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Tscha, Jan Fleischhauer!

Dienstag, 14. Juni 2011

Würde ich ständig so daneben hauen, dann dächte ich wohl über einen Wechsel des Berufes nach. Gut, aber Beratungsresistenz ist ein Phänomen, das nicht nur im Journalismus zu finden ist. In Ihrem neuesten Oeuvre geriet Ihnen jetzt die ‘German Angst’ in die Tippfingerchen, aus EHEC, Ebola, Golfplätzen, AKWs, Rohkost und Biohöfen rühren Sie uns dort einen appetitlichen Eintopf an, der allemal denselben Blubb im Topf erzeugt: Die Bevölkerung sei doof, nur Gefühlen unterworfen, vernagelt und stocktaub, wo stattdessen glasklare Statistiken und weise Expertenworte vertrauensbildend wirken sollten. Umgekehrt wird ein Schuh daraus – nehmen wir einfach nur den Beginn Ihres Elaborats:

“Nur weil man sich vor etwas fürchtet, heißt das nicht, dass es auch besonders gefährlich wäre. Aber die kühle Risikoabwägung zählt in der Stimmungspolitik nicht – wie die Ehec-Panik zeigt. Im Gegenteil: Wer lieber Zahlen als Gefühlen vertraut, gilt heute als verantwortungslos.”

Welche Ehec-Panik in welchem einfachen Volk, möchte ich da doch fragen? Hier in meiner Umgebung traf ich nur gelassene Leute, die weiterhin ihren frischen Spargel mümmelten und ins Radieschen bissen – die allenfalls wegen der weisen Worte des Robert-Koch-Institutes zeitweilig auf Soja-Sprossen verzichteten. Die Panik dagegen fand eher in den Headlines statt, dort “wütete” die “Seuche”, dort wurden die “Todesopfer” der “Epidemie” mit täglich neuen Zahlen statistisch zelebriert. Oder sehen Sie das etwa anders als die jederzeit überprüfbare Empirie?

Wenn also die ‘German Angst’ eher ein Medienphänomen ist, geboren durch die Kreuzung von Auflage und ‘Awareness’, schlagen Sie dann nicht eigentlich die Falschen? Zumindest würde ich darüber doch mal nachdenken, wenn das argumentative Gebäude windschief zu werden beginnt. Sie aber mischen fröhlich weiter alle Farben und Ereignisse der Welt zu einem Einheitsbrei, denn dem Blinden ist bekanntlich alles grau:

“Es ist schon vertrackt, gerade sind die Deutschen noch zu Tausenden auf die Straße gegangen, um sich und das Land vor dem Atomtod zu bewahren, und dann kommt das Verderben aus dem Frischeregal.”

Jaja – Soja, Sushi und Fukushima, alles nur eine Soße. Alles kein Grund zur Beunruhigung, würden wir nur auf die gebenedeite Statistik hören – und was sagt uns die, Ihrer Milchmädchenrechnung zufolge: “Drei tote Arbeiter in Fukushima, 35 Opfer nach dem Outbreak in der norddeutschen Tiefebene.” Aha – Rohkost wäre also wesentlich gefährlicher als die überschätzte Radioaktivität aus drei Reaktoren, und die Leute würden besser aufhören, Müsli zu fressen, als um ein paar Quadratkilometer verstrahltes Land im fernen Japan zu barmen. Haben Sie sich eigentlich schon mal an die Stirn gefasst? Und – glüht’s schon im Denkreaktor?

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