Natürlich finde ich es gut, wenn mal ein Blogger im ‘Spiegel’ auf die kulturkonservative Panik-Attacke des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher antworten darf. Nur hätte ich mir von Sascha Lobo mehr versprochen als Diskrepanzen in der Argumentation und unzutreffende historische Beispiele, garniert mit windschiefen Wortbildern.
Schirrmacher hatte bekanntlich die immerfort wachsende Informationsmüllhalde des Internet dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Menschen verändern, und er hatte die Folgen dann – unter anderem – am eigenen Beispiel festgemacht. Er käme einfach ‘nicht mehr mit’, zwischen Mensch und Maschine sei ein ‘darwinistischer Wettlauf’ entstanden. Er würde von der allgegenwärtigen Informationsüberflutung ‘aufgefressen’.
Als Hintergrundfolie zu seiner Tirade dient die wohlgeordnete Welt des ‘Qualitätsjournalismus’, wo nichts älter wurde, als die jeweils aktuelle Ausgabe einer Zeitung: Informationen kamen und gingen – ach, Kinners, wie war dat schön! Heute aber würde alles aufbewahrt – was die Hirne (zumindest seines) komplett überfordere. Hierbei beruft sich Schirrmacher u.a. auf den Philosophen Daniel Dennett, der den Menschen als ein evolutionär höchst defizitäres Wesen fasst, dessen Funktionen allesamt bloß instrumentell und intentional ausgerichtet seien, was ihn bei überbordender Information entscheidungsunfähig mache. Gut, so etwas kann man mal schreiben, will man ein wenig Endzeitstimmung verbreiten oder Katastrophenszenarios in Höllenfarben ausmalen.
Sascha Lobo durfte jetzt im ‘Spiegel’ auf dieses apokalyptische Zukunftsbild antworten, wo er es als Ikarus der Blogosphäre unternimmt, auf gleicher geistesgeschichtlicher Flughöhe das düstere Mordor-Panorama Schirmachers aufzuhellen. Zunächst stellt er die Jeremiade des FAZ-Herausgebers in eine zeitlos lange Reihe der Klagen alter Männer über eine verdorbene, nachwachsende Jugend – und landet unversehens mit Plato, Sokrates und auch uns Lesern im alten Ägypten. Der attische Straßenphilosoph hätte als Kulturkonservativer und als Geistesverwandter Schirrmachers ebenfalls einen Medienwandel, nämlich den ‘modernen’ Buchstabenglauben und die ‘aufkommende’ Schriftkultur beklagt:
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