Artikel mit ‘Literatur’ getagged

Suff und Story

Freitag, 03. Juli 2009

Wer schreibt, der säuft – zumindest in einer unübersehbaren Zahl von Fällen. Die Reihe großer Schreiber, die dem Alkohol in leberschädigendem Ausmaß zusprachen, ist so lang, dass es schwer ist, hier noch von Zufall zu sprechen. Die Enthemmung des Schreibhandelns durch den Schnaps, der literarische Zwang zur Selbstentblößung, die ewige Angst vor dem Kreativitätsverlust – dies alles und noch viel mehr spielen in der Literaturproduktion eine überragende Rolle. So dass der Griff zur tröstenden Flasche nahe liegt …

Mir fallen hier aus dem Stand überhaupt nur zwei namhafte deutsche Autoren ein, die ich unbesehen zu den Abstinenzlern zählen würde: Hermann Hesse und Thomas Mann, beides auch eher ein Trockengemüse des Lesevergnügens. Denn natürlich wächst mit dem Promillegrad auch die Neigung zu Sarkasmus, Spott, Ironie und bösartigen Wortspielen, die den Leser dann wiederum höchlichst erfreuen.

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Blogschreiber: Don Alphonso

Freitag, 22. Mai 2009

Als Beispiel für den neuen Stil, der durch das Web 2.0 in die schreibende Zunft Einzug hält, wähle ich einfach mal einen stark kommentierten Beitrag aus den FAZ-Blogs. Don Alphonso stellte ihn am 18. März 2009 dort ein – unter dem Titel „Klassenkampf oder was davon übrig ist“.

In seinen Beiträgen dort – wie auch anderswo – gefällt sich der Don in der Rolle eines vermögenden Sohnes aus der Haute Bourgeoisie, selbst allen materiellen Sorgen enthoben, der trotzdem unentwegt bereit ist, auch gegen den Stachel der Upper Class zu löcken. Folgerichtig beginnt der Artikel mit einem revolutionären Mission Statement, das der arglose Leser nicht ausgerechnet in seiner kreuzkonservativen FAZ zu lesen erwarten durfte:

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Literaturquiz: Wer war das?

Donnerstag, 14. Mai 2009

Normalerweise bringt man den gesuchten Mann eher mit Haidnischem, mit Lokaljournalismus und Schnapsaventüren in Verbindung. Als dieser Unglückswurm im hohen Alter von 48 Jahren, gejagt von Pfändungsbeschlüssen, als Ungedienter und abgefüllt mit nationaler Begeisterung in den Krieg zog, da traf ihn sozusagen gleich die erste Kugel. Die Nazis bestatteten später an seiner Stelle einen ‘Pappkameraden’, den sie irgendwo aus einem Schützengraben bei Reims buddelten. Bald darauf betteten sie, aus Gründen der Skandalvermeidung, diesen Kadaver gleich dreimal um. Trotzdem meinen die lodengekleideten Verehrer ihrem Idol an jenem Findling ganz nah zu sein, obwohl sie doch nur am letzten Grab eines unbekannten Soldaten stehen.

Unser Frühverstorbener jedenfalls verfasste prophetische Texte wie diesen:

“Eine Macht muß die Naturschutzbewegung werden, eine solche Macht, daß die Industrie, der Handel und der Verkehr, der Ackerbau und die Forstwirtschaft mit ihr rechnen müssen. Vielfach hat man ihnen zuliebe sich in ganz unnützer Weise an der Natur versündigt, und wenn wir sie hindern, solche Sünden weiter zu begehen, so werden wir heute vielleicht Hohn und Spott ernten, die Nachwelt aber wird es uns danken”.

Meinen Sie etwa, Schriftsteller bewirkten nichts?

Dienstag, 30. September 2008

Was für ein Quatsch! Als Oscar Wilde wegen Sodomie – heute sagt man wegen ‘homosexueller Handlungen’ – ins Gefängnis einfuhr, da fuhren noch in der gleichen Nacht 600 britische Gentlemen der besseren Kreise Hals über Kopf per Schiff nach Frankreich – statt der 60, die sonst üblich waren.

(n. U. Schultz: Große Prozesse. München 2001)