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Intellektual-Muckefuck

Dienstag, 27. September 2011

Was waren die beherrschenden Themen der letzen Woche? Klar, Papstbesuch und Eurokrise. Prompt funzelt unserem Schreiber dann noch verblasstes Studentenwissen über Max Webers innerweltliche Askese durchs strapazierte Denkgeschwür, und dass es – oho!, aha! – dem protestantischen Finnland ja heute erheblich besser ginge als dem Bunga-Bunga-Italien des Messknaben Berlusconi – fertig ist der große Meinungsartikel für Deutschlands Leitmedium, ein echter Fleischhauer mal wieder.

Dabei erwiese sich dessen Pose als Max Weber 2.0 schon an der Stelle als lächerlich, wo er uns erklären müsste, weshalb das bajuwarische Jesuitenbabel faktisch so viel besser dasteht als der dröge Calvinistenstall zu Bremen. Ganz abgesehen davon, dass heute in den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen der Welt gar keine bilderstürmenden Zwingli-Jünger wohnen, sondern kuhheiligende Hindus und weltweise Konfuzibussis … anders ausgedrückt: Fleischhauers Welt säuft regelmäßig ab wie ein Bügeleisen im Hafenbecken, sobald man über seine Prämissen nachzudenken beginnt. Was viele der Kommentatoren dort nachweislich nicht tun …

Max Weber hat doch recht

Donnerstag, 22. Juli 2010

Die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung bedeutet (…) nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht. Sondern sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran: daß man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, daß es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, die da hineinspielen, daß man vielmehr alle Dinge – im Prinzip – durch Berechnen beherrschen könne. Das aber bedeutet die Entzauberung der Welt. (…) Dann allerdings könnte für die ‘letzten Menschen’ dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz, dieses Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.” (Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus)

Tscha – weit haben wir’s gebracht! Wenn diese typischen Figuren unserer durch und durch rationalisierten Moderne dann – dumpfschmerzlich ihren existenziellen Mangel empfindend – sich an einer erneuten ‘Verzauberung der Welt’ versuchen, dann reicht ihre kulturelle Potenz, historisch gesehen, entweder nur zu einem mythosbesoffenen Nationalsozialismus im wagalaweienden Wagnerkostüm oder zu einem schlechterdings tierisch-egoistischen Mammonismus, der sich aus Mangel an Geist über seine erbärmliche Existenzweise gleich gar keine Gedanken mehr zu machen pflegt …

Denkfutter

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Was sagt eigentlich Max Weber zu den Ursachen der Finanzkrise? Nun, diese Stimme aus der Vergangenheit hält sich an die Realien, daran, wie diese Figuren überhaupt entstehen und zum Massenphänomen werden konnten. Romanfiguren muss man ganz ähnlich ‘aus den Bedingungen’ heraus entwickeln:

“Wenn wir uns ganz deutlich ausdrücken wollen, so ist der Dampf, der diese Handelshochschulen macht, doch eigentlich immer der Umstand, daß die Kommis gern satisfaktions- und damit reserveoffiziersmäßig sein möchten: ein paar Schmisse ins Gesicht, ein bißchen Studentenleben, ein bißchen Abgewöhnung der Arbeit – alles Dinge, bei denen ich mich frage, ob wir denn damit, wenn sie unserem kaufmännischen Nachwuchs anerzogen werden, den großen Arbeitsvölkern der Welt werden Konkurrenz machen können.”