Artikel mit ‘Journalismus’ getagged

Neues aus Waldhagen

Sonntag, 29. Januar 2012

Opa Wolf Schneider, der unvermeidlichste aller Print-Dinos, hat sich mit seinen tiefschürfenden Erkenntnissen wieder mal zu Wort gemeldet. Diesmal in einem Handbuch, das sich an angehende Journalisten richten wird. Die erfahren dort u.a. folgendes:

“Die Fülle von Informationen [im Internet] verführt dazu, sich nur nützliche Nachrichten zeigen zu lassen.”

Aha! – Ich will verrecken, wenn ich verstehe, was daran ‘erschröcklich’ sein sollte, ‘Nützlichkeit’ ist schließlich ein dehnbarer Begriff. Aber egal, das Internet bleibt für unsere Cro-Magnon-Menschen im Journalismus nun mal der immerwährende Hort des Bösen:

“Das Internet gaukelt den Menschen vor, sie könnten alles erfahren, billig und schön. Doch sie erkennen nicht, was wahr ist und was falsch, sie kennen die Interessen nicht hinter der Auswahl, sie kapitulieren vor der schieren Fülle und langweilen sich über unattraktive Präsentationen mit flauen Bildern und irritierender Werbung. Die meisten Bürger haben weder Zeit noch Lust, stundenlang nach der Wahrheit zu suchen.”

Diese Erkenntnisse ebenso erkenntnisfördernd wie mephistotelisch mal ‘im Umkehrschluss’ formuliert:

“Der Holzjournalismus vermittelt den Menschen hingegen das Faktum, dass sie eben nicht alles erfahren können. Darüber hinaus wird’s allemal teuer und hässlich. Nur mit Hilfe eines ausgebildeten Steinzeitjournalisten lernen sie zu scheiden, was wahr ist und was falsch, nur mit ihm sehen sie die Interessen hinter der Auswahl, auch müssen sie angesichts der beschränkten Spaltenzahl in einem solchen Altmedium nicht länger vor der Überfülle kapitulieren, und sie können dort angeblich - öhem! - unentwegt und angeregt attraktive Präsentationen mit ganz tollen Bildern und ohne jede Werbung betrachten. Denn die meisten Bürger, unselbständig wie sie sind, haben weder Zeit noch Lust, stundenlang selbst nach der Wahrheit zu suchen, weshalb unser altjournalistisches Angebot ihnen das mühsame Selbstdenken abnimmt.” Oder so ähnlich …

Mein Gott, was für eine Horde zukunftsunfähiger und vernagelter Studienabgänger würde dort denn heranwachsen, hielten die sich an dieses Schneider’sche Lehrbuch? Da bleibt mir nur – in Abwandlung von Richard Dehmel – dieser Merkvers als Empfehlung für angehende Journalisten: “Wenn dein alter Opa spricht – glaub’ ihm nicht, glaub’ ihm nicht!

Nachtrag: Der Große Gute Wolf hat jetzt auf die Anwürfe der drei kleinen Schweinchen geantwortet – das sind natürlich alles Kommunisten, außer Pappi: “Es gibt eine Clique von Altlinken, die mich [= Wolf Schneider, den Großen] seit Jahrzehnten nicht leiden können, dann gibt es die Durchgefallenen bei der Henri-Nannen-Journalistenschule.”


Die Falschmeldung

Freitag, 27. Januar 2012

Wer die Stellen in den Auslandsressorts so entschlossen abbaut wie der internationale Qualitätsjournalismus, darf sich über die Folgen nicht wundern. Ähnliches oder nahezu Gleichlautendes lasen wir vor einigen Tagen allüberall auf dem herabtaumelnden Laub unseres Blätterwaldes:

“Gaddafi-Anhänger erobern kurzfristig ihre Hochburg Bani Walid zurück.”

“Libya militias prepare to retake Bani Walid from Gaddafi loyalists.”

“In einer blutigen Schlacht haben Anhänger des getöteten Diktators dessen ehemalige Hochburg Bani Walid wieder eingenommen.”

“Am gestrigen 23. Januar griffen Anhänger des verstorbenen ehemaligen Staatschefs Ghaddafi die Soldaten des libyschen Übergangsrates in Bani Walid an.”

“Nach der Eroberung der libyschen Stadt Bani Walid durch Anhänger des früheren Machthabers Muammar al Gaddafi hat sich der Verteidigungsminister des Landes mit den Stammesführern dort getroffen.”

“Diehard supporters of slain Libyan leader Muammar Gaddafi seized control on Monday of “the entire city of Bani Walid”.

Und so geht’s über Hunderte von Fundstellen weiter, einer schreibt’s vom andern ab – nach dem bewährten Motto: Was in drei journalistischen Angeboten steht, das muss einfach wahr sein. Das Problem solch überaus gängiger Falschmeldungen ist, dass sie wie die Quecke im Garten danach nahezu unausrottbar sind. Vor allem dann, wenn sie publizistisch attraktiv scheinen und ins Weltbild passen. Allerdings wäre eine Rückkehr des Krieges nach Libyen höchst quotenträchtig, wenn’s so etwas denn gäbe.

Faktisch aber sind die Medien auf Propaganda der N24-Brigaden hereingefallen, die Bani Walid so besetzt hatten wie einst die Russen Berlin – nämlich als ‘offene Stadt’. Faktisch ereignete sich wyatt-earp-mäßig daraufhin eine Vertreibung selbstherrlicher Banditen und Marodeure durch die Einwohnerschaft: “Vor Ort fanden Journalisten … nämlich lediglich die auch vom NTC genutzte rot-schwarz-grüne Flagge und ein paar alte Pro-Gaddafi-Graffiti, die wahrscheinlich noch aus dem letzten Sommer stammen. Stattdessen teilten Bewohner Reportern mit, die Gaddafi-Familie könne ihnen gestohlen bleiben und militärische Ambitionen hätten sie außerhalb ihrer Stadt keine.” Wo aber bliebe dann der auflagenträchtige ‘Bürgerkrieg’, wenn’s nur um Schießereien am Corral Nine ging?

Medialer Sprachwandel

Freitag, 20. Januar 2012

Erst sind es höchst ehrenwerte “Hedgefonds-Manager”, nach ihrer Verhaftung verwandeln sie sich in “Top-Spekulanten”. Es sind aber immer noch die gleichen Leute …

Mien Dschang, du übersiehst was!

Montag, 16. Januar 2012

Natürlich hast du recht, wenn du die Journalisten durch den Kakao ziehst, die sich jetzt über die ‘Spießbürgerlichkeit’ von Krischan Wulffs Klinkerhäuschen lustig machen:

“Das Stichwort hier ist Piefigkeit, dabei ist die soziodemografische Wahrheit, dass die überwiegende Zahl der Deutschen nicht auf naturgewachsten Altbaudielen in verkehrsberuhigter Innenstadtlage lebt, selbst wenn manche Medien in Deutschland oft so tun (und in zunehmendem Maße auch die Volksvertreter in den Parteien). Die Mehrheit wohnt wie die Wulffs, in einem Reihenhaus in Randlage, mit Buchsbaum und Begonien im Garten und einem halbhohen Zaun, der das Grundstück von Straße und Nachbarn trennt.”

Die meisten Journalisten, die jetzt über Krischan und Bettinas Liebesnest sich ‘nen Ast högen und uns ihre angelesenen geschmacklichen Verdammungsurteile in die Tastatur rattern, die wohnen eben auch nicht wie der Fritz J. Raddatz in Eppendorf an der Isestraße, sondern mit etwas Glück ähnlich wie der Bundespräsident – zumeist aber mit noch weniger ‘Schick’. Zu erklären wäre also, weshalb diese Journalisten ihren eigenen Geschmack niederknüppeln, sobald ihn ein Bundespräsident praktiziert. Ist’s ein überkompensierter Minderwertigkeitskomplex? Heimliche Sehnsucht nach einem repräsentativen Funktionärsadel – statt des allgegenwärtigen Pofallatums?

Jedenfalls – von den mageren Löhnen in Deutschlands Elite-Redaktionen bringt’s kaum jemand zu einer Altbauetage auf dem Prenzlauer Berg. Und die wenigen, die soweit kommen, sind ganz und gar kein Maßstab, allenfalls wirken sie als Fata Morgana für Volontäre. Kurzum, Jan Fleischhauer, deine mediale Geldelite aus toscana-verwöhnten Linksintellektuellen, die dir wieder mal wieder durchs Kleinhirn spukt und deine Restvernunft verwirrt, die ist auch nur so’n reihenhäuslerisches Vorurteil ohne jedes Echtholz-Parkett …

Scheininnovation

Mittwoch, 11. Januar 2012

So heißt im Pharmabereich die Methode, einen Ladenhüter in leicht veränderter Verpackung als ‘dernier cri’ anzupreisen, um satte Windfall-Renditen weiterhin einzustreichen. Ähnlich geht jetzt der Cicero vor, wenn er uns das ‘Wachstum’ als NEUE und brandheiße liberale Leitidee andienern will, so als ob die Liberallas nicht seit Jahrzehnten schon an den Fetisch Wachstum so fest glauben, wie der Katholik an die Jungfrauengeburt:

“FDP-Parteichef Philipp Rösler kann die neue liberale Leitidee „Wachstum“ nicht richtig verkaufen.”

Das Problem liegt doch wohl eher darin, dass noch nicht einmal ein Weizsäcker oder ein Obama die ausgeleierte Wachstumsplatte den Bürgern als ‘neue’ Leitidee und als kommenden Hit verkaufen könnte …

Journalismus vor großer Zukunft

Montag, 09. Januar 2012

Nur das Berufsbild wandelt sich etwas: “Sexy-Model-Po-und-Pannen-Journalist” …

Alarm!

Sonntag, 08. Januar 2012

Islamisten übernehmen die Macht in Ägypten.” Fehlt nur, dass auch in der Bundesrepublik gläubige Christdemokraten die Regierung übernähmen …

Es wird immer schlimmer!

Sonntag, 08. Januar 2012

Bundespräsident Wulff soll seiner Bäckersfrau ebenfalls gedroht haben. Heißt es jedenfalls in jenen Kreisen, die uns täglich aus saurem Teig süße Konditorware zaubern.

Sic!

Mittwoch, 04. Januar 2012

Das ist, glaub’ ich, oft das Problem: Journalisten und Politiker verwechseln unmoderierte prollige Leserkommentare mit “dem Internet”.

Und wenn ihr höchsteigener, journalistischer Online-Auftritt nur noch mit der Klobürste bewaffnet zu betreten ist, dann schreien sie: “Da kann man doch mal sehen – so ist das Netz!”. Dabei ist dieses krakeelende Publikum Fleisch von ihrem Fleische, das auf den Petrischalen gewisser Presseerzeugnisse ungestört wuchern durfte …

Satire trifft Realität

Sonntag, 01. Januar 2012

Nur die Schreiber, die von der ‘Titanic’ und anderen Hochburgen des Qualitätsjournalismus kommen, treffen medienanalytisch noch den Punkt:

“Dass Deutschland, wie ich eben im Online-„Spiegel“ lese, zum Billiglohnland verkomme, in dem nicht nur ostdeutsche Friseurinnen, sondern auch westdeutsche Bäcker mit weniger als acht Stundeneuro auszukommen haben, hat der Print-„Spiegel“, wenn mich nicht alles täuscht, 15 Jahre lang ausdauernd als reformerische Notwendigkeit bekräht; und jetzt haben die Bäcker, Friseure und alle, die von ihren Löhnen nur eben so durch den Monat kommen (und an Rente nix zu erwarten haben), nicht nur den Schaden, sondern auch noch die Spottgeburt einer Presse auszuhalten, die das, was sie selbst angerichtet hat, noch als Skandal verkauft.”

Vergangen, vergessen, vorüber … dieser alte Trost des schnellfertigen Tagesjournalismus funktioniert nicht mehr so zuverlässig wie Anno Dunnemals im Print 1.0. Und solche langen Sätze waren damals auch noch nicht erlaubt …