Artikel mit ‘Medienwandel’ getagged

Des Pudels Kern

Donnerstag, 22. März 2012

Nehmen wir Lautstärke einfach mal als Indiz fürs Engagement, dann erfahren wir hier, worum es der Content-Industrie beim ‘Leistungsschutzgesetz’ vor allem anderen geht. Es geht um die Höchststrafe für kleine Pinscher, die sich erfrechen, jenen billigen Content zu kopieren, den diese Industrie zuvor den eigentlichen Urhebern abgegaunert hat:

“Im Justizministerium wird derzeit an der Deckelung der Abmahngebühren gearbeitet. Die Rechteinhaber sprechen sich ausdrücklich dagegen aus. Wie zu hören war, müssen die Rechteinhaber richtiggehend getobt und gedroht haben, den Dialog zu verlassen, wenn die Deckelung umgesetzt wird.”

Überdurchschnittlich erfolglos

Mittwoch, 21. März 2012

Wer sich über den möglichen publizistisch-ökonomischen Effekt rechtspopulistischer Kurswechsel in seinen Redaktionen gleichfalls Gedanken macht, der möge sich zuvor dieses mäßige Resultat von geradezu Blocher’schem Format zu Gemüte führen:

“Die Basler Zeitung hat in den letzten fünf Jahren rund 50’000 Leser verloren. … Fazit aus der Charcuterie-Abteilung: Alles hat ein Ende, nur die BaZ ist mir Wurst.”

Auch Ideologien wechseln, und der Neoliberalismus hat seine ‘longue durée’ jetzt hinter sich: The times, they are a changin’ … so please get out of the new one if you can’t lend your hand.

Das dialogische Netz

Sonntag, 18. März 2012

Wer die Publikation von zehn editierten Leserbriefen für Partizipation hält, muss nachsitzen.”

Die Sache mit der Paywall

Dienstag, 13. März 2012

Tscha, doppelt gekniffen! Das Schlimmste aber ist, dass die gleichen Leute, die künftig kaum noch wahrgenommen werden, trotzdem Loblieder in die Tastatur hämmern müssen, wie superdupertoll doch dieses neu(gierig)e Leserbeglückungssystem aus dem Hause Madsack sei, vor allem für jenen Leser, der – lässt er sich drauf ein – prompt in Werbemails ersäuft wird:

“Als Journalist würde ich Zeter und Mordio schreien. Die Redakteure, deren Inhalt künftig nur noch von einem winzigen Staubkörnchenanteil der Bevölkerung gelesen werden, können ihre weitere Karriere in die Tonne kloppen – denn sie existieren im öffentlichen Diskurs nicht mehr. Madsack dürfte das nicht unrecht sein: So lassen sich Entlohnungen drücken.”

Aber was erwarten wir: Wo ‘Content’ zum ‘King’ wird, können Kunden und Leser nicht mehr König sein – und Schreiber nicht mehr Großvezire.

Die Reklame muss bezahlen!

Montag, 05. März 2012

Nach dem Willen unserer hochweisen Regierungskoalition sollen Suchmaschinen künftig dafür bezahlen, dass sie Verlagsinhalte populär machen. Da sie das begreiflicherweise nicht tun werden, gestalten Regierung und Verlage Medienangebote damit nur noch unpopulärer. Der Ansatz ist so, als sollten die Aufsteller von Litfass-Säulen dafür bezahlen, dass auf ihnen Plakate angebracht werden dürfen.

Das Ganze nennt sich “Leistungsschutzrecht”, was gleich auf drei Arten höherem Blödsinn gleicht: Erstens sind es nicht die “Leistungen” derjenigen, die diese erbrachten, die geschützt werden sollen, es sind die Makler, die auf ihre Firma einen Eintrag ins Grundbuch verlangen. Zweitens werden Leistungen, die für eine Öffentlichkeit bestimmt sind, nicht “geschützt”, sondern bestenfalls besser versteckt – was alle Anzeigenkunden bei abnehmender ‘Reichweite’ gewisslich zu honorieren wissen werden. Und drittens ist das ganze Gesetz derart grotesk und falsch, dass man es auch nicht “recht” nennen sollte … oder in den Worten von Stefan Niggemeier:

“Als müsste der Busfahrer dem Kirmesbetreiber Geld dafür geben, dass er die Kunden zu ihm bringt.”

Eine Million Meinungen

Donnerstag, 01. März 2012

Sind wir Deutschen wirklich ein einig Volk von Masochisten? Auf den Gedanken könnte kommen, wer Tartarenmeldungen wie die folgende liest:

Christoph Keese, ehemals Journalist und nun Cheflobbyist des Axel-Springer-Verlags, schreibt: “Gewerbliche Kopisten (stehlen) oft tausende Artikel auf einmal.”

Demnach gäbe es also Leute, die es zu ihrem ‘Gewerbe’ gemacht hätten, tausendfach banalste Zeitungsartikel zu rippen? Wobei zwischen ‘Kopieren’, ‘Lesen’ und ‘Klauen’ auch noch schlicht Gleichheitszeichen gesetzt werden? Bekloppter geht’s wohl nimmer! Das Problem der Zeitungen, die auch ich ein halbes Stündchen täglich vor dem Monitor konsumiere, besteht darin, dass es längst absolut genügt, einen einzigen Artikel zu lesen, um sie alle zu kennen. Die deutsche Publizistik befolgt das gute alte Alleeprinzip: Rechts ‘ne Pappel, links ‘ne Pappel, in der Mitte druckfrisch der Appel! Und der riecht auch noch komisch …

Nach der Lektüre einer Ausgabe der ‘Süddeutschen’ müsste ich schon zu hartem Stoff wie dem ‘Bayernkurier’ oder dem ‘Neuen Deutschland’ wechseln, um wirklich eine neue und andere Sicht auf die ewiggleichen Tagesmeldungen zu erhalten. Einige Zeitungen – wie die ‘Berliner’ und die ‘FR’ – sind dank ‘Zündikäjschen’ längst wortidentisch geworden. Wer also ‘tausendfach’ und freiwillig solche Artikel konsumiert, der verfügt über einen verdammt starken Magen, und dazu über Nerven wie Drahtseile. Anders ausgedrückt – das, was der Plakatmann unserer Verlegerzunft dort verkündet, ist analytisch schlicht Keese …

In Wahrheit ist es wohl so, dass sich die Individuen von Tageszeitungen und anderen Massenmedien zunehmend emanzipieren. Denn wegen der Anzeigen – einstmals ein echtes Kaufmotiv! – müssen sie keine Tageszeitung mehr erwerben, diese Anzeigen sind (bis auf die Todesanzeigen) längst ins Netz oder in Gratismedien abgewandert. Wozu also Pumpernickel abonnieren?

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die ‘Meinungsmache’ gleichgeschalteter und massenmedialer Zeiten oft auch einer ‘Blendung’ gleichkam. Immer galt es, aus Menschen ein ‘Volk’ oder eine ‘Herde’ zu formen. Die Zeitungen blökten uns vor, was die Besitzer gern hörten. Seit Hugenberg war ein manipulatives Verständnis von Publizistik vorherrschend – es hieß später nur netter, zum Beispiel ‘organisierte’ oder ‘formierte Öffentlichkeit’. Jetzt versagt plötzlich diese Dressur.

Ich kann an der neuen Freiheit des Publikums nichts Schlimmes finden, aber ich bin ja auch kein Verleger. Und wohin es uns führen wird, wenn sich jeder Mensch eine Privatmeinung zulegt, ist bisher weitgehend unerforscht. Das eigentliche Problem der Verleger aber sind die Verleger, vor allem diejenigen mit den kostenlosen Gratisblättchen, in denen außer Beilagen gar nichts Lesenswertes mehr zu finden ist:

„Die Edekas, Aldis und Lidls gehen mehr und mehr mit ihren Anzeigen aus den Tageszeitungen raus und machen lieber Beilagen in Anzeigenblättern“, sagt Tölcke.

Analog vs. Digital

Sonntag, 26. Februar 2012

Kaufe ich mir ein gedrucktes Buch, dann darf ich es einem Freund selbstverständlich ausleihen. Ich darf es nach der Lektüre aber auch verschenken oder weiterverkaufen.

Kaufe ich mir ein E-Book, dann darf ich es erstens nicht verleihen. Ich darf es nach der Lektüre aber auch nicht einfach verschenken oder weiterverkaufen. Allenfalls dürfte ich gnädigerweise die Datei des E-Books löschen.

So also stärkt das Netz einseitig die Rechte der Konsumenten …

Textaufgabe:

Sonntag, 12. Februar 2012

Nehmen wir einfach mal an, wegen der drohenden Strafbewehrung durch Acta würden sich zusätzliche dreißig Leser einen Artikel kaufen (nebst einem Kilo Altpapier), also jene dicke Zeitung in gedruckter Form, die täglich in einer Auflage von 120.000 Exemplaren zum Preis von 1,60 Euro deutschlandweit erscheint. Diese dreißig Leser würden also nicht länger in verbrecherischer Weise einen Artikel aus dem Internet auf ihren Bildschirm kopieren. Wie viele Euro hätte der Verfasser (als Urheber des Artikels) dann mehr auf seinem Konto?

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Montag, 06. Februar 2012

Stefan Niggemeier versucht sich an einer Verteidigung von Wolf Schneiders Internet-Kompetenz, ein Unternehmen, das der Quadratur des Kreises gleichkäme, wenn es Aussicht auf Erfolg besäße. Entsprechend laut schallt ein rezeptives Hallo durch jenen halben Kilometer Kommentarkorridor, der sich prompt nach diesem Wagnis geöffnet hat. In gereizten Wortmeldungen heißt es gleich mehrfach, an den Statements der jeweils anderen Partei könne man doch sehen, wie empfindlich diese zarten Blogger-Seelen gestrickt seien. Bis zum Horizont aber – von Detlef Gürtler über Christian Jakubetz bis hin zu Ulrike Langer, vom Heddesheim-Porthmann bis zu Stefan Niggemeier himself – tummeln sich vor meinen Augen dort nur gestandene Journalisten, die allerdings alle auch ‘online’ zu finden sind. Auf den Punkt gebracht: Hier streiten On-Off-Liner miteinander, ob ein nativer Offliner wie Wolf Schneider, der sich ohne Not aufs Glatteis des Web 2.0 begab, trotz notorischer Anfälle von Größenwahn immer noch Pietät verdient.

Sobald unsere Kombattanten auf andere Diskutanten wie Mimosen wirken, müssen sie sich Bloggerseelchen schimpfen lassen; bringen sie faktengestützte Argumente vor, umschmeicheln sie sich wechselseitig als wahrhafte Journalisten. Was aber der gemeine Nur-Blogger draußen auf der weiten Prärie zur großen Beckmesserei am Journalistenstammtisch sagt, das erfahren wir mal wieder nicht …

Augenlos in Blabla

Montag, 30. Januar 2012

Aus dem Wahlkreis Krähfeld kommt er, der Mann, der für die Unionsfraktion in der Enquetekommission “Internet und Digitale Gesellschaft” sitzt. Unser Ansgar Heveling führt dort den Beweis, dass ein konservativer Politiker alles halbwegs können muss – nur Ahnung von der Materie darf er keinesfalls haben. Schließlich müssen seine Verlautbarungen stets flutschig und ideologiekompatibel bleiben. Zu viel Wissen ist da nur hinderlich. Parteipolitisch ist es vor allem wichtig, überall ‘Kommunisten’ zu wittern, in diesem Fall sogar ‘Maoisten’. Die hausen heutzutage bekanntlich jenseits der digitalen Grenze, in einem düsteren Land Mordor, wo kein braver Hobbit mehr seines Lebens sicher sein kann.

Der Mann, dessen geistfernes Aussehen dem des neuen FDP-Generalsekretärs verblüffend gleicht, wird derzeit im Netz kübelweise mit Hohn und Spott übershittet – in diesem Fall unter dem Hashtag ‘hevelingfacts’. Aber nicht etwa deshalb, weil das Netz nun der Hort der Häme und des Hasses wäre, sondern weil die Einlassungen dieses analogen Auenländers im seligen Angedenken an Loriot längst ein nahezu Lottermann’sches Format gewonnen haben. Hier ein wenig O-Ton des Mannes, der es schaffte, sich mit einem einzigen Text zum Running Gag der Netzwelt zu machen, denn er schuf nun mal ungewollt den mit Abstand lustigsten Text über Netzpolitik. Von nun an dürfte der Mann nur noch zum Comedian taugen, für Internet-Themen ist er ähnlich verbrannt wie Krischan Wulff für Antikorruptions-Appelle:

“Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Bürger, auf zur Wacht!”

Tscha, immerhin – diese digitalen Horden sollen irgendwann wohl wieder abziehen, und auch nach Ansgars digitaler Apokalypse scheint weiterhin die Sonne am Himmel zu stehen. Also, Bürger, wer meldet sich freiwillig, um mit den Hevelingern in ihrem Gazastreifen auf Netzpatrouille zu ziehen?

Mitten im Shitstorm

Nachtrag – wenigstens steht er zu seiner zweiten Karriere als ‘Heinz Erhard des Internet’: “Ich würde meinen Gastbeitrag wieder genau so schreiben und veröffentlichen”, sagt Ansgar Heveling.