Einfach mal was behaupten!
Donnerstag, 16. Februar 2012Rechtsintellektualität ist bekanntlich eine ‘contradictio in adiecto’, ein Widerspruch in sich. Und so sehen die dazugehörigen Zentralorgane auch aus. Trotzdem versuchen manche Magazine aus Gründen publizistischer Ausgewogenheit mit noch mehr Urinbeschau und Pendelei auch ein steuerbordseitiges Publikum kontinuierlich zu bedienen. Eines dieser verlegerischen Projekte, das aus Gründen des Attention-Phishing dann gern auf Autoren aus dem Umfeld der ‘Achse des Guten’ oder der Schweizer ‘Weltwoche’ zurückgreift, heißt in Deutschland ‘Cicero’.
Regelmäßig muss dort an Bord dann wohl konservativ induzierter Vernunftalarm herrschen. Denn von den üblichen Positionen bis zur Wand ganz rechts ist es nicht weit, wenn man auch sonst ein elitäres Selbstverständnis pflegt und bedient – der ganze Dampfer krängt dann unversehens weit hinüber zur Wasserlinie, was nicht nur das Flanieren, sondern auch das Ablassen der argumentativen Rettungsboote stark gefährdet. Trotzdem – gegen intellektuelle Notfallübungen der Upperclass wäre aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit gar nichts einzuwenden, sofern die dort vertretenen Ansichten rational verhandelbar wären. Was sie oft genug aber nicht sind.
So stellt in dieser Woche ein gewisser Beda M. Stadler aus dem Dunstkreis der Blocherschen Köppelschen ‘Weltwoche’ in seinem Sandkasten die Schlachten von gestern nach, indem er sich – nachdem der Zug längst abgefahren ist – für die Atomkraft in die Bresche schlägt: „Wenn Deutschland aussteigt, sind wir alle verloren“, lautet der Titel des Elaborats, dem gleich anfangs ein gewisser Wachtturm- und Kassandraton damit kaum abzusprechen ist.