Artikel mit ‘Headline’ getagged

Zappelphilipps

Montag, 20. Juni 2011

Eindeutig schwang in den Headline-Schmieden deutscher Leitmedien heute die Kreativität das Zepter, bis ich bei all dem Gezappel den Bedarf für Meinungsvielfalt nicht mehr sah:

“Euro-Minister lassen Griechenland zappeln.”

“Euro-Finanzminister lassen Griechenland zappeln.”

“Euro-Staaten lassen Griechen zappeln.”

“Brüssel lässt Griechen zappeln.”

“Die Finanzminister der Euro-Zone lassen Griechenland zappeln.”

Im Kern geht es doch wohl darum, dass sich hier Marionetten unverdrossen für diejenigen halten, welche noch die Fäden ziehen …

Nachtrag: Immerhin – der ‘Spiegel’ hat etwas bemerkt, und die Dutzendware aus der Headline ins Lead gestellt …

Die Fragewörteritis

Donnerstag, 30. September 2010

Draußen vor der Tür müssen die Verirrten im Publikum sich wohl meterhoch stapeln, anders ist eine Unsitte in Deutschlands Wirtschaftsredaktionen nicht zu erklären. Dort versuchen sich die Schreiber in Permanenz an einer Art von Ratgeberliteratur. Solange, bis der werte Kunde den Wald vor lauter Bäumen und die einfachen Wahrheiten vor lauter ökonomischer Steißpaukerei nicht mehr erblickt. Grammatisch äußert sich dieses Phänomen u.a. im maßlosen Gebrauch von Fragewörtern in nahezu jeder Headline. Hier einige Beispiele aus einem einzigen Online-Auftritt der Wirtschaftswoche vom 30. September 2010:

Worauf Profis jetzt setzen
Wie gefährdet sind die Dax-Konzerne?
Wie Deutschland eigentlich funktioniert
Was der Bund Hausbesitzern aufbürdet
Wo Deutschlands schlechteste Autofahrer wohnen
Was die Stütze nicht leisten kann
Welche Frauen die deutsche Autoindustrie kontrollieren
… usw. usf.

Der ganze Unsinn erweist sich, wenn man die angedeutete Frageform mal in einen klaren Aussagesatz überführt: ‘Einige Frauen kontrollieren die deutsche Autoindustrie’. Ja – ich huste dir gleich was!

Als ABC-Schützen sehen diese Wirtschaftsredakteure ihre Leser wohl an. Denen sie als geborene Erklärbären unter dem monotonen Klippklapp einer vorhersagbaren Titelei dann die Fibel-Ware ihrer Artikel in die Hand drücken müssen, um ihnen erfolgreich den Weg durchs Leben und durchs Geschäft zu weisen. Obwohl doch die meisten der Leser geschäftlich erfolgreicher sein dürften, als ausgerechnet diese Schreiber. Was mir wiederum nicht nur erneut zeigt, dass der Schuster immer die schlechtesten Schuhe trägt, sondern auch, welches überhöhte Selbstbild dieser Journalismus ‘ex cathedra’ und insgeheim noch immer pflegt …

Metaphern-König der Woche:

Samstag, 28. November 2009

Die Finanzkrise schlägt mit platzender Immobilienblase in Dubai zu.” Solch unübertroffene Sprachgewalt und überbordende Bildlichkeit setzt dem Fass doch einfach die Krone auf …

Gut gemeint …

Samstag, 28. März 2009

Es gibt Anliegen, die ich ohne weiteres unterstützen könnte. Inhaltlich, meine ich. Die aber trotzdem sprachlich jedes aktivierende Niveau derart seditativ unterschreiten, dass mir an meiner eigenen Ermüdung ihr Schicksal vorab klar wird. Zu dieser Kategorie zähle ich auch jenen Aufruf, den knapp vierzig Akademiker, vor allem aus Berlin, gestern in der taz veröffentlichten. Darunter viele der üblichen Verdächtigen: Konstantin Wecker, Hannes Wader, Prof. Grottian, Johano Strasser usw. Der Aufruf ist – bezeichnend für seinen steinzeitlichen Charakter – noch nicht einmal im Netz zu finden. Einen Artikel aus Holzhausen fand ich, der sich mit diesem Gallimatthias befasst – und bei Indymedia steht auch noch was. Das nenne ich mediale Breitenwirkung!

Gut gemeint ist nicht gut gemacht“, pflegte mein weiser Opa zu sagen. Schon in der Headline geht es schnurstracks ans Eingemachte: Weil jeder Beteiligte ‘sich im Aufruf wiederfinden muss’, bekanntlich Sinn und Zweck aller Aktionsbündnisse, gilt es zunächst einmal, das assortierte Gute vielzeilig zu umschlingen. Nur dass leider jede Headline auf den Marathon-Strecken ihre Griffigkeit und Schlagkraft komplett verliert. Statt schlicht zu sagen “Gerechtigkeit ist machbar!” oder etwas anderes maximal Dreiwörtiges, was sich ein Mensch auch merken könnte, da heißt es im schönsten Bots-Stil:

“Aufstehen zu einem langen Frühjahr der Politisierung und Mobilisierung – für soziale Mindeststandards: Menschen-würdige Grundsicherung, gesetzliche Mindestlöhne, solidarische Arbeitsumverteilung – mit Demonstrationen, Streiks und zivilem Ungehorsam!”.

Viele Worte, wenig drin ...

Viele Worte, wenig drin ...

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Galoppierender Sensationismus

Donnerstag, 12. März 2009

Die letzten Sekunden des Amok-Killers

Amok-Tim wollte noch mehr töten

Nur eine Frage: Warum?

Finaler Gruß an die Amok-Freunde

Schießen war sein Hobby

Die letzten Sekunden des Amokläufers

Die letzten Minuten des Killers von Winnenden”

usw.

Welch ein Gelechze und Gesabber – wie die Koberer auf Sankt Pauli: Für vieles findet die Presse einfach keine Worte mehr, sie verliert jedes Maß und versagt sprachlich vor dem Geschehen der Welt. Das große Defizit nimmt fast täglich zu – und zwischen BILD und Stern macht die Überschrift schon längst keinen Unterschied mehr …

Hello, Dolly!

Donnerstag, 05. Februar 2009

Manchmal wähne ich mich von Klonschafen umzingelt: Da präsentiert also Google uns am Montag unter der irre kreativen Headline “Google taucht ab” das neue Google Earth 5.0, ein Gadget, das den Betrachter sogar auf den Grund der Weltmeere entführen kann. Rasend interessant – allenfalls jedenfalls!

Und mit welchem Einfallsreichtum präsentieren uns die Mitglieder der schreibenden Zunft diese Sensation und Attraktion im großen Zirkusrund des Web 2.0?

Google Earth 5.0 taucht ab
Google taucht ab
Google Earth 5.0 taucht ab
Google taucht in die Weltmeere ab
Google geht tauchen
Google taucht ab
Google taucht ab
Google Earth 5.0 taucht ab
Google “taucht ab”

Usw. usf. etc. pp. ppp.

Hej, ist das nicht neu? Ist das nicht ungeheuer kreativ? Ist das kein gutes Beispiel für den deutschen Qualitätsjournalismus? Sind das etwa keine bärenstarken Headlines aufstrebender Publizisten, die sich mit all ihrer Wortgewalt zum Sturm auf den Henri-Nannen-Preis rüsten?

(Aber rumquaken, wenn die Leser stiften gehen …)

Am Anfang war das A

Mittwoch, 14. Januar 2009

Kehrt der Mensch beim Sprechen (auch beim ‘inneren Sprechen’) mehrmals zur gleichen Lippenstellung zurück, dann gefällt das seinem Nervenkostüm. Ein angenehmes Gefühl erzeugt einen Eindruck von Mühelosigkeit. Vermutlich aus diesem Grund gibt es in der Sprache zahllose ‘Sinnverdoppler’, die außer dem gleichen Anlaut (= „Alliteration“), der eine Verstärkung und Betonung bewirkt, inhaltlich rein gar nichts zur Aussage beitragen. Einige Beispiele: ‘gang und gäbe’, ‘über Stock und Stein’, ‘bei Wind und Wetter’, ‘samt und sonders’, ‘mit Mann und Maus’ oder ‘mit Kind und Kegel’. Gleiche Konsonanten und Vokale zu Beginn der Worte sprechen sich gut – und wir betonen an dieser Stelle auch immer einen ganz bestimmten Aspekt unserer Rede.

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Unkaputtbar!

Mittwoch, 24. September 2008

Die Euphorie über den Rettungsplan der US-Regierung ist schon wieder abgestürzt.

Jedesmal aber rappelt die tapfere Deern sich wieder auf, windet sich aus dem demolierten Aero-Rettungsplan und schüttelt unbeeindruckt den Staub von ihren Kleidern: Echte Euphorie ist eben unkaputtbar …