Denkfutter
Dienstag, 09. September 2008Es ist niemals ein Einwand des Künstlers gegen den Kritiker, daß es aber “diesen Feuerwehrmann Krawutschke mit seiner Warze am Ohr und dem verrutschten Helm so gegeben hat“. Das ist belanglos. Denn: Was im Leben besteht, braucht in der Kunst noch lange keine Wahrhaftigkeit zu haben. Das liegt am Gestalter. Sonst wäre ja der Amateur, der einfach “naturalistisch abzuzeichnen” meint (was es gar nicht gibt, nicht einmal die Photolinse ist objektiv) – dann wäre ja der der ideale Künstler. Gestalten ist: sehen – auswählen – fortlassen – hervorheben – unterstreichen – alles das und noch viel mehr. Einseitig auswählen schadet nichts. Aber nur “wörtlich kopieren” – das eben langt nicht zu.
Kurt Tucholsky