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Verlage können alles

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Naja, fast alles. Außer Internet: ‘Aus für das WAZ-Portal “Der Westen.”‘

Publizistik aus böser Sicht

Dienstag, 11. Oktober 2011

Deine ‘Journalistenhasserjournalisten’, das sei doch eine Chimäre, diese Leute hätte es nie in ernstzunehmender Anzahl gegeben, so etwas musste ich mir nach diesem Text am Telefon anhören. Allenfalls krähe mal ein Motzblogger wie Don Alphonso in seinen Blogs gegen die pöse ‘Johurnaille’ herum. Nach meinem eher historischen Hinweis auf Karl Kraus hieß es: “Ach, Karlchen Kraus, das war doch ein Solitär, ein absoluter Einzelfall”. Ist das so? In meinen Augen sieht die Geschichte doch etwas anders aus, nicht nur bei Karl Kraus, der den “Untergang der Welt durch schwarze Magie” beschwor, also durch die Druckerschwärze der Zeitungen.

Eigentlich ging es schon bei der Gründung des Berufsstandes los: Wer jemals H. H. Houbens Kompilationen der Spitzelberichte an Metternich las, der weiß, dass nahezu der gesamte Vormärz-Journalismus bereitwillig der Zensur des ‘Policeystaates’ als Zulieferer diente, Selbst ein Heinrich Heine entblödete sich nicht – initiiert von James Rothschild – eine Pension des französischen Staates für PR-Dienstleistungen “ganz famillionär” einzustreichen, auch wenn er damit nicht Preußen diente, sondern einer konstitutionellen Monarchie. Von Anfang an gab es Käuflichkeit in der Publizistik, wohin man auch blickt, vielleicht mit Ausnahme von Ludwig Börne oder Karl Gutzkow, die als geborene ‘Journalistenhasserjournalisten’ diese biegsamen Gestalten in ihren Briefen dann gehörig glossierten.

Von Schopenhauer, Johannes Scherr und auch Theodor Fontane, der selbst in einer solchen Charaktermühle lange fronte, bei der preußischen Kreuzzeitung nämlich, sind uns ergreifende Schilderungen dessen überliefert, was dem Feld-Wald-und-Wiesen-Journalisten an devoter Gelenkigkeit zu jeder Zeit abverlangt wurde. Anderswo war es übrigens nicht anders, ziehen wir die einschlägigen Texte von Balzac oder Zola heran, oder später auch die Berichte eines Mencken, eines Hunter S. Thompson oder eines David Foster Wallace aus den USA. Selbst im Film, z. B. in Billy Wilder’s ‘Extrablatt’, ist doch nicht der berufsflüchtige Jack Lemmon die entscheidende Figur, sondern die journalistische Entourage aus seelisch gescheiterten Dutzendschreibern, die ihn dort qualmend und saufend umgibt. Kurzum – Journalismus war nie ein schöner Beruf, der Redlichkeit oder Charakterstärke im Übermaß verlangt hätte. Eher im Gegenteil.

Ausreißer gab es allerdings auch immer – nehmen wir nur Kurt Tucholsky. Wer in der Gesamtausgabe das Register im Band XXII mit einschlägigen Begriffen befragt, der findet eine Fülle von Sottisen und Interna über das korrupte Zeitungswesen. Der Weltbühnen-Star kannte das Geschäft, von Ullstein bis zur AIZ hatte er das gesamte Terrain beackert. Auch dort, wo es besonders schmutzig wurde, nämlich in der Provinz, kannte er sich aus. Unser größter Journalist war damit zugleich der größte Journalistenhasserjournalist deutscher Zunge. In gewisser Weise lässt sich auch sagen, dass die ‘Weltbühne’ ein Blog war, bevor es solche gab: wenig Leser, kaum Inserate, manchmal große Wirkung.

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Vorurteil und Netzferne

Freitag, 24. Juni 2011

Wer mit netzfernen Leuten spricht, stößt immer wieder auf die gleichen Vorbehalte, sich ebenfalls ins Getümmel zu stürzen. Hier eine kleine Zusammenfassung, obwohl den meisten Netzbewohnern diese Einwendungen gut bekannt sein dürften.

Typisch ist zunächst der Verweis auf die gefürchtete „Anonymität des Internets“, wovon auch die Politiker ständig barmen. Ein ziemlich heuchlerischer Aufschrei, wenn wir bedenken, dass die gleichen Personen nahezu im gleichen Atemzug dann wieder den „Verlust der Privatsphäre“ im Netz beklagen. Ja – was denn nun? Mal dies, mal das, irgendetwas geht dort wohl logisch nicht zusammen.

Hinter dieser ‚Anonymität‘ verbirgt sich vor allem die Furcht vor den „Pseudos“, vor den angenommenen Namen. Eine Furcht, die vor allem viel Ignoranz zeigt, aber wenig Fachwissen. Erstens bleibt jeder Kommentator trotz eines Pseudos seinem Klarnamen wie mit Sekundenkleber verhaftet. Über die IP-Adresse, über die er sich einloggte, weiß ich notfalls immer, wer er ist – wenn’s mich denn interessiert. Wer wiederum seine virtuelle Kometenspur zu verschleiern sucht, indem er ‘von anderswo’ einschwebt, der gilt hingegen als ‚Troll‘ und er wird umgehend per ‚SpamKarma‘ oder durch ein anderes Tool vor die Tür gesetzt. Selbst die rechten Eiferer, die bspw. bei ‚Welt Online‘ im Forum – also dort bei den ‚Qualitätsmedien‘ in den Kloaken des Internet – unter Namen wie ‚Thilo sein Freund‘, ‚Armes Deutschland‘ oder ‚Oberschollo‘ extremistischen Müll absondern, die vergessen in ihrer Dummheit schlicht, dass sie sich zu diesem Forum über eine E-Mail-Adresse anmelden mussten, die wiederum auf staatsanwaltliches Verlangen vom Verlag ‚klargestellt‘ werden muss.

Andererseits benutze auch ich ein Pseudo – in der ‚Sargnagelschmiede‘ nenne ich mich ‚Chat Atkins‘. Aber nicht, um „anonym“ zu bleiben, sondern aus dem einfachen Grund, damit nicht jeder Kunde beim Googeln schon gleich über den weltanschaulich-politischen Kram fällt, den der Klaus Jarchow mit seinem Hang zum Sarkasmus dort zum Besten gibt. Schaut jemand aber ins Impressum meiner ‚Schmiede‘, dann findet er dort brav alle erforderlichen Angaben, auch den Klarnamen und die Postadresse, sonst wäre ich ein allzu leichtes Opfer für jeden wildgewordenen Abmahnanwalt.

Andere wiederum basteln sich mit ihrem Pseudo eine ‚Kunstfigur‘ oder ‚Sockenpuppe‘, ein Kasperle, das einen ganz anderen Charakter besitzen könnte als der Verfasser im Alltag. Zwischen der realen Person und der virtuellen Persönlichkeit findet dann gewissermaßen eine spielerische Aufgabenverteilung statt, ein Rollenspiel.

Ernster liegt der Fall beim „Verlust der Privatsphäre“. Hier bewirkt das Internet tatsächlich einen tiefgreifenden Wandel der Öffentlichkeit. Wer sich vor seiner Vergangenheit schützen will, der darf sich nicht ins Netz begeben. Niemand zwingt ihn. Punkt. Geht er aber dorthin, dann muss er wissen, dass das Netz nichts vergisst, dass auch niemals ein ‚Radiergummi‘ möglich sein wird, von dem so viele unbedarfte Politiker daher schwadronieren. Fehler lassen sich nicht mehr eliminieren, sie lassen sich nur noch integrieren. In die Biographie, in die Unternehmensgeschichte etc. Das Netz hat ein uferloses Gedächtnis. An anderer Stelle formulierte ich das Problem mal so:

„Die Leute werden daher lernen müssen, sich offensiv zu ihrer Biographie zu verhalten, ja, sich überhaupt erst einmal eine Biographie zuzulegen. Und das ist nun mal kein ‘Paint by Numbers’. Alles ‘Reputation Management’ ist dagegen nur ein Notbehelf für Leute mit einem Putzfimmel …“

Um auch mit dem letzten Vorurteil aufzuräumen: Das Internet ist gar kein „flüchtiges Medium“. Anders als im Falle der flüchtigen Zeitung landen Online-Texte nicht am nächsten Tag im Altpapier, sie werden auch nicht nur ein- oder zweimal gesendet, sie sind tage- und monatelang, oft ohne jede zeitliche Begrenzung abrufbar. Umso wichtiger ist eine korrekte, faire und sorgfältige Formulierung und Schreibweise. Das Internet erfordert mehr Sorgfalt bei der Arbeit als die „volatilen Altmedien“. Heute diese und morgen jene Meinung – das erlaubt das Internet also nicht so leicht …

Halböffentlich?

Dienstag, 31. August 2010

Die ersten Sätze entscheiden, ob ein journalistischer Text für mich überhaupt lesbar ist. Denn hier breitet der Autor seine Prämissen vor mir aus. Ein Tisch aber, der auf wackeligen Füßen steht, bricht zusammen, wenn man sich an ihn setzt. Da mag er noch so lecker gedeckt sein. Und vom Fußboden mag ich nicht essen …

Im aktuellen Spiegel (35/2010) findet sich ein Artikel von Reiner Klingholz, immerhin Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, in dem er sich mit dem leidigen Thema unseres selbsternannten Genetik-Deterministen Thilo Sarrazin befasst. Unter dem Titel “Ausländer her” macht der Autor, wiewohl in guter Absicht, schon beim Aufbau so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Da der Text (noch) nicht online steht, zitiere ich hier nach der guten alten Dampflok-Methode aus den Seiten 129 – 131 des gedruckten Spiegel.

Nach dem einleitenden und zutreffenden Vorwurf, Thilo Sarrazin habe mit seinem Buch eine rationale Diskussion über Zuwanderung “abgewürgt”, breitet Klingholz seine krude Einschätzung der entstandenen öffentlichen Lage vor uns aus:

“Denn die Diskutanten hat [Sarrazin] in zwei Lager gespalten: in eine fraktionsübergreifende Entrüstungsfraktion, der sich Personen im öffentlichen Raum nur schwer entziehen können; und in den halböffentlichen Foren-und-Blogger-Stammtisch, der Sarrazin mehrheitlich Beifall zollt.”

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Wandel der Selbstorganisation

Samstag, 17. April 2010

Was gab es einst auf allen Vorstandsetagen für ein Ballyhoo um den Begriff der ‘Selbstorganisation’! Manager, die mit ziemlicher Sicherheit nie ein Buch über Systemtheorie in die Hand genommen hatten, fabulierten über ‘flache Hierarchien’, über ‘auto-informative Strukturen’, ‘dynamische Unvorhersagbarkeiten’ und über ‘Sklerosen von Entwicklungsmöglichkeiten’ so, dass es jede akademisch gebildete Sau grauste. Es war die hohe Zeit der ‘Deregulierung’, systemfremde Elemente sollten sich gefälligst aus dem ‘System’ der Wirtschaft heraushalten, vor allen anderen natürlich der Staat und seine Würdenträger. Die Wirtschaft wisse schon am besten, was gut für die Wirtschaft sei, völlig autonom könne sie ihre ‘Selbstorganisation’ problemlos betreiben. In seinem gesetzgeberischen Wahn solle sich der Staat zuvörderst um die Straßenbeleuchtung kümmern, auch das aber allenfalls in Public-Private-Partnership. Es folgten die sattsam bekannten Folgen, Systeme sind eben nur in Kooperation überlebensfähig … aber der gleichfalls systemtheoretische Begriff der ‘Ko-Evolution’ durfte als geborener Parvenu ja nicht in diesen Rotary Club erlesener Begrifflichkeiten aufsteigen.

Heute stehen dieselben Leute fassungslos vor einem ganz anders angepassten und verfassten ‘selbstorganisierenden System’, das ihnen ihre ‘Marktstrategien’ und ‘Geschäftsmodelle’ zu zerschlagen noch nicht einmal für nötig hält. Das neue System lässt die Fußkranken und harthörigen Begriffsentwickler schlicht am evolutionären Wegesrand liegen. Die Rede ist natürlich vom Netz. Das Web entwickelt mit seiner Schwarmintelligenz (vormals ‘Teamwork’) eigene informationelle Verbreitungsmöglichkeiten (Links, Referrers usw.), es bildet autochthone Geschäftsmodelle aus (Google), eigene Kontrollinstanzen (Wikileaks & Co.), sogar einen eigenen Mediendiskurs (in Blogs etc.) … und es lässt die anderen in ihrem bemoosten Quark nach Belieben reden und mosern.

So aber hatten die sich das mit der Selbstorganisation nicht gedacht – aus diesem trüben Quell entspringt jetzt der neue Regulierungsdiskurs von China über Schirrmacher bis Schavan. Schon komisch, dieser Listenreichtum der Geschichte …

Wann kapieren sie’s?

Donnerstag, 15. April 2010

Aber Bloggen wurde irgendwie noch nie inhaltlich begriffen, immer nur formal oder wirtschaftlich, und das ist der große Fehler, den alle machen. … Die Überschrift über dem [FAZ]-Dossier fordert, Bloggen solle vor allem bedeuten, Informationen im Internet einzuordnen und zu bewerten. Ich erinnere mich an Zeiten, da wurde Bloggern vorgeworfen, quasiparasitär nur von Informationen aus zweiter Hand zu leben. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Ich für meinen Teil habe mich ja nie groß mit Einordnen aufgehalten, ich schreib ja lieber selbst. Wer weiß, was daran nun wieder nicht recht sein soll. Als ob man einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen hat und die Erfüllung verweigert.

Auf den Punkt gebracht. Danke, Andrea …

Aufmachen ohne Aufmacher

Montag, 12. April 2010

Früher wurde im Journalismus ein Thema “groß aufgemacht”. Später dann, als im Zeitalter der Alphajournalisten die Bühnenmetaphorik, der Beifall und die Zahl der ‘Vorhänge’ an Bedeutung gewann, wurde ein Thema “groß aufgezogen”. Nach einer Woche setzte die Regie das Stück meist wieder ab …

Heute ist es umgekehrt: Ein Thema ist zunächst ganz klein, so wie es dem natürlichen Wachstumsgesetz entspricht. Fefes Blog beispielsweise, wo so viele Netzthemen schon auf die Welt und damit in die Öffentlichkeit gelangten, oder wo sie als Adoptivkinder in den deutschen Sprachraum migrierten, das mag als Beispiel für neue Gesetzmäßigkeiten dienen. Vom Tröt-Tröt der Aufmacherei sehen wir im mikromedialen Raum kaum noch eine Spur, von Gestaltung oder koberndem Anreißertum finden wir nicht einen Hauch. Im Netz sucht niemand den Superstar, in ihm sitzt nirgends die großjournalistische Spinne, sondern allenfalls ein paar Spinner, die noch immer altjournalistisch unter feuchten Träumen leiden. Quel affront!

Wolf Schneider nun wieder!

Donnerstag, 07. Januar 2010

Wolf Schneider, der Alterspräsident für journalistische Philologie in Deutschland, hat sich der Blogger-Szene zugewandt. Er unterteilt die Blogger forsch und fern der Empirie in drei hemdsärmelige Kategorien: in die ‘Nützlichen’ (er erwähnt die Dissidenten in China und die Frau Huffington), in die ‘Abscheulichen’ (hier nennt er keine Namen) und in die ‘Einsamen’. Zur Erläuterung der letzten Kategorie dann zitiert er lang und schlapp den Felix Schwenzel, dem man – neben konsequenter Kleinschreibung – zwar dies und das vorwerfen könnte, aber ‘Einsamkeit’ ist für ein Blog, das beim Leserzuspruch und bei der Kommentardichte überall ‘weit oben’ landet, nun wirklich keine stimmige Kategorie. Schon deshalb, weil sie mit der empirischen Realität und dem Rezipientenverhalten in keinerlei Zusammenhang zu bringen ist. Ganz abgesehen von ixens eigener Darstellung des Sachverhalts.

Und wenn hier schon durch Wolf Schneider selbst dem sonst so verpönten subjektiven Meinen Tür und Tor geöffnet wird, dann möchte ich darauf hinweisen, dass auf mich der deutsche Sprachpapst in seinem Lehnstuhl dort einen höchst vereinsamten Eindruck machte. Aber das mag natürlich täuschen …

Verbohrte Welt

Sonntag, 01. November 2009

Eigene Klischees sind es, die vielen Journalisten beim Blick auf die Blogosphäre die Einsicht verwehren. Am Beispiel der Frau Eva Schweitzer will ich versuchen, die Vorurteilsstruktur teilweise herauszuarbeiten, die solchen unzutreffenden Ansichten zugrundeliegt. Ich beschränke mich dabei strikt auf die von ihr kommentierten Kommentare, die sie – vermutlich in humoriger Absicht – in ihrem taz-Blog zum Besten gab. Los geht’s:

“Da wollte ich schon Philipp vom Haken lassen, und jetzt schreiben mir seine Freunde dauernd emails.”

Wat’n Skanda-al! Lauter böse E-Mails kriegt sie jetzt! Und der Philipp hat schuld! Wichtiger aber ist das Bild, das uns dieser Satz vermittelt: Sie ist die Anglerin am großen Datenstrom, der Philipp aber, diese arme Socke von Bloggerbarsch, der ist jener kleine Fisch, den sie jetzt doch nicht mehr ins Wasser zurückwerfen will, obwohl er den Maßen des Deutschen Sportfischerverbandes keineswegs genügt. Wir stellen sprachlich zunächst den Befund einer realitätsverweigernden Macht-Metaphorik: Frau Schweitzer glaubt, sie hätte die Situation – die Angel also – fest in der Hand, obwohl doch ‘der Schwarm’ der Blogosphäre  längst aufgeflogen ist und den Kopf der holden Anglerin jetzt von allen Seiten umsurrt. Welch ein bildverrannter Irrtum! Wenn schon eine Fisch-Metapher, dann doch lieber eine zutreffende: Die gute Frau hat ihren großen Zeh als Köder ins Wasser getaucht, und die bösen Fische haben – haps! – die ganze Anglerin angeknabbert. Was an jedem Satz zu spüren ist. Weiter im Text:

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Old Boys – Mixed Answers

Montag, 07. September 2009

Der größte Vizekanzlerkandidat aller Zeiten, Frank-Walter Steinmeier, hat der Carta einen Vorabdruck zu den Positionen zukünftiger SPD-Medienpolitik gegeben. Der aber nach Lage der Dinge wohl nur dann ansatzweise umgesetzt werden könnte, wenn’s erneut zu einer großen Koalition käme. Klar wird mir bei der Lektüre eins – unsere Parteien sind durch die Bank noch gar nicht Anno Internet angekommen. Unverdrossen reduzieren Sie alle Medienvorgänge auf ‘Massenmedien’ und auf ‘Opinion Leader’, unbeirrt gibt es nur eine wahrhaft demokratische Beziehung, diejenige zwischen ‘Politik’ und ‘Massenmedien’. Steinmeier schreibt:

“Um so mehr sollten Politik und Medien gemeinsam diesen öffentlichen Diskurs pflegen. Mit Abstand und Kritik, aber eben auch mit Respekt für einander. Öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung sind nicht zu trennen und Öffentlichkeit, das haben wir spätestens von Jürgen Habermas gelernt, ist eine zentrale Kategorie der aufklärerischen Tradition, die aber eben auch einem tief greifenden Strukturwandel unterworfen ist. Die Massenmedien haben die Rolle eines elektronischen Lagerfeuers übernommen. Im Idealfall sammeln, bündeln und bewerten sie, was eine Gesellschaft bewegt und bewegen müsste, und tun das in der Weise, dass in einer Gesellschaft Meinungsvielfalt und -zugang gewährleistet sind.”

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