Artikel mit ‘Metapher’ getagged

Großes Daumenkino

Donnerstag, 19. Januar 2012

Den Titel des kreativen Metaphernklempners errang in dieser Woche ein Häuptling der niedersächsischen Wegschmelz-Partei, als dort im Landtag über die ‘Causa Wulff’ debattiert wurde. Dort trug ein gewisser Christian Dürr, FDP-Fraktionschef ausweislich der Titelei bei ‘Phönix’, in die dahinplätschernde Debatte höchst windschiefe Bildlichkeit hinein:

“Ihr moralischer Zeigefinger ist ganz großes Kino.”

Jawollja – wenn dem Zuschauer gar kein Bild mehr vor Augen tritt, weiß der am ehesten noch, was vermutlich gemeint wäre. Denn ewiglich versuchen diese oppositionellen Dreckschleudern doch nur, mit gerecktem Langfinger den argumentativen Bodensatz von ihrem trüben Lügengebräu zu schöpfen, um daraus politischen Honig zu saugen, während der doch bloß auf sie selbst zurückfällt! So ähnlich jedenfalls …

To whom it concerns …

Montag, 09. Januar 2012

Wenn Hans Wurst in zu große Schuhe steigt, sieht er aus wie Hansi Würstchen.

Stehen oder Gehen?

Freitag, 28. Oktober 2011

Merkel erwartet noch viele Schritte im Kampf gegen die Euro-Krise.”

Beste Frau Merkel, Schritte muss man (oder frau) auch machen. Wer, wie an einer Haltestelle, lässig und fahrplanfixiert den Bus nach Irgendwo im krisengeschüttelten Eurostan “erwartet”, der erwartet schlicht ein Niemals – ganz wie die Jungs im Theater den Godot. Allerdings kann Ihr sprachlich prognostiziertes Fehlverhalten natürlich wieder mal am bildfernen Focus-Stil und dessen burdadaistisch dahingehuschten Headlines liegen. Dem Verfasser, diesem “hei/dapd/dpa/AFP” aus dem Stamme der Patschwörker prophezeie ich jedenfalls eine große Karriere – da klingt schon alles haargenau wie die Zukunft des Journalismus …

Bimm, bamm, bumm!

Freitag, 21. Oktober 2011

Auf allen Redaktionssesseln reißen jetzt die Glöckner an den Seilen ihrer Lieblingsmetaphern, ganz so, wie es ihnen die große Stanzenhexe befahl, es ist zwölf Uhr mittags allerorten:

“Jetzt schlägt für das neue Regime die Stunde der Wahrheit.”

“Jetzt schlägt in Libyen die Stunde der Wahrheit.”

“Stunde der Wahrheit für das neue Libyen.”

Und so weiter, und so fort im großen Bimmbammborium … meine Zwiebel zeigt jetzt 9:30 Uhr, von einer ‘Stunde der Wahrheit’ weiß sie nichts.

Das steht da so!

Mittwoch, 05. Oktober 2011

Pofalla …, der raubeinige Garant für das Funktionieren einer bürgerlichen Koalition.”

Hej, ist jetzt alles erlaubt? Ist die Qualitätspresse im Zuge der Restrukturierung doch schon nach Fantasialand umgezogen? Der gequirlte Quark ist auch noch von der Tissy Bruns, die ich an besseren Tagen durchaus schätze, weil der Metaphernzirkus ihr dann aufs Wort pariert. Aber mit solchem Lob den Pofalla, diesen geborenen Würgeengel jeder Medialwirkung, zum John Wayne des schwatzgelben Regierungschaos’ umzutünchen? Und wo und wann hätte da jemals etwas funktioniert?

Aber okay – wenn’s im gedruckten Bereich schon gar nicht mehr drauf ankommt, backe ich mir auf der Stelle auch mal ein paar Gleichnisse von solch durchschlagendem Kaliber:

“Silvio Berlusconi, der geschmeidige Verteidiger von Sitte und Anstand im privaten Bereich.”

“Nicolas Sarkozy, der biedere und wackere Streiter für Wahrhaftigkeit und Offenheit in der Politik.”

“Josef Ackermann, der asketische Missionar eines neuen, konsequent gesellschaftlich orientierten Wirtschaftslebens.”

“Guido Westerwelle, der Meisterdenker eines zukunftsorientierten europäischen Rollenverständnisses in der Welt”

“Claudia Roth, die kühle, verstandesorientierte Rationalistin trennscharfer Analysen im parlamentarischen Raum”.

Wenn mir jetzt noch jemand sagt, was ich anstellen muss, damit mich nach solchen Sätzen noch jemand ernst nimmt …

Die Schülerlotsen

Freitag, 16. September 2011

Auf den Weg gebracht!” – kaum eine Plattitüde duftet so streng nach Parlament und Ausschusswesen, wie diese rundgeschliffene Perle des politischen Sprachgebrauchs: “Das Bundeskabinett hat gestern eine Änderung bei der Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen auf den Weg gebracht.”

Heute ist es nicht länger Hauptaufgabe der Politik, etwas zu erreichen oder ein Projekt bis ins Ziel zu bringen. Es genügt, ihm den richtigen Weg zu weisen, dann vielleicht noch ein kleiner Schubs, und schon muss das politische Baby auf eigenen Füßen gehen. Einer weiteren Bemutterung durch die Politik bedarf es nicht:

“Gut zwei Monate sind vergangen, seitdem der Bundesrat das Gesetzespaket zur Energiewende auf den Weg gebracht hat.”

Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich regelhaft die Schwachstelle dieser Stanze, ihre immanente Fragwürdigkeit: Denn warum hören wir in der Folge so rein gar nichts mehr von dem, was von solchen ‘Entscheidern’ einst auf den Weg gebracht wurde? Wie lang ist überhaupt dieser Weg? Ist ihn schon jemals jemand zu Ende gegangen? Und was wird am Ende vom Selbstläufer noch übrig sein?

Fragen über Fragen – die dann, diesem Sprachgebrauch zufolge, allesamt nicht mehr Aufgabe der Politik sind. Denn sobald eine Initiative ‘auf den Weg gebracht’ wurde, endet der politische Sektor. Obwohl die Leichen derer, die von der Politik auf den Weg gebracht wurden, zu Tausenden den Straßenrand säumen …

Leben in Absurdistan

Samstag, 06. August 2011

Nahezu alle Zeitungen machten gestern mit dieser oder einer ähnlichen Schlagzeile auf: “Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar.” – Nanu? Was war los?

Da gibt es also zahlreiche Unternehmen, die sich Stück für Stück und in ganz vielen Teilen (‘Aktien’) selbst an Spekulanten verhökert haben, weil die wiederum auf Dividende scharf waren. Diesen Unternehmenspapierchen (Sachwert etwa 2,5 US-Cent) wird auf Grund von Marktstellung, Patenten usw. ein gewisser zusätzlicher Wert zugeschrieben, der dann darüber entscheidet, wie reich der werte Anleger sich fühlt. So weit, so gut, so verständlich.

Nirgends aber sind plötzlich Billionen von Dollar geschreddert worden: Die Unternehmen produzieren heute weiterhin ihre Maschinchen, die Patente lagern gut verschlossen in den Tresoren, kein Fabrikgebäude ist abgebrannt, dem werten Anleger gehören noch immer unverändert die gleichen Bruchteile dieses Unternehmens. Das Einzige, was sich verändert hat, sind überkandidelte Ansichten von notorischen Zockern darüber, wie viel das wohl wert sein möge, was dort auf den Unternehmensgrundstücken herumsteht. Eine Blase aus illusionären Annahmen ist geplatzt, die heiße Luft ist raus, der Sachwert ist geblieben. Wir dürfen deshalb nicht annehmen, das in diesen ‘Bubbles’ jemals etwas ‘existiert’ hat, was jetzt ‘vernichtet’ worden sei. Einigen Zockern ist schlicht ihr Stapel aus Jetons geschrumpft. Letztlich war das alles doch nur Spielgeld … um mich für Journalisten verständlich auszudrücken: frei flottierendes Finanzkapital, ohne jeden produktiven Nutzen.

Gerade sehe ich, dass der Herr Lübberding das ähnlich sieht.

Untauglicher Versuch

Freitag, 29. Juli 2011

Ulf Poschardt versucht, Henryk M. Broder vor jenem ideologischen Tsunami zu retten, der aus Norwegens Fjorden derzeit auf unsere Rechtspopulisten zurollt. Dem Broder sei das gegönnt. Eine “Blamage” sei es, so Poschardt, wie mit Deutschlands wortmächtigstem Provokateur jetzt umgegangen wird. Natürlich mal wieder von den ‘Gutmenschen’. Um einem solch argumentativen Salto Mortale einen Anschein von Restplausibilität zu verleihen, bedarf es zunächst einer krassen und fast schon karikaturhaften Verzeichnung des schrecklichen Simplifikators zum streitbaren Humanisten:

“Wer in bewusster Verkennung Broders dessen anarchischen Humor und seinen kämpferischen Humanismus in den Zusammenhang mit einem Massenmord eines wohl persönlichkeitsgestörten Attentäters bringt, sortiert die Welt allzu simpel nach Gut und Böse und errichtet einen moralischen Hochsitz, von dem aus die Debatte herrschaftlich verwaltet werden soll.”

Über den Hochsitz als Verwaltungseinrichtung mögen Berufenere nachdenken. Ansonsten ist es ein altes Lied – die publizistische Herrschaft üben mal wieder die anderen aus, so als ob nicht jahrelang und in allen erreichbaren Kolumnen Islam und Islamismus über einen Kamm geschoren worden wären. Simpel wäre demnach nicht der Broder, simpel wären vielmehr die Kritiker, vermutlich jene linke Geistesverschwörung Hirnamputierter, die in Broders monothematischer Lego-Welt immer im Zentrum des narrativen Fäkabulierens steht … keinesfalls aber unser “Tag und Nacht hämmernder Polemikroboter der deutschen Publizistik”, der allen Affen so hingebungsvoll und säckeweise den Zucker in den Mors bläst.

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Oldies but Goldies

Donnerstag, 21. Juli 2011

Journalisten haben Lieblingsmetaphern, gern auch solche, die ihnen das Denken abnehmen. Hierzu zählt seit Methusalems Zeiten mit Sicherheit der ‘Paukenschlag’. Wenn der Leitartikler lautstark auf das geschundene Fell haut, dann gewinnt er – glaubt jedenfalls er – für das drögeste Thema die nötige Aufmerksamkeit. Hier einige Anwendungen, frisch aus unserer inhaltsleer daherdröhnenden Medialgegenwart:

“Energiepolitischer Paukenschlag in der Region.”
[Was ist los? Nichts ist los. Hohenlohe führt eine Bürgerbeteiligung beim Entscheid über Energieprojekte ein.]

Schon in wenigen Stunden beginnt die Comic Con 2011 in San Diego mit einem Paukenschlag. Der Cast aus der Twilight-Saga “Breaking Dawn” hat sich angesagt.
[Worum geht's? Semi-Promis besuchen nur halbwegs Interessantes.]

Der Paukenschlag von Rapinoe
[Ein haushoher Favorit schoss, wie erwartet, früh das erste Tor.]

“Paukenschlag in Vluyn: Die Feuerwehrleute wollen … mit einer Mahnwache – auf ihre Situation aufmerksam machen.
[Ein paar Männlein stehen rum - die Pauke macht dazu Bummbumm.]

“Ferienauftakt mit einem Paukenschlag: 204 Mädchen und Jungen beteiligten sich an erster Falkenseer Sommerakademie.”
[Wie die Ferienakademie mal fast ausgebucht war ...]

“Paukenschlag in Murrhardt. Bürgermeister Dr. Gerhard Strobel wurde nach acht Jahren erdrutschartig abgewählt.”
[Das Duisburger Modell: Ein Bürgermeister hielt sich - den Fakten zum Trotz -  für einen Sugar-Daddy.]

Resumée: Der ‘Paukenschlag’ im Journalismus funktioniert immer noch ähnlich probat wie bei Papa Haydn und seiner Symphonie mit dem Paukenschlag: Sobald das Publikum wohlig dahinzudösen beginnt, schlägt der Mann am Ochsenfell zu. Das Publikum schreckt hoch, denkt ‘Ach so!’ und versinkt wieder in medialen Dämmerschlaf …

Narben tun ja nicht weh …

Sonntag, 17. Juli 2011

Schon eher wirkt dies Gewebe wie eine schützende Hornhaut, da ist keinerlei Gefühl mehr drin: “Die Einsätze hinterließen Narben auf der Seele des professionellen Kämpfers.” Kitsch as Kitsch can … aber wer an blutende Seelen glaubt, mag zum Taschentüchlein greifen und schluchzen.