen, ist ja gradezu legendär und viele kanäle, die damals installiert und geöffnet wurden in diesem bereich, waren sicher irgendwann mal „billig zu haben“.

    nenn das paranoia, aber, wie sagte schon william s burroughs „paranoia zu haben, heisst ja noch lange nicht, daß SIE! dich am ende nicht doch kriegen“.

    [..] Die klassische “anti-bolschewistische” Propaganda

    ich weiss nicht recht. ich bemühe mich ja redlich, klaus davon abzuhalten, einen bösewicht zu stilisieren, aber ich denke nicht, daß er das tut, weil er klassische ABP machen will, er ist _erregt_, wütend, zornig.

    das sind nun mal zustände, in denen man auch über das ziel hinausschiesst und ein bißchen dazu tendiert, sich auch mal mit dem bösen gemein zu machen (bitte keine springer artikel mehr, klaus, ich würde da nie draufklicken) und in den _verdacht_ gerät, nun auf der „falschen“ seite zu stehen.

    ich lese gar, daß ihm blogrollfreundschaften gekündigt werden …

    nicht daß das bitter wäre, es ist „das sieb“ und ich habe schon einige durch den rost fallen sehen, die noch weniger die contenance bewahren konnten.

    [..] Entweder … oder

    wenn das so einfach wäre. ich beobachte das phänomen seit mehr als einem jahrzehnt und könnte dir weder ross noch reiter nennen, aber ich kann dir sagen, daß für mich im moment einiges plötzlich _sinn_ macht. oder, daß ich gerade anfange, die dimension zu begreifen.

    es ist ja nicht nur die NSA, die sich bekanntermaßen dieser mittel bedient, warum sollten „die“ russen nicht auch ihre kleine brigade haben. ich lese leserbriefe, in denen auf englischsprachige spiegelartikel verwiesen wird und denke „häh?“. oder ich beobachte sprachliche unsauberkeiten, die nicht aus dem englischen rühren.

    weil ich aber keine ahnung vom russischen sprachfluss habe, kann ich da auch den finger nicht drauf legen. einen franzosen hingegen würde ich erkennen, ich befürchte, meine eigene schreibe ist französisch verseucht 😉

    ich glaube schon, daß gerade eine schlacht stattfindet, in der die schläfer aufgeweckt wurden und aktiv geworden sind. nenn’s paranoia, aber … naja .. s.o.

    @klaus

    ich hoffe, du kannst damit leben, daß ich manchmal über dich rede, als wärst du nicht auch im raum. das ist so eine meiner unarten und ich habe derer viele 😉

  7. Saiz sagt:

    @hardy
    Es sind ganz bestimmt nicht nur die Russen, oder die Amis. Meine chinesischen Freunde haben schon ihre eigenen Erfahrungen mit der sogenanntem 五毛党 (wumaodang, englisch.: 50 cent party). Kommentariat made in China 😉

    http://en.wikipedia.org/wiki/50_Cent_Party

  8. Klaus Jarchow sagt:

    @ Questionmark: Vernunft habe ich in den Diskussionen bisher wenig entdeckt, das mag aber an mir liegen, weil ich bekanntlich blöd bin. Den Alexander Kissler habe ich schon seit längerem auf dem Kieker – als überaus dienstfertigen Schreiber, da ist sich also nix mit ‚zunehmend‘. Aber um dir auch mal Futter zu geben: Die Gabriele Krone-Schmalz bei der Anne Will gerade, die machte auf mich einen ganz ‚linken‘ Eindruck … womit verdient die eigentlich ihr Geld, seit es als ARD-Russlandkorrespondentin nicht mehr so läuft?

    Und was soll das mit dem ‚Antibolschewismus‘? Wenn’s doch wenigstens bolschewistisch wäre. Russland ist heute ein knallkapitalistisches Land, die einen haben all das Volksvermögen an sich gerafft, und die anderen haben nichts zu sagen – und jetzt sag mal was dagegen. Kurzum: Das übertriebene Astroturfing geht zunehmend nach hinten los. Beruhigenderweise …

    @ hardy: Gut keine Springer-Artikel mehr, aber guck‘ dir das doch ruhig mal an, es erschien sogar auf einem russischen Sender: http://www.youtube.com/watch?v=BGJw0c3rpyQ&feature=share (via SaiZ)

    Putin und seine Kommentatorenfront machen es übrigens schon selber, das ihnen keiner mehr über den Weg traut: „Nur 14 Prozent der Befragten halten Putins Land für einen vertrauenswürdigen Partner.“ Das waren schon mal mehr …

  9. hardy sagt:

    @saiz

    obwohl trier ja schon immer ein sinologie-studium anbietet, habe ich jetzt _endlich_ „meine erste chinesin“ kennegelernt, freundin & mitbewohnerin meiner ältesten und unlängst einen ganzen abend lang die lustigsten verwirrungen mit ihr diskutiert (das nächste mal bringe ich meine mao bibel mit …).

    die hat auch davon berichtet, als sie davon erzählte, sie würde gerne einen blog machen und über ihre erfahrungen hier berichten, traue sich das aber nicht so recht … die gründe hast du genannt.

    es ist sehr spannend mit ihr zu diskutieren und endlich mal von der kompetenz der dlf-korrespondentin ruth kirchner zu profitieren. als „gastgeschenk“ bringe ich ihr das nächste mal alle beiträge von frau kirchner in den letzten 7 jahren mit 😉

    @klaus

    bitte mal hören: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/04/30/dlf_20140430_1915_0fd6e312.mp3

    ab minute 12 wird die schwäche des antiputinismus klar und deutlich benannt: „wir“ verlieren durch diese haltung „unsere“ leute in russland und treiben sie putin erst recht in die hände.

    bedenkenswert

    [..] Gabriele Krone-Schmalz

    sie ist professorin, klaus, und auch, wenn sie jetzt von den „falschen“ instrumentalisiert wird, ist die frau nicht dumm.

    die sache ist im grunde einfach: wir sind deutsche. sprich nazikinder & -enkel, wir haben eine vorliebe für die _eine_ absolute wahrheit und alles strebt immer in eine nur virtuelle „mitte“. diese „mitte“ hat sich dafür entschieden, putin zu dämonisieren, was einerseits kontraproduktiv ist (angesichts der gerade angedeuteten konsequenz), andererseits brandgefährlich und letztlich eben nur ein arg vereinfachter gedanke.

    ich finde es okay, wenn sie ihre meinung so sagt, wie sie das tut, ich finde es auch okay, wenn schröder putin herzt … ich finde es ja auch okay, wenn du das alles anders siehst 😉

    nicht in der zugespitzten, vereinfachten idee liegt wahrheit, klaus, sondern sie ist ein aus mehreren komponenten zusammengesetzer gedanke, die durchaus widersprüchlich sein dürfen, wie mir mal ein mönch in meinem lieblingsbuch mal erklärte.

    das muss man aushalten können.

    ich denke, das grundproblem gerade ist doch eher, daß niemand mehr aushalten kann, daß der andere sich erdreistet, etwas anderes auch nur zu denken.

    dieses ganze gekreische ist doch die reaktion von unduldsamen kleinen kindern, denen man den marsriegel an der kasse verweigert, aber doch keine ernstzunehmende debatte. nur so kann ich mir die plötzliche popularität von figuren wie elsäßer erklären, alle sind so mit ihrer rechthaberei und der narzistischen verletzung, die sie bei widerspruch erleben, befasst, daß sie gar nicht mehr merken, welche bären sie geschultert haben.

    [..] nur 14%

    tcha, wenn man sich durch#s komemntariat wühlt, könnte man ja angesichts der ganzen revolutions-poseure den eindruck gewinnen, es seien in wirklichkeit gefühlte 99.9% 😉

    was ja im grunde die absurdität offen legt.

    [..] videos

    sind hier (halbes dsl …) immer heikel, aber ich werd’s nachher, wenn es ganz geladen ist, gucken, sonst versaut mir das ruckeln den spaß 😉

    ich hätte da auch zwei neue auf meinem „kanal“:

    mein „guru“ wolfgang neuss über den faschismus (in uns) und was man dagegen tun kann: üben! üben! üben!

    und: das ergreifendste gedicht überhaupt von walter mehring – marseille sylvester 1940/41 in memoriam (es bricht mir auch nach fast 30 jahren immer noch das herz)

    das sind dinge, die mich immer mehr beschäftigen werden als wer nun „der böse“ ist oder gar wer „recht hat“.

    kissler ist übrigens wirklich ein vollhonk …

  10. hardy sagt:

    ps: noch zu frau krone schmalz

    im grunde war der erste gedanke, der mir so durch den bauch (sic!) schoß: „na, on die nicht auf einer payroll steht?“- aber das ist genau der punkt: bauch. wenn’s im kopf angekommen ist, kann man das, was sie über ihre kollegen sagt, mehr als ernst nehmen: das ist eine denkfaule bande von selbstverliebten honks, die am liebsten mitlaufen. das ist so schön bequem, man bekommt keinen ärger aber trotzdem sein geld. sehe ich – ohne in den hysterischen tonfall des „die leitmedien lügen doch alle!!!“ zu verfallen,

    wir müssen schon zur kenntnis nehmen, daß hier im letzten jahrzehnt – seit dem umzug nach berlin – ein restauratives neobiedermeier einzug gehalten hat, großmannssüchtige reflexe zunehmend obsiegen und denkfaulheit sozusagen das markenkennzeichen dieser brut ist.

    also der fernsehleute. auf die radiojungs lasse ich nix kommen, da kann ich selbst mit einem liminski oder einem rolf clement leben – weil mir klar ist, daß die eine andere meinung haben als ich.

    im moment hätten ja alle gerne, daß alle haargenau _ihre_ meinung haben – nicht verstehend, daß es das nicht gibt, die eine „wahre“ meinung.

  11. hardy sagt:

    und nachdem ich mir die tonspur aus einer kughtversion des videos gezogen und gehört habe, zwei momente: der eine ist der, in dem es um korruption geht, um das bare oder die sicherheiten, da klang irgendwie ein bißchen resignierend heraus, daß man im grunde erwartet, daß die hilfsgelder irgendwo versickern werden (ich bin auf stimmen „geeicht“, klaus)

    der zweite ist der in dem es um die idee des moderators geht, daß überall in europa die faschisten in den regierungen säßen, die entgegnung und erklärungen, wer wo überall saß und wieder rausgeflogen ist.

    was mich immer ein bißchen irritiert hat, es werden einzelne elemente genommen und zum problem für das ganze genommen, al“ die bundesregierung unterstützt die dortige regierung. also unterstützt sie svoboda …“ etc. auf diesem level funktioniert allgemein die tobende debatte: jeder pickt sich was raus, will dem anderen was beweisen und recht haben, aber es sind doch nur elemente eines ganzen, das offensichtlich für die meisten zu komplex ist, die sich da kloppen.

    war jedenfalls informativ zu hören, schon okay, ich hab‘ meine zeit nicht verschwendet, aber mehr spaß hatte ich vorher damit
    Hat Europa islamische Wurzeln?. der selbstverliebte michael stürmer nervt zwar wieder gewaltig, aber der ist ja auch kein mediävist 😉

  12. Klaus Jarchow sagt:

    Zur Illustration: Da ist jemand, der beim ‚Standard‘ zur IWF-Kreditbewilligung folgendes postet:

    „ich würde auch in eine kriesengeschüttelte putschisten übergangsregierung investieren. in kiew maschieren die rechten und der gesamte osten des landes verweigert den gehorsam und die zugehörigkeit. kriegt von s&p sicher aaa+ das land.“

    Weder marschieren meines Wissens in Kiew die Faschisten heil-bandera-gröhlend durch die Straßen, noch ist – allen Umfragen zufolge – der ‚gesamte Osten‘ abgefallen, da laufen neuerdings bloß lauter ‚grüne Männchen‘ ohne Legitimation herum, die schon dafür sorgen, dass sich niemand mehr offen für die Ukraine erklären darf. Was aber aus diesem Kommentar in meinen Ohren durchklingt, das ist die unverhohlene Freude darüber, dass dies alles schon so sei, wie er es beschreibt. Es ist ein Niederschreiben, keine Analyse.

    Wenn dieser Kommentator dann noch ‚runas/user:public\ivan‘ heißt, dann komme ich nicht unbedingt auf den Gedanken, dass ich es da mit einem Almdudler aus dem schönen Österreich zu tun haben könnte. Und schon liegt der Verdacht einer ‚fünften Kolonne‘ nah. Aber wie gesagt, ich bin ja auch blöd … und die Kontoauszüge habe ich nie gesehen. Oder wie sollte ein Beweis aussehen? Beim ‚Standard‘ ist es übrigens das Schöne, das man sehen kann, mit wem die einzelnen Kommentatoren sich da vernetzen …

    Nebenbei, hardy, wenn du sagst, die gesamte Mitte sei ‚antiputinistisch‘ und unser Eingangsbeiträgler schreibt wiederum, die gesamte Mehrheit hierzulande sei eigentlich ‚knallputinistisch‘ und käme nur in den gelenkten Medien nicht zu Wort – wie passt das dann wieder zusammen? Eins kann doch nur wahr sein. Ich halte mich in solchen Fällen – bei allem Misstrauen – an die Demoskopie. Laut ARD-Deutschlandtrend gestern sind zwei Drittel der Befragten der Ansicht, Deutschland solle fest an der Seite dieser schröcklichen ‚EUSA‘ stehen – mit steigender Tendenz (so viel zur Wirksamkeit der Propaganda). Diese Kommentatoren aber führen sich trotzdem auf, als seien sie ein ‚unterdrücktes Volk‘ – und als bekämen sie’s bezahlt. Das ist eben das AfD-Syndrom, die denken auch, sie kämen nur deshalb nicht über fünf Prozent hinaus, weil sie nirgends zu Wort kämen, dabei ist der Lucke Dauergast in allen Talkshows … die Einsicht in das ablaufende kommunikative Geschehen setzt sich übrigens auch anderswo zunehmend durch: „Glauben die Russen wirklich, das keiner merkt, wenn sie das Forum kapern? Albern.“

    Meine Vorbehalte bei der Krone-Schmalz rühren, glaube ich, auch daher, dass sie mich stark an meine Stiefmutter erinnert. Da ich in meiner Zeit bei den Bremer Grünen ein ‚Fücks-Mann‘ war, möge auch der Leiter der Böll-Stiftung hier zu Wort kommen:

    „Es hilft nichts, vor der regressiven Wendung Russlands unter Putin die Augen zu verschließen. Die russische Führung, im Kern eine Seilschaft ehemaliger Geheimdienstfunktionäre, hat eine umfassende Abkehr vom Westen vollzogen. Moskau ist heute ein globales Hauptquartier des Autoritarismus. Seine Verbündeten teilen zwei Grundpositionen: die Ablehnung der liberalen Demokratie und die Opposition gegen die USA. Auch innenpolitisch hat das Regime einen antidemokratischen Kurs eingeschlagen.“

    So und nicht anders ist es … und das erklärt dann auch alles weitere völlig zureichend: Geheimdienstleute mit Geheimdienstmethoden.

  13. Saiz sagt:

    @hardy
    Marx‘ Geburtsort ist bei Chinesen ja sehr beliebt :-)
    Ich durfte übrigens bei meiner mündlichen Abschlussprüfung (Sinologie) noch Mao-Texte übersetzen. Interessant wäre es ja schon, seine Theorie der Widersprüche auf die Ukraine anzuwenden…

    zu Krone-Schmalz: man kann durchaus verschieden Positionen vertreten, wer aber das Referendum auf der Krim als demokratisch bezeichnet, der hat sich – zumindest in meinen Augen – disqualifiziert. Gerne hätte ich in der gestrigen Sendung allerdings noch ihre Antwort auf die Frage nach der Propaganda im russischen Fernsehen gehört… Ob sie auf irgendeiner pay-roll steht oder einfach die mediale Aufmerksamkeit, die ihr als Kämpferin gegen die gleichgeschalteten Medien geschenkt wird, genießt, kann ich nicht beurteilen.

    Was ich aber wirklich abstoßend finde, ist die Arroganz einiger Journalisten (und vieler Kommentatoren) gegenüber der Ukraine und den Ukrainern, die Selbstverständlichkeit, mit der man einen souveränen Staat als (legitimes) Einflussgebiet eines anderen Staates („ bloße Manövriermasse zwischen den dominierenden Mächten des Westens und des Ostens“ bei Fücks) bezeichnet (und man demnach Verständnis für die „Einkreisungsängste“ Russlands und der daraus folgenden Annektion der Krim haben muss) und die „gutgemeinten Vorschläge“ zur Aufteilung des Landes. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Scheitern der Übergangsregierung und der Zerfall des Landes zum Teil sogar erhofft wird.

    Ein interessanter Beitrag (inkl. Kommentare) über die Berichterstattung in DE, Putins Propaganda und Manipulationen von Foren und sozialen Netzwerken:

    http://politikingesellschaft.wordpress.com/2014/04/29/putin-kann-zufrieden-sein-die-rolle-der-medien-bei-der-offentlichen-wahrnehmung-des-ukraine-konflikts-in-deutschland/

    Ein Perle des Kommentariats, fand ich gestern zu einem Interview mit dem ukrainischen Botschafter (!) in Berlin Pavlo Klimkin in der Zeit. Da äußert Kommentator Nr. 5 einen schwerwiegenden Verdacht: „ Ich wette der Klimklim ist von der ukrainischen Regierung bezahlt und da wundert es mich gar nicht, dass er solche pro-ukrainischen Sachen erzählt“. Respekt!

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-04/pavlo_klimkin_ukraine_botschafter_interview

  14. Klaus Jarchow sagt:

    Boah – ein ukrainischer Botschafter kriegt also Gehalt von seiner Regierung? Donnerwetter, da kann man doch mal sehen!

    😉

  15. hardy sagt:

    [..] Oder wie sollte ein Beweis aussehen?

    wir warten derweil auf einen snowdeninski …

    [..] eingangsbeiträgler

    hat sich doch gut gehalten, der herr karl, obwohl er uns doch sofort als querulant angekündigt würde, der schon aus so-und-so-viel foren geflogen sei und all das. ich las auch, er sei ein denunziant und frage mich im nachhinein, wer hier wen zu denunzieren suchen.

    ach ja, das sieb …

    einem anderen, vor dem ich auch gewarnt wurde, habe ich mal virtuell besucht, mir seine namenswahl erklären lassen und – ich muss ja nicht mit ihm in seinen gedanken übereinstimmen – entpuppte sich auch nicht gerade als menschenfresser.

    finstere zeiten, um den mönch zu bemühen

    [..] Demoskopie

    naja, ich geben einen [selbstzensur] auf die demoskopie, aber ich bin ja nicht blöd. und naja, auch wenn „die leute“ wirklich erschreckend blöde dinge tun, wie groKos wählen, sind sie doch nicht auf den kopf gefallen. das mögen selbsternannte „revolutionäre“ anders sehen und mal wieder „das volk“ auf ihrer seite sehen – pustekuchen.

    [..] stiefmutter

    weia, ein trauma 😉

    [..] allgemein

    ich hoffe, dieser hinweis, daß „wir“ mit unserer weigerung, „den“ russen in person von putin das recht auf eine eigene postion (und sei sie noch „soooo was von 19. jahrhundert“) absprechen, ihm „unsere leute“ dort in die arme treiben, ist angekommen ..

    und, sollte ich auch noch erwähnen: wenn du die letzten drei minuten des gesprächs, das du gepostet hast, nochmal _hörst_, wird dir auffallen, daß bei aller freundlichkeit der interviewte prof am ende ein paar schwere fehler macht und man den stimmen anhört, daß die interviewer nicht ganz glücklich damit sind.

    ich weiss nicht, ob man das sieht – ich will die gesichter nicht sehen, das ist ja der sinn von zuhören – aber man kann die sich einschleichende „reserviertheit“ hören.

    @saiz

    trier ist eh immer einen besuch wert, da habe ich zivildienst gemacht, für eine NDW band texte geschrieben und bin dann da hingezogen, bevor es mich in die eifel verschlug.

    [..] sinologie

    lin, die herzige chinesin, hält sich von der community der vielen chinesen die hier mittlerweile leben und tatsächlich schon ein bißchen die stadt prägen – demnächst wird an der uni ein chinesischer garten eingerichtet – fern und hat ihren eigenen kopf.

    vor allem hatte sie spaß an wirklich ausgefallenen deutschen worten und war bass erstaunt, wie, wann und weshalb der name ihrer heimatstadt (shanghai) zu einem verb wurde und was „shanghaien“ bedeutet … daß viele von uns damals maobibeln besaßen und sich während/nach der kulturrevolution als „maoisten“ verstanden, war natürlich das sahnehäubchen.

    über meine bemerkung, daß ich meine letzte demo (tienamenplatz) im nachhinein für eine dummheit halte, müssen wir noch ausführlicher reden.

    alles dinge, die für einen sinologen wohl zu den abgeharkten themen gehört, für mich neuland, aber … danke ruth kirchner! … ich war gut vorbereitet 😉

    [..] die Arroganz einiger Journalisten (und vieler
    [..] Kommentatoren) gegenüber der Ukraine und
    [..] den Ukrainern

    ich tendiere da im grunde dazu, es nicht als meine aufgabe zu betrachten, pläne oder eine nutzlose begeisterung/ablehnung anderer länder zu entwickeln. die ukraine interessiert mich nur, weil die dinge so sind, wie sie sind, ansonsten würde ich sagen: die ukraine den ukrainern, da sollten weder wir noch jemand anderer sich einmischen.

    was ich sehe: die leute, die das land da gerade am laufen halten, sind ziemlich überfordert und das lädt natürlich leuten, die in ihrem denken irgendwo im kalten krieg hängen geblieben sind, geradezu ein, unsinn zu treiben.

    „wir“ als eu/westen haben da ein paar dumme fehler gemacht, weil wir uns mal wieder überschätzt haben. das kann aber kein grund sein für jemand anders, sich aufzuführen, als gäbe es aus imperialen zeiten rührende ansprüche.

    mit der begründung kann frankreich in alles einmarschieren, was mal zur einflussphäre gehört (ooops, machen die …)

    die art von denken scheint aber bin in die angebliche linke „normal“ zu sein, ich halte sie für komplett irre.

    danke für die links – nach dem kochen, jetzt muss ich erst mal „die frau im haus“ geben 😉

  16. Klaus Jarchow sagt:

    Du meinscht, isch gönnt frangsösisch existeh‘?

    Die Gegend hier gehörte dieseits der Aller zu Napoleons Zeiten zum Königreich Westfalen, jenseits der Aller war’s die Republique Francaise … urfranzösisches Gebiet also.

  17. hardy sagt:

    klaus,

    ich bin am 22.11.56 geboren … da war das „gärdche“ definitiv noch französisch. jedenfalls bereitet man sich an der saar schon mal vor: in den kindergärten wird zweisprachig gesprochen.

    seriously: es gibt da diee schöne serie „napoleon und die deutschen“, sollte jeder mal gucken, der sich fragt, woher die ganzen tollen errungenschaften wie das BGB kommen und wer uns die mitgebracht hat.

    sag‘ mir also bloß nichts gegen die franzosen 😉

    und wenn ich schon bei dokuserien bin: ich hoffe, du hattest die woche ein auge auf die ersten drei teile dieser reihe über den „ersten weltkrieg in tagebüchern“ auf arte. es passieren gerade sensationelle dinge, nicht nur christopher clarke (ich frage nicht, ob du es gelesen hast) zieht einen gesamteuropäichen fokus auf die sache, auch diese wunderbare dokureihe macht alles als europäischen konflikt verstehber, in dem es kein „_die_ sind schuld“ mehr gibt nur noch ein „so erging es _uns_“.

    rührend, wie sich die schicksale aller in allen nationen doch gleichen.

    es folgen noch 6 teile, jeweils immer 3 en bloc auf arte. bloß nicht verpassen!

    auch wirklich sehenswert „1910-1914 ein kontinent am abgrund“, drei teile, rotiert gerade auf zdfInfo. hinreissend bis in die details … das sind so dinge, die uns daran erinnern sollten, daß _wir_ alle mit allen anderen in _einem_ boot sitzen, incl. den „bösen russen“ … und daß es mal wieder komplett überforderte politiker sind, die das alles ruinieren.

    schade, daß man noch nichts darüber hört, wer gerade wo einen nervenzusammenbruch erlitten hat 😉

    @saiz

    gelesen. „politik in gesellschaft“ nervt zwar, weil es das wort „putinversteher“ partout nicht in anführungszeichen setzt, aber im grunde viel bedenkenswertes aber auch ein paar denunziatorische dinge im beitrag.

    die diskussion im SPEICHEL ist putzig. es sollte wirklich mal jemand komptentes eine gut recherchierte gesamtanalyse der ganzen chose verfassen – hat wahrscheinlich schon jemand nur ist das netz so groß, daß wir es bloß noch nicht gelesen haben.

    auch putzig: http://www.theguardian.com/world/2012/feb/07/putin-hacked-emails-russian-nashi

    hihi, so hatte ich mir das schon immer vorgestellt. und auch laut gesagt, den beitrag von klaus aus 2013 habe ich ja verlinkt.

    @allgemein

    wenn ihr mal nichts besseres zu tun habt, guckt euch „paranorman“ an.

    so funktioniert es, alle haben angst und deshalb wird die hexe (wie auch immer sie heisst) verbrannt.

    die ganze sache ist ja nur deshalb so spannend, weil man einer stampede beim entstehen zugucken kann, eher ein soziologisches denn ein politisches phänomen.

    und am ende frisst uns alle dann die angst auf.

  18. hardy sagt:

    http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=125160&p=15559406&viewfull=1#post15559406

    und: ich hoffe, jeder geniesst die möglichkeit, hier ohne gegenseitiges beschuldigen und rechthaben zu diskutieren.

    ich tue das auf jeden fall 😉

  19. hardy sagt:

    weia,

    noch einer, der durch den rost gefallen ist. das war, glaube ich, der letzte artikel, den ich in der taz gelesen habe.

  20. Saiz sagt:

    Ich auch :-)
    Ich bin Klaus nicht zuletzt hierher gefolgt, weil ich den Umgang mit ihm und einigen anderen Kommentatoren drüben beim SF einfach unterirdisch fand. Dagegen ist selbst das Spiegel Forum ein Hort der Höflichkeit und Toleranz.

  21. Klaus Jarchow sagt:

    Oha! Das Spiegel-Forum? Naja, dort haben sie zumindest Rudimente eines Wischmopps …

  22. Alexander Wallasch sagt:

    Gute Analyse!