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Max Weber hat doch recht

Donnerstag, 22. Juli 2010

Die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung bedeutet (…) nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht. Sondern sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran: daß man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, daß es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, die da hineinspielen, daß man vielmehr alle Dinge – im Prinzip – durch Berechnen beherrschen könne. Das aber bedeutet die Entzauberung der Welt. (…) Dann allerdings könnte für die ‘letzten Menschen’ dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz, dieses Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.” (Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus)

Tscha – weit haben wir’s gebracht! Wenn diese typischen Figuren unserer durch und durch rationalisierten Moderne dann – dumpfschmerzlich ihren existenziellen Mangel empfindend – sich an einer erneuten ‘Verzauberung der Welt’ versuchen, dann reicht ihre kulturelle Potenz, historisch gesehen, entweder nur zu einem mythosbesoffenen Nationalsozialismus im wagalaweienden Wagnerkostüm oder zu einem schlechterdings tierisch-egoistischen Mammonismus, der sich aus Mangel an Geist über seine erbärmliche Existenzweise gleich gar keine Gedanken mehr zu machen pflegt …