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Nullsätze häkeln

Dienstag, 24. Januar 2012

In seiner eindrucksvollen Rede beleuchtete er viele Aspekte des modernen Lebens, die das wache Interesse eines zutiefst gebannten Publikums fanden.”

“In diesem festlichen Rahmen hatten die Gastgeber ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, wo in sinnverwirrender Folge ein Höhepunkt den nächsten jagte.”

“Er bleibt eine Figur der Zeitgeschichte, die durch ihr Handeln und ihre Standhaftigkeit unser aller Erinnerung dauerhaft geprägt hat.”

Und so weiter und so fort, patati und patata, nix Konkretes weiß der Schreiber auch nicht. Er ist und bleibt so dumm wie sein verachtetes Publikum …

Das Volk – ein Bild

Freitag, 29. April 2011

Woran zeigt sich elitärer Dünkel? Vielleicht an solchen Sätzen, wo ein Schreiber alles über die ‘Unterschichten’ zu wissen vorgibt. Faktisch aber hat er nur seine Vorurteile frisch auf Hochglanz poliert:

“Sechs Stunden Hochzeits-TV am Stück werden es am Freitag sein, die unzähligen Dokumentationen und Quasselrunden vor und nach der Hochzeit nicht mitgerechnet. Dieses Engagement ist, vorsichtig ausgedrückt, mutig. Denn das “Bild”- und “Bunte”-Prekariat, noch am ehesten empfänglich für solche Schmonzetten, weiß in der Regel kaum noch, wo auf ihrer Fernbedienung die Knöpfe fürs Erste und Zweite Deutsche Fernsehen zu finden sind.”

Mit Verlaub, bester Pöbelverächter, diese Hochzeit – die übrigens auch mir am Mors vorbeigeht – die ist doch eher das große Thema unter Zahnwaltsgattinnen, Ladeninhaberinnen und Society-Journalistinnen, die sich – “Hypa, Hypa, Hypa!” – hier ein ‘Event’ mit viel blauem Herzblut statt mit Tinte herbeischreiben. Denn das Interesse am Hause Windsor befällt quartalsweise nur diejenigen, die auch wie die Lemminge in den ‘Titanic’-Film gerannt sind. Und haben Sie sich schon mal gefragt, warum diese Kate und ihr Willi heute seitenfüllend eben auch auf den Titeln aller ‘Leitmedien’ prangen: “Countdown für das Jawort”, “Dem Jawort so nah”, “Der Prinz kütt”, “Queen schenkt Kate und William Adelstitel” … ad infinitum.

Diese voyeuristische Leidenschaft für Brautmoden und adlige Lebensplanung existiert hingegen nicht unter Bauern, türkischen Migranten oder Ein-Euro-Jobbern. Das ‘gemeine Volk’, zumindest hier bei uns in der Provinz, das interessiert sich derzeit eher für explodierende Spritpreise und die große Trockenheit auf allen Feldern. Weil daran schließlich ihre Existenz hängt.

Wer also die ‘Grünen Blätter’ liest, der muss sich diese Zeitvergeudung auch leisten können. Nebenbei bemerkt, sieht man die meisten Bild-Zeitungsleser, auf einem Haufen versammelt, noch immer im deutschen Bundestag. Das sieht im Grunde auch jeder Dösbaddel ein, nur eben kein Feld-, Wald- und Wiesen-Journalist, der sich notorisch ein Publikum imaginiert, das so nur in seinem ebenso elitärem wie unfundiertem Wolkenkuckucksheim existiert. Dass der übliche Seitenhieb auf die Öffentlich-Rechtlichen dabei nicht fehlen darf – nun ja, das gehört wohl zum Genre. Ein versteckter Geschäftssinn äußert sich hierin, nach dem Motto: Diese Hochzeit ist zwar kompletter Tinnef, aber wir hätten sie trotzdem gern ganz privat, weil nur wir den ‘Qualitätsjournalismus’ so weitherzig interpretieren können …

Wer schreibt, ist zu zweit

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Wer Texte für ein öffentliches Netztagebuch schreibt, der erfindet nicht nur sich als Person, wie es guter Brauch unter Textern ist, sondern er erdichtet immer auch einen Leser hinzu – mindestens einen. Also wird er notwendigerweise Dinge verschweigen: alles, was dann doch ‘zu persönlich’ ist. So offen ist kein Blog, dass der Schreiber diese Hemmung fallen lassen könnte, dem letzten Handtuch in der Sauna gleich. Ob ein Schreiberling seinen Leser später wiederfinden wird, ist eine ganz andere Frage. In allem aber, was er schrieb, war ihm dieser Leser ständig präsent. Nie ist daher in einem Text der Schreiber daher ‘ganz’ oder ‘ausgesprochen’ vorhanden – auch und gerade nicht in solchen ‘elektronischen Tagebüchern’ wie hier.

Ach so – ‘Hallo, liebe Voyeure da draußen!’