Artikel mit ‘Richard Dehmel’ getagged

Neues aus Waldhagen

Sonntag, 29. Januar 2012

Opa Wolf Schneider, der unvermeidlichste aller Print-Dinos, hat sich mit seinen tiefschürfenden Erkenntnissen wieder mal zu Wort gemeldet. Diesmal in einem Handbuch, das sich an angehende Journalisten richten wird. Die erfahren dort u.a. folgendes:

“Die Fülle von Informationen [im Internet] verführt dazu, sich nur nützliche Nachrichten zeigen zu lassen.”

Aha! – Ich will verrecken, wenn ich verstehe, was daran ‘erschröcklich’ sein sollte, ‘Nützlichkeit’ ist schließlich ein dehnbarer Begriff. Aber egal, das Internet bleibt für unsere Cro-Magnon-Menschen im Journalismus nun mal der immerwährende Hort des Bösen:

“Das Internet gaukelt den Menschen vor, sie könnten alles erfahren, billig und schön. Doch sie erkennen nicht, was wahr ist und was falsch, sie kennen die Interessen nicht hinter der Auswahl, sie kapitulieren vor der schieren Fülle und langweilen sich über unattraktive Präsentationen mit flauen Bildern und irritierender Werbung. Die meisten Bürger haben weder Zeit noch Lust, stundenlang nach der Wahrheit zu suchen.”

Diese Erkenntnisse ebenso erkenntnisfördernd wie mephistotelisch mal ‘im Umkehrschluss’ formuliert:

“Der Holzjournalismus vermittelt den Menschen hingegen das Faktum, dass sie eben nicht alles erfahren können. Darüber hinaus wird’s allemal teuer und hässlich. Nur mit Hilfe eines ausgebildeten Steinzeitjournalisten lernen sie zu scheiden, was wahr ist und was falsch, nur mit ihm sehen sie die Interessen hinter der Auswahl, auch müssen sie angesichts der beschränkten Spaltenzahl in einem solchen Altmedium nicht länger vor der Überfülle kapitulieren, und sie können dort angeblich - öhem! - unentwegt und angeregt attraktive Präsentationen mit ganz tollen Bildern und ohne jede Werbung betrachten. Denn die meisten Bürger, unselbständig wie sie sind, haben weder Zeit noch Lust, stundenlang selbst nach der Wahrheit zu suchen, weshalb unser altjournalistisches Angebot ihnen das mühsame Selbstdenken abnimmt.” Oder so ähnlich …

Mein Gott, was für eine Horde zukunftsunfähiger und vernagelter Studienabgänger würde dort denn heranwachsen, hielten die sich an dieses Schneider’sche Lehrbuch? Da bleibt mir nur – in Abwandlung von Richard Dehmel – dieser Merkvers als Empfehlung für angehende Journalisten: “Wenn dein alter Opa spricht – glaub’ ihm nicht, glaub’ ihm nicht!

Nachtrag: Der Große Gute Wolf hat jetzt auf die Anwürfe der drei kleinen Schweinchen geantwortet – das sind natürlich alles Kommunisten, außer Pappi: “Es gibt eine Clique von Altlinken, die mich [= Wolf Schneider, den Großen] seit Jahrzehnten nicht leiden können, dann gibt es die Durchgefallenen bei der Henri-Nannen-Journalistenschule.”