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Bürgerliche Werte?

Donnerstag, 10. März 2011

Im Kielwasser des Guttenberg-Plagiats wurde auch der Verrat der Christdemokratie an ‘bürgerlichen Werten’, an der Wissenschaft und an der ‘Bedeutung der Bildung’ verhandelt, als ob eine solche Trias ausgerechnet in dieser bürgerlichen Doppelpartei zu finden wäre. In Wahrheit treibt jene Klientel, die diese Partei trägt und wählt – dies sei hier als Gegenthese formuliert – vor allem derart viel spießbürgerliche ‘Geschäftigkeit’ um, dass ihr für jene unverzichtbare Muße, die Bildung und fundierte Wertereflexion nun mal erfordern, gar keine Zeit mehr bleibt. Generell sind die so genannten bürgerlichen Werte heute in keiner Partei daheim.

Betrachten wir die Literatur als jene Kulturgattung, die gesellschaftliche und bürgerliche Werte primär verhandelt, zumindest seit die Kirchen ins Transzendente abrauchten, dann gibt es eine Fülle von Belegen, dass gerade die ‘Bürgerlichen’ mit Wertfragen und Bildungsstreben nie etwas am Hut hatten. Aus den Reihen der Christdemokraten stammt eine Fülle legendärer Zitate, die uns schlicht zeigen, dass deren repräsentative Figuren nie etwas lasen, bevor sie davon zu reden meinten – ganz ähnlich, wie es dem Baron mit seiner Dissertation erging. Da wäre zum Beispiel der CDU-Bundespräsident Karl Carstens:

“Ich fordere die ganze Bevölkerung auf, sich von der Terrortätigkeit zu distanzieren, insbesondere auch den Dichter Heinrich Böll, der noch vor wenigen Monaten unter dem Pseudonym Katharina Blüm ein Buch geschrieben hat, das eine Rechtfertigung von Gewalt darstellt.” (Spiegel 34, Nr. 10, 7, v. 3. März 1980)

Ach ja, falscher Name, aus der Luft gegriffenes Pseudonym – vom schlechten Deutsch bis zu den erfundenen Fakten ist an diesem Satz so ziemlich alles widerwärtig. Stark im Vergleich und schwach in den Belegen war auch der CDU-Außenminister Heinrich von Brentano:

“Sie waren der Meinung, daß Bert Brecht einer der größten Dramatiker der Gegenwart sei. … Aber ich bin wohl der Meinung, daß die späte Lyrik des Herrn Brecht nur mit der Horst Wessels zu vergleichen ist.”

Meinungsfreudig, dafür aber ungebildet – so lautet auch hier der Befund. Bei seiner spätlyrischen Scheinpräzisierung dürfen wir getrost davon ausgehen, dass unser Herrenreiter weder die späte noch die frühe Lyrik jemals las.

Ich könnte jetzt fortfahren mit Bundeskanzler Ludwig Erhard, der alle Schriftsteller mit “kleinen Pinschern” verglich, “die in dümmster Weise kläffen”. Bis hin zu den “Ratten und Schmeißfliegen” des seligen Herrn Strauß. Kurzum – Literatur, Wissenschaft, Kunst, Bildung und bürgerliche Werte waren in den bürgerlichen Parteien niemals in guten Händen.

Selbst dort, wo Geist und Konservatismus doch zeitweilig Hand in Hand zu gehen schienen, wie im Falle von Thomas Mann, da stellte sich nachträglich heraus, dass – igittigitt! – auch dieser Nobelpreisträger und Großschriftsteller peinlicherweise nur die größte Repräsentunte deutschnationalen Geistes gewesen war.

Kurzum: Bei denjenigen, die Bildung und bürgerliche Werte im Parteischilde führen, war die Geistferne schon immer inbegriffen. Insofern ist der Freiherr von Guttenberg auch kein Ausreißer, sondern der würdige Erbe eines fortdauernden Mentalzustands innerhalb der Union.

Jeder Popel dichtet

Sonntag, 25. Juli 2010

Literatur ist nicht immer ‘Hochliteratur’, und sie existiert auch nicht zwangsläufig nur in Büchern. Selbst noch die grenzdebilen Hackfressen rechtsextremistischer Organisationen erdichten sich eine Welt, die nach Gesetzen von Marvel-Helden-Comics in kackbraunem Gewand funktioniert. Mit einem Conan, also einem rachedürstenden, allmächtigen Wundertäter (oder Führer) immer vorneweg, der die Welt mit seiner treuen Gefolgschaft zu retten hat. Im Kern aller rechten Mythen ersetzt eine revolutionäre Philosophie der Tat das Denken – bloßes Losschlagen, und alles wird gut: ‘Aufräumen’ wird man mit dem verhassten System, ‘Rausschmeißen’, was einem nicht passt, öffentlichen Widersprüchen endlich ‘das Maul stopfen’, ‘Niederreißen’ all das, was dem Machtrausch des braunen Gesocks im Wege steht. Das allein wären dann schon jene ‘nationalen Taten’, deren poetische Kraft wiederum geeignet ist, einem entfesselten Germanentum im Bierqualm obskurer Gasthäuser die braungestreiften Höschen zu feuchten.

Wir haben hier also die literarisch verpackte Philosophie des Wirtshausschlägers vor uns, blanke Destruktion, die sich an Blut und Trümmern ergötzt. Die Frauen hätten – nebenbei bemerkt – in dieser Welt eher die Aufgabe, dem erschöpften Krieger nach der Schlacht die Beulen und die erhitzte Visage zu kühlen. Ein Endzeit-Szenario, wie wir es aus trivialen SF-Romanen oder auch aus Computerspielen kennen, eine schlicht erdichtete oder hormonell zusammenphantasierte Welt für den muskulösen Kämpfer mit der Knarre in der Hand … eine Welt, die an utopischer Kraft gewinnt, je häufiger man sich an ihr delektiert und sich als ‘Kameradschaft’ in seinem Wollen kollektiv zutrinkt. Die reale Machtlosigkeit des Pöbels erträumt sich eine ‘verkehrte Welt’. Letzteres wiederum ein uraltes Motiv der Weltliteratur …

Vor der Wirklichkeit versagt der national-fiktionale Plot natürlich: Allein die Frage, wie man dieses ‘Ausländer raus!’ denn durchführen wolle, dann, wenn diese Ausländer längst in der dritten Generation mit deutschem Pass als gute Deutsche in diesem Toitschland leben – die fordert all diese Haudegen intellektuell dermaßen, dass wir die Synapsen britzeln hören. In der Tat läuft die einzig mögliche Antwort solch strunzblinder Aktionisten – die allerdings dann nicht öffentlich werden darf – natürlich logisch zwangsläufig wieder auf Armageddon, auf KZ und Vergasen hinaus. Es sind Tat-Besoffene und Barbaren der Jetztzeit, die sich um Kopf und Kragen delirieren.

Trotzdem ist auch deren Welt natürlich eine ‘Dichtung’, die solange kohärent erscheint, wie man in ihr gefangen ist: Wir haben es beim Rechtsextremismus mit der kollektiven Rezeption einer völkischen Literaturgattung zu tun, mit einem Mythos, geboren u.a. aus Landserheftchen und Heldenromantik. Wissenschaftlich, also beim ‘proof of the cake’,  haben all diese erdichteten Rachephantasien bisher keine Kapazität jenseits der Maulwurfperspektive hervorgebracht, nichts, was in irgendeiner Form intellektuell satiskationsfähig wäre. Und ästhetisch kommt auch nur ein Frank Rennicke dabei heraus, der zwar den Ton des Bierzelts zu treffen weiß, aber keine Töne. In Hinsicht auf Wissenschaft und Ästhetik war der Rechtsextremismus schon immer impotent.

Die geforderte ‘sozialromantische Tat’ muss sich, weil wirklichkeitsflüchtig, dann ersatzweise fiktional in poetischen Szenen und Drehbüchern ausleben, die aber visionär niemals weiter reichen als bis zum ‘Endkampf’ und vielleicht einer erträumten Siegesfeier danach, mit Wein, Weib und Gesang. In praktischer Vorwegnahme dieses Paradieses erfreut man sich gelegentlich schon mal an einem höchstselbst zusammengeprügelten Ausländer, einem Punker oder sonstigem Penner …

Kurzum – Rechtsextremismus ist vor allem eins: schlechte Literatur!

Dank den Homosexuellen:

Freitag, 21. Mai 2010

Wo die Weltliteratur stünde, gäbe es keine Schwulen oder Lesben in ihren Reihen, ist ziemlich klar: Sie wäre wesentlich ärmer. Eine erstaunliche Anzahl von Schriftstellern und Schriftstellerinnen war mehr oder minder bekennend ‘andersherum’. Man soll aber die Kausalität nicht verdrehen: Nicht das Schwulsein fördert literarische Kompetenzen, wohl aber fördert eine exzentrische Position, die ein Mensch auf Grund seiner sexuellen Präferenzen im Leben einnimmt oder einnehmen muss, den ‘literarischen Blick’, die andere Sicht auf die Dinge. Hier aus dem Kopf eine kleine Liste von Autoren, die heute weithin unbestritten als homosexuell gelten (Fragliche mit Fragezeichen):

Aristoteles
Wystan Hugh Auden
James Baldwin
Herman Bang
Roland Barthes
Johannes R. Becher
Brendan Behan
Paul Bowles
Clemens Brentano
Rétif de la Bretonne
Arnolt Bronnen
William S. Burroughs
Samuel Butler
Truman Capote
Bruce Chatwin
John Cheever
Jean Cocteau
Joseph Eichendorff
Hanns Heinz Ewers
Hubert Fichte
Michel Foucault
Friedrich der Große [?]
Garcia Lorca
Jean Genet
Stefan George
Nicolai Gogol
Julien Green
August Wilhelm Iffland
Hans Henny Jahnn
Heinrich von Kleist [?]
Leonardo da Vinci
Golo Mann
Klaus Mann
Thomas Mann
W. Somerset Maugham
Karl May [?]
Herman Melville
George Meredith
Michelangelo
Molière
Pier Paolo Pasolini
Roger Peyrefitte
August Graf von Platen
Plato
Marcel Proust
Fritz Joachim Raddatz
Gregor von Rezzori
Arthur Rimbaud
Sappho
Sokrates
Gertrude Stein
Lytton Giles Strachey
Mutsuo Takahashi
Paul Verlaine
Gore Vidal
Oscar Wilde
Thornton Wilder
Johann Joachim Winckelmann
Ludwig Wittgenstein

Die Liste ist sicherlich unvollständig, jede homophobe Literaturrezeption würde jedoch mit Sicherheit große Lücken in unser kulturelles Selbstverständnis reißen. Eine weitaus vollständigere Liste findet sich übrigens hier …

Schöne Sätze

Dienstag, 04. Mai 2010

Die Literatur ist dem Bourgeois eine Tatsache, die ihm die Tiefe seines eigenen Denkens vorspiegelt.”
(Walter Mehring: Ketzerbrevier, Vorrede)

Lieber Herr Reich-Ranicki!

Mittwoch, 02. Dezember 2009

Sie sagen, der fundamentale Unterschied zwischen der Literatur und dem Journalismus bestünde darin, dass die Literatur immer ‘über sich hinausweise’. Der Journalismus dagegen dürfe ums Verrecken nichts ‘zwischen die Zeilen schreiben’; schriftstellerisch gesehen beschränke sich der Tagesschreiber auf die Textoberfläche.

Gegenrede: Großen Journalisten – Börne, Heine, Gutzkow, Kerr, Harden, Polgar, Schubart, Roth, Enzensberger, Tucholsky usw. – denen gelang es immer auch, einen Subtext unter der flachen Textoberfläche des Offensichtlichen und im Dickicht der Metaphern zu verstecken. Wo der kundige Leser dann im Halbdunkel die erwünschte Bedeutung herauslesen kann, nicht aber bspw. der dumpfe Zensor. Ich denke daher, auch der Journalist muss es wieder lernen, wie ein Literat ‘zwischen die Zeilen’ zu schreiben, jedenfalls dann, wenn er anspruchsvoll oder zum ‘Qualitätsjournalisten’ werden, oder aber, wenn er großen Vorbildern gleichen will. Der Journalismus muss schlicht wieder intelligenter werden. Ein guter Text weist immer über sich hinaus, das ist in jedem literarischen Genre sein meisterliches Merkmal:

“Literatur besteht darin – hat jemand irgendwann behauptet -, dass man etwas sagt und etwas anderes meint. Besser wäre es: dass man mehr meint, als man ausgedrückt hat. Das ist sehr primitiv, aber ganz falsch ist es nicht. Worauf der doppelte Boden abzielt, das wird üblicherweise anders genannt: Man spricht von der Zeichenhaftigkeit der Literatur. Oder auch: Der literarische Text weist über sich hinaus.”

Handlung maßlos überschätzt!

Freitag, 21. August 2009

Du weißt gar nicht, wat ich allet erlebt habe“, sagte die Frau meines Cousins oft zu mir, „wenn ich dat allet mal aufschreiben würde, woll, dann wär’ dat’n dicket, spannendes Buch“. Ähnlich wie sie überschätzen viele, die nie geschrieben haben, die Macht der realen Ereignisse und der ablaufenden Handlung. Das äußere Erlebnis oder das Geschehen ist noch längst keine Literatur, eine Erzählung ist keine Nacherzählung.

Im Kern lässt sich erzählende Literatur in zwei Kategorien teilen. 1. In solche, die vor allem oder allein Wert auf die Handlung legt: Von Jerry Cotton über Karl May und Tolkien bis hin zu Rosamunde Pilcher. 2. Und in solche, die vor allem die innere Entwicklung (oder die Nichtentwicklung) einer oder mehrerer Personen ins Zentrum stellt. Darauf aufbauend könnte man auch flapsig eine soziologische Theorie der Literatur formulieren – mit dem Kernsatz: “Handlung ist für Doofe“. Obwohl es natürlich Zwischenformen gibt wie bspw. Henning Mankell, der bei aller Handlung dem Innenleben seines Kommissars Wallander großen Raum gibt, was dann zusammen mit den blutigen Schnetzelarien den besonderen Reiz und Erfolg dieser Krimis ausmacht.

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Fünfmal um den Blog

Mittwoch, 29. Juli 2009

Ein neuer Vorstoß in unbekanntere Blog-Gefilde. Heute soll’s hier Artverwandtes geben – wir besuchen also einige jener Blog-Wigwams, die über und über mit Buchstaben und Satzzeichen bedeckt sind.

1. Die Protextbewegung ist derzeit vor allem eine Bande wilder Weiber von den Weiden des Westens, die sich für vernünftige Preise und lesbare Qualität bei der Textproduktion einsetzen. Da das Textbewusstsein in Deutschlands Unternehmen – mit wenigen Ausnahmen – derzeit auf breiter Front den eingeseiften Content-Hang hinabrauscht, ist ein solcher Einsatz sicherlich aller Ehren wert. So weit ich das verstanden habe, steht diese Netzlobby übrigens auch Testikelträgern offen.

2. Kristins Sprachblog kümmert sich um die Feinheiten grammatischer Sprachverbiegungen und -verbeugungen, um Lautverschiebungen und noch so allerlei, von dem ich bisher noch gar nicht wusste, wie fadenscheinig mein Wissensteppich an diesen Stellen ist. Geradezu akribisch wird mir meine Ignoranz vor Augen geführt. Die Sprache, das lerne ich daraus, ist doch ‘ein weites Feld’ (Fontane) …

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Literatur und Journalismus

Montag, 27. Juli 2009

Das folgende Gebritzel macht keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Es sind nur einige Definitionen, die ich mir für den Privatgebrauch gebastelt habe, um selbst klarer zu sehen. Wer’s ebenso sieht, der darf das allerdings gern tun:

Ein Schriftsteller erzählt. Der Journalist nennt sein Erzählen hingegen ‘Berichterstattung’. Was zeigt, dass er sich willentlich in eine Bürokratie geflüchtet hat – vor allem wohl um des Pensionsanspruches willen.

Alle journalistischen Stilformen sind bloße Gebrauchs-literatur – unter dem Diktat ihrer unmittelbaren Verkäuflichkeit: Ob nun Artikel, Reportage, Feature, Feuilleton usw.

Journalismus ist damit – ganz altmodisch und marxistisch formuliert – ‘Literatur als Ware’.

Zwischenruf: “Journalisten nennen die Einförmigkeit und Plattheit ihrer Eindrücke Erfahrung und sie sind stolz darauf, dass sie nicht mehr vor der Welt stehen, wie vor einem Rätsel, sondern wie vor einem Schundroman in Fortsetzungen” (Horkheimer).

Kommunikation ist immer eine Schwundstufe des Erzählens. Der Kommunikation unserer Kommunikationsexperten wurde – erzählerisch gesehen – alle Sinnlichkeit und Bildlichkeit systematisch ausgetrieben, unter anderem durch Abstraktion (wie zum Beispiel in diesem Satz).

Journalismus besteht aus automatisierten Schreibvorgängen. Der Lego-Stein jeder medialen Realitätskonstruktion ist hierbei die Phrase, also das, was man sich gar nicht mehr vorstellen mag: “Deutschland kämpft mit der Rezession.

Die Phrase ist die abgedankte Vorstellungskraft zugunsten des Wohl- und Klingklangs. Gewissermaßen ein ‘Sprachkrebs’, der bspw. Politikern hilft, eine Realität zu beschreiben, die sie gar nicht in der Lage sind, zu erfassen.

Im Journalismus darf keine Formulierung ganz und gar ‘unerhört’ sein. Die resultierende Monotonie der Stanzenproduktion wird gern ‘Nähe zum Publikum’ genannt.

Im Interview trifft die Fachblindheit des Experten auf das naive Vorwissen eines Fragers. Ist der Anverwandlungsprozess gelungen, wurde aus dem ‘Wissen’ ‘Information’. Letztere wiederum ist die publizistische Ware überhaupt, die dank eines weltweiten Überangebots inzwischen so wohlfeil ist wie Sand in der Sahara.

Für Journalisten sind literarische Mittel so etwas wie das Zeitungspapier, mit dem die gewieften Informationsbroker ihren Fisch umwickeln. Der Fisch bleibt Fisch. Und das Ornament bleibt immer nur ein totes Ornament.

Zwischenruf:Keinen Gedanken haben, aber ihn ausdrücken können, das macht den Journalisten” (Karl Kraus).

Die Wahrheit gibt es weiterhin nur in der Literatur.

Suff und Story

Freitag, 03. Juli 2009

Wer schreibt, der säuft – zumindest in einer unübersehbaren Zahl von Fällen. Die Reihe großer Schreiber, die dem Alkohol in leberschädigendem Ausmaß zusprachen, ist so lang, dass es schwer ist, hier noch von Zufall zu sprechen. Die Enthemmung des Schreibhandelns durch den Schnaps, der literarische Zwang zur Selbstentblößung, die ewige Angst vor dem Kreativitätsverlust – dies alles und noch viel mehr spielen in der Literaturproduktion eine überragende Rolle. So dass der Griff zur tröstenden Flasche nahe liegt …

Mir fallen hier aus dem Stand überhaupt nur zwei namhafte deutsche Autoren ein, die ich unbesehen zu den Abstinenzlern zählen würde: Hermann Hesse und Thomas Mann, beides auch eher ein Trockengemüse des Lesevergnügens. Denn natürlich wächst mit dem Promillegrad auch die Neigung zu Sarkasmus, Spott, Ironie und bösartigen Wortspielen, die den Leser dann wiederum höchlichst erfreuen.

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Blogschreiber: Don Alphonso

Freitag, 22. Mai 2009

Als Beispiel für den neuen Stil, der durch das Web 2.0 in die schreibende Zunft Einzug hält, wähle ich einfach mal einen stark kommentierten Beitrag aus den FAZ-Blogs. Don Alphonso stellte ihn am 18. März 2009 dort ein – unter dem Titel „Klassenkampf oder was davon übrig ist“.

In seinen Beiträgen dort – wie auch anderswo – gefällt sich der Don in der Rolle eines vermögenden Sohnes aus der Haute Bourgeoisie, selbst allen materiellen Sorgen enthoben, der trotzdem unentwegt bereit ist, auch gegen den Stachel der Upper Class zu löcken. Folgerichtig beginnt der Artikel mit einem revolutionären Mission Statement, das der arglose Leser nicht ausgerechnet in seiner kreuzkonservativen FAZ zu lesen erwarten durfte:

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