Argumentatives
Mittwoch, 24. Juni 2009Die Wahrheit ist eine Erfindung des Lügners” – der bekannte Satz des Kybernetikers Heinz von Foerster ist überall im Kommunikationsbereich eine ‘olle Kamelle’: Wahrheit in relativen Zeiten ist nur noch das, was von anderen als wahr anerkannt wird. Absolute Wahrheitsansprüche führen nur in die Ideologie – und in der Folge auf den Scheiterhaufen.
Trotzdem versuchen wir natürlich weiterhin, ‘wahrheitsfähige Sätze’ zu bilden, die in der Diskussion von anderen akzeptiert werden. Dieses ‘Überzeugen’ geschieht mit Hilfe der Argumentation, indem wir nämlich die Prinzipien unseres Denkens, die uns zu bestimmten Schlussfolgerungen geführt haben, sprachlich offen legen.
Die formale Satzlogik listet einige solcher Denkprinzipien auf, die sich wechselseitig aber widersprechen können, weshalb der erste Fehler schon darin bestünde, wenn ich zwei dieser Prinzipien in einem Textabsatz vermische. Hinzu kommt, dass die Sprache ein denkbar unlogisches Instrument ist.
Eines dieser Prinzipien wäre zum Beispiel die so genannte ‘Gleichheitsregel’. Formallogisch ausgedrückt: “A = A“, jedes A ist mit sich selbst identisch, oder: alle A’s sind als A zu betrachten. Im Alltag begegnet uns diese Regel in Sätzen wie “Alle Menschen sind gleich” oder dem juristischen Hauptsatz “Wesentlich Gleiches muss auch gleich beurteilt werden”. Auch “Persil bleibt Persil” fällt unter diese Gleichheitsregel oder der konservative Hauptsatz “Das haben wir schon immer so gemacht!”. Genauso wie das Kinderquengeln: “Robin hat aber auch ein Nutella-Brot gekriegt!”. Es sind nicht nur einzelne Sätze, die eine solche Argumentation transportieren, ganze Reden oder Artikel können unter dieser Flagge segeln. Zu finden ist diese Argumentation vor allem im familiären und sozialen Bereich, in der Politik oder auch in der christlichen Kirche: “Vor Gott sind alle gleich”.
