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Dunekake

Sonntag, 25. September 2011

So heißt hier im norddeutschen Raum, was selbiger dort im ‘Tagesanzeiger’ sprachlich verbrach – und das Wort verweist exakt auf das, was Sie jetzt denken. Beflügelt vom erotischen Flair halbnackig dargebotener Jungfern und anderer Misfits sah hier ein Tessiner Jungspund antike Göttinnen im Techno-Takt über Almen schreiten. Linus Schöpfer gar heißt dieser Dichter – wobei ich mir den fälligen Namenswitz verkneife und nur still auf seinen Vorgänger, den großen ‘Balduin Bählamm’, verweise:

Die 2o-jährige Berner Handelsschülerin Alina Buchschacher ist die neue Miss Schweiz. Ihr Weg zum Titel war voller Abenteuer – eine Tragikomödie griechischen Ausmasses.

Stilistisch scheitelt er daraufhin herbeigefaselte Parallelspuren zur Antike mit der Flex des wahrhaften Worthandwerkers durch die ausgetretene Landschaft der publizistisch sonst eher gebräuchlichen Wettbewerbsmetaphorik. Ob allerdings ein schöpferisches ‘So-Quasi’ in Zeiten der Troika und der Rettungsschirme noch als Lob in die Wertung einfließen kann, wage ich zu bezweifeln – und zwar mit Fug: “Das Tessin ist ja so quasi das Griechenland der Schweiz.”

Langeweile garantiert!

Montag, 09. Mai 2011

Und ebenso natürlich geht er nicht schnurstracks, sondern kreuz und quer, durch den Wald (oder doch eher Park?) und durch Siedlungen, er überquert die Autobahn, durchquert das Niemandsland dazwischen und erreicht die Innenstadt. Die “Zeitnot”, die ihn plötzlich befällt, hindert ihn nicht, sich “lange, lange” in einer luxuriösen Bedürfnisanstalt aufzuhalten.

Soso, ein Zickzackkurs wäre also ‘natürlich’? Und ob Park oder Wald – wenn’s der Autor schon nicht weiß, erfährt’s der Leser auch nie. Konkret scheint mir bloß die Bedürfnisanstalt. Es gilt: Machen Sie Schauplatz, hier gibt es nichts zu sehen! Ohne Anschauung aber helfen auch keine Mordphantasien dem fehlenden Plot auf die Beine. Wie man von solch bleiwüstendürren Voraussetzungen auf die saftigen Wiesen einer jubilierenden Conclusio gelangt, das bleibt mir unerfindlich:

“In all ihrer Weltwut und Zärtlichkeit ist die Erzählung ebenso gegenwärtig wie märchenhaft surreal, eine apokalyptische Zauberposse mit selbstironischer und satirischer Spitze …”.

Jaja, nimm von jedem Genre etwas – und dreh’ es durch den Mixer. Ich jedenfalls lese den großen Langweiler weiterhin nicht …

Hach, unsere Posh!

Montag, 25. April 2011

Das Spice Girl des deutschen Feuilletons, geboren in temporeicheren und unbedenklicheren Tagen, verwirrt mit seinen verbalen Reizen meine Vorstellungskraft wieder und wieder:

“Die ersehnte Verlangsamung einer sowieso veränderungsresistenten Gesellschaft wird die Sklerose seiner Einzelteile verschärfen.”

Bruchstücke wilder Metaphern aus aller Herren Bilderwelten feiern fröhlich Kollision, die besitzanzeigenden Pronomina flattern beziehungslos im Wind, während der eh schon eingetretene Stillstand einer ‘veränderungsresistenten Gesellschaft’ unaufhörlich noch weiter ‘verlangsamt’ wird, vor allem aber ‘sowieso’, eine wuchernde Sklerose aus geriatrischen Gichtknoten wirkt im Volk sowohl ‘ersehnt’ wie ‘verschärfend’, dank der unaufhörlichen Einreibungen mit Löwensenf, Föjetong und Cayenne-Pfeffer, kurzum – Poschardts mentaler Lego-Kasten liegt mal wieder, pardautz!, ausgekippt in ‘Einzelteilen’ vor unseren erstaunten Augen. Und wir dürfen probieren, ob sich aus diesen Scherben wider Erwarten nicht doch etwas Schönes und Einsichtiges basteln ließe.

Warum das alles? Offensichtlich, weil der Herr seine ästhetische Allergie gegen Solarmodule endlich mal energisch outen musste; vielleicht, weil er auch mal wieder in die Zeitung wollte; vor allem aber, weil ihm die dämonischen Grünen den Spaß an der PS-starken Yuppie-Schaukel versalzen möchten. Ach ja – diese selige ‘Vanity Fair’ oder der große ‘Jahrmarkt der Eitelkeiten’, der doch längst seine Siebensachen auf Zirkuswagen gepackt hat, um weiterzuziehen. “Forever young!” ist auch ein Glaube, Krähenfüße bilden den Gegenbeweis …

Anmerkung: Ein Ironiker muss wohl der Grafiker bei ‘Welt Online’ sein, der die ‘erschröckliche Ästhetik’ solcher Solarmodule direkt neben die klaren Linien traditioneller Netzarchitektur stellte.

Es traf mal nicht den Falschen!

Freitag, 09. Juli 2010

Auch wenn die Begründung für den Büchner-Preis wieder einem mühseligst hochgestemmten Feuilleton-Geschwurbel gleicht, wo der Leser solchen Drecks gleich weiß, dass der Schreiber dieses Instant-Elaborats den Besprochenen nie selbst gelesen, dafür aber tief in den Kasten mit den altbewährten Allzweck-Lego-Steinen gegriffen hat:

Jirgl habe in seinem Romanwerk “von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet”.

“Verstörend suggestiv”, “sinnlich anschaulich” – alles Quark. Ein Text von Jirgl gleicht zunächst mal einem widerhakenbewehrten Drahtverhau, er schlägt unseren Lesegewohnheiten frontal ins Gesicht, sinnlich ist dort rein gar nichts. Reinhard Jirgl spielt auf bewundernswerte Weise mit dem Material und mit der Orthographie der deutschen Sprache, aus den bewussten ‘Fehlern’ erblüht eine Welt von ungeahnten Nebenbedeutungen. In seiner Art erinnert Jirgl am ehesten noch an Arno Schmidt. Textprobe:

“Und bleib inmitten dahinkwellender, mit immer Mehrmensch sich vollsaugender Menge 1fach stehn, stell Koffer & Reisetasche ab: – 1 geschniegeltes Bürschchen im Trenchcoat rempelt seinen Koffer gegen mich, das Scheißpennergesox verfluchend, – & hastet mit fliegendem Mantel weiter; ich blicke mich um.” (Abtrünnig, S. 68)

Der arme Kerl!

Mittwoch, 21. April 2010

Zwei gegen einen – das muss doch anstrengend gewesen sein: “Mark Twain rang lebenslang mit zwei Seelen.”

Die Parataxe

Dienstag, 20. April 2010

Ob der Blödheit mancher Rezensenten möchte ich manchmal die Tastatur in die Ecke pfeffern. Gerade im vorgeblichen Hort des Geistes, im Feuilleton, wird die Zeitung immer öfter zu einer publizistischen Zumutung. So schreibt ein gewisser Oliver Jungen in der FAZ über den Schriftsteller Airen. Ein Blog-Autor, der bekanntlich jener – von eben demselben Feuilleton – hochgeträllerten Plagiatorin Helene Hegemann zu ihrem Machwerk ‘Axolotl Roadkill’ per Copy & Paste die passende Erlebnisvorlage lieferte. In Oliver Jungens ‘Kritik’ findet sich, neben vielem anderen Stuss, die folgende beckmesserische Anmerkung:

“Stilistisch gelangt das Opus nirgends über den schnodderig-expliziten Tonfall und die Parataxe hinaus, welche die meisten Online-Foren prägen. Das Tempus ist der Tagebuchform wegen ein ödes Universalpräsens.”

Mit einer einzigen germanistischen Renommiervokabel meint der Herr das Buch aus den Tiefen der Blogosphäre stilistisch erledigen zu können. Ein wahrhaft schwankender Turm, auf dem er dort steht. Zum allgemeinen Verfallszustand des Feuilletons, das sich mit solchen Bauerntricks über die wesensfremde Online-Welt zu erheben trachtet, hat Don Alphonso anlässlich seines ‘Besuchs bei Analphabeten und Zauseln’ schon das Nötige gesagt. Über das Buch will ich mich auch gar nicht äußern, denn ich habe es gar nicht gelesen. Völlig unnötige Skrupel, die mir jede Laufbahn als Feuilletonist verbauen. Worin aber besteht der blödsinnige Vorwurf, in einem Text Parataxen zu verwenden?

Zunächst einmal ist die Parataxe nichts als eine Reihung von Hauptsätzen, die idealerweise zudem grammatisch gleich aufgebaut sein sollten. Ausführlicheres hier in der wikipedia. Schriftsteller verwenden dies Stilmittel, um den Anschein entweder einer besonders linearen und stringenten Argumentation zu erzwingen, um dem Leser Raum für Deutungen zu schaffen, oder aber auch, um gewisse unheimlich-unbestimmbare Wirkungen zu erzielen. Hier einfach mal vier in angefressen morbider Stimmung von mir dahergeklimperte Zeilen:

Das Gras lag feucht und geschändet.
Der Himmel schwieg still und schlief.
Ein Teich lockt weich und moorestief.
Das Feuilleton ist doof und vollendet.

Vier Hauptsätze – vier Parataxen. In der Prosa klänge es dann ungefähr so: “Angela trug das Kind auf dem Arm. Eine Fliege schlug blindlings mit dem Kopf ans Fenster. Die Uhr trieb im Flur die Minuten vor sich her.” Trotz des Ticktacks hätte ich so die Zeit fast zum Stehen gebracht. Was an einem der gebräuchlichsten Hausmittel jeden Schriftstellers – von Altenberg über Brentano, Goethe und Kafka bis hin zu Stefan Zweig – plötzlich kritisierenswert sein soll, sobald es sich in ein Blog verirrt, das würde ich von diesem pretiös daherschwätzenden Herrn gern mal hören. Vermutlich gewinnt er ja noch nicht einmal aus dieser schönen Parataxe einen Hauch von Erkenntnis: “Über allen Gipfeln ist Ruh. Über allen Wipfeln spürest du …“. Und dann wäre dies Machwerk auch noch in einem solch “öden Universalpräsens” geschrieben!

Ach, Feuilleton – du Tummelplatz derer, bei denen es zum Schreiben nicht langte …

Außer Rand und Band

Sonntag, 21. Februar 2010

Am Titel hätte man es bereits merken können: Ein Buch, das ‘Axolotl Roadkill‘ heißt, das vom Titelklang her also eher an eine überfahrene Kröte in den Gassen von Tijuana erinnert, und von der Semantik her an zusammengekleisterte Undinge wie bspw. ‘Tattoo Smorrebrod’ oder ‘Plättbrett Sadistics’, ein solches Buch also kann einfach nicht gut sein. Ohne den Band aufzuschlagen, weiß dies jeder halbwegs begabte Leser. Nicht so unser Föjetong.

Ein längst gut abgehangener Maxim Biller versucht sich da an dem Beweis, dass er im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen ‘jung geblieben’ sei ( … jetzt ist wieder ein Roman da, vor dem sich jeder, der über dreißig ist, hüten sollte …). Ach, hätte er’s doch getan! Ihm wächst das Grautier doch schon aus beiden Ohren heraus, der Mann ist immerhin Jahrgang 1960 und damit weit über das hier geschilderte Instant-Discofick- und zugedröhnte Ponyhof-Alter der Verfasserin hinaus. Dieser ‘Kritiker’ versteigt sich ohne jeden Anflug von Ironie hin zu blankem Schwachsinn: Das Deutsch der Verfasserin sei so “suggestiv wie Sowjet-Propaganda“, was uns nur zeigt, dass Biller wohl nie eine Zeile solch schnarchlangweiliger Politbüro-Propaganda gelesen hat, und es sei “so verführerisch individuell, dass ab morgen bestimmt hundert andere deutsche Schriftsteller … den Hegemann-Sound nachmachen werden“. Aha- individuell ist folglich, wenn es alle nachmachen können. Ja, geht’s denn noch?!

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Föjetong und Festlichkeit

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ach, kaum war endlich mal Ruhe eingekehrt – da verspüre ich notorischer Miesmacher an diesem Text doch schon wieder einen Hauch jener ominösen Krise: “Von Medienkrise war … anlässlich Hubert Burdas 70. Geburtstag … nichts zu spüren.” Prompt kam nämlich dort ein berufsjugendlicher Hansdampf “als Überraschungsredner” ans Pult gestürmt, ein anderer “machte eine ausgezeichnete Figur”. Dann gab’s noch “eine Video mit Geburtstagsgrüßen” – Bastian Sic! ließ herzlichst grüßen. “Unterschiedliche Gratulanten” kamen und gingen, und nicht immer bloß dieselben, wie’s ja bei dieser “festlichen Gelegenheit” auch nicht zu erwarten war. Eine leibhaftige “Schlager-Legende” griff tief ins Büffet und ins Klavier, was aber keinesfalls das einzige und “erste Highlight” blieb. Auch ein Roboter “trieb sein Unwesen”. Gut gelaunte Gäste hatten sich derweil “mit Frack und Zylinder” beworfen – oder so ähnlich – kurzum: klipperdiklapp, plapperlapapp, tandaradei. Das muss wohl ein wahres Festival der Stenze und Stanzen gewesen sein … von Medienkrise aber keine Spur.

Muss ich das nun verstehen?

Montag, 08. Februar 2010

Nö – das muss ich nicht:

“Helene Hegemann zeigt sich darin ganz als Kind einer Kultur, die das Collagedenken des Dadaismus und die postmoderne Intertextualität in die Ära des popmusikalischen Sampling und der Mashup-Ästhetik des Internets überführt hat.”

Eine literarische Transportunternehmerin also …

Avantgarde

Dienstag, 28. Oktober 2008

Wenn die jungen Wilden glücklich dort angekommen sind, wo die Reaktionäre der Vorvorgängergeneration standen, sprechen wir von einer arrivierten Avantgarde – oder auch von Kunst. Die nächste Avantgarde regt sich dann immer dort, wo mindestens zwei Feuilletons darüber schreiben. Wer hingegen bloß avantgardistisch fühlt, aber nicht mit Redakteuren säuft zu Zeitungsruhm gelangt, ist auch keine. Nach seinem Tod röhrt vielleicht irgendein Witwentröster etwas über den großen Unbekannten der deutschen Musik/Malerei/Literatur/Philosophie [Unzutreffendes bitte streichen] daher. Allerdings nur im unwahrscheinlichen Fall, dass auf dem Markt für Allotria und Sachverwandtes gerade mal keine frischere Avantgarde zur Hand sein sollte …