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Nebelbomben werfen

Sonntag, 14. März 2010

Auf Kritik antwortet ein normaler Mensch, indem er die Argumente der Kritiker widerlegt und entkräftet. Nicht so Guido Westerwelle. Statt zu sagen, weshalb die persönliche Auswahl einer Außenminister-Entourage aus Event-Managern und selbsternannten Asienberatern den Südamerika-Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland mehr nützen soll, als eine vom diplomatischen Korps vielleicht seriöser und effektiver zusammengesetzte Delegation, da wittert er stattdessen eine politische Verschwörung und betreibt auf dem NRW-Parteitag der FDP das gute alte ‘Rally around the flag': Der Führer der verschworenen Clique brüllt dann lauthals ‘Zu mir, Überfall!’ – und alle Getreuen scharen sich fest um den Maximo Leader. Zu besichtigen war dies eben dort …

Eine linke Mehrheit wolle also an die Macht, so Westerwelle, dies bildet den fixen Kern seiner Verschwörungstheorie. Ja, Herrgott! Erstens müssen von der FDP aus gesehen alle anderen Parteien derzeit wohl ‘links’ erscheinen, zweitens ist es in demokratischer Hinsicht völlig legitim, dass in einem Wahlkampf andere demokratische Parteien selbst ‘Großwezir anstelle des Großwezirs’ werden wollen. Bekanntlich ist das der Sinn aller Politik in einer Demokratie: Friedlichen Wechsel auf Wunsch des Wählers herbeizuführen – oder auch nicht.

Was Westerwelle rhetorisch zur Zeit betreibt, das ist das probate Mittel all derer, die nichts mehr auf der Pfanne haben, als ihr Feindbild. Blanke Selbstverständlichkeiten werden dann mit dem krakeelenden Gestus eines Volkstribunen herausgetutet, die Hormone des Publikums werden mit Hilfe von Reizvokabeln aufgequirlt. Er sei der letzte Aufrechte, schreit er dann, ein Märtyrer der Wahrheit, der sich einzig und allein noch das zu sagen traue – was doch längst die Spatzen von allen Dächern pfeifen: In NRW steht am 9. Mai, wenn sich die Auguren nicht fundamental irren sollten, eine linkere Mehrheit tatsächlich vor der Tür. Also eine Mehrheit ganz ohne FDP, auch deshalb, weil sich deren Anführer längst vollends unmöglich gemacht hat.

Auf wen Westerwelle mit seinen verbalen Nebelbömbchen hofft? Ich nehme mal an, auf die Armen im Geiste … im Falle der FDP also auf das Fähnlein der letzten Aufrechten …