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Völlig richtig, Sascha Lobo!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Diese wildwüchsig herumpöbelnden Journalisten sollten sich endlich an den gesitteten Umgangsformen im Netz ein Beispiel nehmen und ein wenig mehr Contenance einüben. Mit deiner Forderung nach einer “vernünftigen Beleidigungskultur” statt des unvernünftigen Zeterns der Pressevertreter gehe ich völlig d’accord:

“In der digitalen Öffentlichkeit muss eine vernünftige Beleidigungskultur entwickelt werden. … Dabei geht es nicht um die vollständige Abschaffung des Straftatbestandes der Beleidigung, sondern um eine fortschrittsbedingte Anpassung.”

Der Ton der Alphajournalisten aus den Holzmedien schlug längst über alle Stränge, die ganze Meute war außer Rand und Band geraten. Hier nur das jüngste Beispiel:

Broder: “Ja, Sie sind ein ungemäßigtes Arschloch!”
Student: “Sie bezeichnen mich also als Arschloch?”
Broder: “Ja, Du bist ein ungebildetes Riesenarschloch!!!” – Unruhe im Publikum –
Broder: “Du mit deinen Positionen bist ein blöder Lümmel (Pause), du bist ein linker Penner!” – Unruhe –
Student: “Würden Sie mir nochmal ins Gesicht sagen, dass ich ein Arschloch bin?”
Broder (wiederholt vier bis fünf mal): “Du bist ein ungemäßigtes doppeltes Riesenarschloch.”
Dann habe Broder den Studenten noch als Mitglied der Waffen SS und der Stasi bezeichnet.

So, wie bei den Journalisten auf dem Podium sollte es unter kultivierten Menschen wirklich nicht zugehen. Die würden uns mit ihrem Gepöbel am Ende noch das ganze Netz versauen …

Red Adair 2.0

Samstag, 14. August 2010

Unser roter Hahn des ambulanten Bloggewerbes, Sascha Lobo, scharrt unverdrossen und unentwegt im bezahlten Marketing-Mist, ob nicht auch ein Körnchen für ihn zu finden sein möge. Grenzphilosophisch verwöhnt er jetzt die Intellektualfunzeln der Werber-Zunft mit ausgewählten Modernitüden:

“[Events und Social Media] haben zwei zentrale Elemente gemeinsam. Erstens: Sowohl Events als auch in zunehmendem Maße die Kommunikation in sozialen Medien finden in Echtzeit statt. Zweitens: Beides beruht auch auf sozialer Interaktion.

Jaja – was beruht denn bitte nicht auf ‘sozialer Interaktion’? Selbst eine vergleichsweise stille Tätigkeit wie das Briefmarkensammeln kommt ohne sie nicht aus. Und bei diesem ewigen ‘in Echtzeit’ möchte man doch allmählich mal wissen, was ‘in Falschzeit’ wäre. Schmieren wir uns also selbst mal ein Schnittchen aus diesem Stoff: Erstens sind sowohl der große Nachthimmel wie auch mein kleiner Hühnerstall in Dunkel gehüllt. Zweitens kreisen die Planeten wie auch mein Reden beide ‘in Echtzeit’ durch ihre jeweiligen Kanäle. Also sind der große, stille Nachthimmel und mein kleiner, gackernder Hühnerstall “Zwillingspärchen”. Wow! Die Koinzidenz als logische Gesetzmäßigkeit – oder Syllogismenstricken für Anfänger: Hähnchen haben einen roten Schopf, ich habe einen roten Schopf – also sind wir beide Geflügel. Weiter geht’s mit Bimbambum wortbesoffen durchs Brimborium:

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Knapp daneben ist auch vorbei

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Natürlich finde ich es gut, wenn mal ein Blogger im ‘Spiegel’ auf die kulturkonservative Panik-Attacke des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher antworten darf. Nur hätte ich mir von Sascha Lobo mehr versprochen als Diskrepanzen in der Argumentation und unzutreffende historische Beispiele, garniert mit windschiefen Wortbildern.

Schirrmacher hatte bekanntlich die immerfort wachsende Informationsmüllhalde des Internet dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Menschen verändern, und er hatte die Folgen dann – unter anderem – am eigenen Beispiel festgemacht. Er käme einfach ‘nicht mehr mit’, zwischen Mensch und Maschine sei ein ‘darwinistischer Wettlauf’ entstanden. Er würde von der allgegenwärtigen Informationsüberflutung ‘aufgefressen’.

Als Hintergrundfolie zu seiner Tirade dient die wohlgeordnete Welt des ‘Qualitätsjournalismus’, wo nichts älter wurde, als die jeweils aktuelle Ausgabe einer Zeitung: Informationen kamen und gingen – ach, Kinners, wie war dat schön! Heute aber würde alles aufbewahrt – was die Hirne (zumindest seines) komplett überfordere. Hierbei beruft sich Schirrmacher u.a. auf den Philosophen Daniel Dennett, der den Menschen als ein evolutionär höchst defizitäres Wesen fasst, dessen Funktionen allesamt bloß instrumentell und intentional ausgerichtet seien, was ihn bei überbordender Information entscheidungsunfähig mache. Gut, so etwas kann man mal schreiben, will man ein wenig Endzeitstimmung verbreiten oder Katastrophenszenarios in Höllenfarben ausmalen.

Sascha Lobo durfte jetzt im ‘Spiegel’ auf dieses apokalyptische Zukunftsbild antworten, wo er es als Ikarus der Blogosphäre unternimmt, auf gleicher geistesgeschichtlicher Flughöhe das düstere Mordor-Panorama Schirmachers aufzuhellen. Zunächst stellt er die Jeremiade des FAZ-Herausgebers in eine zeitlos lange Reihe der Klagen alter Männer über eine verdorbene, nachwachsende Jugend – und landet unversehens mit Plato, Sokrates und auch uns Lesern im alten Ägypten. Der attische Straßenphilosoph hätte als Kulturkonservativer und als Geistesverwandter Schirrmachers ebenfalls einen Medienwandel, nämlich den ‘modernen’ Buchstabenglauben und die ‘aufkommende’ Schriftkultur beklagt:

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