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Mit einer Unze Denunze …

Donnerstag, 26. Januar 2012

Man könnte jetzt meinen”, “Es scheint so”, “Das wirkt wie”, “Auf den ersten Blick” … im journalistischen Sprachgebrauch gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, Sachverhalte, die einem nicht in den Kram passen, durch einen kleinen ‘Vorreiter’ unterschwellig zu bestreiten, ohne sie ausdrücklich und argumentativ demontieren zu müssen. Der Schreiber stellt den Leser gleich anfangs in die erwünschte Positur zum Sachverhalt.

Dass bspw. die USA ein Gerechtigkeitsproblem haben, wäre faktisch kaum zu bestreiten, ziehen wir uns die harten volkswirtschaftlichen Daten über Einkommensentwicklung, Steuerlast etc. aus der Schublade. Allerdings passt solche Faktizität manchmal nicht zum politischen Programm, wie in diesem Fall beim ‘Cicero’. “Was tun?”, sprach schon Lenin, ein Autor, der in diesem Fall Christoph von Marschall heißt. Unser Schreiber greift zum kurrenten Kleingeld jedes Stilisten, und zieht sich eine altbewährte Denunze aus der Tasche:

“Mitt Romneys Steuererklärung wirkt wie der Beweis, dass Amerika ein Gerechtigkeitsproblem hat.”

Was hat er gesagt? Es ‘wirke’ nur so, hat er gesagt. In Wahrheit zwinkert er dem ideologisch gleich gepolten Leser aus besseren Kreisen Anderes, ja Gegenteiliges behauptend zu. Dabei lautet doch der Satz, formuliere ich ihn objektiv auch nur halbwegs tragfähig: “Mitt Romneys Steuererklärung liefert den Beweis, dass Amerika ein Gerechtigkeitsproblem hat.

Alles nur relativ!

Samstag, 14. Januar 2012

Klar – entschuldigen lässt sich sprachlich vieles, auch gewaltsam, wie hier durch Thomas Fricke von der FTD. Wie’s dann rüberkommt, ob skurril oder staatsmännisch, das wiederum ist eine andere Frage:

“Um eins vorwegzunehmen: Dieser Bundespräsident ist eine ziemliche Null. Was er gemacht hat, ist blöd. Klar, auch die Salamitaktik. Und viel Schlaues hat er auch nicht gesagt, erst recht nicht zur Krise. Ein Ausfall. Trotzdem …”

Dieses “trotzdem”, das wie eine Narrenschelle am Text baumelt, hat einfach Klasse. Was mache das schon, wenn unser Staatsoberhaupt eine blöde Null und ein Totalausfall sei, argumentiert hier unser Krawallrelativierer. Der Schreiber macht zunächst dem desolaten öffentlichen Bild von Krischan, dem Leitwulff, Konzessionen bis zur Unterkante Oberlippe, um mittenmang plötzlich mit Blaulicht und quietschenden Reifen eine argumentative Schleuderkehre zu vollführen – nach diesem Muster:

“Nero war ein Sadist und Quartalsirrer – klar! Er massakrierte seine Familie, schrieb schlechte Gedichte, verachtete die Menschen und fackelte im Wahn die ganze Stadt Rom ab. Trotzdem …”

Wer will, darf das Muster gern mal mit Dieter Bohlen, Jossip Stalin, Dschingis Khan, Lothar Matthäus oder Hans-Olaf Henkel erproben …