Artikel mit ‘Public Relations’ getagged

Wohlgetöse im Gekröse

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Kanzlerin Angela Merkel ringt momentan Tag und Nacht um die Rettung unseres Wohlstands. In Deutschland wird das nicht gesehen, geschweige denn wertgeschätzt.

Ach, wie sie dort ringt, besonders nachts, und wie sie den Sarkozy gerade mit einem derivatären Riesenhebel und mit gekonntem Hüftwurf auf die diplomatische Matte warf – tscha, Hofjournalismus, Geflöte oder Mausitum hieß diese devote Stilform früher mal, heutzutage fiele mir eher etwas Spinndoktorisch-Proktologisches ein …

Es heißt ja auch ‘Wirtschaftsteil’

Freitag, 14. Oktober 2011

Die Medien werden zusehends zu Wasserträgern der Unternehmen.”

Der FDP ins Stammbuch

Dienstag, 06. September 2011

Nur im Fantasialand des Marketing und der Public Relations kann man die Richtung wechseln, ohne dabei die Richtung zu wechseln.

Wo Blicke schaufeln

Mittwoch, 22. Juni 2011

Mit Gründerszenes neuem Top-Level-Führungskräfte-Seminar “Vision vs. Daily-Business” wird ein tiefschürfender Einblick in die Komplexität eines jeden Führungskräfte-Alltags gebracht.”

Ah, ja – ein ‘Einblick’ wird also ‘gebracht’, vermutlich schon auf der Bahre, aber unverdrossen die Schaufel in der Hand, damit der Patient nach der versprochenen Visions-Bonanza ‘tief schürfen’ kann. Und keine dieser ‘Top-Level-Führungskräfte’ merkt, welch sprachlich-metaphorisches Placebo ihnen hier aufgetischt wird. Vermutlich sind sie schon völlig abgestumpft, angesichts der ‘Komplexität ihres Führungskräfte-Alltags’, wo – klipperdiklapp! – nahezu stündlich solche Unanschauerlichkeiten einzutreffen pflegen …

Die große Missachtung

Mittwoch, 22. Juni 2011

Über Fernsehausstrahlungen zu schreiben, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom reinen journalistischen Handwerkszeug absieht.

Na, wenn das der Niggemeier hört! Da häkeln wir uns doch gleich einmal ein paar Merksätze ähnlichen Kalibers:

Romane zu schreiben, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein imaginativen Handwerkszeug absieht.

Patienten zu operieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein chirurgischen Handwerkszeug absieht.

Gottes Wort zu verbreiten, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein theologischen Handwerkszeug absieht.

Ein Volk zu regieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein politischen Handwerkszeug absieht.

Ein Hochhaus zu bauen, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein architektonischen Handwerkszeug absieht.

Ein Bild zu malen, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein künstlerischen Handwerkszeug absieht.

Und wie Dieter Petereit daher zu logikolieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man mal von einer intellektuellen Basisausstattung absieht. Per Exklusion (‘wenn man mal *vom Entscheidenden* absieht‘) beseitige ich zappzerapp das einzig valide Argument, indem ich es satzlogisch entwerte und randständig mache – und darf dann ungeprügelt die wildesten Sachen behaupten … zum Beispiel so etwas: “Smashing Apps hat 50 Photoshop-Webdesigns samt detaillierter Anleitungen aufgestöbert. Inspiration und Know-How-Gewinn sind garantiert.” Klar, solche garantierten Wortschätze rieseln natürlich nicht jedermann aus der löchrigen Content-Tasche, wie einst dem Missionar die billigen Perlen am Negerstrand. Und der Schreiberling in der Texterhölle dort bei AOL, der hat doch selbst schuld, wenn ihm so etwas Gediegenes nicht gelingt. Mich jedenfalls döcht bis auf weiteres, Marketing und Public Relations seien ein höchst infantiles Tick-Trick-und-Track-Spiel – mit einem hohen zynischen Anteil.

Hirnschmelze?

Mittwoch, 25. Mai 2011

Corium – wie schön, mal wieder ein neues Wort für meine Sammlung! Es klingt nach fachlicher Kompetenz und weißen Laborkitteln, ähnlich wie Aluminium, Deuterium oder Helium. Leider suggeriert es diese klinisch-aseptischen Eigenschaften nur: Corium ist schlicht ein Kunstwort, das – abrakadabra! – aus dem ‘Core’ für den Reaktorkern und einer latinisierenden Endung hervorzaubert wurde, um wissenschaftliche Beherrschbarkeit vorzugaukeln. Jenes Corium, das es jetzt am Reaktorboden zu kühlen gilt, ist nachwievor nichts anderes als eine wilde Mischung aus radioaktiven Isotopen, die sich wie glühende Lava durch die Druckbehälter von Fukushima nagen. Dem gemeinen Volk ist dieses Corium übrigens längst als “Kernschmelze” bekannt … was zugegebenermaßen nicht ganz so nett klingt.

Kartoffeldruck

Mittwoch, 11. August 2010

Wer keine eigene Meinung zur Hochstrecke bringt, der kauft sich eben eine. Zum Beispiel am Kiosk das neue Heft von GQ. Im schönsten kurzatmigen Klempner-Deutsch verrät der Verlag darin seiner wissbegierigen Angestelltenkundschaft – auch ‘High Potentials’ genannt -, „was Mann sein [sic] heute ausmacht: in der Mode. In der Liebe. Im Lebensstil – in alldem also, was man modernes Leben nennt.” Jaja, wieder mal sieht sich der Mann reduziert auf Styling und Poppen … das füllt das bienenfleißige Leben der geschniegelten Anzugständer neben vielen Überstunden dann restlos aus.

Die fixe Idee der Heftchenmacher bei ihrem raffinierten Meinungsbildungsplan ist es wohl, dass der Käufer, diese angestellte Service-Kartoffel, ihrem redaktionellen Stichwortgeber alles nachmachen und nachkaufen möge, bloß um hip und lockstoffreich aufs künftige Eigenheim-Weibchen zu wirken: Im Kern geht es um geistige Konfektionsware und mentales Copy & Paste – oder um Kartoffeldruck. Das ist jedenfalls meine Meinung … der ich mir noch eine eigene leisten kann, weil ich mir das Geld für GQ spare.

Womit aber wollen sie ihre Zielgruppe meinungsdefizitärer Testikelträger ködern? Auch das plaudert der Verlag freimütig aus: nicht mehr mit “große(n) Optiken, dafür viel Text, Lifestyle und Meinungsstücke”. Nun mag meine Logik nicht mehr fabrikneu und frisch von der Meinungspresse zur Uniform aufgebügelt sein, aber zwischen dem Verzicht auf ‘große Optiken’, also auf die nichtssagenden Vierfarb-Doppelseiten, und ‘viel Text’ scheint mir doch dann ein logisch-handwerklicher Widerspruch zu existieren, wenn es anstelle dessen plötzlich “unzählige Anzeigen-Doppelseiten” gibt, deren reich bebilderte Buchstabensuppe der gebildete Mensch zumeist doch gar nicht mehr Text nennen mag.

Zu den ‘archetypischen’ Stories des Heftleins, die ‘das Neue’ vorbildlich illustrieren sollen, zählt die Redaktion die Titelgeschichte „100 Ideen, die das Leben spannender machen“. Für mich müffelt gerade das Beispiel doch streng nach dem Opa Markwort vom dahindarbenden ‘Focus’ und seinen “hundert besten Badeseen”. Aber das ist schließlich nur meine Meinung – und ich neige mich natürlich vor der überlegenen Kompetenz der Blattmacher und stelle meine Bedenken hiermit ausdrücklich bis zum nächsten Re-Design zurück. Denn das, worüber der moderne Mann sich künftig eine Meinung bilden soll, das trifft sich bei GQ doch in nahezu idealer Weise mit den Interessen der werten Werbekunden: “Die „GQ“ ist nun unterteilt in die Rubriken „Gentlemen“, „Business“, „Home“, „Mobil“, „Coach“, „Style“, „Care“ und „Agenda“. Und darum geht’s ja schließlich im modernen Qualitätsjournalismus … oder etwa nicht?

Mit Verlaub …

Samstag, 26. Juni 2010

Hier ein weiteres schönes Beispiel aus der wildwuchernden und nicht abreißenden Reihe gedankenamputierter Metaphorik, im Volksmund auch ‘PR-Sprache’ oder ‘Gesülze’ genannt:

“Gerade “Stuttgart 21″ ist ein emotionales Feuerwerk.”

Mit Verlaub, bei allem Gründerstolz und aller Selbstgewissheit zum Trotz, Herr Architekt: Ein Feuerwerk tief unter dem Stuttgarter Pflaster? Sieht das da denn jemand?

‘Wording’?

Dienstag, 22. Juni 2010

Der Leiter des FAZ-Hauptstadtbüros, Günter Bannas, hat sich über die ‘mangelnde Akzeptanz’ im Volk für politische Reformvorhaben höchst elitäre Gedanken gemacht. Er schiebt die Schuld auf ein unpassendes ‘Wording’ der geplanten Einschnitte. Wobei das ‘Wording’ jenen Irrglauben politischer Marketing-Fachleute bezeichnet, die unverdrossen der festen Überzeugung sind, man müsse nur ein perfekt ‘designtes’ Vokabular verwenden, um jede Schweinerei im Volk durchsetzen zu können. Alles Scheitern oder Gelingen in der Politik wäre demnach eine Frage des einheitlichen Wortgebrauchs. Der grundlegende Fehler Angela Merkels sei es beispielsweise, dass sie unvernünftigerweise von einem ‘Sparpaket’ spreche, statt vernünftigerweise von einem ‘Zukunftspaket’, wie es der brave Herr Kauder tut:

“Selbst im sogenannten „Wording“, also der Verbalisierung politischer Ziele, werden Differenzen deutlich, wenn es nicht abgestimmt ist. So bezeichnete unlängst der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Kauder in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Verabredungen der Regierungskoalition ausdrücklich als „Zukunftspaket“ – offenbar um dem Ganzen überwölbende Hoffnung zu geben. Frau Merkel benutzte im Gespräch mit dieser Zeitung den Begriff „Sparpaket“. Äußerungen in der Bundesregierung gibt es, Frau Merkel tue sich mit ihrer zur Rationalität neigenden Rhetorik schwer, für die in Aussicht genommenen Projekte zu werben und Sympathien zu wecken. In der Gesundheitspolitik habe die Koalition den Streit um Begriffe schon verloren – weil und solange die CSU, ganz im Widerspruch zur Bundeskanzlerin, diffamierend von einer „Kopfpauschale“ spreche.

Es wäre demnach das Geklingel der Worthülsen, das die Verhältnisse zum Tanzen bringen kann, ein recht platziertes Wort, und die ungerechtesten Vorhaben würden wahr. Dies ist eine idealistische, ja geradezu klippschülermäßige Sicht der Dinge, weil sie den Aspekt der menschlichen Erfahrung völlig außer acht lässt. So weiß bei einer rosarot und positiv dahergesülzten ‘Reform der Unternehmensstruktur’ heute sogar der dümmste Arbeitnehmer – und zwar aus eigener, bitterer Erfahrung -, dass er schon bald massiven Arbeitsplatzabbau und Lohnverschlechterung am eigenen Leib verspüren wird.

Man könnte geradezu eine Gegenthese formulieren: Durch das überhandnehmende ‘Wording’ werden die Ziele, die kommuniziert werden sollen, dem ‘Volk’ immer verdächtiger und fadenscheiniger. Aus Erfahrung haben die Menschen gelernt, dass aus wohlklingenden Wörtern selten etwas folgt, was ihnen auch wohl tut. Diese Wörter sind für sie längst ins Lager der Lüge gewechselt. Deshalb ist ein Wort wie ‘Reform’ heute verbraucht wie ein ausgelutschtes Kaugummi. Die ‘Frames’, die Muster im Gehirn der Menschen, sind inzwischen so gepolt, dass der hageldichte Verbal-Dreck eines weichgespülten Himbeertoni-Gewäsches nur noch Aversion erzeugt und die Alarmglocken schrillen lässt. Dieser einst so probate Sprachgebrauch ist längst ‘durchschaut’.

Man könnte es auch so ausdrücken: Durch die faktischen Resultate des gesellschaftlichen Handelns hat sich das verschleiernde politische Phrasen-Gebimmel, fachgerecht ‘Wording’ genannt, selbst all seiner Wirkungsmöglichkeiten beraubt. Dank der Macht gegenteiliger und realer Erfahrungen: Je schöner es klang, desto hässlicher waren regelhaft die Folgen … und genau deshalb wirken die verführerischsten Schalmeienklänge der Rattenfängerzunft nicht mehr. Das Volk pfeift sich längst einen eigenen Reim darauf.

“I had a dream!”

Donnerstag, 25. März 2010

Dies ist eine moderne Fabel: Am Anfang hatte ein frisch gekürter amerikanischer Verleger nächtens einen feuchten Traum. Er feuerte am nächsten Tag ungefähr sechs Siebtel seiner Mitarbeiter – und malte sich als erstes ein dickes Plus auf die Einnahmeseite. Aber irgendetwas aber musste er ja jetzt verkaufen, sonst würde das nichts werden am Jahresende mit den dicken Boni:

“Die Kurzform des Konzepts, mit dem AOL nach Abspaltung von Time Warner selbst an der Börse reüssieren w[ollte]: Eine Software filtert aus dem Internet die gerade aktuellen Schlüssel- und Reizwörter heraus, ein Heer von freien Schreibern liefert Texte dazu, die wiederum nach dem Erfolg bei Klicks und Werbung honoriert werden. … Wer auf einer bestimmten Seite werben will, kann einen passenden Promotion-Text selbst einfügen oder passgenau dazubestellen; gegen Bezahlung natürlich.”

Dann lief auf dem legendären texanischen South-by-Southwest-Festival die nächste Folge dieser modernen SEO-Seifenoper – es war sozusagen die Nagelprobe, ob sich mit zusammengegoogeltem Bot-Wissen und PR-Lyrik am Ende sogar publikumswirksamer Journalismus statt bloßem Klickidiklick-Patchwork erzeugen ließe. Fazit: Der Schuss ging gewaltig in den Ofen, die intellektuelle Ware erwies sich als leicht verderblich, der Geist verweigerte sich mal wieder den neoliberalen Weltgesetzen – und mit allen verfügbaren Fingern zeigt unser Verleger jetzt auf andere, auf ‘seine Leute’ nämlich:

“Tim Armstrong, Chef des als Medienunternehmen neu strukturierten Internet-Riesen AOL, zeigt sich bestürzt (“horrified”) über die Leistungen seines Teams: Er f[indet] die Berichterstattung … chaotisch und unausgegoren.”

So chaotisch und unausgegoren wie Google höchstselbst vermutlich, wo die meisten Suchanfragen noch immer das Thema ‘Porno’ und Artverwandtes betreffen. Bei Valleywag machen sie sich nur noch lustig über diesen Armstrong, der nie auf dem Mond gelandet ist, obwohl er doch offenkundig auf dem Mond lebt, inmitten von Bergen aus Excel-Sheets, die ihm mittels der tollsten CEO-Erfolgsformeln allesamt sagen, dass alles gaaanz wunnebar hätte laufen müssen sollen.

Der gesunde Menschenverstand, also nicht derjenige unserer ökonomistischen Mondkälber, der lacht sich derweil schlapp und sagt prustend jedem Erstklässler: “Ohne gute Schreiber kein guter Text, ohne guten Text keine treuen Leser, ohne treue Leser keine willigen Anzeigenkunden.” Anders ausgedrückt: Das Geschäft kommt im Journalismus immer erst ganz zum Schluss, und ein Journalist läuft auch nicht der ‘Awareness’ hinterher, er schafft sie, und das zu nahezu jedem beliebigen Thema durch die Art seines Schreibens – fragt sich, wann wohl der Herr Armstrong erstmals auch zu diesem Schluss kommen wird:

“Naive editors? Who “thought it was ready to go live” and just have such low standards for their expectations for content that it took this magnificent CEO to swoop in and “catch that issue”? How about the fact that paying less-than-professional “writers” a pittance to turn in thousands of “stories” is just a stupid attempt at compiling content which defies editorial oversight? Crowdsourcing on the cheap makes not a curated, well-organized content-site …”

Merke: Nur weil du CEO geworden bist, und deinen Hayek und Friedman herbeten kannst, heißt das noch lange nicht, dass du auch Ahnung hast …