Nach dem Journalismus

Ab sofort ist mein Buch bei ‘epubli’ erhältlich, entweder als E-Book oder als Book on Demand. Die Preise sind so kalkuliert, dass ich als Autor in beiden Fällen etwa 5 Euro für jedes verkaufte Exemplar erhalte. Das gebundene Buch kostet damit 39,99 Euro, das E-Book ist erheblich preiswerter und kostet 7,99 Euro. Das Buch hat 624 Seiten im A5-Format, auf eine ISBN-Nummer habe ich verzichtet, weil mir der Vertrag mit Holtzbrinck sonst ‘zu intim’ geworden wäre. Eine Inhaltsübersicht findet sich hier … aller Zustimmung, Kritik oder auch den Verrissen sehe ich gefasst entgegen.

Hier noch der Klappentext, den ich für ‘epubli’ geschrieben habe:

“Über den Medienwandel wird zu oft aus Perspektive der ‚Opfer‘ geschrieben, aus der Sicht der Journalisten also. Diese behaupten noch ihre Deutungshoheit vor den Lautsprecherwänden großer Massenmedien, obwohl ihre Arbeit Tag für Tag schon entwertet wird. Glauben wir diesen Altjournalisten, dann welkt der gute, alte ‚Qualitätsjournalismus‘ unter dem Gifthauch eines unqualifizierten ‚Shitstorms‘ aus dem Netz rapide dahin. Schon in diesen Jeremiaden suchen wir stilistische Qualitäten meist vergebens …

Das Buch beginnt mit einer dichten Beschreibung der medialen Ausgangslage, bevor nach etwa 50 Seiten der umfangreiche handwerkliche Teil beginnt. Hier geht es um Techniken des Erzählens, um Sprachrhythmik, um Sprachbilder, um Stilfiguren, um Dramaturgie usw. Es entsteht ein ‚Lehrbuch der Narration‘ oder eine ‚stilistische Erzählkunde‘, wie sie für jeden Schreiber praktischen Nutzen hat – in journalistischen Handbüchern aber selten (bis nie) zu finden ist.

Die große ‚erzählerische Wende‘, die diesen Ansatz begründet, folgt aus der neueren Kommunikationsforschung. Ohne einen grundlegenden Wandel informationstheoretischer Vorstellungen ist die Notwendigkeit einer ‚neuen Schreibe‘ kaum zu verstehen. Leicht verständlich behandelt das Buch daher die ‚Entdinglichung‘ der Information und korrigiert andere kognitive Voraussetzungen, um zu erreichen, dass Autoren sich ein zutreffenderes Bild von ihrer Arbeit am Text machen.

Der kritische Teil versucht allen Schreibern dann die Ehrfurcht vor großen Namen zu nehmen. Exemplarisch werden die stilistischen Tricks und Möglichkeiten einiger Alphajournalisten analysiert – u.a. Broder, Matussek, Seibel, Poschardt, Meckel usw. – um zu zeigen, dass auch sie stilistisch nur mit Wasser kochen, einige sogar nur mit der heißen Luft der Ideologie. Einige neue Schreiber, die ‚Alpha-Blogger‘, dienen zur Erläuterung jener neuen Möglichkeiten, die das Netz bereithält.

Das Schlusskapitel geht noch einmal auf die Frage des medialen Wandels ein. Es zeigt, dass es sich um keine ‚Medienrevolution‘ handelt, es handelt sich eher um eine ‚Evolution‘, die sich als Prozess noch über viele Jahre hinziehen wird. In jedem Fall aber wird sich am Ende die mediale Welt für Autoren wie für das Publikum verändert haben.

Stilistisch versucht das Buch über eine Langstrecke von mehr als 600 Seiten den eigenen Ansprüchen an den neuen Stil zu genügen.”

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6 Antworten zu “Nach dem Journalismus”

  1. bee sagt:

    Dann wünsche ich mal gut Holz(frei) – möge es eine Leserschaft mit Hirn in der Birne finden.

  2. Thomas sagt:

    Guten Morgen,
    wenn ich das Buch auf meinem Reader lese, sind 90% der Umlaute verschwunden. Das schr nkt das Lesevergn gen leider ziemlich ein. Auch dass keine Bookmarks ber die Kapitel gelegt wurden, erschwert die Navigation ber die 625 Seiten. Gut … ich k nnte mir ja einen xPad für 300 Euro kaufen – da treten diese Probleme *vielleicht* nicht auf. Dennoch, ich verstehe nicht, wieso man nicht auch auf solche “Kleinigkeiten” achtet – Gute Lesbarkeit auf m glichst jedem daf r irgendwie vorgesehenem Equipment w rde doch die Reichweite der Texte erh hen – ünd däs will döch jeder Äütör, öder?

    Gruß (Ach ja: das scharfe eß ebenfalls)
    Thomas

    P.S. Inhaltlich und vom Schreibstil ist das Buch jedoch klasse! Und ich empfehle es jedem weiter, der keinen Reader zum Lesen nutzen möchte.

  3. Klaus Jarchow sagt:

    Es tut mir leid, es ist auch die erste Klage dieser Art – ich hatte an ePubli eine pdf-Datei geschickt, die einwandfrei funktioniert, sowohl bei mir unter Windows 7 wie auch bei meiner Frau unter Apple. Das Problem liegt dann wohl bei ePubli und bei deren Konvertierung. Vielleicht wenden Sie sich mal an den Support dort. Als Alternative könnte ich Ihnen eine Kopie meiner pdf-Datei schicken, wenn Sie mir ihre E-Mail-Adresse zuschicken. Möglicherweise funzt es damit …

    Es scheint ein häufiges Problem bei konvertierten pdfs zu sein, fast schon Lotto, immer abhängig von der verwendeten Versions-Nummer, siehe z.b. hier:

    http://www.pdfzone.de/virthos.php?-pg=203165

    Da die E-Book-Publisher in ihrer monopolistischen Gier ein ähnliches Chaos bei den Standards ansteuern wie einst die Videoten bei VHS und Betamax, hier noch ein Hinweis. Das Freeware-Programm ‘Calibre’ schubst die Dateien von einem E-Book-Format ins andere – und auch wieder zurück. Vielleicht liegt es ja daran: http://calibre-ebook.com/download_windows

  4. Gelesen: Klaus Jarchow, “Nach dem Journalimus” — Carta sagt:

    [...] Für lesbare und lesenswerte Texte nach dem Journalismus.     Klaus Jarchow, Nach dem Journalismus · Schreiben in Zeiten des Web 2.0, 624 Seiten, Frankenfeld 2012 epubli, E-Book 7,99 €, Book [...]

  5. Frauen & Blogs: Die Rückkehr zur Normalität — Carta sagt:

    [...] nicht schreiben zu können “wie ein Journalist”, ist damit obsolet (wobei sowieso nicht feststeht, dass Journalisten per se besser [...]

  6. Frauen & Blogs: Die Rückkehr zur Normalität – Featurette sagt:

    [...] Das Argument, nicht schreiben zu können “wie ein Journalist”, ist damit obsolet (wobei sowieso nicht feststeht, dass Journalisten per se besser schreiben).   Die Vernetzung hat sehr erfreulich zugenommen. [...]