Artikel mit ‘Rechtsextremismus’ getagged

Der Steinbach-Salto

Donnerstag, 02. Februar 2012

Dero Impertinenz belieben wieder zu delirieren: “Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI …”. Mit Verlaub, Frau Steinbach – das ist doch die Bauernfängerei bei solchen programmatischen Namensgebungen. Gerade weil die Nazis sich – arbeiterhaschend – ‘sozialistisch’ nannten, war ihre Praxis faktisch das völlige Gegenteil – durch die Bank antiaufklärerisch, antiegalitär, antimarxistisch, antiwissenschaftlich und antisozial. Man könnte ja dem Sozialismus vieles vorwerfen, zumindest hat er aber versucht, all diese ‘fortschrittlichen Traditionen’ zu beerben, die Bräunlinge hingegen dezidiert nicht. Die waren in ihrem selbsterzeugten Mythenqualm noch stolz darauf, besonders doof und ‘germanisch’ zu sein. Und ihre erste Tat bestand darin, alle Arbeiterorganisationen und auch die Bibliotheken zu zerschlagen. Im übrigen ist dieser Hang, sich selbst nett zu taufen, wahrlich altbekannt, er kennt zahllose historische Parallelen. Schauen Sie mal hier:

CHRISTLICH Demokratische Union
VOLKSrepublik Nordkorea
Deutsche DEMOKRATISCHE Republik
Initiative Neue SOZIALE Marktwirtschaft

Auch die sind schließlich all das nicht, was sie in ihre Neonreklamen schreiben. Wenn Ihnen also demnächst wieder etwas durchs Hirn wabert, prüfen Sie’s erst, bevor Sie’s ins Netz hämmern, sonst versuchen Sie noch, uns auch den Islamismus, die FDP oder Scientology als Teil einer extra weitgefassten ‘linksextremen Bedrohung’ zu verkaufen. Und dann wäre es bei Ihnen endgültig Nacht – und alle Katzen grau.

Nachtrag: Im Netz wird die Dame jetzt auch grafisch durch den Kakao gezogen

Double Talk

Donnerstag, 02. Februar 2012

Literweise fließen die Krokodilstränen, wieder einmal fühlt sich ein Mitglied der europäischen Giddel-Szene absolut unverstanden, trotz unübersehbar brauner Streifen in seinen kugelsicheren Verbalunterhosen:

“FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache spricht von einer “parteipolitisch motivierten Schlammschlacht” gegen ihn. Seine Aussagen zu den “neuen Juden” und sein Vergleich mit der “Reichskristallnacht”, dem Novemberpogrom von 1938, beim Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) seien völlig falsch berichtet worden.”

Wie aber und worin zeigte sich diese falsche Berichterstattung? Daraufhin folgt die typische Kamikaze-Argumentation jener Hirnamputierten, an die nur glauben kann, wen es nach Wissen nicht dürstet:

“Strache bestreitet die Aussagen nicht, behauptet aber, sie seien in einem Vieraugengespräch mit Klaus Nittmann, Chef des freiheitlichen Bildungsinstituts, gefallen.”

Schon klar, dann ist ja alles gut. Denn die ‘freiheitliche’ Privatmeinung ist natürlicherweise ganz etwas anderes als die wohlabgewogene öffentliche Meinung eines Männleins, das da unverdrossen meint, dass es irgendwie doch auch ein Politiker wäre wie die Großen, die ihn einfach nicht mitspielen lassen. Wer sich im kleinen Kreis als angeblich braunes Opferlämmchen outet, der muss im großen Maßstab schließlich jemand ganz anderes sein. Wahrscheinlich ein veritables Schaf …

Nebenbei, Herr Strache – nur weil der Jörg Haider vielleicht ähnlich angreifbar dahergeschwätzt hat, verwandelt sich intellektuelle Scheiße noch lange nicht in Rachengold.

Jeder Popel dichtet

Sonntag, 25. Juli 2010

Literatur ist nicht immer ‘Hochliteratur’, und sie existiert auch nicht zwangsläufig nur in Büchern. Selbst noch die grenzdebilen Hackfressen rechtsextremistischer Organisationen erdichten sich eine Welt, die nach Gesetzen von Marvel-Helden-Comics in kackbraunem Gewand funktioniert. Mit einem Conan, also einem rachedürstenden, allmächtigen Wundertäter (oder Führer) immer vorneweg, der die Welt mit seiner treuen Gefolgschaft zu retten hat. Im Kern aller rechten Mythen ersetzt eine revolutionäre Philosophie der Tat das Denken – bloßes Losschlagen, und alles wird gut: ‘Aufräumen’ wird man mit dem verhassten System, ‘Rausschmeißen’, was einem nicht passt, öffentlichen Widersprüchen endlich ‘das Maul stopfen’, ‘Niederreißen’ all das, was dem Machtrausch des braunen Gesocks im Wege steht. Das allein wären dann schon jene ‘nationalen Taten’, deren poetische Kraft wiederum geeignet ist, einem entfesselten Germanentum im Bierqualm obskurer Gasthäuser die braungestreiften Höschen zu feuchten.

Wir haben hier also die literarisch verpackte Philosophie des Wirtshausschlägers vor uns, blanke Destruktion, die sich an Blut und Trümmern ergötzt. Die Frauen hätten – nebenbei bemerkt – in dieser Welt eher die Aufgabe, dem erschöpften Krieger nach der Schlacht die Beulen und die erhitzte Visage zu kühlen. Ein Endzeit-Szenario, wie wir es aus trivialen SF-Romanen oder auch aus Computerspielen kennen, eine schlicht erdichtete oder hormonell zusammenphantasierte Welt für den muskulösen Kämpfer mit der Knarre in der Hand … eine Welt, die an utopischer Kraft gewinnt, je häufiger man sich an ihr delektiert und sich als ‘Kameradschaft’ in seinem Wollen kollektiv zutrinkt. Die reale Machtlosigkeit des Pöbels erträumt sich eine ‘verkehrte Welt’. Letzteres wiederum ein uraltes Motiv der Weltliteratur …

Vor der Wirklichkeit versagt der national-fiktionale Plot natürlich: Allein die Frage, wie man dieses ‘Ausländer raus!’ denn durchführen wolle, dann, wenn diese Ausländer längst in der dritten Generation mit deutschem Pass als gute Deutsche in diesem Toitschland leben – die fordert all diese Haudegen intellektuell dermaßen, dass wir die Synapsen britzeln hören. In der Tat läuft die einzig mögliche Antwort solch strunzblinder Aktionisten – die allerdings dann nicht öffentlich werden darf – natürlich logisch zwangsläufig wieder auf Armageddon, auf KZ und Vergasen hinaus. Es sind Tat-Besoffene und Barbaren der Jetztzeit, die sich um Kopf und Kragen delirieren.

Trotzdem ist auch deren Welt natürlich eine ‘Dichtung’, die solange kohärent erscheint, wie man in ihr gefangen ist: Wir haben es beim Rechtsextremismus mit der kollektiven Rezeption einer völkischen Literaturgattung zu tun, mit einem Mythos, geboren u.a. aus Landserheftchen und Heldenromantik. Wissenschaftlich, also beim ‘proof of the cake’,  haben all diese erdichteten Rachephantasien bisher keine Kapazität jenseits der Maulwurfperspektive hervorgebracht, nichts, was in irgendeiner Form intellektuell satiskationsfähig wäre. Und ästhetisch kommt auch nur ein Frank Rennicke dabei heraus, der zwar den Ton des Bierzelts zu treffen weiß, aber keine Töne. In Hinsicht auf Wissenschaft und Ästhetik war der Rechtsextremismus schon immer impotent.

Die geforderte ‘sozialromantische Tat’ muss sich, weil wirklichkeitsflüchtig, dann ersatzweise fiktional in poetischen Szenen und Drehbüchern ausleben, die aber visionär niemals weiter reichen als bis zum ‘Endkampf’ und vielleicht einer erträumten Siegesfeier danach, mit Wein, Weib und Gesang. In praktischer Vorwegnahme dieses Paradieses erfreut man sich gelegentlich schon mal an einem höchstselbst zusammengeprügelten Ausländer, einem Punker oder sonstigem Penner …

Kurzum – Rechtsextremismus ist vor allem eins: schlechte Literatur!