Schuss ins Knie

Grüne Steuerpläne würden bloß unseren Wohlstand gefährden, schon der kleine Facharbeiter wäre davon erheblich betroffen – so schallt es uns derzeit aus jeder besseren Gazette entgegen. Aus den Blättern derjenigen reichen Familien also, deren Herzensanliegen wunschgemäß die tägliche Vorwärtsverteidigung der Bourgeoisie zu sein hat.

Doch des ‚Spiegels‘ Rechtester, der Jan Fleischhauer, geht auch hier seinen aparten Weg, was mich erneut am Zustand seines logischen Apparats erheblich zweifeln lässt. Weil er ständig rechts blinkt und links abbiegt. Er führt selbst den blitzeblanken Nachweis des Gegenteils, was erstens seinen Intentionen schnurstracks zuwiderlaufen dürfte, und zweitens einen ‚gemeinsamen Kampf‘ aller Marktradikalen bloß noch parodiert. Er erweist sich damit als der Postillon der sozialen Lage in diesem Land.

Zunächst einmal wendet er sich jenem altbekannten Argument zu, dass die Grünen wie auch die grünen Wähler wohlsituiert wären, dass es sich quasi um eine ‚FDP mit Gewissen‘ handele, dass diese verblödeten Parteigranden bloß ihre eigenen Wähler mit schrecklichen Steuerplänen vergraulen würden. Wo die anderen aber allen mit dem Butzemann drohen, schreibt unser Dschang vom ‚anderen Stern‘ uns hierzu wörtlich folgendes in die Kolumne:

„Das ist eher Moral-Floristik als soziologisch belastbare Wahrheit. Die Anhänger der Grünen sind überdurchschnittlich wohlhabend, aber damit gehören sie noch nicht automatisch zu den Vielverdienern, wie die Reichen jetzt heißen. … Leider ist der grüne Millionär bis heute die Ausnahme.“

Aha, soso – aber wieso ‚leider‘? ‚Überdurchschnittlich wohlhabend‘ wären die Grünen also, sagt uns das Orakel vom Hamburger Ericusgraben. Das halten wir hier mal fest. Trotzdem würden die furchtbaren Steuerpläne diese Öko-Fuzzies ja gar nicht selbst betreffen, sondern tatsächlich und wie geplant nur ‚die Reichen‘, was Fleischhauers Sohn sofort als eine besondere Perfidie überdurchschnittlich wohlhabender armer Schlucker an den Pranger des ‚Spiegel‘ stellt:

„Der typische Grünen-Wähler lebt nicht in der freien Wirtschaft, sondern im Staatsdienst, und da wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das Jahresbruttogehalt eines Studienrats mit Familie in Hessen beträgt in der mittleren Einkommensgruppe rund 53.000 Euro, das eines C3-Professors 56.000 und das eines Richters oder Oberstaatsanwalts 62.000 Euro. … In jedem Fall wird die Mehrheit der Anhänger von der Anhebung des Spitzensteuersatzes weitgehend verschont bleiben.“

Halten wir also fest – grüne Einkommen bewegen sich erstens weit oberhalb dessen, was ein Facharbeiter verdient, sie seien damit „überdurchschnittlich wohlhabend„, womit der Fleischhauer schon mal all das soziale Gebarme derer von der INSM oder vom Handelsblatt schlankweg in die Tonne tritt. Die fiskalischen Pläne der Nachhaltigkeitsapostel beträfen weder Fachkräfte noch ‚Mittelstand‘. Oder wir müssten – zweitens – diesen Mittelstand arithmetisch schon sehr weit von der Mitte entfernt ansiedeln. Also eher bei den oberen zehn Prozent der Einkommen oder aber in der ‚freien Wirtschaft‘ dort, wo es täglich tonnenweise leckere Boni schneit. Dann aber wäre auch dieser ‚Mittelstand‘ nur noch ein Begriff aus der Rosstäuschersprache konservativer Journalisten.

Was der Jan im Kern hier nachweist: Grüne Steuerpläne betreffen noch nicht einmal die ‚wohlhabenden Schichten‘, zu denen er die Grünen ja durchaus zählt, sondern allenfalls die ‚Happy Few‘ an der Spitze der Gesellschaft. Kurzum: Der Jan Fleischhauer ist der glaubhafteste Zeuge für die Richtigkeit dieses grünen Fiskalansatzes. Das hat er sicherlich auch nicht von sich gedacht, dass er sich derart ins Knie schießen könnte. Ich dagegen schon … je unzeitgemäßer die eigene Position, desto größer die Verrenkungen.

Tags: , , ,

21 Antworten zu “Schuss ins Knie”

  1. Gerald Fix sagt:

    Vielleicht ist das ja der Trick dabei: Der geneigte Spiegelleser sieht, dass a) seine Zeitung auch andere Meinungen zu Wort kommen lässt und dass b) diese anderen Meinungen blöd sind. Man ist also weltoffen und schlau und wenn das der Leser-Blatt-Bindung nicht dienlich ist, was dann.

  2. Klaus Jarchow sagt:

    Du meinst, diese Redaktion wäre wie ein Parkhaus, nach allen Seiten offen?

  3. Gerald Fix sagt:

    Nein, eigentlich nicht. Und natürlich stimmt meine Vermutung auch nicht, denn Verschwörungstheorien sind bekanntlich immer falsch.

    Trotzdem, die Idee, das Fleischhauer nur als schlechtes Beispiel dient, die hat schon was.

  4. Jeeves sagt:

    …irgendwie ist mir das alles recht verschwurbelt.
    Muss man jeden Pups des, na wie hieß´er denn nochmal… Fleischhauer, muss man den denn jedesmal…? sogar wenn’s so kompliziert wird wie hier oben?

  5. Klaus Jarchow sagt:

    @ jeeves: Schau dir an, wie viele ihm jetzt zujubeln. Diese Akklamatoren ahnen dabei, dass sie gesellschaftlich längst auf der Verliererstraße rasant bergab rauschen, dass ihr Spiel sich dem Ende nähert und sie mit einem Kofferraum voll leerer Begriffe rumgeblufft haben, die allesamt demnächst an der Realität zerscheppern. Und sie bölken deshalb um so lauter. Sprachliche Logik und saubere Argumentation interessiert sie dabei einen Dreck – Hauptsache, sie haben eine Zeitlang auch mit ‚Mäh!‘ gemacht …

    Unter solchen Umständen jedenfalls ist es mir schon recht, dass jene, die wegen solch logisch völlig vergurkten Schwachfugs nach ihrem Heros googeln sollten, dann auch mal eine andere Melodie zu hören bekommen, die sich abwechslungshalber auf Logik und Argumentation gründet. Das Problem ist nämlich, dass derartige Verblödung zeitweise funktioniert, wenn sie nur in allen Medien steht … und das tut sie. Manche Leute glauben alles, wenn’s nur an genug Stellen zu lesen steht. Sie denken einfach nicht selbst beim Lesen, weil dort nichts ist, womit sie’s könnten.

    Jeden Pups von ihm kommentiere ich übrigens gar nicht. So einmal im Quartal ist unser rechtsdrehender Faktenquirl doch höchstens dran. Andere sind schließlich auch noch da …

  6. Skalg sagt:

    Fleischerhauer überprüft halt gerne, ob linke Politiker ihren eigenen Ansprüchen (wie er sie wahrnimmt) entsprechen…

  7. Klaus Jarchow sagt:

    Hmmm – also arg einseitig der Mann, oder? Ob er’s ‚gern‘ tut, weiß ich auch nicht. Das ist doch wohl eher seine Masche oder sein ‚Markenkern‘. Derzeit kleben meines Wissens der CSU die Würstchen an den Hacken. In der FDP kleben sie sogar an der Spitze (s. Niebel). So etwas wäre aber nie sein Thema … seine Aufgabe ist es, den Affen Zucker zu geben.

  8. hardy sagt:

    es ist halt ein schwieriges unterfangen, einem über jahrzehnte neoliberal (ich-ich-ich mein-mein-mein) sozialisierten publikum „nachhaltiges“ wie „konsequenz“ zu vermitteln.

    aber: niemand zwingt stefanolix oder thomas, grün zu wählen oder zu verstehen, warum die grünen das tun, was sie tun.

    wir leben in einer demokratie und es steht ihnen frei, weiter schwarzgeld wählen, darauf zu spekulieren, daß sie am ende ganz ganz ganz reich sein werden (der trick funktioniert, man kann 16% damit holen) … und anschließend weiter darüber jammern, daß sie eine regierung haben, die ihre eigenen wähler verachtet und ver******t.

    gesellschaftliche verantwortung vs. taschenrechner.

    mal gucken, was am ende dabei herauskommt

    wenn man mich fragt: im besten falle trittin & von der leyen …

    aber mich fragt ja keiner 😉

  9. stefanolix sagt:

    Ich gebe meine Wahlentscheidung für 2013 nicht bekannt. Aber ich kann zwei Dinge offenlegen: Ich wähle nicht nur nach meinem persönlichen Interesse. Ich bin auch Realist genug, um die Chancen und Grenzen der Politik zu kennen.

    Ich bin kein Befürworter der FDP, wenn ich die Pläne der Grünen kritisiere. Ich mache auch keinen Wahlkampf für Schwarz oder Gelb. Ich will zeigen, wie hier wieder einmal die Öffentlichkeit manipuliert wird. Die Manipulation der Öffentlichkeit liegt in der Behauptung, die Mehrbelastung träfe doch nur sieben oder zehn Prozent. Das stimmt einfach nicht.

    Was ich die ganze Zeit betone, ist folgendes: Die Steuer- und Abgabenerhöhungen würden nicht Reiche oder Ausbeuter treffen, sondern vor allem Menschen, die jeden Tag in der Wirtschaft ihre Leistung bringen und dafür ein mittleres Einkommen beziehen.

    Die Staatsdiener und die vom Staat alimentierten Wählerkreise der Grünen müssen eine Steuer- und Abgabenerhöhung nicht fürchten. Sie hätten auch nach der Mehrbelastung immer noch ein sehr gutes Auskommen. Notfalls wird die Gewerkschaft ver.di schon eine Erhöhung durchsetzen und damit wieder an der Steuerspirale drehen.

    Der verlinkte Radiobeitrag ist ein schönes Beispiel für die Möglichkeiten der Manipulation der Zuhörer im Hörfunk. Wenn man ihn auf Papier lesen würde und wenn man aufmerksam durch die letzte Woche gegangen ist, würde man sofort merken, dass ein entscheidender Anteil aus der politischen PR der Grünen stammt.

  10. hardy sagt:

    stefanolix,

    rein alterstechnisch bin ich in einer preisklasse, um mich zu erinnern, daß die vorstellung, dem bürger das geld zu lassen, weil er sinnvolleres damit anfangen könne als der (böse, böse, böse) staat mal dazu geführt hat, irgendwann in den 80ern/90ern zusammen mit der vorstellung, es sei eine gute idee, möglichst viele bis dahin im staatsbesitz befindlichen unternehmungen zu privatisieren, populär wurden. so populär, daß heute das jedermann für „g*ttgegeben und sozusagen das 11. gebot hält. das ende dieser ideen läßt sich in michael moore’s „sicko“ ganz gut begutachten.

    dabei war das bloß ideologie. zudem keine sonderlich dem gemeinwohl förderliche. „am ende“ muss dann der notorische herr schirrmacher ein buch schreiben, in dem er den egoismus als ganz ganz ganz schlechte idee anprangert.

    das ist also eine erkenntnis, die sich mittlerweile am eher konservativen rand der republik breitgemacht hat, wenn ich das richtig verstehe. so breit, daß umfragen uns sagen, der bürger ist bereit, mehr steuern zu bezahlen.

    daß die grünen das nun konsequenterweise aufgreifen, halte ich persönlich für eher mutig als dumm, und mir war auch klar, daß in dem moment, wo sie das tun, das ideologische störfeuer mit den immer gleichen ich-ich-ich, mein-mein-mein tiraden einsetzen wird, die nur bis zum tellerrand des eigenen horizonts reichen.

    wie gesagt, man kann die jetzt wählen oder nicht. das steht jedem frei. ich könnte damit leben, daß die dafür abgestraft werden. aber – sie waren eben so konsequent und daß sie das sind, widerspricht der vorstellung, sie schleimten sich bloß beim wähler ein … was die anderen tun, die den wähler schlicht ver******n.

    was die „manipulation“ betrifft: ich höre in erster linie, daß die argumente nicht einseitig ausgebreitet werden. es ist halt ihre meinung, du musst damit leben, daß andere andere meinungen haben, und die idee, daß das laute äußern einer meinung, die nicht der deinen entspricht, sofort „manipulation“ ist, ist ein bißchen kindisch: wenn du das programm kennen würdest, wüsstest du, daß die anderen vorstellungen auch geäußert werden und wurden.

    am ende geht es halt darum, sich für eine zu entscheiden oder sich eine aus vielen verschiedenen zu bilden. meine besteht aus vielen sich zum teil widersprechenden ideen, ich kann damit leben, daß du eine andere hast, und will dich nicht einmal von meiner überzeugen oder gar davon, daß von der leyen plus trittin das ideale team wären 😉

    [..] „politische PR der grünen“.

    es ist ungemein beruhigend, daß alle anderen parteien so etwas niemals nicht tun würden …

    naja, gut, der norbert geis den habe ich manchmal im verdacht, daß er so was tun könnte. oder den rolf clement, bei denen beschleicht mich manchmal der verdacht, aber das ist sicher nur eine zwangsvorstellung von einem, der seit 30 jahren grün wählt und irgendwie genau weiss, wie lange es gedauert hat, bis überhaupt grüne ideen im ÖR platz fanden (halt nach der phase, die die linkspartei gerade hinter und die afd vor sich hat)

  11. stefanolix sagt:

    Den Absatz mit der Privatisierung übergehe ich: Nirgendwo in der Diskussion habe ich mich für Privatisierungen im Jahr 2013 ausgesprochen. Das ist ein völlig anderes Thema [1].

    Die Ausführungen über Egoismus könnten mich nur überzeugen, wenn wir über notorische Nicht-Steuerzahler reden würden. Doch die Mittelschicht und die obere Mittelschicht zahlen heute bereits so viele Abgaben und Steuern, dass das frei verfügbare Einkommen von Jahr zu Jahr geringer wird.

    Die Grünen haben nun lautstark behauptet, es träfe nur sieben oder zehn Prozent der Bürger. Wenn man dann eine Umfrage zum Thema Steuererhöhungen startet, darf das Ergebnis nicht verwundern. Die Umfragen sagen nichts weiter aus als »Die Mehrheit der Befragten ist dafür, dass andere Leute mehr Steuern zahlen sollen.«

    Ich kann und will überhaupt nicht ausschließen, dass in den Medien täglich manipuliert wird. Unternehmens-PR wird uns als Bericht verkauft, jede Art von Lobby will Einfluss auf die Medien nehmen.

    Genau deshalb bin ich wachsam und misstrauisch. Glauben Sie mir: Wenn ich in der Zeitung PR für Unternehmen oder durchgerutschte Pressemitteilungen (beliebiger) Parteien sehe, bin ich sehr kritisch, auch wenn ich nicht jeden Tag darüber bloggen kann.

    An dem verlinkten Beitrag störte mich, dass er deckungsgleich mit bestimmten Verlautbarungen der Grünen war. Natürlich kann das die Meinung der Redaktion des Radiosenders sein. Wäre aber sehr überraschend. Zu einem objektiven Bild gehören immer mehrere Seiten.

    Im Radio wird wohl kaum jemand einen Beitrag noch einmal anhören. Es bleibt je nach Aufbau des Hörfunkbeitrags ein bestimmter Teil des Inhalts beim Hörer hängen und deshalb eignet sich Radio besser zur Manipulation des Publikums. Deshalb informiere ich mich, wo immer es möglich ist, mit Hilfe von schriftlichen Texten. Wie man an dem verlinkten Beispiel sieht, habe ich recht damit 😉

    [1]: Doch noch ein Satz zur Privatisierung. Betriebe in kommunaler Hand (z. B. Stadtwerke) werden in bestimmten Fällen ebenfalls durch ihre Anteilseigner ausgequetscht – um kurzfristig Geld für politisch gewollte Leistungen zu erhalten, das langfristig fehlt. Das ist kurzfristig schlecht für die Angestellten der Stadtwerke und langfristig schlecht für die Bürger.

  12. Klaus Jarchow sagt:

    @ stefanolix: Auch wenn die Kommunen mit ihren stadteigenen Unternehmen gelegentlich ‚rechte-Tasche-linke-Tasche‘ spielen sollten, ist es doch allemal besser, das Geld bleibt im kommunalen Haushalt, als dass es in die Taschen obskurer Anteileigner rings um den Globus wandert – oder?

  13. stefanolix sagt:

    Natürlich können Kommunen die Gewinne der Stadtwerke (rechte Tasche) in diverse andere Taschen stecken. Allerdings ist das auch nichts anderes als ein Steuersparmodell: Die Gewinne auf der einen Seite werden mit Verlusten auf der anderen Seite verrechnet.

    Wirklich kritisch wird es allerdings in drei Fällen. Erstens: Wenn die Kommunen den Stadtwerken die Rücklagen wegnehmen. Die sind nämlich für den langfristigen Erhalt der Anlagen (Netze, Wasserwerke, Heizkraftwerke etc.) bestimmt. Zweitens: Wenn die Stadtwerke »auf Teufel komm raus« Mitarbeiter einsparen müssen. Drittens: Wenn das natürliche Monopol ausgenutzt wird, um überhöhte Preise durchzusetzen.

  14. Klaus Jarchow sagt:

    @ stefanolix: Du weißt auch, wie’s läuft, solche Fälle gibt’s doch an allen Ecken und Enden: Wenn ein ‚Privater‘, also ein Hedgefonds oder eine Investmentgesellschaft, sich ein leckeres kommunales Wohnungsunternehmen, ein Stadt- oder Wasserwerk greift, dann muss dieses als allererstes den eigenen Kaufpreis als Kredit aufnehmen. Der Investor will ja schließlich nichts bezahlen, sondern kassieren … feiner ausgedrückt: Die Rendite muss stimmen. Daher wird anschließend Personal entlassen, das Unternehmen verrottet in der Substanz. Thatcherismus heißt das in England … Investment findet folglich dort statt, wo möglichst nichts investiert wird.

  15. stefanolix sagt:

    Das bezweifle ich ja gar nicht. Aber die Re-Kommunalisierung von Anteilen aus Privathand funktioniert leider nach dem selben Prinzip. Das Unternehmen nimmt den eigenen Kaufpreis als Kredit auf und zusätzlich müssen noch die Rücklagen in die Sanierung der Schwimmbäder gesteckt werden. Der Substanz und den Mitarbeitern tut das auch nicht gut.

  16. Klaus Jarchow sagt:

    Immerhin kehren unsere überschlauen Stadtkämmerer, die jahrelang auf die betörenden Schalmeien der INSM und der angeschlossenen Journalistenschar hereinfielen (‚privat kann alles besser‘), allmählich auf diesem Weg endlich mal um. Privat kann nämlich gar nichts besser, zumindest nicht auf dem Gebiet der ‚öffentlichen Daseinsvorsorge‘.

  17. stefanolix sagt:

    Bei uns in Dresden hatten Private immer nur einen Minderheitsanteil an den Stadtwerken. Beim separat geführten Abwasserbetrieb bleibt es auch so. Während dieser Zeit gab es keine Probleme mit den Unternehmen, die den Minderheitsanteil hielten. Der Gewinn wurde gemäß den Anteilen aufgeteilt. Richtig teuer wird jetzt allerdings der Rückkauf.

    Aus meiner Sicht kann grundsätzlich niemand »alles besser«. Private und kommunale Erfahrungen sollten sich im besten Fall ergänzen. Da kann man schon voneinander lernen. Einen kommunalen Beamtenapparat brauchen wir im Wasserwerk jedenfalls auch nicht. Die Rechtsform sollte also eine GmbH oder AG sein.

  18. hardy sagt:

    stefanolix

    [..] dafür, dass andere Leute mehr Steuern zahlen sollen

    also, ich habe da jetzt im gedruckten spiegel eine tabelle gesehen, die mir jedenfalls sagt, daß ich weniger bezahlen werde. die die mehr bezahlen werden, werden sich die 60 euro im monat leisten können. einmal im monat essen gehen weniger. ich halte es für eine verkennung der fakten, das gros der deutschen in die kategorieen einzuordnen, die mehr bezahlen wird.

    [..] Glauben Sie mir

    ich bin ein überzeugter duzer.

    ich „glaube“ ja schon mal gar nichts, ich nehme zur kenntnis. und nach 4 bewusst erlebten jahrzehnten, weiss ich nur zu gut, wie hier im land meinung „gemacht“ wird – genau deshalb bin ich ja auch einem bestimmten punkt (1987 uwe barschel geht baden) zum wort-radio gewechselt. auch, weil es dort kohärente sendungen zu allen möglichen wissenschaftlichen und vor allem historischen themen gibt.

    heute kann ich diese sich widersprechenden ansätze nebeneinander stehen lassen und ertrage, daß jemand wie rolf clement noch jahre, nachdem wir aus afghanistan raus sind, seine weltsicht rechtfertigen wird.

    [..] deckungsgleich mit bestimmten Verlautbarungen der Grünen

    miriam lau arbeitet wie ihr mann für „die zeit“. sie arbeitet nicht für die grünen schon gar nicht als deren pressesprecherin. was ist also „verwerflich“ daran, daß sie eine meinung hat, die sich mit der der grünen deckt? oder daran, daß sie sie äußert? macht das den dlf zu einem propagandainstrument der grünen? oder ist es nicht einfach „okay“, daß menschen unterschiedliche meinungen äußern ohne gleich in den verdacht zu geraten, sie „manipulierten“ und der gesamte ÖR sei nur ein „propgandainstrument“ der „blockparteien“?

    das ist mit verlaub die sprache und die methode der nationalsozialisten, die dazu dient, den gegner zu desavouieren und einer differenzierten diskussion absolut unzuträglich.

    noch einmal: der beitrag beginnt mit der darstellung dessen, wie die grünen es eben _nicht_ sehen. er ist also nicht einseitig. er stellt zunächst die gegenposition dar und dann die der autorin. ich kann die „manipulation“ also nicht erkennen.

    [..] Im Radio wird wohl kaum jemand
    [..] einen Beitrag noch einmal anhören

    oh, ganz großer irrtum. ich verfüge über ein bis 1997 zurückreichendes archiv an nachrichten und features (ein wohlgeordnetes halbes terrabyte auf platte, ca 100 videobänder und ein paar hundert kassetten sollten es wohl sein) und höre sehr wohl viele beiträge noch mal nach.

    das ist ganz sinnvoll, um sich zb. daran zu erinnern, daß etwa die republikaner in den usa mit bill clinton _haargenau_ das selbe haushalts-obstruktionsspielchen getrieben haben, daß sie jetzt mit obama treiben. woran sich offensichtlich nicht mal die demokraten erinnern …

    ich könnte auch auf ansage 10 hervorragende beiträge nennen, die probleme pointieren, die wir seit 10 jahren einmal pro jahr neu erfinden. das nennt sich geschichtsbewusstsein, meine umwelt, meine mitmenschen, sind vergesslich hoch zehn und man kann ihnen den selben quark 10 mal verkaufen – und sie merken es nicht einmal.

    [..] Zu einem objektiven Bild gehören immer mehrere Seiten.

    naja, wie gesagt, ich habe meine „seriöse“ seite bei tv3 verlinkt.

    geh einfach 8 jahre zurück und guck, welche themen und meinungen ich aufliste. ich weiss, daß es diese seiten gibt, ich nehme sie zur kenntnis und verschweige sie nicht, nicht einmal interviews mit schäffler oder sarrazin oder gar konrad adam, weil die einfach dazu gehören – auch wenn ich sie nicht ausstehen kann.

    [..] Manipulation des Publikums

    ich fühle mich kein bißchen manipuliert auch nach fast 30 jahren nicht. das kann nur jemand sagen, der nicht jeden tag abends von 18:00 bis 19:15 den dlf hört oder dies nur sehr oberflächlich tut. es werden _alle_ meinungen geäußert, da findet sich der notorische herr adam so selbstverständlich wieder wie michael wolfsohn oder der „militärexperte“ clement, der gerade – zu meinem entsetzen – über den nsu-prozess berichtet.

    das ist ja nun wirklich, da er ein propagandist des militärs und der geheimdienste ist, den bock zum gärtner gemacht.

    fühle ich mich manipuliert? ach was – ich weiss eben, wofür er steht. jemand, der das nicht weiss und auch nicht weiss, daß es jemanden wie – sagen wir einmal – dorothea jung oder marc thörner gibt, der ist natürlich überfordert und sieht nur, was er zu sehen gelernt hat.

    die nüchterne summe: es gibt viele meinungen, die sich widersprechen, und alle finden ihren platz im ÖR. es bekommt nicht jeder, was er will, und man muss lernen, auszuhalten, daß andere menschen anders denken.

    diese fähigkeit scheint gerade verloren zu gehen und das internet erzeugt kleine (im grunde ahnungslose) rechthaber, die zwanghaft dafür sorgen müssen, daß ihre meinung am ende „obsiegt“. wozu auch immer das gut sein soll.

    [..] privatisierung etc

    beides ist ausdruck der selben geisteshaltung: ich ich ich mein mein mein – scheiss auf das gemeinwohl!

    problem: die einen sagen „wir senken die steuern“ … und holen es sich dann an einer stelle, die ihrer klientel nicht weh tut, andernorts wieder rein. mir ist es lieber, es gibt eine klare ansage und diese tabelle im gedruckten spiegel, die mir sagt: okay, die sind so konsequent, das mit ansage zu tun.

    die „anderen“ werden dieses heuchlerspiel weitertreiben.

    ich find’s übrigens schade, daß du dich mit

    [..] Ich gebe meine Wahlentscheidung für 2013 nicht bekannt

    herauswindest. ich mag mehr menschen, die zu dem stehen, was sie denken und sage es deshalb immer frei heraus, was ich wähle, was ich denke und wie ich bin.

    ich hatte zb. in der ganzen eurodebatte immer fürchterliche schwierigkeiten, herauszufinden, ob mein euroneurotisches gegenüber nun von „links“ oder „rechts“ her debattiert.

    aber, die ist ja jetzt beendet und die euroneurotischen sollten eigentlich langsam mal abrüsten.

  19. hardy sagt:

    ps: klaus, ich hoffe, dir ist dieser anwärter auf den fleischauer award nicht entgangen …

  20. Klaus Jarchow sagt:

    Nö – ich habe die Plastiktrompete weiter oben aufgespießt.

  21. stefanolix sagt:

    Die F.A.Z. nennt in einem aktuellen Artikel über Insider (Stammbelegschaft) und Outsider (Leiharbeiter) in der Auto-Industrie die Zahl von 3.400 Euro als Brutto-Minimum beim Daimler. Das dürfte also bei BMW und Audi im Westen mindestens genauso gut aussehen.

    Viele länger beschäftigte Arbeiter dürften also die Grenze von 4.000 Euro brutto locker überschreiten, zumal es ja auch noch Leistungsprämien und eine Erfolgsbeteiligung gibt. Damit halte ich meine These für bestätigt: Auch Arbeiter wären schon von einem höheren Krankenversicherungsbeitrag betroffen.