SEO ins Klo!

Mich hat es ja auch oft gewundert, wie mühelos ich als Schreiber im Listing an all den SEO-Strategen und Industrieton-Journalisten vorbeizog, die dort mit bunten Keywords wie mit Konfetti um sich warfen. Was diese bemühten Algorithmenenträtseler nämlich ewig nicht kapieren werden, ist der Konflikt unterschiedlicher ‚Geschäftsmodelle‘. SEO-Leute und PR-Fuzzies möchten Doktor Murkes Hühneraugenelixir naturgemäß mit Hilfe ihrer Zauberformeln weit oben platzieren, und gegenläufig dazu muss Google darauf achten, dass der werte Nutzer nicht ständig ‚kommerzielle Angebote‘ vorfindet, wo er valide Inhalte erwartet. Sonst wäre auch die große Zeit von Google nämlich ganz schnell vorbei:

„Mit ‚Gibberish Scores‘ (Geschwafel-Auswertungen) will Google inhaltsleeren Content entlarven.“

Zum Thema unterschiedlicher Geschäftsmodelle, wie auch der Chancen, die daraus für uns als schreibendes Volk resultieren, habe ich vor einigen Wochen mal – in durchaus kommerzieller Absicht – ein Modell hingescribbelt. Ich habe dies Modul ‚Textwartung‘ getauft und stelle den Inhalt hier einfach mal ein, zum weisen Gebrauch durch interessierte Schriftkundige:

„Eine Homepage lebt, sie ist kein statisches Produkt. Anders als eine Firmenbroschüre, anders als ein Gerichtsurteil oder ein beliebiges gedrucktes Medium stehen Veröffentlichungen im Internet immer in einem dynamischen und ‚fluiden‘ Zusammenhang. Um als Medium dort zu funktionieren, um also dort zwischen Sendern und Empfängern zu ‚vermitteln‘, müssen Veröffentlichungen im Netz veränderlich sein – und sie müssen kontinuierlich optimiert werden.

Die Ursache ist technischer Natur: Mehrmals in der Woche schauen die ‚Roboter‘ von Google und anderen Suchmaschinen auf jeder Netzplattform dieser Welt vorbei. Sie blicken dort vor allem darauf, ob sich seit dem letzten Besuch etwas verändert hat – und diese Veränderungen registrieren sie, indem sie primär Texte scannen und vergleichen. Diese Veränderlichkeit entscheidet dann über die Relevanz einer Seite. Statische Seiten rutschen in der Liste der Fundstellen kontinuierlich den Berg hinab.

Das neue Layout, der ‚neue Auftritt‘ – einst Lieblingsargumente von Agenturen bei der Kundenakquise – solche ästhetischen Fragen haben demgegenüber rapide an Bedeutung verloren. Wer im Netz Beachtung finden will – ob nun für das Gewinnen neuer Kundschaft wie auch ganz allgemein für das Durchsetzen seiner Ansichten – der muss seinen Texten mehr Aufmerksamkeit schenken. Die kontinuierliche Pflege der Textebene ist im Netz unverzichtbar geworden.

Der Abschluss eines Homepage-Projektes steht daher immer am Anfang einer fortan kontinuierlichen Arbeit am Text. Es geht um eine netzaffine und dauerhafte Optimierung der Textebene in Kooperation mit den Kunden – möglicherweise als bezahltes Dienstleistungsmodul.

Ein zweiter Grund kommt hinzu: Zur Verzweiflung aller SEO-Strategen stürzen keyword-optimierte Seiten im Ranking ungewohnt rasch ab. Das Interesse der Betreiber und ihrer Kunden, die ja gerade auf werbungsferne und kommerzfreie Fundstellen Wert legen, dieses Interesse deckt sich nicht mit demjenigen der Suchmaschinenoptimierer der ersten Generation. Stünden vorn auf den Seiten einer Suche ständig nur ‚kommerzielle Angebote‘, dann ließe das Interesse dieser Nutzer an ihrer Suchmaschine merklich nach. Bing und Yahoo könnten uns davon ein Lied singen – und Google hat gerade deshalb seinen Suchalgorithmus konsequent ‚antikommerziell optimiert‘ (zuletzt mit dem Hummingbird-Update) – zur Verzweiflung traditioneller Keyword-Optimierer. Google achtet neuerdings eben auch auf die ‚Tonality‘. Der superlativische Werbeton ist geradezu ein Ausschlusskriterium geworden.

Damit gewinnt der Stil, in dem Texte verfasst sind, an Bedeutung. Überlebt hat sich der atemlose Hypa-Tonfall, wo in einem Sechs-Worte-Satz möglichst siebenmal Worte wie ‚Kompetenz‘ oder ‚Kundenfreundlichkeit‘ untergebracht werden mussten. Kompetenz und Kundenfreundlichkeit ergeben sich künftig allein aus dem argumentativen Inhalt der Texte, nicht länger aus dem Etikett. Andernfalls schickt die Suchmaschine einen Text gleich wieder in den Orkus. Die Kunst besteht wieder im Schreiben, nicht im Keyword-Taggen …

Ein Modul ‚Textwartung‘ könnte für jenen ausgefeilten Stil sorgen, der zum Erfolg im Ranking beiträgt – beispielsweise durch ständig aktualisierte Newsleisten und Blogstrukturen, die mit ihrer reichen Sprache dann auch den Google-Roboter überzeugen. Weil der Auftritt von erfahrenen und netzaffinen Schreibern mit einem großen Wortschatz betreut wird.

Ein solches Modul ‚Textwartung‘ richtet sich folgerichtig an jeden, der im Netz publiziert, an Unternehmen und Rechtsanwälte, an Kammern und Einrichtungen, an die Politik wie an Initiativen und Interessengruppen … das Netz ist ein Medium, das eine intelligente und inhaltsreiche Textgestaltung konsequent belohnt.“

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2 Antworten zu “SEO ins Klo!”

  1. Webperlen: AdBlocker wirkungslos, PR, Hamburg, Drosselkom und Facebook-Algorithmen sagt:

    […] zukünftig das Interesse an guten Texten von Text-Profis steigen, wie “Lousy Pennies” (via) unter “Google versteht jetzt (vielleicht) auch Journalismus” […]

  2. polli sagt:

    Es gibt wirklich viele Seo-Firmen, die um jeden Preis ihre Projekte pushen, bis sie ganz oben stehen, dann vom Kunden kassieren und ein paar Wochen später kommt dann die Google-Penalty und man ist wieder ganz unten in den Suchrankings. Gutes SEO hat halt wie alles im Leben was Qualität hat, auch seinen Preis.