Artikel mit ‘Politikersprache’ getagged

Großes Daumenkino

Donnerstag, 19. Januar 2012

Den Titel des kreativen Metaphernklempners errang in dieser Woche ein Häuptling der niedersächsischen Wegschmelz-Partei, als dort im Landtag über die ‘Causa Wulff’ debattiert wurde. Dort trug ein gewisser Christian Dürr, FDP-Fraktionschef ausweislich der Titelei bei ‘Phönix’, in die dahinplätschernde Debatte höchst windschiefe Bildlichkeit hinein:

“Ihr moralischer Zeigefinger ist ganz großes Kino.”

Jawollja – wenn dem Zuschauer gar kein Bild mehr vor Augen tritt, weiß der am ehesten noch, was vermutlich gemeint wäre. Denn ewiglich versuchen diese oppositionellen Dreckschleudern doch nur, mit gerecktem Langfinger den argumentativen Bodensatz von ihrem trüben Lügengebräu zu schöpfen, um daraus politischen Honig zu saugen, während der doch bloß auf sie selbst zurückfällt! So ähnlich jedenfalls …

Die FDP fremdelt

Montag, 16. Januar 2012

Wenn das so weitergeht, dann kann das … den Sieg bei der Landtagswahl kosten … Egal wo wir mit den Bürgern diskutieren – es geht um Sitte, Anstand und Moral”, sagte Kubicki.

Wir schließen daraus messerscharf: Der organisierte Liberalismus kennt semantische Wiesen und Felder, wo ihm das Gras einfach nicht schmecken will. Und kaum denken einige an “Ethik”, sind wieder tausend liberale Wählerstimmen futsch …

Dichter Niebel

Samstag, 31. Dezember 2011

Zum Jahreswechsel hier das entschlossene Statement eines geborenen Wolkenschiebers und Tatsachendrehers aus jenem Klüngel, der sich einst als jedermanns Wunschpartner und lauthälsige Stimme zur letzten Vernunft zu positionieren trachtete:

Im SPIEGEL fordert FDP-Spitzenmann Niebel CDU und CSU auf, den Liberalen entgegenzukommen. Schließlich sei die Union darauf angewiesen, dass auch der Partner mit einem “guten Ergebnis über die Ziellinie gehe”.

Soso – ist sie das? Bei solch gewagter Sprachakrobatik beginnt für mich dann immer die politische Reise nach Jerusalem. Wo notorisch die Wahrheit keinen Stuhl mehr vorfindet, während alle anderen an ihren Posten kleben. Fakt ist: Die Union ist längst nicht mehr auf das Liberallala ‘angewiesen’, schon gar nicht in dessen komatösem Zustand. So pfeifen es die Spatzen von Berlins Dächern. Die Schwarzen sind faktisch und unentwegt in alle anderen Richtungen am Sondieren. Wowis rasante Kehrtwende ist doch nur das Vorspiel neuer Konstellationen gewesen.

Unverdrossen aber etwas in Sprache zu hüllen, was längst dem Realitätsempfinden des Publikums mit dem Mors ins Gesicht springt, das dürfte derzeit das größte Problem des Patienten FDP sein – wie auch das des Dichters Niebel: Erst gilt es mal, auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. Nach unsanftem Aufprall kann man versuchen, wieder erste kleine Brötchen aus liberalem Brotteig zu backen, aus dem echten, und nicht aus neoliberaler Blähware.

Allen Lesern des Stilstandes einen guten Rutsch …

Realsatire

Sonntag, 30. Oktober 2011

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, die sind poetologisch oder in der gewohnten Schriftform gar nicht zu toppen oder: Wofür sie besonders schwärmen, ist’s, alten Käse ewig aufzuwärmen. Und zwar in möglichst schlechter Sprache und ausgelutschtesten Kalauern – vielleicht aber redet man heute auch nur noch so daher: “Was wir am Ende gebrauchen, ist ein Wirtschaftssystemen, was nicht am Ende drei Stufen weniger, sondern Wohlstand vor alles stellt”. Ja, denn man tau, oder wer nichts wird, wird Volkswirt – blamiert haben sich da übrigens alle Parteien …

Via: Spiegelfechter

Doppelte Maßstäbe

Montag, 17. Oktober 2011

Manche Sätze unserer Politiker, vor allem, wenn sie zuckersüß mit moralischem Anspruch locken, klingen nur noch seltsam und ‘queer’, wenn sie auf einen anderen Kontext treffen – zum Beispiel auf die Vorgänge im eigenen Hometurf:

Die Schülerlotsen

Freitag, 16. September 2011

Auf den Weg gebracht!” – kaum eine Plattitüde duftet so streng nach Parlament und Ausschusswesen, wie diese rundgeschliffene Perle des politischen Sprachgebrauchs: “Das Bundeskabinett hat gestern eine Änderung bei der Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen auf den Weg gebracht.”

Heute ist es nicht länger Hauptaufgabe der Politik, etwas zu erreichen oder ein Projekt bis ins Ziel zu bringen. Es genügt, ihm den richtigen Weg zu weisen, dann vielleicht noch ein kleiner Schubs, und schon muss das politische Baby auf eigenen Füßen gehen. Einer weiteren Bemutterung durch die Politik bedarf es nicht:

“Gut zwei Monate sind vergangen, seitdem der Bundesrat das Gesetzespaket zur Energiewende auf den Weg gebracht hat.”

Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich regelhaft die Schwachstelle dieser Stanze, ihre immanente Fragwürdigkeit: Denn warum hören wir in der Folge so rein gar nichts mehr von dem, was von solchen ‘Entscheidern’ einst auf den Weg gebracht wurde? Wie lang ist überhaupt dieser Weg? Ist ihn schon jemals jemand zu Ende gegangen? Und was wird am Ende vom Selbstläufer noch übrig sein?

Fragen über Fragen – die dann, diesem Sprachgebrauch zufolge, allesamt nicht mehr Aufgabe der Politik sind. Denn sobald eine Initiative ‘auf den Weg gebracht’ wurde, endet der politische Sektor. Obwohl die Leichen derer, die von der Politik auf den Weg gebracht wurden, zu Tausenden den Straßenrand säumen …

Joan Maynard

Dienstag, 30. August 2011

In Sachen Europa werden die Schwarzgelben aus Vernunftgründen jetzt etwas tun wollen müssen, was sie aus Ideologiegründen nie zulassen wollen dürften. Das verdutzte Publikum jedenfalls freut sich schon mal auf den Flicflac zu Euro-Bonds und politischer Union. Vermutlich wird er in jenes gewohnt merkelianisch-sibyllinische Spreizvokabular gefasst, bei dem sich politische Ratlosigkeit auf bewährte Weise hinter relativierenden Relativsätzen relativ gut aufgehoben wähnt. In der Hoffnung, dass dieses verfluchte Buffalo bald erreicht sein möge …

Sarah Palin redet

Montag, 07. Februar 2011

Und zwar exakt so, wie ihre Anhängerschaft denkt – im schönsten Krausimausi-Stil:

“Und keiner hat bisher, keiner hat dem amerikanischen Volk bisher erklärt, was sie wissen, und sie wissen sicher mehr, als der Rest von uns weiß, wer es sein wird, der die Stelle von Mubarak einnehmen wird, und nein, nicht, nicht wirklich begeistert darüber, was es ist, das auf der nationalen Ebene und aus Washington getan wird, um die ganze Situation da in Ägypten zu verstehen.”

Wow, diese Pointen, diese treffsicheren Bonmots, diese Zitierfähigkeit all ihrer Aussagen! Kurzum: Alle Brabbels verehren die Brabbels wegen deren Gebrabbels als ihresgleichen …

Beliebigkeit

Mittwoch, 02. Februar 2011

Parteiprogramme sind bekanntlich eine Wundertüte. Die einzelnen Punkte in ihm sollen niemanden unnötig vergraulen und es möglichst allen recht machen. Die Folge: Beliebigkeit, Rumsülzen und Nouvelle Vague aller Orten. Den Vogel schießt mit ihrem wohlig Rundgelutschten aber derzeit die Hamburger FDP ab. Deren Euphemismus-Strategen produzierten sprachlich erstmals ein Wahlprogramm ohne alle Ecken und Kanten:

JA zu Kindern und Familien für Hamburg
JA zu verlässlicher Bildungspolitik
JA zu Arbeitsplätzen in Hamburg
JA zu Wissenschaft und Forschung
JA zur Verkehrspolitik mit Augenmaß
JA zu Freiheit und Sicherheit
JA zur Kulturpolitik
JA zum Sparen durch weniger Bürokratie
JA zur Umwelthauptstadt 2011
JA zur Vielfalt in unserer Metropole

Ja, ja, ja! Ich weiß auch nicht, warum mich dies kapitale JA so sehr an das IA des Esels erinnert. Hinter jeden Punkt ließe sich die rhetorische Frage stellen: “Ja, wer denn nicht?”. Nix mehr findet sich dort von “Mehr Netto vom Brutto” oder “Leistung muss sich wieder lohnen”, den üblichen liberalen Wunderelixiren, an denen die Welt doch immerdar genesen soll. Buchstäblich alle Aussagen könnte auch jede andere Partei unterschreiben, ja, selbst noch der Autonome aus dem Schanzenviertel. Dieses Programm gleicht einem Miststreuer, mit dem der Bauer über den Acker fährt, um unterschiedslos alles zu düngen, das Unkraut wie den Weizen. Mit einem “JA” als einziger Sachaussage jedenfalls wird das nichts. Denn Beliebigkeit ist nur ein anderes Wort für den Verzicht auf jedes Profil. Die Hamburger FDP möchte auf den Filzpantoffeln eines bloßen JA an die Macht …

Naturkunde à la Guttenberg

Sonntag, 16. Januar 2011

Der aufklärungsbegierigen Menschheit verkündet unser allwissender Studienrat jetzt vom Katheder herab: “Taliban machen keinen Winterschlaf.”. Mal abgesehen von dem kranken Verb ‘machen’ – Pinguine, Manager, CSU-Mitglieder, Roma oder Fernsehmoderatoren versinken zum Beispiel auch nie in Winterschlaf … nur werden solche blanken Selbstverständlichkeiten nicht auch noch gedruckt und so zur ‘Politikerweisheit’ aufgeblasen. Da kaufe ich mir doch lieber ‘ne richtige Sülzwurst …