Artikel mit ‘Neologismen’ getagged

Neue Wörter für alten Quark

Montag, 06. Juni 2011

Was ist schon ein drohender GAU gegen die furchtbare “Verwindräderung Deutschlands”? Hinzu kommt noch die duftende ‘Güllesierung’ intakter Kühlwasser-Biotope durch zahllose Biogasanlagen, und die landschaftswürgende ‘Hypernetzung der Heimat’ mit strahlenden 380-kV-Leitungen. Nicht wahr, Herr Wort-Schmid …?

Gesundheitsprämie

Donnerstag, 18. März 2010

Bekanntlich gefällt unseren Liberalen das Wörtchen ‘Kopfpauschale’ nicht so gut. Zu nahe liegt es semantisch in der unerwünschten Nachbarschaft von ‘Kopfgeld’ oder gar im renditesüchtigen Beritt abschlussorientierter ‘Kopfjäger’ privater Krankenversicherungen. Also schufen die Mitglieder unserer schwarzgelben Drückerkolonne den Euphemismus der ‘Gesundheitsprämie’. Mit wahrhaft durchschlagendem Erfolg:

“Ergebnisse 11 – 14 von 14 für Gesundheitsprämie. (0,11 Sekunden)”

So viel für heute zum Thema ‘Wirksamkeit von PR-Maßnahmen’ …

Neudeutsch

Mittwoch, 06. Januar 2010

Das heißt jetzt nicht mehr “Steuersenkungen”, das heißt “geistig-moralische Wende”. Basta!

Verwandlung durch Wandel

Freitag, 27. November 2009

Mein Freund Udo kam Anfang der 80er Jahre aus Poona zurück, braun gebrannt und mit einem seligen Grinsen auf dem Gesicht. Am auffälligsten war die rote Kleidung, die er trug, die plötzlich allen in der WG rosafarbene Unterwäsche einbrockte, dann, wenn eine seiner Unaussprechlichen in die gemeinsame Wäsche geriet. Stellten wir ihn deswegen zur Rede, mussten wir ihn auf seinen Wunsch hin Swami Bodi Prenh nennen (oder so ähnlich). Er sei nämlich ‚erweckt‘ worden, sagte er, und hätte sich in einen neuen Menschen verwandelt. Tatsächlich – der Junge lachte viel mehr als früher, er war anscheinend immer gut drauf, das ewige Grübeln war verflogen, und auch ich in meiner Neugier begleitete ihn gelegentlich in das Center in der Roonstraße, wo er seine zweite Heimat gefunden hatte, um herauszufinden, was mit seinem Gehirn wieso geschehen sei.

Dort im Center gab es dann Tee und vegetarisches Essen, es wurde heftig meditiert, im Fernsehen liefen ständig irgendwelche ‚Lectures‘ des bärtigen Wunderrabbis, alle lachten wie die Honigkuchenpferde und abends jobbten viele in der Bhagwan-Disco. Probleme gab es einfach nicht, ‚Das ist doch dein Ding!‘ lautete die rituelle Antwort auf alles Negative, begleitet von einem ‚Finde es selbst heraus!‘. Wer Fragen stellte, geriet unweigerlich in eine gefährliche selbstreflexive Zone: „Hast du dir schon mal überlegt, warum du mich das jetzt fragst?“. Auf alle Fragen gab es Fragen …

Für mich unverbesserlichen Heiden bestand die angenehmste Erfahrung in dem Frauenüberschuss unter diesen Mala-Behängten. Verbunden mit einem strikten Verbot, irgendwelche festen Beziehungen einzugehen, außer spirituell zum großen Bhagwan natürlich. Lauter ehemalige Psychologinnen, Lehrerinnen und Sozialwesen suchten dort regelmäßig nach Triebabfuhr, ohne mir auch nur einmal ‚Ich liebe dich‘ ins Ohr zu säuseln. Für einige Monate verwirklichte sich für mich der alte Sponti-Spruch: „Wer zweimal mit derselben pennt …“ – oft genug in einer einzigen Nacht, schließlich hatten alle Schlafräume sechs Betten. Was war ich damals noch fit!

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Verbrannte Wörter

Dienstag, 27. Januar 2009

Unsere Wirtschaftseliten – wenn jemand diese Figuren in Zeiten der selbstverursachten Finanzkrise noch so nennen will – die pflegten einen Sprachgebrauch, der von anderen Zeitgenossen wahlweise als ‘Bullshit‘, als ‘typisches Managergebrabbel‘ oder – von den willigen Nachahmern – als ‘Sprachideal‘ betrachtet wurde. Heute, wo diese Eliten sich eher als neoliberale Geisterfahrer auf dem Highway Richtung Zukunft erwiesen haben, da will ihr Gebrauchtvokabular in den Hirnen des Publikums nicht mehr so recht zünden. Einige Beispiele:

“Nicht zum Nulltarif zu haben”: Was war nicht alles ‘nicht mehr zum Nulltarif zu haben’: Gesundheit, Trinkwasser, Heizenergie, Transport von A nach B – jede Erhöhung der Preise durch private Investoren wurde von diesem Spruch begleitet. Heute dagegen wären selbst isländische Banken zum Nulltarif zu haben, Pessimisten reden von ganzen Staaten, die demnächst zum Schnäppchenpreis auf den Markt kommen sollen. Kurzum: Diese Redewendung entlarvt jeden Sprecher als hoffnungslos hinter der Zeit zurück …

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Das Brabbeln der Nörgler

Dienstag, 07. Oktober 2008

In dichten Schwärmen kämen die bösen Anglizismen auf uns zugebraust, sie würden unsere toitsche Sprache mit ihrem Gift kontaminieren und uns in ein denglish daherstammelndes Kolonialvolk der Amerikaner verwandeln. Das – auf den Kern reduziert – ist in etwa die Botschaft der Sprachnörgler aus dem Verein für deutsche Sprache.

Wäre es so, müsste sich die These ja leicht überprüfen lassen – zum Beispiel mit Hilfe von Lothar Lemnitzers ‘Wortwarte’, die alle neuen Wörter (Neologismen) getreulich sammelt, so wie sie in Deutschlands Medien zu finden sind. Zuletzt fand der Herr Professor Lemnitzer dort – am 2. Oktober 2008 - 45 Neubürger unserer Sprache, unter ihnen ganze fünf Denglish-Vokabeln und vier Zwitter, also Neukombinationen aus englischen und deutschen Wortbestandteilen.

36 der neuen Vokabeln aber sind gute, sesshafte Germanen, keine dahergelaufenen Angelsachsen oder lassoschwingende Präriebarbaren: vom ‘Apfelgehör’ über das ‘Flüsterauto’ bis zum ‘Zockoholiker’. Der VDS möge sich also zurücklehnen und beruhigen, seine Befürchtungen sind völlig gegenstandslos, sie entspringen blanker Paranoia …

Das Denglishe im Englischen

Freitag, 03. Oktober 2008

Es gibt schon geniale Adressen Internet: Eine von ihnen ist das Urban Dictionary. Wer dort hineinschaut, wird feststellen, dass das Amerikanische daheim bei Uncle Sam schneller mit Anglizismen geflutet wird, als ein wortwilliger Marketingabsolvent sie sich bei einem ‘Meeting’ jemals notieren könnte. Vor allem aus dem Bereich des ‘Downtown’ amerikanischer Innenstädte stammen die neuen Pferde im Stall – und aus den Jugendkulturen, dort, wo das Pidgin der Sprachen brühwarm entsteht. Ein paar Beispiele für bildkräftige und durchsetzungsfähige Wortprägungen, die den Alltag ins Sprachbild setzen:

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Neue Wörter liebt das Land

Mittwoch, 10. September 2008

Im Beitrag zuvor hatte ich mich ein wenig lustig gemacht über jene Retro-Sprachler, die in ihrem Kampf gegen das ‘Denglishe’ immer nur auf Vorhandenes und ‘Bewährtes’ zurückgreifen möchten. Dabei produziert die Sprache, auch die deutsche, ständig neue Wörter. Woher kommt also dieser Irrglaube, man dürfe der Flut der Anglizismen nur mit Vorhandenem aus der Zeit Hermann des Cheruskers begegnen? Ich vermute mal, aus einer generell wertkonservativen Grundhaltung heraus, die nibelungentreu den eigenen Wortbestand unter Naturschutz stellen möchte.

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Da muss ich jetzt durch!

Dienstag, 09. September 2008

Wenn einige Sprachpfleger, deren Wollen das Können weit übertrifft, wenn die sich ‘Verein für deutsche Sprache’ nennen, wenn sie unter dem schönen Titel ‘Lichtblicke’ ihre fragwürdigen Erfolge auch noch akribisch auflisten, so dass mir beim Blick in dieses grelle Licht glatt das Sprachgefühl erblindet, dann werde ich misstrauisch:

Die Firma Olivenöl-Kontor verzichtet mit Rücksicht auf den VDS kein ‘Weihnachtsspecial’ an, sondern ein ‘Weihnachten-ist-ja-nur-einmal-im-Jahr-Angebot’“. Ja, was ist das denn? – Eine grammatische Schlachteplatte? – Wie heißt dieser Verein? – Verein für deutsche Sprache? – - – Gott sei mit euren Mühen, ihr Müffels, und lang lebe das sprachnationale Prekariat!

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